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Indischer Hanf
Durch den höheren Cannabidiol-Gehalt (CBD) von Cannabis indica wird es bevorzugt bei Erkrankungen eingesetzt, bei denen die entzündungshemmende …
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Einordnung und Abgrenzung
Indischer Hanf (Cannabis indica Lam.) ist eine Pflanzenart der Gattung Hanf (Cannabis) in der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae), Ordnung Rosenartige (Rosales). Ob Cannabis indica eine eigenständige Art oder eine Unterart von Cannabis sativa ist, ist umstritten. Wild- und Kulturformen des Hanfs sind morphologisch, also in ihren sichtbaren Merkmalen, sehr variabel und fruchtbar miteinander kreuzbar. Deshalb besteht keine einheitliche taxonomische Gliederung der Gattung.
Bei Züchtern und Anbauern bezeichnet „indica“ meist breitblättrige, dicht verzweigte Pflanzen mit hohem THC-Gehalt, die vor allem für Haschisch und Marihuana angebaut werden. Dieser Sprachgebrauch stimmt jedoch nicht immer mit der botanischen Abgrenzung überein. Botanisch zu Cannabis indica gerechnete Pflanzen werden außerdem als Öl- und Faserpflanzen genutzt und umfassen verschiedene Ökotypen, also an bestimmte Umweltbedingungen angepasste Formen.
Herkunft und typische Merkmale
Als ursprüngliche Heimat aller Cannabis-Sippen gelten die Steppen und Bergländer Zentralasiens. Bei heute dort wild wachsenden Pflanzen lässt sich oft nicht sicher entscheiden, ob es echte Wildpflanzen, rückverwilderte Kulturpflanzen oder Kreuzungen beider Formen sind. Spontane Formen besitzen an der Basis reifer Früchte ein Trenngewebe: Die Früchte fallen nach und nach ab. Ihre Keimung erfolgt bei Aussaat oft verzögert; dadurch entsteht im Boden eine dauerhafte Samenbank.
Nach Untersuchungen von Nikolai Wawilow und seiner Arbeitsgruppe wurde Hanf wahrscheinlich mehrfach unabhängig in verschiedenen Regionen und aus unterschiedlichen Wildpflanzen domestiziert. Cannabis sativa s.str. soll aus dem Gebiet nördlich von Hindukusch, Pamir und Himalaya einschließlich des tibetanischen Hochplateaus stammen und sich nach Westen verbreitet haben. Die Urheimat von Cannabis indica wird südlich dieser Gebirge angenommen; kultivierte Formen verbreiteten sich vor allem nach Süden. Andere Forschende nehmen statt zweier Domestikationszentren nur ein südliches Zentrum an.
Als Merkmale gegenüber Cannabis sativa s.str. werden für Cannabis indica genannt: meist kleinerer Wuchs bis etwa 120 Zentimeter, eine mehr oder weniger konische, dicht verzweigte Gestalt sowie dunkle Achänen mit hell gefleckter, erhalten bleibender Hülle (Perianth). Die reifen Früchte fallen durch ein besonderes Trenngewebe ab. Karl William Hillig beschrieb außerdem langsameres Wachstum und Reifen, tendenziell weniger, aber breitere Teilblättchen an Blättern der Stängelmitte sowie oft rötlichbraune Verfärbung durch abschälende Rinde an der Stammbasis.
Teilweise werden vier Unterarten unterschieden: C. indica subsp. chinensis für Faser und Öl in China, Korea, Japan und weiteren Teilen Südostasiens; C. indica subsp. indica mit schmalen Blättchen für Drogenproduktion; C. indica subsp. kafiristanica als wilde oder verwilderte Form am Westrand des Himalaya; sowie C. indica subsp. afghanica mit breiten Blättchen zur Haschischproduktion in Afghanistan und Pakistan. Genetische Vergleiche von 11 Enzymen mit 65 Allelen ergaben zwei Cluster, die den morphologisch abgegrenzten Arten sativa und indica recht gut entsprachen und damit das Konzept zweier Arten stützen.
Wachstum und Lebensraum
Indischer Hanf ist eine einjährige krautige Pflanze. Sie ist gewöhnlich zweihäusig: Männliche und weibliche Blüten wachsen auf verschiedenen Pflanzen; einhäusige Abweichungen sind selten. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind (Anemogamie). Samen keimen ohne menschliches Zutun im Frühjahr, bei Aussaat auch zu anderen Zeiten.
Zunächst wächst die Pflanze vegetativ. Unter günstigen Bedingungen kann sie bis etwa 10 Zentimeter pro Tag zulegen. Blüten werden erst gebildet, wenn die Tageslänge im Spätsommer unter 12 bis 14 Stunden sinkt. Die Art bevorzugt volle Belichtung, kann aber auch im Halbschatten wachsen. Geeignet sind offene, unbewachsene, gut drainierte und gelockerte sandige bis lehmige Böden; Staunässe wird nicht vertragen. Wild- und verwilderte Pflanzen wachsen unter ähnlichen Bedingungen wie Kulturpflanzen in Ruderalvegetation. Bevorzugt werden Bereiche mit höchstens mäßiger Luftfeuchte. In dauerhumiden Tropen ist Anbau möglich, doch verwildert die Art dort niemals.
Cannabinoide und Rauschmittel
Marihuana, Haschisch und seltener Haschöl werden aus reifen, getrockneten weiblichen Blütenständen gewonnen. Faserpflanzen gehören meist zu Cannabis sativa s.str. und haben nur eine sehr geringe oder keine berauschende Wirkung. Cannabinoide, die charakteristischen Wirkstoffe der Gattung Cannabis, werden in Drüsenhaaren aller Teile weiblicher Pflanzen gespeichert, besonders konzentriert jedoch in den Blütenständen.
Es werden etwa 60 Cannabinoide unterschieden; einige davon sind möglicherweise Abbauprodukte oder bei der Analyse entstandene Artefakte. Cannabis-Sippen unterscheiden sich deutlich in ihrem Cannabinoid-Profil. Auf der lebenden Pflanze liegen Cannabinoide als saure, carboxylierte Formen vor. Erst durch Erhitzen entstehen die psychoaktiven, decarboxylierten Formen; frisches Material wirkt deshalb nicht berauschend.
Ausgangspunkt der Synthese fast aller Cannabinoide ist das nicht psychoaktive Cannabigerol. Wichtige Stoffe sind Cannabidiol (CBD), Cannabichromen und Tetrahydrocannabinol (THC). Daneben gibt es Propyl-Phytocannabinoide mit einer Propylgruppe, die die Endung „-varin“ tragen, etwa Cannabigerovarin. Für die gewünschte berauschende Wirkung ist vor allem der THC-Gehalt entscheidend; auch Tetrahydrocannabivarin (THCV) ist ähnlich psychoaktiv. Zur Charakterisierung werden neben absoluten Gehalten insbesondere das Verhältnis von THC zu CBD verwendet.
Die Daten sprechen dafür, dass sich Pflanzen mit hohem THC-Gehalt von solchen mit sehr niedrigen Gehalten vor allem durch zwei Isoformen eines Enzyms unterscheiden. Die zu hohen THC-Gehalten gehörende Genvariante, ein Allel, wurde bei Pflanzen gefunden, die Cannabis indica zugeordnet werden konnten, auch bei aus China stammenden Faser- und Ölsorten. Cannabis enthält außerdem 113 weitere, teilweise schwach psychoaktive Cannabinoide sowie Harze, Flavonoide und ätherische Öle.
Nutzung und medizinische Angaben
Cannabis wurde als Nahrungsmittelquelle für Ballaststoffe und Fette sowie wegen heilender, schmerzlindernder und berauschender Eigenschaften angebaut. Selektive Züchtung führte sowohl zu Pflanzen mit hohem Wirkstoffgehalt als auch zu Sorten für Faser- und Samenproduktion. Cannabis indica wurde bereits bei Sushruta als Anästhetikum genannt; den Verfassern des Papyrus Ebers war es um 1550 v. Chr. als Narkotikum bekannt.
Wegen des höheren CBD-Gehalts wird Cannabis indica bevorzugt bei Erkrankungen eingesetzt, bei denen eine entzündungshemmende und krampflösende Wirkung erwünscht ist. Einreibungen aus Hanfextrakt von Indischem Hanf wirken gemäß Weiss lindernd bei starken Schmerzen durch verletzte Muskelteile und Sehnen.
Als Rauschmittel wird Cannabis indica eine stärkere sedative Wirkung zugeschrieben als Cannabis sativa, dessen Wirkung als stärker psychedelisch und anregend beschrieben wird. Neben Wildformen existieren zahlreiche Zuchtformen. Indica-Sorten werden weltweit gezüchtet; als Zentren werden die Niederlande sowie Kanada und die USA genannt. In der gewerbsmäßigen Produktion bevorzugt man Pflanzen mit stark THC-haltigem Harz, die häufig weibliche Nachkommen hervorbringen.