Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Papyrus Ebers
Der Papyrus Ebers (auch Papyros Ebers) ist ein medizinischer Papyrus aus dem alten Ägypten. Er wurde im 16. Jahrhundert v. Chr. verfasst.
Inhalt4 Abschnitte
Bedeutung und Datierung
Der Papyrus Ebers ist ein medizinischer Papyrus aus dem alten Ägypten und zählt neben dem Papyrus Edwin Smith zu den ältesten bekannten Texten über medizinische Themen. Er enthält Beschreibungen von Krankheiten, Symptomen und Diagnosen sowie Anweisungen zu Behandlungen und zur Herstellung von Heilmitteln. Seine Bedeutung liegt vor allem darin, dass er die größte erhaltene Aufzeichnung zur altägyptischen Medizin ist und sowohl praktische Beobachtungen als auch magische Vorstellungen über Krankheit dokumentiert.
Der medizinische Haupttext wurde in der Regierungszeit des Pharaos Amenophis I. oder kurz davor niedergeschrieben; sein Inhalt geht jedoch auf ältere Vorlagen zurück. Ein auf der Rückseite eingetragener Kalender und paläographische Untersuchungen, also Untersuchungen der Schriftformen, stützen diese Einordnung. Die absolute Datierung ist nicht eindeutig, weil viele ägyptische Regierungszeiten nicht jahrgenau festgelegt werden können: Angaben reichen von der Mitte des 16. Jahrhunderts v. Chr., häufig „um 1550 v. Chr.“, bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Eine C14-Untersuchung von 2015 datierte den Papyrus in das letzte Viertel des 16. Jahrhunderts v. Chr.
Später wurden auf der Rückseite zusätzlich kalendarische Informationen notiert.
Aufbau und Erhaltung
Der Papyrus wurde in hieratischer Schrift geschrieben, einer Schreibschrift des alten Ägypten. Die Rolle ist 18,63 Meter lang und 30 Zentimeter hoch und damit der längste medizinische Papyrus. Ursprünglich bestand sie aus 108 Textkolumnen. Diese sind von 1 bis 110 nummeriert, wobei die Nummern 28 und 29 ausgelassen wurden.
Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Manuskript erhebliche Schäden. Die Kolumnen 54, 56, 94 und 109 sind beschädigt oder nur noch fragmentarisch erhalten. Verloren sind die Kolumnen 48, 49, 55, 80–82, 93/110, 98/106, 99, 100/104, 101, 102/103 und 105. Die erhaltenen 108 Kolumnen umfassen 877 magische Formeln und Heilmittel. Viele Beschwörungen sollen krankheitsverursachende Dämonen vertreiben. Gleichzeitig zeigt der Text, dass es auch empirische Behandlung und Beobachtung gab, also Behandlung auf Grundlage wahrnehmbarer Beschwerden und Erfahrungen.
Medizinische Themen und Heilvorstellungen
Der Papyrus behandelt ein breites Spektrum von Krankheiten und Therapien. Dazu gehören Darmerkrankungen und Parasiten, Augenleiden, Hautprobleme und Wunden. Weitere Themen sind Empfängnisverhütung und gynäkologische Erkrankungen, Zahnbeschwerden, die chirurgische Behandlung von Abszessen und Tumoren sowie das Richten von Knochen und die Behandlung von Verbrennungen. Als Abführmittel bei Verstopfung empfiehlt der Text Wacholderbeeren.
Ein besonderer Teil ist die Abhandlung über Herz und Gefäße. Die Ägypter kannten die Nieren nur wenig. Sie verstanden das Herz aber als Treffpunkt verschiedener Gefäße im Körper. Nach ihrer Vorstellung transportierten diese nicht nur Blut, sondern auch Tränen, Urin und sogar Sperma. Dennoch erkannten sie, dass Blutgefäße den ganzen Körper durchziehen, und sahen das Herz als deren Zentrum an.
Die oft vertretene Aussage, der Papyrus nenne Opium und Cannabis indica als Narkotika, ist nicht gesichert. Die Zuordnung zu Opium beruht laut Artikel auf einer unrichtigen Übersetzung ägyptischer Drogennamen; die Zuordnung zu Cannabis ist umstritten.
Für die Medizingeschichte wird der Papyrus Ebers durch weitere Texte ergänzt: Der 1862 ebenfalls in Theben entdeckte Papyrus Edwin Smith stammt vom Ende der 12. Dynastie, etwa 1780 v. Chr., und beschäftigt sich vor allem mit Chirurgie. Der Berliner Papyrus Brugsch wird auf um 1300 v. Chr. datiert.
Erwerb und Aufbewahrung
Georg Ebers erwarb den Papyrus Anfang 1873 in Luxor in Ägypten. Dafür standen 1.500 Taler vom König von Sachsen und 2.500 Taler aus dem Universitäts-Reisestipendienfonds zur Verfügung. Zuvor hatte sich das Manuskript im Besitz von Todrus Bulos befunden, einem Konsularagenten des Norddeutschen Bundes, der 1898 starb.
Nach dem Kauf wurde der Papyrus in die Universitätsbibliothek Leipzig aufgenommen. Ebers veröffentlichte ihn 1875 in einer zweibändigen Faksimile-Ausgabe mit Kommentar und Glossar. Das Original befindet sich weiterhin in der Universitätsbibliothek Leipzig.