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Einstellungsgröße

Die Einstellungsgröße bezeichnet in der Filmkunst das Größenverhältnis des abgebildeten Objekts zur Kadrierung, also dem vorgegebenen Bildfeld.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Funktion
  2. 2. Wechsel der Bildgröße
  3. 3. Totale Einstellungen
  4. 4. Nahe Einstellungen
  5. 5. Großaufnahme und Detail
  6. 6. Bedeutung für Stil und Genre

Grundidee und Funktion

Die Einstellungsgröße bezeichnet in der Filmkunst das Größenverhältnis des abgebildeten Objekts zur Kadrierung, also zum vorgegebenen Bildfeld. Sie hängt davon ab, wie weit die Kamera vom aufgenommenen Objekt entfernt ist und welche Abbildungsparameter der Kamera gewählt werden. Einstellungsgrößen werden nicht nur im Film, sondern auch in Fotografie und Comic-Kunst verwendet.

Für filmisches Erzählen sind Einstellungsgrößen wichtig, weil sie bestimmen, wie viel Umgebung, Figur oder Detail das Publikum sieht. Dadurch können sie Informationen ordnen und psychologische Akzente setzen. In der Regel werden sie schon im Storyboard festgelegt. Die Grenzen zwischen den einzelnen Einstellungsgrößen sind nicht streng. Es gibt verschiedene Bezeichnungen und Schemata, regionale Unterschiede zwischen etwa USA und Europa sowie persönliche Handschriften von Regisseuren, Kameraleuten oder Filmemachern.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Bildinhalt um den fokussierten Hauptinhalt herum sichtbar ist, desto totaler ist die Einstellung. Häufig werden zwei Hauptgruppen unterschieden: totale Einstellungen, englisch long shots, und nahe Einstellungen, englisch close-ups. Zu den wichtigen Formen gehören Supertotale, Totale, Halbtotale, amerikanische Einstellung, Halbnahe, Nahe, Großaufnahme, Detailaufnahme und italienische Einstellung.

Wechsel der Bildgröße

Eine Einstellungsgröße kann innerhalb einer Aufnahme wechseln. Geschieht dies bei laufender, stationärer Kamera, spricht man von einem Zoom. Ein Wechsel kann aber auch durch eine Kamerafahrt entstehen. Bei szenischen Produktionen ist eine Kamerafahrt wesentlich häufiger als ein Zoom.

Beim Zoom verändert sich die Perspektive nicht, sondern nur der Bildausschnitt. Deshalb wird diese Methode im Artikel als flach und leblos beschrieben. Außerdem entspricht sie nicht der alltäglichen Seherfahrung des Publikums, weil Menschen eine Veränderung des Bildausschnitts instinktiv mit einer Bewegung des Betrachters verbinden.

Eine Sonderform ist der Dolly-Zoom. Dabei wird eine Kamerafahrt mit einem gleichzeitig gegenläufigen Zoom verbunden. Wenn er sauber ausgeführt ist, bleibt die Einstellungsgröße gleich. Gleichzeitig verändert sich aber die Perspektive, was ein Schwindelgefühl vermitteln kann.

Totale Einstellungen

Totale Einstellungen zeigen viel von der Umgebung und dienen häufig dazu, einen Überblick über Ort und Geschehen zu geben.

Die Supertotale, englisch extreme long shot, ELS, wird auch Weite, Panorama oder Weitwinkel-Ansicht genannt. In ihr ist eine Landschaft der Bildinhalt; Menschen erscheinen verschwindend klein. Sie kann als Establishing Shot eingesetzt werden, also als Einstellung, die das Geschehen in seine Umgebung einbettet. Als psychologischer Akzent kann sie Einsamkeit, Isolation, Fremdheit und/oder Gefahr ausdrücken, aber auch Freiheit und Unendlichkeit. Sie eignet sich außerdem, um die Tiefe einer Landschaft zu zeigen, wenn Personen sie betreten oder Fahrzeuge hineinfahren.

Die Totale, englisch long shot, LS, auch wide shot, zeigt eine Person oder Gruppe vollständig in ihrer Umgebung. Die Landschaft ist dabei nicht der Hauptbildinhalt. Der Mensch wirkt größer als in der Supertotalen, bleibt aber relativ unwichtig. Auch die Totale wird häufig für Establishing Shots verwendet. Wenn Filme überwiegend oder nur aus Totalen bestehen, wirken die Akteure unnahbar. In Dokumentarfilmen kommen totale Einstellungen häufiger vor als in Spielfilmen, weil sie einen Überblick über das Geschehen geben.

Die Halbtotale, englisch medium long shot, MLS, auch figure shot oder complete view, zeigt Figuren von Kopf bis Fuß. Sie eignet sich gut für Menschengruppen und körperliche Aktionen, zum Beispiel in der Slapstick-Comedy. In dieser Einstellung ist die Körpersprache oft wichtiger als der Dialog.

Der Full Shot ist eine besondere Form der halbtotalen Einstellung. Er zeigt nur die Personen und wenig oder gar nichts von deren Umgebung.

Nahe Einstellungen

Nahe Einstellungen rücken Figuren, Gesichter oder Details stärker in den Mittelpunkt. Sie sind wichtig, wenn Mimik, Gestik, Blickrichtung oder kleine Handlungen für das Verständnis der Szene entscheidend sind.

Der Medium Shot, englisch medium shot, MS oder mid shot, zeigt Figuren vom Kopf abwärts bis zur Hüfte. Als Anhaltspunkt dient die breiteste Stelle der Hüfte, an der die Person angeschnitten wird. Die unmittelbare Umgebung bleibt im Hintergrund erkennbar. Eine Sonderform ist die amerikanische Einstellung, englisch american shot, AS. Dabei werden Darsteller bis etwa zum Knie gezeigt. Diese Einstellungsgröße wurde oft im Western verwendet, um Cowboys zusammen mit ihrer Waffe zu zeigen.

Die Halbnahe, englisch medium close-up, MCU, entspricht dem Porträt. Die Figur wird vom Kopf bis zur Hüfte gezeigt. Diese Einstellung entspricht der natürlichen Sehsituation und wird deshalb häufig in Dialogszenen eingesetzt. Sie wird auch in geschlossenen Räumen verwendet. In der deutschen Filmproduktion spricht man dabei zum Beispiel von einem halbnahen Einer, Zweier oder Dreier.

Die Nahe, englisch head and shoulder close-up oder shoulder close-up, entspricht der Büste. Sie zeigt die Figur vom Kopf bis zur Mitte des Oberkörpers. Sie kommt etwa in Gesprächsszenen vor, wenn Mimik und Gestik wichtig sind. Das Publikum kann außerdem sehen, wohin eine Figur schaut, und daraus Schlüsse über den Fortgang der Handlung ziehen. In deutschen Filmproduktionen werden traditionell Begriffe wie nahe Einer oder Zweier verwendet.

Großaufnahme und Detail

Die Großaufnahme, englisch close-up, CU, zeigt den Kopf der Figur und einen Teil der Schultern. Oft sind Teile des gefilmten Objekts, zum Beispiel Hüte, abgeschnitten. Die Mimik steht deutlich im Vordergrund. Diese Einstellungsgröße kann verwendet werden, um Gefühle in dem Moment zu zeigen, in dem sie entstehen, oder um Handlungen sichtbar zu machen, die nur mit den Händen ausgeführt werden.

Die Detailaufnahme, englisch extreme close-up, ECU, oder choker close-up, zeigt nur einen Ausschnitt des Gesamtbildes. Beispiele sind nur die Augen oder der Mund eines Menschen oder andere wichtige Details einer Szene, etwa die Worte, die auf einem Computer getippt werden. Dadurch wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf einen sehr kleinen Bildausschnitt gelenkt. Die intensive Bildwirkung kann Intimität vermitteln oder auch abstoßend wirken.

Die italienische Einstellung, englisch Italian shot, ist eine besondere Art der Detailaufnahme. Dabei werden nur die Augen des Protagonisten gezeigt. Als bekanntes Beispiel nennt der Artikel Sergio Leones Western C’era una volta il West, deutsch Spiel mir das Lied vom Tod, in den Duellszenen zwischen Henry Fonda und Charles Bronson.

Eine weitere nahe Form ist der Talking-Head oder Talking-Head Shot. Er wird bei Nachrichten- und Sportsendungen sowie in Dokumentationen verwendet. Dabei sitzt die Person etwa 3–4 Meter vor der Kamera und blickt direkt in die Linse. In Dokumentationen spricht die Person dann reflektierend über die gezeigten Ereignisse. Dafür werden nur eine Kamera und wenige Leuchtmittel benötigt.

Bedeutung für Stil und Genre

Jede Einstellungsform eignet sich für bestimmte Zwecke besonders gut. Wichtig ist aber nicht nur die einzelne Einstellung, sondern auch der Wechsel zwischen verschiedenen Einstellungsgrößen. An solchen Wechseln lassen sich stilistische Merkmale und die Handschrift eines Regisseurs erkennen. Auch verschiedene Filmtraditionen und Filmkulturen verwenden traditionell unterschiedliche Wechsel in den Einstellungen.

Der Artikel weist darauf hin, dass die allgemeinen Aussagen in diesem Abschnitt nicht hinreichend belegt sind. Entsprechend sind sie als unbelegte Verallgemeinerungen zu verstehen.

Actionfilme oder Dokumentarfilme haben laut Artikel oft einen hohen Anteil an long shots, weil in ihnen Mimik und nonverbale Ausdrucksformen weniger wichtig sind als das Einfangen ganzer Vorgänge. Auch quasidokumentarische Filme enthalten oft viele totale Einstellungen und zeigen damit ihre Herkunft aus dem Dokumentarfilm. Filme, die Beziehungen der Figuren und Gefühle in den Vordergrund stellen, enthalten dagegen viele nahe Einstellungen.

Lernvideos zu Einstellungsgröße

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