Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Polnische Grammatik
Diphthonge (Doppellaute) · Zwei nebeneinanderstehende Vokale gehören eigentlich zu zwei verschiedenen Silben, sodass im polnischen Phoneminventar keine …
Inhalt6 Abschnitte
Grundbau und Lautsystem
Polnisch ist eine westslawische Sprache mit starker Flexion, also Veränderungen von Wortformen nach grammatischer Funktion. Es besitzt sieben Kasus, zwei Numeri und drei Genera, aber keinen Artikel. Verben unterscheiden Person, Zeit, Modus und besonders den Aspekt. Der alte Dual ist nicht mehr produktiv.
Das Vokalsystem umfasst /a, ɛ, i, ɨ, ɔ, u, ɔ̃, ɛ̃/. Die Buchstaben u und ó werden beide [u] gesprochen. ą und ę sind die beiden bewahrten Nasalvokale; ihre Aussprache hängt stark vom folgenden Laut ab, etwa [ɔm]/[ɛm] vor b oder p und [ɔŋ]/[ɛŋ] vor g oder k. Am Wortende können sie entnasaliert werden. Vokallänge unterscheidet keine Wörter.
Die Betonung liegt grundsätzlich auf der vorletzten Silbe. Angehängte Formen von być „sein“ zählen jedoch nicht mit; deshalb kann im Präteritum und Konditional die drittletzte Silbe betont sein.
Wichtige Schreib-Laut-Beziehungen sind: ł entspricht meist [w], ń [ɲ], ś [ɕ], ź [ʑ], ć [t̠͡ɕ], sz [ʂ], cz [ʈ͡ʂ], ż und meist rz [ʐ]. i palatalisiert einen vorausgehenden Konsonanten, macht ihn also „weich“: pani [paɲi]. Die Folgen ni, si, zi und ci vor einem Vokal schreiben dieselben weichen Laute wie ń, ś, ź und ć.
In Konsonantengruppen gleichen sich Laute häufig in der Stimmhaftigkeit an. Am Wortende werden Plosive, Frikative und Affrikaten normalerweise stimmlos: pociągu „des Zuges“ gegenüber pociąg [pot̠͡ɕɔŋk] „Zug“. Ein bewegliches e verhindert in manchen endungslosen Formen schwierige Schlussgruppen: statki „Schiffe“ – statek „Schiff“. Häufige Stammwechsel sind o/ó, e/a, ę/ą und e/o beziehungsweise e/ó.
Substantive und Kasus
Deklinierbar sind Substantive, Adjektive, Pronomen und Zahlwörter. Der Rectus ist die Wörterbuchform, gewöhnlich der Nominativ Singular. Polnisch unterscheidet Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Instrumental, Lokativ und Vokativ. Im Plural sind Nominativ und Vokativ immer gleich; bei Neutra stimmen im Singular Nominativ, Akkusativ und Vokativ überein, außer beim Pronomen ono mit dem Akkusativ je.
Das Genus ist maskulin, feminin oder neutrum. Maskulina enden meist auf Konsonant, Feminina meist auf -a, -ść, -źń oder -i und Neutra meist auf -o, -e, -ę oder -um. Im Plural unterscheiden Adjektive und Pronomen nur maskulin-persönliche Gruppen mit mindestens einem Mann von allen übrigen Gruppen.
Bei maskulinen Substantiven beeinflusst Belebtheit den Akkusativ: Im Singular gilt bei Belebtem Akkusativ = Genitiv, bei Unbelebtem meist Akkusativ = Nominativ. Im Plural gilt Akkusativ = Genitiv nur für Personen. Die grammatische Kategorie „belebt“ umfasst neben Menschen und Tieren teilweise auch Währungen, Marken und umgangssprachlich Obst, Gemüse oder Blumen.
Häufige Pluralendungen sind Dativ -om, Instrumental -ami und Lokativ -ach; Neutra haben im Nominativ/Akkusativ/Vokativ Plural meist -a. Viele Singularformen erfordern eine Konsonantenerweichung, etwa żona – żonie „Ehefrau“. Unregelmäßigkeiten entstehen besonders durch bewegliches e, Vokalwechsel und alte Stammklassen. Einige Fremdwörter werden eingeschränkt flektiert: Neutra auf -um bleiben im Singular unverändert, bilden aber einen Plural wie muzea und muzeów; Wörter auf -u wie gnu werden nicht dekliniert.
Adjektive, Pronomen und Zahlen
Adjektive stimmen mit ihrem Bezugswort in Kasus, Numerus und Genus überein. Qualitätsangaben stehen meist davor, etwa biały kot „weiße Katze“; Funktions- oder Artbezeichnungen häufig danach, etwa język polski „polnische Sprache“. Der Komparativ entsteht mit -sz- oder -ejsz- beziehungsweise mit bardziej „mehr“, der Superlativ durch naj- oder najbardziej. Unregelmäßig sind unter anderem dobry – lepszy „gut – besser“ und zły – gorszy „schlecht – schlechter“.
Personalpronomen besitzen eigene Formen sowie betonte und unbetonte Varianten. Nach Präpositionen stehen bei der dritten Person n-Formen wie niego, niemu und nich. Das einheitliche Reflexivpronomen siebie/się/sobie kann sich auf jede Person beziehen. Das reflexive Possessivpronomen swój bezeichnet Besitz des Satzsubjekts; jego, jej und ich bezeichnen dagegen einen anderen Besitzer. Höfliche Anrede erfolgt mit Pan, Pani, Panowie, Panie oder Państwo und einem Verb der dritten Person.
Interrogativa sind unter anderem kto „wer“, co „was“, jaki „was für ein“, który „welcher“ und ile „wie viel“. Indefinita entstehen oft mit -ś, etwa ktoś „jemand“ und coś „etwas“. Negativpronomen wie nikt „niemand“ und nic „nichts“ stehen stets mit einem zusätzlich durch nie verneinten Verb.
Zahlwörter werden dekliniert. Nach 2 bis 4 steht eine gewöhnliche Pluralform, ab 5 der Genitiv Plural: dwa piwa „zwei Bier“, pięć piw „fünf Biere“. Das Muster wiederholt sich bei Zahlen auf 2 bis 4 gegenüber solchen ab 5, etwa 22 piwa, aber 25 piw. Ordnungszahlen werden wie Adjektive flektiert.
Verben, Aspekte und Zeiten
Infinite, also nicht nach Personen konjugierte Formen sind Infinitiv, Partizipien und Verbalnomen. Der Infinitiv endet meist auf -ć, teilweise auf -c, -ść oder -źć. Das L-Partizip trägt Genus- und Numerusformen wie robił, robiła, robiło, robili, robiły. Es bildet Präteritum, Konditional und wahlweise Futur. Daneben gibt es aktive und passive Partizipien, eine unpersönliche Vergangenheit auf -o und Verbalnomina auf -ie.
Entscheidend ist der Aspekt. Imperfektive Verben stellen eine Handlung als verlaufend oder wiederholt dar und können Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft ausdrücken. Perfektive Verben bezeichnen einen Abschluss und haben nur Vergangenheits- oder Zukunftsbedeutung. Beispiele sind robić „dabei sein, etwas zu tun“ – zrobić „etwas zu Ende tun“, jeść „essen“ – zjeść „aufessen“ und czytać „lesen“ – przeczytać „durchlesen“. Aspektpaare müssen gemeinsam gelernt werden; Unterschiede entstehen etwa durch Präfixe, Verkürzung, Vokalwechsel oder völlig verschiedene Stämme.
Das Präsensmuster hat vier Hauptklassen, darunter ę/esz, ę/isz beziehungsweise ę/ysz, am/asz und em/esz; mehrere häufige Verben sind unregelmäßig. Bei perfektiven Verben bezeichnet dieses Muster die abgeschlossene Zukunft: zrobi „er wird es zu Ende getan haben“.
Das imperfektive Futur besteht aus dem Futur von być plus Infinitiv oder L-Partizip: będę robić beziehungsweise będę robił/robiła „ich werde tun“. Das Präteritum verbindet das L-Partizip mit verkürzten Personalendungen von być: robiłem/robiłam, robiliśmy/robiłyśmy. Diese Formen richten sich nach dem Geschlecht des Subjekts.
Modi, Satzbau und Kasusgebrauch
Der Indikativ ist die gewöhnliche Aussageform. Der Konditional schiebt by zwischen L-Partizip und Personalendung: jechałbym, jechałaby, jechalibyśmy. by samt Endung kann sich vom Verb lösen. Der Imperativ besitzt direkte Formen für du, wir und ihr, etwa idź, idźmy, idźcie, sowie Umschreibungen der dritten Person mit niech: niech mówi „er möge sprechen“.
Subjekt und Prädikat stimmen in Person und Numerus überein, im Präteritum und Konditional zusätzlich im Genus. Die neutrale Wortstellung ist Subjekt–Prädikat–Objekt, doch die Reihenfolge ist relativ frei und dient der Hervorhebung. Nebensätze erzwingen keine deutsche Verbendstellung. Entscheidungsfragen beginnen mit czy; Satzteilfragen mit einem Interrogativpronomen. Relativsätze verwenden który.
Die Kasus erfüllen zentrale Satzfunktionen: • Nominativ: Subjekt. • Genitiv: Besitz, Teilmenge, Objekt bestimmter Verben und Ersatz des Akkusativs bei Verneinung: Nie widzę nikogo „Ich sehe niemanden“. • Dativ: indirektes oder von bestimmten Verben verlangtes Objekt. • Akkusativ: direktes Objekt in unverneinten Sätzen sowie räumliche oder zeitliche Ausdehnung. • Instrumental: Mittel oder Begleitung; außerdem Prädikatsnomen nach być, sofern das Subjekt nicht to ist: On jest dobrym lekarzem. • Lokativ: nur nach Präpositionen wie w, o und na. • Vokativ: direkte Anrede.
Nominalphrasen haben keinen Artikel. Adjektive und adjektivische Pronomen stimmen mit dem Substantiv überein; Genitivattribute und Relativsätze folgen ihm. Zur Satzverneinung steht nie vor dem konjugierten Verb. Mehrere Negative bleiben erhalten: nikt nic nie mówi „niemand sagt etwas“.
Wortbildung
Adverbien sind unveränderlich und entstehen häufig mit -o oder -e aus Adjektiven: mały – mało, dobry – dobrze. Weitere Muster sind po polsku „auf Polnisch“, po pierwsze „erstens“ und czasem „manchmal“. Ihre Steigerung erfolgt mit -(i)ej oder bardziej/najbardziej; unregelmäßig sind dobrze – lepiej und źle – gorzej.
Komposita sind seltener als im Deutschen. Entsprechungen werden oft durch Adjektive, Präpositionalgruppen oder nachgestellte Genitive gebildet: zupa pomidorowa „Tomatensuppe“, pianka do golenia „Rasierschaum“, pamiątka z podróży „Reiseandenken“.
Weibliche Personenbezeichnungen entstehen häufig mit -ka, etwa nauczyciel – nauczycielka. Diminutive, also Verkleinerungs- oder Verniedlichungsformen, verwenden besonders -(e)k und -ka, etwa rybka „Fischlein“; ihre Bedeutung muss nicht der wörtlichen deutschen Verkleinerung entsprechen. Weitere produktive Affixe sind -ość und -źń für feminine Abstrakta, -nik für maskuline Substantive, -iwy für Adjektive sowie das verneinende Präfix nie-.