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Perspektive

Im engeren Sinn ist mit Perspektive die Linearperspektive gemeint, ein Teilgebiet der darstellenden Geometrie. Die Linearperspektive (Parallel- und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Wahrnehmung
  2. 2. Grundlegende Tiefenhinweise
  3. 3. Linearperspektive und Parallelprojektion
  4. 4. Fluchtpunkte und Blickrichtung
  5. 5. Licht und besondere Raumwirkungen
  6. 6. Bewusste Abweichungen von realistischer Darstellung

Grundidee und Wahrnehmung

Perspektive, auch perspektivische Darstellung oder Raumdarstellung, umfasst Gesetze und Methoden, mit denen dreidimensionale Wirklichkeit auf einer zweidimensionalen Fläche abgebildet wird, sodass ein räumlicher Eindruck entsteht. Sie wird unter anderem in Kunst, Architektur, Bühnendekoration, darstellender Geometrie, Film, Fotografie, Grafik-Design, digitalen Medien und Maschinenkunde verwendet.

Im engeren Sinn meint Perspektive die Linearperspektive. Im weiteren Sinn gehören auch Mittel wie Beleuchtung, Luftperspektive und Verdeckung dazu. Denn die Linearperspektive allein erfasst nicht alle räumlichen Eindrücke des Auges.

Im realen Raum hängt die Wahrnehmung von Perspektive vom Sehwinkel ab: Nahe Gegenstände werden auf der Netzhaut größer, entfernte kleiner abgebildet. Dies heißt Größenperspektive beziehungsweise scheinbare Größe. Stereoskopisches Sehen mit beiden Augen ist nicht erforderlich, verstärkt aber den räumlichen Eindruck. Das visuelle System rekonstruiert aus dem Netzhautbild eine Deutung; dasselbe Bild kann zweidimensional oder dreidimensional verstanden werden. Wird eine dreidimensionale Deutung erkannt, prägt sie die Wahrnehmung besonders stark.

Grundlegende Tiefenhinweise

Einfache Mittel der Raumdarstellung setzen Seherfahrungen direkt im Bild um: Bei zwei gleich großen Gegenständen erscheint der entferntere höher, kleiner und oft vom vorderen teilweise verdeckt.

  • Höhenstaffelung, auch relative Höhe: Was im Bild weiter unten liegt, wirkt vorne; was weiter oben liegt, wirkt hinten.
  • Größenperspektive, auch Größenabnahme oder Verkürzung: In Wirklichkeit gleich große Formen werden kleiner dargestellt, wenn sie weiter entfernt liegen. Wiederholte, zunehmend kleinere Objekte verstärken die Raumwirkung.
  • Verdeckung, auch Überlappung oder Überschneidung: Ein vorderes Objekt verdeckt Teile eines hinteren. Das Gehirn ergänzt die fehlenden Teile automatisch.

Zu den Fernefaktoren zählen außerdem Textur-, Luft- und Farbperspektive. Bei der Texturperspektive gehen detaillierte Oberflächen im Vordergrund in weniger detaillierte, kleinere und dichtere Elemente im Hintergrund über. Die Luftperspektive zeigt entfernte Objekte blasser und blauer. Bei der Farbperspektive wirken warme, leuchtende Farben wie Rot und Gelb näher; kühle, getrübte Farben wie Blau, Grün und Grau weiter entfernt.

Linearperspektive und Parallelprojektion

Die Linearperspektive ist der Oberbegriff für geometrisch-mathematische Methoden, Körper und Räume mit Linien und Fluchtlinien darzustellen. Sie eignet sich besonders für rechtwinklig-kubische Gegenstände wie Architektur und Möbel. Dazu gehören Parallel- und Fluchtpunktperspektive. Bei der Parallelperspektive sind Maßverhältnisse leichter ablesbar; bei der Fluchtpunktperspektive ähneln die Bilder den Netzhautbildern.

In der Parallelperspektive, auch Axonometrie oder Schrägbild, bleiben parallele Kanten in der Abbildung parallel; es gibt keine Fluchtpunkte. Bei rechtwinklig auftreffenden Projektionsstrahlen spricht man von Orthogonalprojektion. Vorderansicht, Seitenansicht und Draufsicht ergeben die Dreitafelprojektion. Schräg auftreffende Strahlen ergeben Axonometrie beziehungsweise schräge Parallelprojektion.

Wichtige Formen sind:

  • Isometrie: Alle drei Seiten eines rechtwinkligen Körpers werden unverkürzt im Verhältnis 1:1:1 dargestellt. Tiefenlinien liegen jeweils bei 30º zur Waagerechten, Höhenlinien bleiben senkrecht. Maße sind direkt ablesbar; die Methode wird in technischen Zeichnungen, Architekturplänen und Computerspielen verwendet.
  • Kavalierperspektive: Der Aufriss, meist die Frontansicht, bleibt unverzerrt; Tiefenlinien werden meist auf die Hälfte verkürzt.
  • Militärperspektive: Der Grundriss wird unverzerrt, meist mit 30 und 60 Grad, dargestellt. Senkrechte Strecken sind maßstabsgetreu, manchmal verkürzt.
  • Ingenieurperspektive: Die x- und y-Achse liegen bei 42° beziehungsweise 7° zur Waagerechten, die z-Achse senkrecht. Linien parallel zu y und z bleiben unverzerrt, Linien parallel zu x werden halbiert.

Fluchtpunkte und Blickrichtung

Die Fluchtpunktperspektive, auch Zentralperspektive, beruht darauf, dass parallele Linien und Raumkanten in der Ferne zusammenlaufen. Sie treffen sich in einem Fluchtpunkt, meist auf dem Horizont.

  • Einpunktperspektive: Alle Tiefenlinien führen zu einem Fluchtpunkt, meist auf dem Horizont. Senkrechte sowie bildparallele waagerechte Linien bleiben senkrecht beziehungsweise waagerecht. Die dem Betrachter zugewandten Flächen sind bildparallel.
  • Zweipunktperspektive: Horizontalparallele Linien laufen zu zwei Fluchtpunkten, typischerweise an den Bildseiten. In der Wirklichkeit senkrechte Linien bleiben senkrecht.
  • Dreipunktperspektive: Zusätzlich zu zwei seitlichen Fluchtpunkten gibt es einen dritten außerhalb des Horizonts, in dem die tatsächlich senkrechten Linien zusammentreffen. Höhe und Tiefe werden dadurch betont.

Ansichten lassen sich auch nach der Blickrichtung unterscheiden. Die Frontperspektive zeigt die Vorderseite zentral; die Frontfläche ist parallel zur Bildebene. In der Eckperspektive ist der Gegenstand gedreht, sodass eine vordere Kante oder die hintere Raumecke sichtbar ist. Bei der Froschperspektive blickt man von unten, der Horizont liegt unten. Die Normalperspektive zeigt auf Augenhöhe, mit Horizont im mittleren Bildbereich. Bei der Vogelperspektive blickt man schräg oder genau von oben; der Horizont liegt oben. Sie ist sowohl als Fluchtpunkt- als auch als Parallelperspektive möglich.

Licht und besondere Raumwirkungen

Die Beleuchtungsperspektive nutzt Eigenschatten auf einem Gegenstand und Schlagschatten auf seiner Umgebung. Dadurch werden Form und Lage im Raum erkennbar. Besonders bei rundplastischen Formen ist Schatten wichtig, weil diese nicht allein durch Linearperspektive dargestellt werden können.

Weitere Sonderformen verstärken oder verändern die Tiefenwirkung:

  • Perspektivische Verkürzung entsteht bei Linien und Objekten, die von den Betrachtenden wegführen; Tiefenlinien erscheinen meist verkürzt.
  • Schärfenperspektive: Nur eine bestimmte Tiefenregion wird durch Auge oder Kamera scharf abgebildet, Bereiche davor und dahinter erscheinen unscharf.
  • Repoussoir: Ein oft dunkler oder rötlicher Gegenstand, Bereich oder Rahmen im Vordergrund, etwa Baum, Mensch, Torbogen oder Vorhang, wirkt als Raumschieber und verstärkt die Tiefenillusion.
  • Fischaugenperspektive: Linien außerhalb des Zentrums werden gekrümmt, Randflächen kleiner dargestellt. Der Blickwinkel erreicht 180 Grad und mehr.
  • Panoramaperspektive: Die Abbildung erfolgt zunächst auf einer Zylinderfläche, die in eine Ebene aufgerollt werden kann. Der Blickwinkel reicht von 180 Grad bis 360 Grad.
  • Reliefperspektive ist dreidimensional: Meist wird die Tiefendimension stark verkürzt, ohne das Aussehen aus einem festen Augenpunkt zu verändern.

Bewusste Abweichungen von realistischer Darstellung

Einige Perspektivearten wollen die Realität nicht korrekt räumlich wiedergeben.

  • Bedeutungsperspektive ist keine Raumdarstellung: Größe und Platzierung richten sich nach der Bedeutung. Wichtige Personen stehen größer und höher, Personen mit niedrigerem Status kleiner und tiefer.
  • Verdrehte Perspektive zeigt jeden Teil aus seinem am besten erkennbaren, meist charakteristischsten Winkel. In altägyptischer Malerei erscheinen Kopf, Hüfte und Beine im Profil, Auge, Schultern und Brust dagegen von vorn.
  • Umgekehrte Perspektive stellt weiter entfernte, oben liegende Gegenstände größer dar als nähere, unten liegende. Sie folgt dem Blickwinkel der dargestellten Personen statt dem der Betrachtenden.
  • Ein unmögliches Objekt ist eine zweidimensionale Darstellung eines scheinbar dreidimensionalen Gegenstands, der in Wirklichkeit nicht existieren kann.
  • Multiperspektive zeigt Gegenstände, Personen oder Räume aus mehreren Blickwinkeln gleichzeitig. Sie verbindet räumliche Vielansichtigkeit mit Zeit: Vorausgehendes, Gegenwärtiges und Kommendes können in einem Bild erscheinen.
  • Eine Anamorphose ist ein so verzerrtes Bild, dass es nur aus einem bestimmten Winkel oder mit Spiegel beziehungsweise Prismensystem erkennbar wird.
  • Flächigkeit beschränkt die Darstellung auf zwei Dimensionen: rechts, links, oben und unten; genannt werden Streifenbild, Steilbild und Mischformen.

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