Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Irene Vallejo - Papyrus - Die Geschichte der Welt in Büchern

Lismio10:03 331 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 59 Zeilen
Herunterladen
  1. Papyrus die Geschichte der Welt in Büchern von Irene vajoch aus dem spanischen von Maria Meinel und Luis Ruby ein Diogenes Hörbuch gelesen von
  2. Annalena Zühlke meiner Mutter fester Hand aus Watte
  3. Prolog seltsame Gruppen berittener Männer durch Streifen die Straßen Griechenlands die Bauern beobachten sie misstrauisch von
  4. den Feldern aus oder von den hüttentüren aus Erfahrung wissen sie dass nur gefährliche Leute reisen Soldaten Söldner Sklavenhändler sie runzeln die
  5. Stirn und Knurren bis die Männer wieder am Horizont versinken sie mögen keine bewaffneten fremden die Reiter nehmen von den Dorfbewohnern
  6. keine Notiz monatelang haben sie Berge bestiegen Schluchten genommen Täler durchquert Flüsse durchwartet und sind von Insel zu
  7. Insel gesegelt ihre Widerstandskräfte und Muskeln sind stärker geworden seit dem Antritt ihrer sonderbaren Mission um diesen Auftrag zu erfüllen müssen sie
  8. sich in die rauen Territorien einer sich ständig bekriegenden weltvorwagen sie jagen nach einer ganz besonderen Beute einer stillen Beute einer schlauen die
  9. nicht die geringsten Spuren hinterlässt wenn sich diese unheimlichen Gesandten in irgendeiner Hafenkneipe setzen Wein trinken gebratenen Tintenfisch Essen
  10. sich mit fremden unterhalten und gemeinsam betrinken würden aus Vorsicht tun sie das nie könnten sie großartige Reisegeschichten erzählen sie hatten
  11. sich in pestgebiete gewagt waren durch niedergebrannte Gegenden gereist und hatten die heiße Asche der Zerstörung und die Brutalität der Rebellen und
  12. Söldner auf kriegspfaden gesehen Landkarten von ausgedehnten Gebieten gab es noch nicht und so verirrten sie sich und wanderten Tage lang ziellos bei
  13. sengender Sonne und stürmen umher sie mussten ekelhaftes Wasser trinken das ihnen heftigen Durchfall bescherte wenn es regnete blieben die Kutschen und
  14. Maultiere in Pfützen stecken mit rufen und Flüchen zerrten sie dann an ihnen bis sie selbst auf die Knie gingen und in den Schlamm fielen
  15. wurden sie fern jeder bleibe von der Nacht überrascht schützte sie nur ihr Mantel vor den Skorpionen sie kennen die ihren Läuse Plagen und die ständige
  16. Angst vor Räubern die die Straßen befallen oft stockt Ihnen das Blut in den Adern wenn sie durch die Einsamkeit reiten und
  17. sich vorstellen dass sie eine Gruppe von Banditen mit angehaltenem Atem belauert sich hinter irgendeiner Biegung des Weges versteckt um über sie her zu
  18. fallen sie kaltblütig zu ermorden auszurauben und ihre noch warmen Leichen im Gebüsch zurückzulassen logisch dass sie Angst haben der König
  19. von Ägypten hatte ihnen große Summen anvertraut bevor er sie zu ihrem Auftrag auf der anderen Seite des Meeres entsandte
  20. zu jener Zeit nur wenige Jahrzehnte nach Alexanders Tod war das Reisen mit großem Vermögen sehr riskant fast selbstmörderisch
  21. und obwohl Diebes Dolche ansteckende Krankheiten und Schiffbrüche eine so kostspielige Mission zu zerschlagen drohten Bestand der Pharao darauf seine
  22. Agenten aus dem Land des Nils über Grenzen und große Entfernungen hinweg in alle Richtungen auszusenden ungeduldig voll quälender Habgier brennt
  23. er auf jene Beute die seine heimlichen Jäger allen fremden gefahren zum Trotz für ihn aufspüren die neugierig vor ihren Hütten
  24. lungernden Bauern die Söldner und die Banditen hätten ungläubig Mund und Augen aufgerissen wenn sie gewusst hätten worauf die Fremden Reiter aus waren
  25. Bücher sie suchten Bücher es war das Best gehütete Geheimnis des ägyptischen Hofs der Herrscher zweier Kulturen einer der mächtigsten Männer
  26. der damaligen Zeit gäbe das Leben dafür dass der anderen natürlich so ist das immer bei Königin um alle Bücher der Welt in seiner großen Bibliothek von
  27. Alexandria zu versammeln er träumte von der vollkommenen Bibliothek einer Sammlung aller Werke aller Autoren seit Anbeginn der Zeit
  28. ich scheue mich immer vorm Schreiben der ersten Zeilen Form Überschreiten der Schwelle zu einem neuen Buch wenn alle Bibliotheken durchforstet sind und meine
  29. Hefte strotzen vor fieberhaften Notizen wenn mir weder vernünftige noch dumme Ausreden einfallen wollen die das Warten erklärten zögere ich es noch ein paar
  30. Tage hinaus in denen mir klar wird worin die Feigheit besteht ich fühle mich einfach unfähig alles sollte da sein der Ton der Humor die
  31. Poesie der Rhythmus die Versprechen die noch ungeschriebenen ums geboren werden ringenden Kapitel sollten sich im Keimbett der gewählten Anfangsworte
  32. schon erahnen lassen aber wie macht man das was ich derzeit habe sind Zweifel mit jedem Buch kehre ich zum Ausgangspunkt
  33. zurück zum schlagenden Herzen allerersten Male schreiben ist der Versuch herauszufinden was man schreiben würde wenn man
  34. schriebe so formulierte es Margerite Duras und geht vom Infinitiv zur bedingungsform und dann zum irreales über als spürte sie den Boden unter
  35. ihren Füßen bröckeln das unterscheidet sich im Grunde kaum von anderen Dingen die wir ahnungslos beginnen eine andere Sprache sprechen
  36. Autofahren Mutter sein Leben eines heißen juli nachmittags nach all den quälenden zweifeln den aufgebrachten Vorwänden und Alibis stelle ich mich der
  37. Einsamkeit des leeren Blattes ich werde meinen Text mit dem Bild von ein paar rätselhaften Jägern auf der Suche nach Beute eröffnen ich identifiziere mich
  38. mit ihnen ich mag ihre Geduld ihrem Gleichmut die verlorene Zeit die Langsamkeit und das Adrenalin bei der Suche
  39. jahrelang habe ich recherchiert Quellen konsultiert alles dokumentiert und mich mit der Aneignung des historischen Materials befasst doch zur Stunde der
  40. Wahrheit scheint die wirkliche dokumentierte Geschichte die ich entdecke so erstaunlich dass sie in meine Träume eindringt und ohne mein
  41. Zutun die Form einer Erzählung annimmt ich bin versucht in die Haut dieser Büchersuche auf den Straßen eines antiken gewalttätigen zuckenden Europas
  42. zu schlüpfen und wenn ich zu Beginn ihre Reise beschreibe könnte funktionieren aber wie gelingt es
  43. dass darunter liegende Fakten Skelett von den Muskeln und dem Blut der Fantasie abzugrenzen ich glaube der Ausgangspunkt ist so
  44. fantastisch wie die Suche nach den Minen König Salomos oder nach dem verlorenen Schatz aber die Dokumente belegen dass die büchergier im größenwand Denken der
  45. ägyptischen Könige wirklich existierte vielleicht war es damals im dritten Jahrhundert vor Christus zum ersten und letzten Mal möglich den Traum vom
  46. versammeln ausnahmslos aller Bücher der Welt in einer universal-Bibliothek zu verwirklichen heute erscheint uns das wie die Handlung
  47. einer Fiktion von borches oder vielleicht seine große erotische Fantasie so etwas wie einen internationalen
  48. Handel mit Büchern gab es zur Zeit des großen alexandrinischen Projekts nicht man konnte sie in kulturhistorisch bedeutenden Städten kaufen aber nicht im
  49. jungen Alexandria die Quellen berichten dass die Könige ihre absolutistische macht nutzten um ihre Sammlungen zu bereichern was sie
  50. nicht kaufen konnten konfiszierten sie und wenn es nötig war Kehlen durchzuschneiden oder ernten zu zerstören um an ein begehrtes Buch zu
  51. gelangen gaben sie den Befehl dazu der Ruhm des Landes sagten sie sich sei wichtiger als die kleinen Skrupel natürlich gehörte auch der Betrug zum
  52. Repertoire ihrer Zielstrebigkeit tolle majos den dritten verlangte es nach dem staatsexemplar der Tragödien von eisheilos Sophokles und Euripides
  53. die seit ihrer Uraufführung bei den Theaterspielen im Athena Archiv aufbewahrt wurden die Botschafter des Pharaos liehen sich die wertvollen
  54. Schriftrollen aus um von ihren akribischen abschreibern Kopien fertigen zu lassen Athens Behörden verlangten ein
  55. wucherpfand von 15 Talenten Silber nach heutigem Maß einige Millionen Dollar die Ägypter zahlten bedanken sich die Wut schworen den feierlichen Eid die
  56. Leihgabe vor Ablauf von sagen wir 12 Monden zurückzugeben drohten sich selbst mit schaurigen Flüchen wenn die Bücher nicht in einwandfreiem Zustand
  57. zurückkämmen um sie sich schließlich anzueignen das Pfand ließen sie verfallen Athens Stadt oberhalb der mussten die
  58. Unverschämtheit ertragen die stolze Hauptstadt der perikleszeiten war zur Provinz statt eines Königreichs geworden machtlos gegen ein Ägypten das den
  59. Handel mit Getreide dominierte dem Öl der damaligen Zeit

Zum Nachlesen