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Irene Vallejo - Papyrus - Die Geschichte der Welt in Büchern
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Transkriptautomatisch erstellt · 59 Zeilen
- Papyrus die Geschichte der Welt in Büchern von Irene vajoch aus dem spanischen von Maria Meinel und Luis Ruby ein Diogenes Hörbuch gelesen von
- Annalena Zühlke meiner Mutter fester Hand aus Watte
- Prolog seltsame Gruppen berittener Männer durch Streifen die Straßen Griechenlands die Bauern beobachten sie misstrauisch von
- den Feldern aus oder von den hüttentüren aus Erfahrung wissen sie dass nur gefährliche Leute reisen Soldaten Söldner Sklavenhändler sie runzeln die
- Stirn und Knurren bis die Männer wieder am Horizont versinken sie mögen keine bewaffneten fremden die Reiter nehmen von den Dorfbewohnern
- keine Notiz monatelang haben sie Berge bestiegen Schluchten genommen Täler durchquert Flüsse durchwartet und sind von Insel zu
- Insel gesegelt ihre Widerstandskräfte und Muskeln sind stärker geworden seit dem Antritt ihrer sonderbaren Mission um diesen Auftrag zu erfüllen müssen sie
- sich in die rauen Territorien einer sich ständig bekriegenden weltvorwagen sie jagen nach einer ganz besonderen Beute einer stillen Beute einer schlauen die
- nicht die geringsten Spuren hinterlässt wenn sich diese unheimlichen Gesandten in irgendeiner Hafenkneipe setzen Wein trinken gebratenen Tintenfisch Essen
- sich mit fremden unterhalten und gemeinsam betrinken würden aus Vorsicht tun sie das nie könnten sie großartige Reisegeschichten erzählen sie hatten
- sich in pestgebiete gewagt waren durch niedergebrannte Gegenden gereist und hatten die heiße Asche der Zerstörung und die Brutalität der Rebellen und
- Söldner auf kriegspfaden gesehen Landkarten von ausgedehnten Gebieten gab es noch nicht und so verirrten sie sich und wanderten Tage lang ziellos bei
- sengender Sonne und stürmen umher sie mussten ekelhaftes Wasser trinken das ihnen heftigen Durchfall bescherte wenn es regnete blieben die Kutschen und
- Maultiere in Pfützen stecken mit rufen und Flüchen zerrten sie dann an ihnen bis sie selbst auf die Knie gingen und in den Schlamm fielen
- wurden sie fern jeder bleibe von der Nacht überrascht schützte sie nur ihr Mantel vor den Skorpionen sie kennen die ihren Läuse Plagen und die ständige
- Angst vor Räubern die die Straßen befallen oft stockt Ihnen das Blut in den Adern wenn sie durch die Einsamkeit reiten und
- sich vorstellen dass sie eine Gruppe von Banditen mit angehaltenem Atem belauert sich hinter irgendeiner Biegung des Weges versteckt um über sie her zu
- fallen sie kaltblütig zu ermorden auszurauben und ihre noch warmen Leichen im Gebüsch zurückzulassen logisch dass sie Angst haben der König
- von Ägypten hatte ihnen große Summen anvertraut bevor er sie zu ihrem Auftrag auf der anderen Seite des Meeres entsandte
- zu jener Zeit nur wenige Jahrzehnte nach Alexanders Tod war das Reisen mit großem Vermögen sehr riskant fast selbstmörderisch
- und obwohl Diebes Dolche ansteckende Krankheiten und Schiffbrüche eine so kostspielige Mission zu zerschlagen drohten Bestand der Pharao darauf seine
- Agenten aus dem Land des Nils über Grenzen und große Entfernungen hinweg in alle Richtungen auszusenden ungeduldig voll quälender Habgier brennt
- er auf jene Beute die seine heimlichen Jäger allen fremden gefahren zum Trotz für ihn aufspüren die neugierig vor ihren Hütten
- lungernden Bauern die Söldner und die Banditen hätten ungläubig Mund und Augen aufgerissen wenn sie gewusst hätten worauf die Fremden Reiter aus waren
- Bücher sie suchten Bücher es war das Best gehütete Geheimnis des ägyptischen Hofs der Herrscher zweier Kulturen einer der mächtigsten Männer
- der damaligen Zeit gäbe das Leben dafür dass der anderen natürlich so ist das immer bei Königin um alle Bücher der Welt in seiner großen Bibliothek von
- Alexandria zu versammeln er träumte von der vollkommenen Bibliothek einer Sammlung aller Werke aller Autoren seit Anbeginn der Zeit
- ich scheue mich immer vorm Schreiben der ersten Zeilen Form Überschreiten der Schwelle zu einem neuen Buch wenn alle Bibliotheken durchforstet sind und meine
- Hefte strotzen vor fieberhaften Notizen wenn mir weder vernünftige noch dumme Ausreden einfallen wollen die das Warten erklärten zögere ich es noch ein paar
- Tage hinaus in denen mir klar wird worin die Feigheit besteht ich fühle mich einfach unfähig alles sollte da sein der Ton der Humor die
- Poesie der Rhythmus die Versprechen die noch ungeschriebenen ums geboren werden ringenden Kapitel sollten sich im Keimbett der gewählten Anfangsworte
- schon erahnen lassen aber wie macht man das was ich derzeit habe sind Zweifel mit jedem Buch kehre ich zum Ausgangspunkt
- zurück zum schlagenden Herzen allerersten Male schreiben ist der Versuch herauszufinden was man schreiben würde wenn man
- schriebe so formulierte es Margerite Duras und geht vom Infinitiv zur bedingungsform und dann zum irreales über als spürte sie den Boden unter
- ihren Füßen bröckeln das unterscheidet sich im Grunde kaum von anderen Dingen die wir ahnungslos beginnen eine andere Sprache sprechen
- Autofahren Mutter sein Leben eines heißen juli nachmittags nach all den quälenden zweifeln den aufgebrachten Vorwänden und Alibis stelle ich mich der
- Einsamkeit des leeren Blattes ich werde meinen Text mit dem Bild von ein paar rätselhaften Jägern auf der Suche nach Beute eröffnen ich identifiziere mich
- mit ihnen ich mag ihre Geduld ihrem Gleichmut die verlorene Zeit die Langsamkeit und das Adrenalin bei der Suche
- jahrelang habe ich recherchiert Quellen konsultiert alles dokumentiert und mich mit der Aneignung des historischen Materials befasst doch zur Stunde der
- Wahrheit scheint die wirkliche dokumentierte Geschichte die ich entdecke so erstaunlich dass sie in meine Träume eindringt und ohne mein
- Zutun die Form einer Erzählung annimmt ich bin versucht in die Haut dieser Büchersuche auf den Straßen eines antiken gewalttätigen zuckenden Europas
- zu schlüpfen und wenn ich zu Beginn ihre Reise beschreibe könnte funktionieren aber wie gelingt es
- dass darunter liegende Fakten Skelett von den Muskeln und dem Blut der Fantasie abzugrenzen ich glaube der Ausgangspunkt ist so
- fantastisch wie die Suche nach den Minen König Salomos oder nach dem verlorenen Schatz aber die Dokumente belegen dass die büchergier im größenwand Denken der
- ägyptischen Könige wirklich existierte vielleicht war es damals im dritten Jahrhundert vor Christus zum ersten und letzten Mal möglich den Traum vom
- versammeln ausnahmslos aller Bücher der Welt in einer universal-Bibliothek zu verwirklichen heute erscheint uns das wie die Handlung
- einer Fiktion von borches oder vielleicht seine große erotische Fantasie so etwas wie einen internationalen
- Handel mit Büchern gab es zur Zeit des großen alexandrinischen Projekts nicht man konnte sie in kulturhistorisch bedeutenden Städten kaufen aber nicht im
- jungen Alexandria die Quellen berichten dass die Könige ihre absolutistische macht nutzten um ihre Sammlungen zu bereichern was sie
- nicht kaufen konnten konfiszierten sie und wenn es nötig war Kehlen durchzuschneiden oder ernten zu zerstören um an ein begehrtes Buch zu
- gelangen gaben sie den Befehl dazu der Ruhm des Landes sagten sie sich sei wichtiger als die kleinen Skrupel natürlich gehörte auch der Betrug zum
- Repertoire ihrer Zielstrebigkeit tolle majos den dritten verlangte es nach dem staatsexemplar der Tragödien von eisheilos Sophokles und Euripides
- die seit ihrer Uraufführung bei den Theaterspielen im Athena Archiv aufbewahrt wurden die Botschafter des Pharaos liehen sich die wertvollen
- Schriftrollen aus um von ihren akribischen abschreibern Kopien fertigen zu lassen Athens Behörden verlangten ein
- wucherpfand von 15 Talenten Silber nach heutigem Maß einige Millionen Dollar die Ägypter zahlten bedanken sich die Wut schworen den feierlichen Eid die
- Leihgabe vor Ablauf von sagen wir 12 Monden zurückzugeben drohten sich selbst mit schaurigen Flüchen wenn die Bücher nicht in einwandfreiem Zustand
- zurückkämmen um sie sich schließlich anzueignen das Pfand ließen sie verfallen Athens Stadt oberhalb der mussten die
- Unverschämtheit ertragen die stolze Hauptstadt der perikleszeiten war zur Provinz statt eines Königreichs geworden machtlos gegen ein Ägypten das den
- Handel mit Getreide dominierte dem Öl der damaligen Zeit