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Perikles

Perikles (altgriechisch Περικλῆς Periklḗs; * vor bzw. um 490 v. Chr.; † September 429 v. Chr.) gehörte zu den führenden Staatsmännern Athens und der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und politische Stellung
  2. 2. Aufstieg und demokratische Politik
  3. 3. Athener Macht und Kultur
  4. 4. Krieg, Prozesse und Lebensende
  5. 5. Urteile und offene Deutungen

Bedeutung und politische Stellung

Perikles (geboren vor bzw. um 490 v. Chr., gestorben im September 429 v. Chr.) war einer der führenden Staatsmänner Athens im 5. Jahrhundert v. Chr. Mit ihm werden der Ausbau der attischen Demokratie, die Sicherung der athenischen Vorherrschaft im Attischen Seebund und das große Bauprogramm auf der Akropolis verbunden.

Sein wichtigstes Amt war das des Strategen, also eines gewählten Militärbefehlshabers. Dieses Amt blieb neben der vorherrschenden Ämterlosung eine der wichtigsten politischen Positionen. Perikles wurde ab 443 v. Chr. 15 Jahre lang ohne Unterbrechung zum Strategen gewählt. Thukydides bezeichnete ihn als „ersten Mann in Athen“ und als gleich mächtig im Reden wie im Handeln. Dennoch war Perikles kein Alleinherrscher: Er benötigte für politische Entscheidungen die Zustimmung der Volksversammlung, der Ekklesia. Seine außergewöhnliche rhetorische Begabung half ihm, die Bürger meist für seine Vorschläge zu gewinnen.

Seine Herkunft erleichterte den politischen Aufstieg. Seine Mutter Agariste war eine Nichte des Reformers Kleisthenes aus dem Geschlecht der Alkmeoniden. Sein Vater Xanthippos war Stratege gewesen und hatte nach dem Sieg bei Salamis die Verfolgung der persischen Flotte geleitet. Perikles wurde im Demos Cholargos der Phyle Akamantis geboren. Geprägt wurde er nach antiker Überlieferung unter anderem durch Damon, Zenon von Elea und besonders durch den Philosophen Anaxagoras. Diese Angaben und ihre Bedeutung für Perikles sind allerdings nicht vollständig gesichert.

Aufstieg und demokratische Politik

Perikles trat zunächst vorsichtig auf. Sein Vater war 484 v. Chr. durch das Scherbengericht, den Ostrakismos, aus Athen verbannt worden; auch die Schicksale von Miltiades und Themistokles zeigten, wie gefährdet führende Politiker waren. Nach seiner Choregie für Aischylos’ Tragödie „Die Perser“ im Jahr 472 v. Chr. blieb Perikles ungefähr ein Jahrzehnt politisch wenig sichtbar.

463 v. Chr. gehörte er zu den Anklägern des konservativen Politikers Kimon. Als 462/61 v. Chr. der Areopag, der Rat der früheren Archonten, entmachtet und Kimon verbannt wurde, unterstützte Perikles wahrscheinlich den Machtwechsel zugunsten einer demokratischeren Ordnung. Nach der Ermordung des führenden Reformers Ephialtes trat Perikles an die Spitze dieser Bewegung, wobei die genauen Vorgänge nicht bekannt sind.

Eine wichtige Initiative war das Bürgerrechtsgesetz von 451 v. Chr. Danach sollte nur Bürger sein können, wer von beiden Elternteilen her das Bürgerrecht besaß. Damit wurden politische Teilhabe und staatliche Zuwendungen auf den bestehenden Bürgerbestand begrenzt. Zugleich verringerte das Gesetz die Bedeutung auswärtiger Heiratsverbindungen aristokratischer Familien. Nach einer anderen Deutung könnte Perikles damit auch eine zuverlässige Anhängerschaft in der Volksversammlung gewinnen wollen.

Perikles unterstützte außerdem öffentliche Zahlungen. Kritiker sahen darin eine Bestechung des Volkes durch Schauspielgelder, Gerichtsgelder und andere Zuwendungen. Eine positivere Deutung erkennt darin Aufwandsentschädigungen für den Dienst an der Polis sowie eine Form der Unterstützung für Behinderte und Erwerbsunfähige ohne ausreichende familiäre Hilfe.

Der wichtigste politische Gegner nach Kimon war Thukydides Melesiou, der die Ausgabenpolitik, die Verwendung von Seebundmitteln für Bauten und die Belastung der Bundesgenossen kritisierte. 443 v. Chr. wurde er durch den Ostrakismos verbannt. Danach hatte Perikles keinen ernsthaften politischen Herausforderer mehr.

Athener Macht und Kultur

Perikles prägte die Entwicklung des Attischen Seebunds zu einem Machtinstrument Athens. Die einfachen Bürger, die als Theten auf den Trieren dienten, waren wirtschaftlich auf die athenische Seemacht angewiesen und unterstützten deshalb häufig eine ausgreifende Bündnispolitik. Die Bundeskasse wurde von Delos nach Athen überführt. Kleruchen, also athenische Bürger mit besonderen Rechten, wurden in Gebieten von Bundesgenossen angesiedelt und sollten dort die Herrschaft Athens sichern.

Perikles versuchte zeitweise, Athens Führungsrolle als Dienst an allen Griechen darzustellen. Ein von ihm angestrebter panhellenischer Friedenskongress scheiterte jedoch, weil die eingeladenen Poleis, vermutlich auch aus Rücksicht auf Sparta, keine Delegierten entsandten. Mit der Gründung der Kolonie Thurioi 444/43 v. Chr. wird ebenfalls eine panhellenische Zielsetzung verbunden; diese Kolonie wurde später nicht als athenisches Eigentum oder Untertanengebiet beansprucht.

Gegen abtrünnige Bundesgenossen ging Perikles hart vor. Im Samischen Krieg von 440 v. Chr. setzte sich Athen nach langer Auseinandersetzung durch. Samos musste seine Mauern einreißen, seine Flotte ausliefern, Geiseln stellen und die Kriegskosten erstatten. Perikles erscheint daher sowohl als besonnener Feldherr, der unnötige Risiken vermied, als auch als entschlossener Vertreter einer expansionistischen Politik.

Das Bauprogramm auf der Akropolis begann nach 450 v. Chr. und wurde von Phidias geleitet. 447 v. Chr. setzte der Bau des Parthenon ein; 438 v. Chr. wurde die 12 Meter hohe Statue der Athena Parthenos geweiht, und im folgenden Jahr begannen die Propyläen. Das Odeion stand in besonders engem Zusammenhang mit Perikles. Dort ließ er musikalische Wettbewerbe für das Panathenäenfest organisieren und Regeln für Aulos, Gesang und Kithara festlegen. Die Bauten konnten als religiöse Anlagen, als Schatzhäuser und als sichtbarer Ausdruck der imperialen Demokratie Athens verstanden werden.

Die Kulturpolitik war nicht uneingeschränkt freiheitlich. Ein von Perikles beantragtes Gesetz verbot die Verspottung attischer Staatsmänner. Nach einem Streik der Komödiendichter hob die Volksversammlung dieses Zensurgesetz 437/36 v. Chr. wieder auf.

Krieg, Prozesse und Lebensende

Perikles sah die Flotte und die Langen Mauern als Grundlage der athenischen Sicherheit. Ab 445 v. Chr. wurde auf seine Initiative eine dritte, mittlere Mauer zwischen Athen und dem Piräus errichtet. Diese Maßnahmen verstärkten den Gegensatz zu Sparta.

Im Konflikt mit Korinth und Sparta betrieb Perikles den Handelsboykott gegen Megara, das Megarische Psephisma. Als Sparta mit Krieg drohte, überzeugte Perikles die Volksversammlung davon, nicht nachzugeben. Sein Kriegsplan sah vor, eine offene Landschlacht gegen das überlegene spartanische Hoplitenheer zu vermeiden, die Bevölkerung hinter den Mauern zu schützen und die Versorgung durch die Flotte sicherzustellen. Athen sollte durch Angriffe zur See den Gegner schwächen. Perikles erklärte zugleich, Athen werde den Krieg nicht beginnen und sei zu einem Schiedsgericht bereit. Der Peloponnesische Krieg begann im März 431 v. Chr.

Die Strategie wurde zunächst umgesetzt: Die Athener zogen sich hinter die Mauern zurück, während die Spartaner Attika verwüsteten. Lebensmittel mussten importiert werden; bereits im ersten Kriegsjahr wurde ein Viertel der verfügbaren Kriegskasse verbraucht. Im zweiten Kriegsjahr brach in der dicht besiedelten Stadt eine pestartige Seuche aus, die bis 427 v. Chr. etwa ein Drittel der Athener tötete. 430 v. Chr. wandte sich die Bevölkerung von Perikles ab. Er wurde als Stratege abgesetzt, angeklagt und zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Ob der Vorwurf Unterschlagung oder eine Täuschung des Volkes betraf, ist in der Überlieferung umstritten.

Schon zuvor waren Personen aus seinem Umfeld verfolgt worden: Anaxagoras wurde wegen angeblicher Gottlosigkeit zum Tod verurteilt und floh mit Perikles’ Unterstützung. Phidias wurde wegen angeblicher Unterschlagung von Gold angeklagt; das Gold erwies sich beim Nachwiegen als vollständig, dennoch wurde Phidias wegen einer als anmaßend geltenden Darstellung auf dem Schild der Athena verurteilt. Sein weiteres Schicksal wird unterschiedlich überliefert: Plutarch zufolge starb er im Gefängnis, Philochoros zufolge ging er in die Verbannung. Aspasia, Perikles’ Lebensgefährtin, wurde ebenfalls wegen Gottlosigkeit angeklagt; Perikles soll sich persönlich und unter Tränen für ihren Freispruch eingesetzt haben.

Perikles war zunächst mit einer Frau aus seinen gesellschaftlichen Kreisen verheiratet und hatte mit ihr die Söhne Xanthippos und Paralos. Nach der Trennung lebte er mit der aus Milet stammenden Aspasia zusammen. Wegen des Bürgerrechtsgesetzes konnte er sie nicht heiraten, erwirkte aber für den gemeinsamen Sohn eine Ausnahme vom Gesetz. Perikles trat öffentlich sparsam und kontrolliert auf, mied private Einladungen und sprach in der Volksversammlung vor allem bei wichtigen Entscheidungen. Seine Redekunst galt als besonders überzeugend.

Im März 429 v. Chr. wurde Perikles erneut zum Strategen gewählt. Wenige Monate später starb er selbst an der Seuche.

Urteile und offene Deutungen

Das Bild des Perikles ist wegen der lückenhaften und unterschiedlich bewerteten Quellen umstritten. Thukydides stellte ihn als vorausschauenden, unbestechlichen Führer dar. Nach seinem Urteil hätte Athen unter Perikles’ Leitung den Krieg gewinnen können, wenn es die Flotte ausgebaut, das Reich nicht vergrößert und die Stadt nicht gefährdet hätte. Thukydides prägte zugleich die zugespitzte Formel, Athen sei dem Namen nach eine Demokratie, in Wirklichkeit aber die Herrschaft des Ersten Mannes gewesen.

Andere antike Autoren urteilten deutlich anders. Komödiendichter wie Kratinos und Aristophanes stellten Perikles als tyrannischen Politiker oder Kriegstreiber dar. Platon kritisierte die Ausgleichszahlungen für Ämter, weil sie die Athener angeblich geldgierig, faul und geschwätzig gemacht hätten. Isokrates lobte dagegen Perikles als unbestechlichen politischen Führer, hervorragenden Redner und Förderer der Baukunst. Plutarch unterschied eine frühere, stärker populistisch angepasste Phase von einer späteren, selbstbewussteren und eher aristokratischen Herrschaftsweise. Er hob zugleich Perikles’ Verzicht auf Willkürakte hervor.

Auch die neuzeitliche Forschung schwankt zwischen Verehrung und Skepsis. Winckelmann und Wilhelm Adolf Schmidt sahen in Perikles beziehungsweise in seiner Zeit den Höhepunkt griechischer Kunst und Kultur. Julius Beloch bezweifelte dagegen seine Bedeutung als Staatsmann und warf ihm vor, den Peloponnesischen Krieg aus persönlichen Gründen ausgelöst zu haben. Spätere Deutungen reichen von einer positiven Würdigung seiner Redekunst, Urteilskraft, Selbstdisziplin und demokratischen Vision bis zu der Ansicht, das überlieferte Bild sei ein später geschaffenes Idealbild aus Demokrat, Kulturförderer, Kriegsplaner und Friedensstifter.

Daher ist weder die Bezeichnung „Perikleisches Zeitalter“ eindeutig bestätigt noch vollständig verworfen. Sicher ist, dass Perikles die demokratischen Institutionen, die Machtpolitik Athens, den Kriegskurs und die kulturelle Selbstdarstellung der Polis entscheidend prägte. Umstritten bleibt, wie groß sein persönlicher Anteil an diesen Entwicklungen tatsächlich war.

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