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Paul F. Knitter
Paul Francis Knitter (* 25. Februar 1939 in Chicago) ist ein US-amerikanischer katholischer Theologe und Religionswissenschaftler und ehemaliger geweihter …
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Person und Grundgedanke
Paul Francis Knitter (* 25. Februar 1939 in Chicago) ist ein US-amerikanischer katholischer Theologe, Religionswissenschaftler und ehemaliger geweihter Priester. Er lehrte als Professor für Theologie, Weltreligionen und Kulturen auf dem Paul-Tillich-Lehrstuhl des Union Theological Seminary in New York. Er zählt, neben John Hick, zu den Vertretern einer pluralistischen Religionstheologie.
Diese Richtung geht von der Beobachtung aus, dass neben dem Christentum mehrere weitere Religionen bestehen. Knitter versteht religiöse Vielfalt als bedeutsam und vertritt die Auffassung, dass Religionen voneinander lernen können. Sein theologisches Interesse verbindet den Dialog zwischen Religionen besonders mit der Sorge um Leidende, Arme und geschundene Menschen sowie mit Versöhnung zwischen Opfern und Tätern.
Ausbildung und Tätigkeit
Knitter trat 1958 nach High School und zweijährigem Noviziat der Societas Verbi Divini (SVD) bei, um Missionar zu werden. Er studierte Theologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und erwarb dort 1966 das Lizentiat. Im selben Jahr wurde er in Rom zum Priester geweiht.
Anschließend promovierte er an der Universität Marburg bei Carl Heinz Ratschow über protestantische Religionstheologien, insbesondere über Paul Althaus. Seine Dissertation trug den Titel „Towards a Protestant Theology of Religions“; das Doktorat der Evangelischen Theologie schloss er 1972 ab. Er war der erste römisch-katholische Theologe, der an der Universität Marburg zur theologischen Promotion zugelassen wurde, und war zeitweise Assistent von Rudolf Bultmann.
Seit 1972 lehrte Knitter am Catholic Theological Union in Chicago, seit 1975 an der Xavier University in Cincinnati als Professor für Systematische Theologie und Religionswissenschaften. Im Jahr 1975 legte er sein Priesteramt nieder. Seit dem 31. Dezember 1982 ist er mit Catherine Mary Cornell verheiratet; das Paar hat zwei Kinder. Von 1986 bis 2004 gehörte er dem Verwaltungsrat von CRISPAZ („Christians for Peace in El Salvador“) an. Seit dem Erscheinen von „Without Buddha I Could Not Be a Christian“ (2009) gilt er außerdem als Vertreter religiöser Zweisprachigkeit beziehungsweise „Dual Belonging“.
Theologie der Religionen und ihre Modelle
Knitter richtet seine Religionstheologie auf einen theozentrischen Ansatz aus: Gott steht im Mittelpunkt. Gott sei bereits wegen seiner Dreifaltigkeit in sich pluralistisch. Die heilshafte Rolle Jesu Christi versteht Knitter als wahrhaft, aber nicht als einzigartig. Aus christlicher Sicht solle sich die Perspektive vom Ekklesiozentrismus, bei dem die Kirche im Mittelpunkt steht, über den Christozentrismus hin zum Theozentrismus entwickeln. Ohne diese Ausrichtung auf Gott könne eine christozentrische Haltung zur Idolatrie werden und sowohl die christliche Offenbarung als auch Offenbarungen in anderen Religionen beeinträchtigen. Jesus von Nazareth habe seine Botschaft selbst theozentrisch verstanden.
In „Introducing Theologies of Religions“ (2002) beschreibt Knitter vier Modelle, deren Grundlagen John Hick und Alan Race lieferten:
- Das Ersatzmodell ist exklusivistisch: Das Christentum gilt als einzig wahre Religion und soll andere Religionen ganz oder teilweise ersetzen. Diese werden als „sündhafte Selbsterlösungs-Versuche“ verstanden.
- Das Erfüllungsmodell ist inklusivistisch: Es hält das Christentum ebenfalls für die einzig wahre Religion, erkennt aber Wahrheit und Gnade in anderen Religionen an. Dialog ist möglich, jedoch nicht zwischen gleichrangigen Partnern; andere Religionen werden als auf ihre Vollendung im Christentum hinführbar verstanden.
- Das Reziprozitätsmodell nimmt viele wahre Religionen an, von denen keine notwendig über den anderen steht. Sie sollen miteinander dialogisieren und besonders in „Befreiungsprojekten“ zusammenarbeiten. Zugleich wird anerkannt, dass Religionen jeweils eigene Wahrheitsansprüche haben.
- Das Akzeptanzmodell betont die grundlegende Verschiedenheit der Religionen. Es lehnt die Suche nach einem gemeinsamen Grund ab und fordert jede Religion auf, ihre eigenen Ziele und Handlungsweisen zu pflegen und weiterzuentwickeln.
Die pluralistische Position schreibt vielen Religionen relative Wahrheit zu, keiner jedoch endgültige Wahrheit. Religiöses Sprechen über Gott ist für Knitter immer symbolisches Reden.
Christologie und Verhältnis zur katholischen Kirche
Für Knitter bedeutet Christsein vor allem, Jesus nachzufolgen, nicht ihn zu verherrlichen. Deshalb rückt nicht die Person Jesu, sondern seine Verkündigung des Reiches Gottes in den Mittelpunkt. Daraus entwickelt Knitter eine „am Reich Gottes orientierte Christologie“, also ein theologisches Verständnis Jesu, das an seiner Botschaft vom Reich Gottes ausgerichtet ist.
Im interreligiösen Dialog sieht Knitter, ähnlich wie Aloysius Pieris, einen besonderen christlichen Beitrag darin, Jesus als Gottes Verteidigungspakt mit den Armen zu verstehen. Christentum erinnere daran, dass Gott zu kennen bedeute, sich um die Opfer der Welt zu sorgen und Versöhnung zwischen Opfern und Tätern zu stiften. Während Knitter vor allem praktisch auf Dialog ausgerichtet ist, verfolgt John Hick eher eine theoretisch-religionsphilosophische Deutung religiöser Vielfalt.
Kritik und kirchliche Position
Seit den 1980er Jahren gilt Knitter als führender Vertreter des religiösen Pluralismus. Kardinal Joseph Ratzinger kritisierte ihn scharf und warf ihm Relativismus vor. In konservativen katholischen Kreisen wurde zudem auf seine Aufgabe des Priesteramts und seine Heirat verwiesen; daraus wurde dort seine theologische Qualifikation infrage gestellt.
Am 6. August 2000 veröffentlichte die Päpstliche Kongregation für die Glaubenslehre die Erklärung „Dominus Iesus: Über die Einzigkeit und Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche“. Sie warnt römisch-katholische Gläubige vor Ansichten, welche die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi bestreiten. Insbesondere kritisiert sie relativistische Theorien, die religiösen Pluralismus nicht nur als tatsächliche Gegebenheit, sondern als prinzipiell berechtigt ansehen. Nach der Erklärung gefährden solche Theorien grundlegende Wahrheiten des christlichen Glaubens. Die Schrift zielt auf die Verurteilung des religiösen Pluralismus und einiger Formen eines aufgeschlossenen Inklusivismus; sie ermöglichte der römisch-katholischen Kirche Maßnahmen und Untersuchungen gegen mehrere Pluralisten.