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Papamobil

Die Basis des Papstautomobil für Papst Pius XI. war der 1928 vorgestellte Mercedes-Benz Typ Nürburg 460. Die Limousine der Baureihe W08 war mit einem …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Zweck und typische Merkmale
  2. 2. Entwicklung zum modernen Papamobil
  3. 3. Kennzeichen und wichtige Hersteller
  4. 4. Prägende Mercedes-Benz-Modelle
  5. 5. Weitere Bauformen und besondere Fahrzeuge

Begriff, Zweck und typische Merkmale

Als Papamobil werden Kraftfahrzeuge bezeichnet, die der Papst bei öffentlichen Auftritten benutzt. Besonders bekannt wurde der Begriff während des Pontifikats Johannes Pauls II. (1978–2005), der mehr Auslandsreisen unternahm als alle früheren Päpste zusammen. Die Fahrzeuge ermöglichen es dem Papst, sich langsam durch Menschenmengen zu bewegen und dabei gut sichtbar zu bleiben.

Typische Merkmale sind ein erhöhter Sitz- oder Stehplatz, ein Spezialgetriebe für Fahrten in Schrittgeschwindigkeit oder ein Automatikgetriebe sowie ein besonderer Stuhl. Johannes Paul II. konnte auf diesem Stuhl sogar in das Fahrzeug getragen werden. Seit dem Attentat auf ihn am 13. Mai 1981 wird der Aufenthaltsbereich meist durch Panzerglas geschützt. Häufig gehören Beleuchtung, Klimatisierung, Kommunikationsanlagen und Einstiegshilfen zur Sonderausstattung.

2006 existierten etwa 60 Papamobile. Bei Auslandsreisen werden mehrere Fahrzeuge mitgeführt; gewöhnlich begleiten den Papst im Wagen der Ortsbischof und der päpstliche Privatsekretär. Neben eigentlichen Papamobilen besitzt der Vatikan klassische Staatskarossen, die vor allem für Fahrten in der Vatikanstadt und in Rom eingesetzt werden.

Entwicklung zum modernen Papamobil

Frühere Päpste hatten weniger unmittelbaren Kontakt zur Öffentlichkeit und reisten kaum weltweit. Bei öffentlichen Auftritten benutzten sie traditionell die Sedia gestatoria, einen tragbaren Thron. Zwar besaßen die Päpste seit Pius XI. auch Autos, doch handelte es sich zunächst um gewöhnliche repräsentative Staatskarossen ohne die typische Gestalt späterer Papamobile.

Das erste moderne Papamobil entstand für die Polenreise Johannes Pauls II. vom 2. bis 10. Juni 1979. Grundlage war ein Star 660, ein dreiachsiger, allradgetriebener Gelände-Lkw militärischen Ursprungs. Die Fahrzeuge der insgesamt 104 offiziellen Auslandsreisen Johannes Pauls II. blieben meist im jeweiligen Zielland und konnten bei späteren Besuchen erneut eingesetzt werden.

Unter Johannes Paul II. änderten sich die Anforderungen grundlegend: Der Papst sollte für die Gläubigen gut sichtbar sein, Menschen aus möglichst geringer Entfernung begrüßen und auch abseits befestigter Straßen fahren können. Dafür entstanden erhöhte Plattformen, transparente Aufbauten und Getriebe für ein gleichmäßig sehr langsames Tempo. Weiß wurde zur charakteristischen Wagenfarbe. Nach dem Attentat von 1981 gewann der Schutz durch widerstandsfähige transparente Aufbauten besondere Bedeutung.

Papst Franziskus verwendete teilweise bewusst einfachere Fahrzeuge. Bei seiner Brasilienreise 2013 fuhr er beispielsweise in einem Fiat Idea in Grundausstattung und nutzte ihn auch bei der Begrüßungszeremonie der Präsidentin.

Kennzeichen und wichtige Hersteller

Staatlich genutzte Fahrzeuge des Vatikans tragen Kennzeichen mit den Buchstaben SCV. Diese stehen für Stato della Città del Vaticano beziehungsweise Status Civitatis Vaticanae, also Vatikanstadt-Staat. Zivile Fahrzeuge tragen nur die Buchstaben CV. Für das vom Papst benutzte Fahrzeug wird meistens SCV 1 verwendet. Einige Wagen besitzen feste Nummern, darunter der Mercedes-Benz Nürburg von 1930 mit SCV 4 sowie zwei Mercedes-Benz-G-Modelle mit SCV 6 und SCV 7. Ein durchgehendes Vergabesystem ist nicht erkennbar.

Mercedes-Benz fertigt seit 1930 umgebaute Limousinen, Landaulets und Geländewagen für den Vatikan. Ein Landaulet ist ein Fahrzeug mit festem Dach über den Vordersitzen und einem zu öffnenden Verdeck über dem Fond. Daneben stellten zahlreiche weitere Hersteller Papamobile oder päpstliche Dienstwagen bereit.

Zu ihnen gehören unter anderem Fiat, Toyota, Lancia, Cadillac, Land Rover, Seat, Isuzu, Dacia, Kia, Peugeot, Renault und BMW. Paul VI. benutzte 1976 auf dem Petersplatz erstmals einen offenen Toyota Land Cruiser. Für den Mexiko-Besuch Johannes Pauls II. entstand 1999 ein Cadillac auf Basis des DeVille. Ein für den Spanienbesuch 1982 umgebauter Seat Panda blieb ein nur einmal eingesetztes Einzelstück. Seit Dezember 2025 besitzt Papst Leo XIV. einen BMW iX60, den BMW-Vorstandschef Oliver Zipse bei einer Audienz übergab.

Auch alternative Antriebe kamen zum Einsatz: 2019 wurden für den Papstbesuch in Japan zwei Toyota Mirai mit Wasserstoffantrieb gefertigt. Bereits im September 2012 wurde mit einem Renault Kangoo Maxi Z.E. erstmals ein vollelektrisches Fahrzeug eingesetzt.

Prägende Mercedes-Benz-Modelle

Das erste von Mercedes-Benz bereitgestellte Papstauto war der Typ Nürburg 460 für Pius XI. aus dem Jahr 1930. Sein Reihenachtzylindermotor mit 4622 cm³ Hubraum leistete 80 PS; die Höchstgeschwindigkeit betrug 100 km/h. Der Innenraum erhielt einen mit Luftkissen gepolsterten Thronsessel, Seidenbrokat, edle Hölzer und Metalle sowie splitterfreies, getöntes Verbundglas. Über ein Steuerpult konnte der Papst dem Chauffeur Anweisungen geben. Nach rund 40.000 Kilometern wurde der Wagen außer Dienst gestellt und später restauriert.

1960 erhielt Johannes XXIII. einen Mercedes-Benz 300 d Landaulet mit einem um 450 mm verlängerten Radstand. Das 5,64 Meter lange Fahrzeug besaß einen Dreiliter-Reihensechszylinder mit 160 PS, ein 3-Gang-Automatikgetriebe und ausfahrbare Trittbretter. Sein elektrisch verstellbarer Papstsitz war mit Bedienelementen für Klimaanlage und Sprechfunk ausgestattet. Es folgten 1965 ein Mercedes-Benz 600 Pullman Landaulet für Paul VI., 1966 ein später gepanzerter 300 SEL Landaulet und 1967 zwei verlängerte 300-SEL-Limousinen für hochrangige Gäste.

Besonders prägend wurde der 1980 vorgestellte Mercedes-Benz 230 G. Seine transparente, hohe Kuppel erlaubte Johannes Paul II., stehend oder sitzend gut sichtbar zu bleiben. Das Spezialgetriebe ermöglichte eine gleichmäßige Geschwindigkeit von 3 km/h. Der Boden im Fond war um 40 Zentimeter angehoben; Klimaanlage, Scheinwerfer und elektrische Trittbretter unterstützten öffentliche Auftritte. Nach dem Attentat von 1981 blieb die ursprünglich abnehmbare Kunststoffglaskuppel aus Sicherheitsgründen dauerhaft montiert. Das weiß-goldene Gestaltungskonzept und der transparente Sicherheitsaufbau wurden später von anderen Herstellern übernommen.

Weitere Modelle verbanden Repräsentation und Schutz. Der 1985 übergebene gepanzerte Mercedes-Benz 500 SEL hatte ein verlängertes Schiebedach, ausfahrbare Standplattformen und einen Windschutz aus sechs Millimeter starkem Polykarbonat. Der S 500 lang Landaulet von 1997 besaß einen Papstsessel mit 500 Millimeter vertikalem Verstellweg. Der ML 430 von 2002 erhielt eine fest in die Karosserie integrierte Sichtkuppel. Eine rund fünf Tonnen schwere M-Klasse von 2012 bot schusssicheres Glas, eine ausfahrbare Treppe, einen beweglichen Thron sowie Lautsprecher und Mikrofon; ihre Höchstgeschwindigkeit betrug 80 km/h.

Am 4. Dezember 2024 wurde nach einem Jahr Entwicklung erstmals ein Papamobil mit vollelektrischem Antrieb übergeben. Es basiert auf dem Mercedes-Benz G 580 EQ. Der Wagen besitzt einen zentralen Einzelsitz, einen offenen hinteren Dachbereich, einen Einstieg von hinten oder durch die umgebaute rechte Fondtür und bei Bedarf ein Aufsetzdach. Der elektrische Antriebsstrang wurde an die langsamen Geschwindigkeiten öffentlicher Auftritte angepasst.

Weitere Bauformen und besondere Fahrzeuge

Lancia unterhält traditionell enge Beziehungen zum Vatikan. Zu seinen Papstfahrzeugen gehören eine Flaminia, ein Lancia Gamma und der als Einzelstück gebaute Lancia Thesis Jubileo. Dieser besitzt verlängerte hintere Türen, weniger Chrom als das Serienmodell und ein herausnehmbares Dach; Benedikt XVI. nutzte ihn weiterhin.

Für Papstreisen wurden häufig Fahrzeuge vor Ort umgebaut. 1982 fuhr Johannes Paul II. in England in einem Range Rover. Auf den Philippinen wurden 1995 ein Fahrzeug von Francisco Motors und 2015 umgebaute Isuzu-D-Max- und Kia-Fahrzeuge verwendet. In Madagaskar entstand 1989 ein Papamobil auf Basis eines Karenjy Mazana. Ein 2019 übergebener Dacia Duster 4WD besitzt ein großes Schiebedach, eine abnehmbare Glaskanzel, fünf Sitze und eine um drei Zentimeter tiefergelegte Karosserie, die den Einstieg erleichtert.

Nicht jedes als „Papamobil“ bezeichnete Auto war tatsächlich ein päpstliches Einsatzfahrzeug. 2005 wurde ein früher auf Kardinal Joseph Ratzinger zugelassener VW Golf IV bei eBay so beworben, obwohl Ratzinger keinen Führerschein besaß und nie Auto gefahren war. Ein Internet-Casino kaufte ihn für 188.938,88 Euro. Weitere Versteigerungsversuche 2007 und 2013 scheiterten am nicht erreichten Mindestgebot.

Ein persönliches Geschenk erhielt Papst Franziskus 2013 vom Landpfarrer Renzo Zocca: einen 29 Jahre alten Renault 4 GTL mit 34 PS, 1108 cm³ Hubraum und 300.000 Kilometern Laufleistung. Franziskus nahm ihn erst an, nachdem er sich vergewissert hatte, dass der Pfarrer das Auto nicht mehr benötigte. Der Wagen sollte zumindest innerhalb des Vatikans verwendet werden und brachte den Papst später zu einem Friedensgebet für Syrien.

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