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Country-Musik

Der Neo-Traditionalismus entstand Mitte der 1980er Jahre als Antwort auf den durch Popeinflüsse bewirkten Identitätsverlust der Country-Musik. Eine kleine …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Entwicklung
  2. 2. Musikalische und textliche Merkmale
  3. 3. Zentrale Stilrichtungen
  4. 4. Regionale Formen und moderne Strömungen
  5. 5. Musikindustrie und öffentliche Verbreitung
  6. 6. Country-Musik im deutschsprachigen Raum

Grundlagen und Entwicklung

Country-Musik, kurz Country, ist eine aus den USA stammende Musikrichtung. Sie entstand Anfang des 20. Jahrhunderts aus der traditionellen Volksmusik europäischer Einwanderer, besonders aus Irland und England. Ausgangspunkt war die Old-Time Music der südlichen Appalachen. Durch städtische Einflüsse und die Übernahme von Elementen anderer Genres, etwa des Blues, entwickelte sie sich zur Country-Musik.

Die Bezeichnung „Country & Western“ beziehungsweise „C&W“ ist missverständlich, weil Country- und Western-Musik keine einheitliche Musikrichtung bilden. Der Ausdruck geht auf eine Rubrik des Magazins Billboard zurück, das in den 1940er Jahren Titel beider Genres gemeinsam in einer Hitparade führte.

Die Entwicklung der Country-Musik wird von drei sich überschneidenden Strömungen geprägt: Traditionalisten wollen ursprüngliche musikalische und textliche Formen bewahren oder wiederbeleben. Erneuerer erproben neue Instrumente, Ausdrucksformen und Stilvarianten. Kommerziell orientierte Musiker und Produzenten nähern Country der Popmusik an, um ein größeres Publikum zu erreichen.

Wichtige Stationen waren die ersten Schallplattenaufnahmen 1922, Vernon Dalharts Nummer-eins-Hit „The Prisoner’s Song“ 1924 und der Sendestart der Grand Ole Opry im November 1925. Im August 1927 wurden mit der Carter Family und Jimmie Rodgers die ersten großen Stars entdeckt. Um 1934 nahm Bob Wills den ersten Western-Swing-Titel auf, um 1935 entstand in Texas der Honky Tonk und 1940 entwickelte Bill Monroe den Bluegrass. Es folgten Rockabilly ab 1953, Nashville Sound um 1955, Country-Rock um 1968, die Outlaw-Bewegung ab 1970, popnaher Urban Cowboy ab 1980, der Neo-Traditionalismus ab 1985 sowie New Country und Alternative Country ab 1990. Die Angaben des Artikels sind insgesamt nur unzureichend durch Quellen belegt.

Musikalische und textliche Merkmale

Country-Songs sind meist melodisch und harmonisch einfach aufgebaut. Der Songwriter Harlan Howard fasste dies als „three chords and the truth“ zusammen: „drei Akkorde und die Wahrheit“. Die Texte erzählen häufig moralische oder patriotische Geschichten aus ländlicher oder kleinbürgerlicher Sicht. Alltagsprobleme, Beziehungen und das Leben einfacher Menschen stehen im Mittelpunkt; sexuell anstößige und sozialkritische Inhalte kommen vergleichsweise selten vor.

Im traditionellen Country dominieren Saiteninstrumente: Gitarre, Banjo, Mandoline, Kontrabass und Fiddle, also eine in der Volksmusik gespielte Geige. Hinzu kommen je nach Stil Akkordeon, Klavier und Mundharmonika. Zeitgenössischer Country übernimmt aus der Rockmusik außerdem Schlagzeug, Elektrogitarre und elektrischen Bass. Bestimmte Unterarten besitzen charakteristische Instrumente, Rhythmen oder Gesangsformen, beispielsweise die Pedal-Steel-Gitarre im Honky Tonk, schnelle akustische Instrumentalstücke im Bluegrass oder mehrstimmigen Satzgesang im Country-Gospel.

Zentrale Stilrichtungen

Bluegrass wird überwiegend mit akustischen Instrumenten im 2/4-Takt gespielt. Kennzeichnend sind hohe instrumentale Virtuosität, schneller Vortrag und mehrstimmiger Satzgesang. Typisch sind Fiddle, Banjo, Mandoline, Kontrabass und Westerngitarre. Der Stil entstand aus der Volksmusik der Appalachen; Kentucky galt lange als wichtiges Zentrum. Sein Name bezieht sich auf Bill Monroes Band Blue Grass Boys. In den 1960er Jahren entwickelte sich daraus der Newgrass, der moderne Elemente aufnahm.

Honky Tonk entstand in lauten Clubs und Tanzlokalen an den texanischen Ölfeldern. Elektrische Verstärkung und Schlagzeug wurden dort notwendig. Meist werden einfache, langsame 2/4-Takte mit einem besonderen Timing gespielt. Die direkten, ungekünstelten Texte behandeln Alltagsprobleme statt heimatverbundener Folklore. Fiddles, Honky-Tonk-Piano, E-Bass, elektrische Slide- und Pedal-Steel-Gitarren sowie gelegentlich Dobros bestimmen den Klang. Hank Williams Sr., Bob Wills und Merle Haggard prägten den Stil.

Der Nashville Sound entstand ab Mitte der 1950er Jahre als Reaktion auf den Erfolg des Rock ’n’ Roll. Produzenten wie Chet Atkins und Owen Bradley glätteten den bis dahin raueren Country-Klang für ein breiteres Publikum. Hintergrundchöre wurden wichtiger, während Fiddle und Pedal-Steel-Gitarre seltener zum Einsatz kamen. Mitte der 1970er Jahre setzte sich Country-Pop stärker durch. Die Urban-Cowboy-Welle ergänzte den melodischen Nashville Sound um Streicher und Synthesizer.

Western Swing wurde in den 1930er Jahren von Bob Wills und Milton Brown entwickelt. Er verbindet traditionelle texanische Musik mit Blues und unterschiedlichen Jazzformen. Sein besonderes Merkmal ist die Mischung aus dem Klang städtischer Big Bands und einem ländlichen Cowboy-Image. Die lebhafte, tanzbare Musik war vor allem in den großen Tanzlokalen von Texas und Oklahoma beliebt, verlor aber seit Ende der 1940er Jahre an Bedeutung.

Americana bezeichnet vor allem sozialkritische Musik amerikanischer Liedermacher, die Motive des American Folk mit starken Einflüssen aus Rock- und Südstaatenmusik verbindet. Der Stil wird auch Alternative Country oder Roots Rock genannt. Zu seinen Vertretern zählen Emmylou Harris, Rodney Crowell, Mary Chapin Carpenter und Kelly Willis.

Regionale Formen und moderne Strömungen

Der Bakersfield Sound entstand Anfang der 1960er Jahre in Bakersfield, Kalifornien. Er verband Rockabilly und Honky Tonk, setzte vorwiegend elektrisch verstärkte Instrumente ein und bildete mit harten, höhenbetonten Gitarren und einfachen Arrangements einen Gegenpol zum weichen Nashville Sound. Buck Owens, Merle Haggard und später Dwight Yoakam prägten ihn.

Western Music oder Cowboy-Musik schildert romantisierend die Eroberung des amerikanischen Westens und den Alltag der Cowboys. Sie erreichte in den 1930er und 1940er Jahren ihren Höhepunkt. Typisch sind Gitarre, Fiddle, Akkordeon, mehrstimmiger Harmoniegesang und das „Blue Yodeling“, eine amerikanische Form des Jodelns. Obwohl moderne Country-Texte oft keine Cowboy-Themen behandeln, beeinflusst dieser Stil das äußere Erscheinungsbild des Genres bis heute.

Der Neo-Traditionalismus entstand Mitte der 1980er Jahre als Reaktion auf den durch Popeinflüsse empfundenen Identitätsverlust. Musiker wie George Strait, Randy Travis, Clint Black, Keith Whitley, John Anderson und Ricky Skaggs veröffentlichten traditionsorientierte Alben. Die Strömung dominierte bis Ende der 1990er Jahre die Charts. Interpreten wie Garth Brooks und Alan Jackson bereiteten traditionelle Musik modern auf und ergänzten Rock- und Blues-Elemente.

Die Outlaw-Bewegung richtete sich gegen die wachsende Macht der Produzenten in Nashville. Waylon Jennings, Willie Nelson, Johnny Cash und Kris Kristofferson, gemeinsam auch als The Highwaymen bekannt, begannen ihre Platten selbst zu produzieren und gewannen damit Kontrolle über Klang und Songauswahl. Seit den 1980er Jahren prägen kantige Rockelemente, eigenwillige Texte und raue Stimmen diese Richtung.

Rockabilly entstand, als junge weiße Musiker schwarzen Rhythm & Blues mit Country verbanden. Sein Boom blieb weitgehend auf die Südstaaten und die Jahre von etwa 1954 bis 1957 begrenzt. Eine kleine Besetzung, perkussiv gespielter Kontrabass, elektrische Leadgitarre, nervöser „Schluckaufgesang“ und häufig ein Bandecho sind typisch. Frühe Vertreter waren Elvis Presley, Carl Perkins, Eddie Cochran und Gene Vincent.

Country-Rock kombiniert Outlaw, Southern Rock, Rockabilly und traditionellen Blues. Eingängige Rhythmen, ein glatterer Klang sowie Fiddles und Steel-Gitarren neben E-Gitarren unterscheiden ihn vom reinen Roots Rock. Moderne Hitparadenmusik des New Country enthält teilweise starke Rockelemente.

Weitere regionale und funktionale Formen sind Tex-Mex mit dreireihigem Akkordeon, Bajo-Sexto, Balladen, Polkas, Boleros und Rancheras sowie die aus Louisiana stammende Cajun-Musik mit Harmonika und Fiddle. Country-Gospel gehört zu den ältesten Richtungen und verbindet religiöse Texte mit einfachen Arrangements und mehrstimmigem Satzgesang. Country-Pop bezeichnet die weiche, am Pop orientierte Seite des Genres. Die um das Jahr 2000 verfolgte Crossover-Strategie der Plattenfirmen blieb laut Artikel bis auf wenige Erfolge, besonders Taylor Swifts Country-Phase von 2006 bis 2012, weitgehend erfolglos.

Musikindustrie und öffentliche Verbreitung

Die Kommerzialisierung begann Anfang der 1920er Jahre mit Schallplattenaufnahmen ländlicher Musik und ihrer landesweiten Verbreitung durch das Radio. Fiddlin’ John Carson gilt als einer der Protagonisten dieser Entwicklung. Country wurde zu einem Multimilliarden-Dollar-Geschäft, getragen von Plattenfirmen, Musikverlagen, Rundfunk- und Fernsehsendern, Interessenverbänden und weiteren Institutionen. Trotz wiederholter Phasen starker Vermarktung blieb die Musik mit ihren traditionellen Ursprüngen verbunden.

Wichtige Institutionen sind die Academy of Country Music (ACM), die Country Music Association (CMA), die Country Music Foundation (CMF) und die Country Music Hall of Fame. Genannte Labels sind Okeh Records, Bear Family Records, Bloodshot Records, Rounder Records und Starday; zu den bedeutenden Musikverlagen zählen Acuff-Rose, Cedarwood Music und Tree Publishing. Prägende Produzenten und Manager waren unter anderem Owen Bradley, Sam Phillips, Fred Rose, Wesley Rose und Billy Sherrill.

Zu den Auszeichnungen gehören die ACM Awards, Billboard Music Awards und CMA Awards sowie Ehrungen durch die Country Music Hall of Fame und die Nashville Songwriters Hall of Fame. Radio- und Fernsehshows wie Grand Ole Opry, Louisiana Hayride, National Barn Dance, Hee Haw und Ozark Jubilee trugen zur Verbreitung bei. Von mehr als zehn Country-Hitparaden gelten vor allem zwei als bedeutend: Billboards „Hot Country Songs“ beziehungsweise „Top Country Albums“ und „Country National Airplay“ von Radio & Records.

Country-Musik im deutschsprachigen Raum

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich in Mitteleuropa eine eigenständige Country-Szene. Radiomoderatoren, Autoren, Konzertveranstalter und Herausgeber von Fanmagazinen verbreiteten die Musik im deutschsprachigen Raum.

Seit Mitte der 1970er Jahre führen verschiedene Künstler Country-Musik auf Deutsch auf. Diese Richtung steht unter dem Einfluss der Fernfahrer- und Western-Hobbyisten-Szene und wird auch Country-Schlager genannt. Zu den bekannten Interpreten gehören Tom Astor, Linda Feller, Truck Stop, Gunter Gabriel, Western Union, Gudrun Lange, Jonny Hill und Texas Lightning.

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