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Ottos mops
Das Gedicht besteht aus einfachen Hauptsätzen von zwei bis vier Wörtern, die ausschließlich denselben Vokal enthalten, das o. Erzählt wird eine kurze Episode …
Inhalt6 Abschnitte
Kern und Aufbau
„ottos mops“ ist ein Gedicht des österreichischen Lyrikers Ernst Jandl. Seine Entstehung ist auf den 20. November 1963 datiert; veröffentlicht wurde es im September 1970 im Band „der künstliche baum“. Es gehört zu Jandls bekanntesten heiteren Gedichten und wird häufig im Schulunterricht als Beispiel für konkrete Poesie verwendet.
Das Gedicht erzählt in 14 Versen und drei Strophen eine sehr kurze Handlung: Otto schickt seinen unartigen Mops fort, beschäftigt sich danach mit Alltäglichem, vermisst den Hund aber bald wieder und ruft ihn zurück. Der Mops kommt tatsächlich zurück, reagiert jedoch unerwartet: Er kotzt. Jandl selbst bezeichnete „ottos mops“ als Sprechgedicht, also als Gedicht, das seine besondere Wirkung vor allem beim lauten Vortrag entfaltet.
Inhalt der Handlung
Zu Beginn trotzt der Mops seinem Besitzer Otto. Otto weist ihn mit direkter Rede fort: „fort mops fort“. Der Hund gehorcht und hopst weg. Otto kommentiert dies knapp mit „soso“.
In der mittleren Strophe ist Otto allein. Er holt „koks“ und „obst“, also alltägliche Dinge. Danach horcht er nach dem Hund, ruft „mops mops“ und hofft auf dessen Rückkehr. In der letzten Strophe klopft der Mops, Otto ruft ihn mit „komm“ herein, und der Mops kommt. Die Pointe besteht darin, dass der Hund nicht einfach glücklich zurückkehrt, sondern „kotzt“. Ottos Reaktion ist der Ausruf „ogottogott“.
Form und Sprache
Das auffälligste sprachliche Merkmal ist der Monovokalismus: Alle Wörter enthalten ausschließlich den Vokal „o“, während die Konsonanten wechseln dürfen. Dadurch entsteht eine starke formale Beschränkung, ohne dass der Text bedeutungslos wird. Das Gedicht besteht aus 41 Wörtern mit Assonanz auf „o“, ist aber nur aus 15 unterschiedlichen Wortstämmen gebildet.
Die Sprache ist sehr einfach. Die Sätze bestehen aus zwei bis höchstens vier Wörtern, sind oft elliptisch, also verkürzt, und erinnern an Kindersprache. Fast alle Verben stehen in der dritten Person Singular Indikativ Präsens Aktiv, etwa „trotzt“, „hopst“, „horcht“, „hofft“, „klopft“, „kommt“ und „kotzt“. Aus der Reihe fällt der Imperativ „komm“, mit dem Otto den Mops zurückruft.
Jede Zeile beginnt mit „otto“ oder dem Genitiv „ottos“. Die Verbindung „ottos mops“ erscheint mehrfach und betont die enge Beziehung zwischen Mensch und Hund. Typisch für Jandl sind außerdem die Kleinschreibung und der weitgehende Verzicht auf Satzzeichen; als Satzzeichen erscheint nur der Doppelpunkt zur Kennzeichnung direkter Rede. Die erste und die letzte Strophe ähneln sich im Satzbau, stehen aber inhaltlich im Gegensatz: Zuerst entfernt sich der Mops, am Ende kehrt er zurück. Die Schlusszeile „ottos mops kotzt“ reimt sich auf den Anfang „ottos mops trotzt“ und lässt das Ende als Folge des Anfangskonflikts erscheinen.
Deutungen
Eine wichtige Deutung betrifft Ordnung und Auflehnung. Andreas Brandtner sieht schon im Titel ein Besitzverhältnis: Der Genitiv „ottos“ ordnet den Mops seinem Besitzer Otto zu. Diese Ordnung wird durch das Trotzen des Hundes gestört. Als Otto den Mops fortschickt, scheint der Konflikt kurz zu ruhen. Doch Otto ruft den Hund wieder, was seine Bindung an ihn zeigt. Das Kotzen am Ende durchbricht die scheinbare Versöhnung und setzt die Verweigerung des Mopses fort. Brandtner verbindet damit Fragen nach Kommunikation zwischen Mensch und Tier sowie nach Machtverhältnissen.
Eine andere Deutung stellt Identität und Geborgenheit in den Mittelpunkt. Anne Uhrmacher betont den ähnlichen Klang von „otto“ und „mops“ und sieht darin eine Nähe zwischen Herr und Hund. Obwohl Otto als zentrale Figur erscheint, bringt erst der Mops Gefühle in ihm hervor. Die Zeile „otto horcht“ schafft eine Pause, und „otto hofft“ zeigt Sehnsucht. Der Ausruf „ogottogott“ wurde von Thomas Eder und Anne Uhrmacher mit einer Verbindung von „otto“ und „gott“ in Beziehung gesetzt. Brandtner widersprach jedoch einer religiösen Auslegung und verwies auf Jandls atheistische Selbstaussagen sowie auf die floskelhafte Verwendung des Ausdrucks. Norbert Hummelt deutete das Gedicht als Text über Bindungen, Verlust und Wiedergewinn und nannte es „eine moderne Version des Gleichnisses vom verlorenen Sohn“.
Humor und Vortrag
Der Humor des Gedichts entsteht nicht nur aus der Pointe, sondern auch aus Klang, Wiederholung und Vortrag. Anne Uhrmacher unterschied Jandls Humor von bloßem Witz oder Ironie: In „ottos mops“ liege Humor auch in Ottos Sehnsucht nach dem Hund und in der kleinen, geschlossenen Welt des Gedichts. Jandl selbst unterschied den heiteren Tonfall dieses Gedichts von grimmigerem oder groteskerem Humor anderer Texte.
Dieter Burdorf verglich die Wirkung mit Slapstick in frühen Stummfilmen oder Comic Strips. Die Komik entstehe besonders durch die Lautstruktur: Der „o“-Laut erinnere an einen Ausruf des Erstaunens, und beim Vortrag forme der Mund ständig ein „o“. Jandl nutzte diese Wirkung bei Lesungen. Hans Mayer beobachtete, dass Kinder Jandls konkrete Gedichte unmittelbar verstanden und nach dem Vortrag nachahmten. Friederike Mayröcker beschrieb das Gedicht als sprachliche Auseinandersetzung mit dem Vokal „O“ und sah darin zugleich Lachen, Mitgefühl und eine Verwandlung von Lautspiel in Poesie.
Werkzusammenhang und Wirkung
„ottos mops“ steht im Zusammenhang mit Jandls Experimenten mit Lauten und Vokalen. Vorher hatte er bereits Gedichte geschrieben, die auf einem einzigen Vokal beruhen, etwa „das große e“ aus dem August 1963. Auch andere Texte arbeiten mit der Häufung bestimmter Laute. Im Band „der künstliche baum“ ordnete Jandl „ottos mops“ den „lese- und sprechgedichten“ zu. Für ihn wurde ein Sprechgedicht erst durch lautes Lesen wirksam.
Die Veröffentlichung in „der künstliche baum“ war ein Verkaufserfolg: Die Startauflage von 4.000 Büchern stieg noch 1970 durch zwei weitere Auflagen auf insgesamt 10.000 Exemplare. Das Gedicht wurde vielfach nachgedruckt, in Kinder- und Jugendlyrikbände aufgenommen, als Bilderbuch umgesetzt, vertont und von Jandl sowie anderen Rezitatoren vorgetragen. Robert Gernhardt nannte es „das zweitpopulärste Gedicht deutscher Zunge […] nach Goethes Wanderers Nachtlied“.
Im Deutschunterricht wurde „ottos mops“ ein beliebtes Beispiel für konkrete Poesie und ein Ausgangspunkt für eigene strukturähnliche Sprachspiele von Schülerinnen und Schülern. Jandl erhielt viele nachgeahmte Gedichte zugeschickt und veröffentlichte einige davon, etwa mit Titeln wie „Hannas Gans“, „Kurts Uhu“ oder „Ruths Kuh“. Auch Dichter imitierten das Muster, besonders Robert Gernhardt mit „Ottos Mops ond so fort“, in dem er Varianten zu anderen Vokalen schrieb. Übersetzungen übernahmen meist das Grundschema frei, etwa Elizabeth MacKiernans „Lulu’s Pooch“ oder Brian O. Murdochs Wettbewerbsfassung „fritz’s bitch“.