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Peter Thiel
Peter Andreas Thiel (* 11. Oktober 1967 in Frankfurt am Main) ist ein US-amerikanischer Investor, paläolibertärer Tech-Unternehmer und Milliardär deutscher …
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Profil und beruflicher Werdegang
Peter Andreas Thiel (* 11. Oktober 1967 in Frankfurt am Main) ist ein US-amerikanischer Investor, paläolibertärer Tech-Unternehmer und Milliardär deutscher Herkunft. Bekannt wurde er vor allem als Mitgründer von PayPal, als früher Investor von Facebook beziehungsweise Meta Platforms und als Mitgründer von Palantir Technologies. Außerdem ist er Partner des Risikokapitalunternehmens Founders Fund, Präsident des Hedgefonds Clarium Capital und Vorstandsvorsitzender von Valar Ventures.
Thiel wanderte im Alter von einem Jahr mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten aus. Wegen der Arbeitsorte seines Vaters lebte er unter anderem in Cleveland, Johannesburg, Swakopmund und ab 1977 in Foster City, Kalifornien. Er galt als sehr gut in Mathematik und Schach; mit zwölf Jahren belegte er in den USA Rang sieben der U13-Wertung. 1989 schloss er an der Stanford University ein Philosophiestudium mit dem Bachelor of Arts ab, 1992 erwarb er an der Stanford Law School den Juris Doctor. Danach arbeitete er zunächst für einen Bundesrichter, anschließend in einer New Yorker Anwaltskanzlei und als Derivate-Händler bei Credit Suisse. 1996 gründete er in Kalifornien den Anlagefonds Thiel Capital Management.
Unternehmen, Investitionen und Vermögen
1998 lernte Thiel den Informatiker Max Levchin kennen. Im Dezember 1998 gründeten Thiel, Levchin und Luke Nosek in Palo Alto Confinity. Im März 2000 entstand aus Confinity gemeinsam mit Elon Musks Unternehmen X.com PayPal. Thiel investierte 280.000 US-Dollar, wurde CEO und brachte PayPal 2002 an die Börse. Nach der Übernahme durch eBay erhielt er 55 Millionen US-Dollar und gründete damit Clarium Capital Management, einen Global-Macro-Hedgefonds, der Anfang 2007 ungefähr 2,1 Milliarden US-Dollar verwaltete.
2003 war Thiel Mitbegründer von Palantir Technologies. Das Unternehmen entwickelte Datenanalyse-Software, die unter anderem von der US-Regierung für Geheimdiensttätigkeiten und Terrorbekämpfung eingesetzt wird. Palantir wurde durch die CIA-Risikokapitalgesellschaft In-Q-Tel mit aufgebaut. Thiel ist Vorsitzender und seit Ende 2014 größter Anteilseigner. Weitere von ihm gegründete oder mitgegründete Unternehmen und Investmentvehikel sind Valar Ventures, Mithril Capital, Lembas LLC, Rivendell LLC und Arda Capital.
Im Juni 2004 investierte Thiel als erster externer Geldgeber 500.000 US-Dollar in das damals Facebook genannte Unternehmen. Das Darlehen wurde später in einen Anteil von 7 Prozent umgewandelt. Beim Börsengang im Mai 2012 verkaufte Thiel 16,8 Millionen Facebook-Anteile für 640 Millionen US-Dollar. Nach dem Ende der Haltefrist am 16. August verkaufte er weitere 20 Millionen Aktien für rund 400 Millionen US-Dollar.
2005 gründete Thiel die Thiel Foundation, die 2023 ein Stiftungsvermögen von 44 Millionen US-Dollar verwaltete. Sie förderte unter anderem Seasteading, Lebensverlängerung und KI-Sicherheit. Seit Anfang 2015 investierte Thiel in den US-Cannabismarkt, seit März 2020 in das Biotech-Unternehmen AbCellera; aus dessen Aufsichtsrat schied er im März 2024 aus persönlichen Gründen aus. Weitere Beteiligungen betrafen unter anderem Deposit Solutions, nextmarkets, MagForce, Compass Pathways und ab 2021 die kanadische Videoplattform Rumble. Daneben finanzierte er als Executive Producer den Film Thank You for Smoking, vergab 2011 jeweils 100.000 US-Dollar an zwanzig Studenten und lehrte 2012 an Stanford über Computergeschichte und Gründungsfragen.
Die Vermögensschätzungen unterscheiden sich deutlich: Forbes nannte im Februar 2022 2,6 Milliarden US-Dollar, Bloomberg im Mai 2022 7,8 Milliarden US-Dollar. Laut Forbes belief sich sein Vermögen im April 2026 auf 27,3 Milliarden US-Dollar; damit gehörte Thiel zu den 100 reichsten Menschen der Welt. Er besitzt unter anderem ein 193 Hektar großes Grundstück am Lake Wānaka in Neuseeland und erwarb 2026 ein Grundstück in Uruguay nahe Punta del Este.
Politische Vorstellungen und Einfluss
Thiel wird der politischen Rechten zugerechnet und unter anderem als „Ayn-Rand-Libertärer“, „plutokratisch-reaktionär“, „militaristisch-technolibertär“ oder „libertär-autoritaristisch“ beschrieben. Er bekennt sich zum Paläolibertarismus, einer politischen Philosophie, die persönliche Freiheit über staatlichen Einfluss stellt. Thiel ist demokratie-skeptisch bis antidemokratisch und hält Freiheit und Demokratie für unvereinbar. Er lehnt freien Wettbewerb ab, weil dieser seiner Ansicht nach Gewinne senke, und empfiehlt Firmengründern, durch innovative Technologien „kreative Monopole“ aufzubauen. Solche Monopole betrachtet er als Fortschrittsmotoren; von illegalen Monopolen oder staatlich begünstigten „Lieblingen der Regierung“ unterscheidet er sie ausdrücklich.
Thiel meint, Unternehmen würden besser geführt als Regierungen, weil an ihrer Spitze ein alleiniger Entscheider mit nahezu diktatorischer Vollmacht stehen könne. Auch das Frauenwahlrecht beurteilt er kritisch, obwohl es seiner Einschätzung nach nicht abgeschafft werden sollte. Er unterstützte die libertäre Campuszeitung The Stanford Review, die er 1987 mitgründete, las Ayn Rand und bewunderte Ronald Reagan. 2008 unterstützte er Ron Paul, 2012 spendete er 2,6 Millionen US-Dollar an dessen Super-PAC. Außerdem förderte er die Tea-Party-Bewegung, Seasteading und die Privatstadt Próspera in Honduras. 2020 investierte er weitere Millionen in Pronomos Capital, einen Fonds für Privatstädte.
Thiel war 2016 Delegierter für Donald Trump und soll 1,25 Millionen US-Dollar für dessen Wahlkampf gespendet haben. Nach Trumps Wahlsieg beriet er ihn und vermittelte Kontakte zwischen dem Übergangsteam und der US-Technologiebranche. Später unterstützte er jüngere republikanische Politiker mit Nähe zu Trump, darunter Blake Masters, Josh Hawley und J. D. Vance. Masters und Vance erhielten jeweils 10 Millionen US-Dollar für ihre Wahlkämpfe; Vance gewann 2022 die Senatswahl in Ohio, Masters unterlag in Arizona. Im Februar 2022 kündigte Thiel an, aus dem Verwaltungsrat von Meta Platforms auszuscheiden, um sich politisch stärker für Trumps Agenda zu engagieren. 2024 und 2026 traf er den argentinischen Präsidenten Javier Milei.
Thiel werden Verbindungen zur neoreaktionären Bewegung und zu deren Vordenker Curtis Yarvin nachgesagt; er investierte in Yarvins Plattform Urbit. Yarvins absolutistisch-quasi-monarchistische Vorstellungen hält Thiel jedoch für nicht praktikabel. Thiel ist Mitglied im Steering Committee der Bilderberg-Konferenz und gründete das Netzwerk Dialog, das seit 2006 Persönlichkeiten aus Politik, Militär und Silicon Valley zusammenbringt. Der Ökonom Yann Algan ordnet Thiel und Elon Musk außerdem der Vorstellung einer libertären KI-Herrschaft zu, in der KI und dezentrale autonome Organisationen traditionelle staatliche Strukturen ersetzen könnten. Kritisch gefragt wird dabei, wer Fairness, Verantwortlichkeit und demokratische Kontrolle sicherstellen würde.
Religiöse Ansichten und Weltbild
Thiel ist ein bekennender Christ mit einer ausgeprägt apokalyptischen Weltanschauung. Er verbindet christliche Werte mit libertären und politischen Zielen und nimmt biblische Prophezeiungen ernst. Dazu passen Investitionen in religiöse Technologieunternehmen wie die Gebets-App Hallow.
Eine zentrale Rolle spielt für ihn der biblische Begriff Katechon aus 2 Thess 2,7 EU. Thiel versteht das Katechon als das, was Gesellschaften wehrhaft macht und technischen Fortschritt ermöglicht. Tech-Nerds erscheinen in diesem Deutungsrahmen als „Aufhalter“ der drohenden Apokalypse und des Antichristen; politisch seien dies derzeit die USA. Nach seinen Darstellungen muss der Antichrist nicht eine Person sein, sondern kann auch in einem Regierungssystem auftreten und Macht erlangen, indem es Ängste vor Künstlicher Intelligenz, Klimawandel oder einem Atomkrieg ausnutzt.
Theologen und Journalisten kritisieren diese religiöse Deutung als widersprüchlich oder fundamentalistisch. Florian Baab sieht Überschneidungen mit dem Trumpismus und mit Alexander Dugins ultranationalistischer Philosophie. Kritisch wird außerdem gefragt, ob Thiel mit Palantirs Überwachungssoftware selbst Strukturen fördert, vor denen er warnt, und ob apokalyptische Vorstellungen sein Handeln bestimmen oder nachträglich rechtfertigen. Thiel hielt 2025 vertrauliche Vorträge und reiste im März 2026 nach Rom, um private Vorlesungen über den Antichristen zu halten. Für Mai 2026 kündigten die Wiener Festwochen ein öffentliches, kritisch gerahmtes Gespräch mit ihm an; wegen erwarteter Proteste bereitete sich die Polizei auf einen Einsatz vor.
Privates, Schriften und Auszeichnungen
Thiel war bis 2003 als Turnierschachspieler aktiv. Mit einer Elo-Zahl von 2199 gehörte er damals zu den tausend besten Schachspielern der USA. Im Oktober 2017 heiratete er in Wien seinen Lebenspartner Matt Danzeisen, einen Investmentmanager und späteren Leiter für private Investitionen bei Thiel Capital. Das Paar hat zwei durch Leihmutterschaft geborene Töchter.
Thiel zog 2018 nach Los Angeles und verlegte seinen privaten Wohnsitz 2021 aus Steuergründen nach Miami auf Fisher Island. Seine Fonds blieben offiziell in San Francisco, Palantir hat seinen Sitz in Denver. Thiel besitzt seit 2011 die neuseeländische Staatsbürgerschaft und beantragte 2022 einen Pass in Malta. Er interessiert sich für Kryokonservierung, unterstützte Forschungen zur Lebensverlängerung und finanzierte Versuche, ausgestorbene Wollhaarmammuts über genetische Kreuzungen mit asiatischen Elefanten wiederzubeleben.
Nachdem der Blog Gawker ihn 2007 als homosexuell geoutet hatte, finanzierte Thiel mehrere Klagen gegen das Portal, darunter Hulk Hogans Prozess. Gawker wurde zu 115 Millionen US-Dollar Schadensersatz verurteilt und musste sein Erscheinen einstellen. Thiel bezeichnete die Finanzierung als „Philanthropie“. 2016 erklärte er auf dem Parteitag der Republikaner: „Ich bin stolz, schwul zu sein. Ich bin stolz, ein Republikaner zu sein. Vor allem bin ich stolz, Amerikaner zu sein.“ Seine Beziehung zu Jeffrey Epstein und die Tätigkeit des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz als Global Strategist für Thiel wurden später öffentlich thematisiert. 2026 verlegte Thiel seinen familiären Lebensmittelpunkt nach Argentinien; vor seinem Haus in Buenos Aires kam es zu Protesten.
Zu seinen Schriften gehören The Diversity Myth: Multiculturalism and the Politics of Intolerance at Stanford (1996, mit David Sacks), The Education of a Libertarian (2009), The Blueprint: Reviving Innovation, Rediscovering Risk, and Rescuing the Free Market (2012, mit Garri Kasparow und Max Levchin) sowie Zero to One: Wie Innovation unsere Gesellschaft rettet (2014, mit Blake Masters). Auszeichnungen erhielt er 2013 als Venture Capitalist des Jahres mit dem Crunchie Award, 2021 den Frank-Schirrmacher-Preis und 2026 den Axel Springer Award.