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Politische Geschichte der Christen im Orient
301 wurde der Christliche Glaube erstmals in der Geschichte in Armenien durch Trdat III. (280–330) zur Staatsreligion erhoben, 325 in Aksum (Äthiopien) durch …
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Ausbreitung und politische Grundmuster
Das Christentum verbreitete sich im Orient und in Europa durch die Apostel Jesu Christi und frühchristliche Missionare. Die Anhänger der neuen Religionsgemeinschaft wurden zuerst in Antiochien als Christen (Χριστιανοί) bezeichnet. Sie wurden vielfach verfolgt, zeitweise aber auch toleriert oder von Herrschern geschützt.
301 erhob Trdat III. (280–330) den christlichen Glauben in Armenien erstmals in der Geschichte zur Staatsreligion. Es folgten 325 Aksum (Äthiopien) unter König Ezana und 327 Georgien. Konstantin I. (280–337) gilt als erster römischer Kaiser, der im Namen Christi regierte. In den folgenden Jahrhunderten waren große Teile des Orients und Nordafrikas christianisiert; einige Gebiete wurden von Christen regiert.
Als Kennzeichen christlicher Herrschaft beschreibt der Artikel das Nebeneinander weltlicher und geistlicher „Gewalt“. Beide gelten als „von Gottes Gnaden“ verliehen und sollen theoretisch in „Symphonie“, also im Zusammenwirken, ausgeübt werden. Tatsächlich entstanden dabei häufig Konflikte.
Christen im Byzantinischen Reich
Das Byzantinische Reich ging aus der Teilung des Römischen Reiches in ein west- und ein oströmisches Reich hervor. Konstantin der Große machte Byzanz, das heutige Istanbul, zur Hauptstadt des Ostreiches. Das Reich wurde bis zu seinem Ende durchgehend von christlichen Herrschern regiert.
Mit der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 endete das Byzantinische Reich. Die byzantinischen Christen lebten danach im Osmanischen Reich als Schutzbefohlene, als Dhimma. Dieser Status bedeutete gegenüber Muslimen eine mindere Rechtsposition sowie die Pflicht zur Zahlung der Sondersteuer Dschizya.
Leben unter muslimischer Herrschaft
Durch islamische Expansion und Eroberungen gerieten große Teile des Nahen Ostens unter muslimische Herrschaft. Christen waren dort zunächst sogar in der Mehrheit, galten nach islamischem Recht aber als Dhimma: als Schutzbefohlene und damit als Bürger mit geringeren Rechten als Muslime. Die Steuer für Nichtmuslime führte nach dem Artikel dazu, dass Christen und andere Nichtmuslime zum Islam konvertierten.
Die Herrschaft wechselte mehrfach zwischen Umayyaden, Abbasiden, Seldschuken, Sarazenen, Mameluken, Fatimiden und Osmanen. Diese häufigen Wechsel verstärkten den Druck auf Minderheiten, zum Islam überzutreten. Der Artikel nennt außerdem mehrere Pogrome gegen Christen.
Zugleich bestanden christliche Enklaven, also Gebiete innerhalb eines größeren muslimisch geprägten Umfelds, die von Christen autonom verwaltet wurden. Dazu zählten Gebiete von Ghassaniden, Maroniten, Nubiern und Aramäern. Die den Christengemeinden zugestandene Autonomie in inneren Angelegenheiten gab kirchlichen Oberhäuptern zugleich weltliche Macht über die Mitglieder ihrer Kirche. Forderungen von Laien nach Mitbestimmung führten in der Neuzeit wiederholt zu innerkirchlichen Konflikten, etwa bei Armeniern und Kopten.
Kreuzzüge, Protektorate und Gegenwart
Die Kreuzzüge vom 11. bis zum 13. Jahrhundert veränderten die Herrschaftsverhältnisse im Orient zeitweise. Es entstanden christlich geführte, meist westeuropäisch geprägte Kreuzfahrerstaaten: die Grafschaft Edessa (1098–1144), die Grafschaft Tripolis (1151–1289), das Königreich Jerusalem und das Fürstentum Antiochia. Insgesamt bestanden die Kreuzfahrerstaaten von 1098 bis 1289 n. Chr. Am Rand der Kreuzzüge bestand außerdem das Königreich Kleinarmenien, das sich 300 Jahre hielt.
Christen setzten muslimische Herrscher bevorzugt als Finanzbeamte, Schatzmeister oder Finanzminister ein, beispielsweise den Sohn von Gabriel ibn Bochtischu. Als Gründe nennt der Artikel ihre schwache Stellung als Minderheit, durch die Untreue für sie besonders gefährlich gewesen wäre, sowie ihre gute Ausbildung. Außerdem hätten Christen das Bankenwesen im Nahen Osten zuerst aufgebaut. Als grundsätzlicher möglicher Grund wird die islamische Regel genannt, Muslimen Zinsgewinn zu untersagen.
Politische Stellung in der Neuzeit
Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches im 19. Jahrhundert übernahmen Frankreich und Großbritannien Protektorate im Gebiet des heutigen Libanon, Syrien, Palästina, Irak, Jordanien und Kuweit.
Im Staat Libanon sind orientalischen Christen in der politischen Praxis bestimmte Ämter vorbehalten. Der Staatspräsident ist ein Maronit, der stellvertretende Ministerpräsident ein orthodoxer Christ. Ministerposten und Parlamentssitze werden nach einem konfessionellen Schlüssel vergeben. In Palästina, Syrien, Jordanien, Irak und Ägypten gibt es einige christliche Abgeordnete und in der Regel einen christlichen Minister in den jeweiligen Regierungen. Nach dem Artikel gibt es im Nahen Osten derzeit jedoch keinen Staat, der allein von Politikern christlicher Konfessionen geführt wird.