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Othello

Othello, der Mohr von Venedig (frühneuenglisch The Tragœdy of Othello, The Moore of Venice) ist ein Schauspiel von William Shakespeare. Es handelt von dem …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Werk und zentrale Themen
  2. 2. Heirat, Krieg und erste Intrige
  3. 3. Othellos Eifersucht
  4. 4. Katastrophe und Aufklärung
  5. 5. Vorlage, Datierung und Textfassungen
  6. 6. Wirkung und Bearbeitungen

Werk und zentrale Themen

„Othello, der Mohr von Venedig“ ist eine Tragödie von William Shakespeare. Im Mittelpunkt steht der dunkelhäutige venezianische Feldherr Othello. Der Intrigant Iago bringt ihn ohne wirklichen Beweis zu der Überzeugung, seine Frau Desdemona betrüge ihn mit dem Offizier Cassio. Von Eifersucht und verletztem Ehrgefühl getrieben, ermordet Othello Desdemona. Als er die Wahrheit erfährt, tötet er sich selbst.

Das Drama behandelt vor allem Eifersucht, Täuschung, leichtfertiges Vertrauen, gesellschaftliches Außenseitertum sowie Macht- und Geschlechterverhältnisse. Seine Spannung entsteht dadurch, dass das Publikum Iagos Pläne durch dessen Monologe kennt, während Othello ihn für ehrlich hält. Zugleich bleibt Iago ein unzuverlässiger Deuter der anderen Figuren.

Shakespeare stellte das Werk wahrscheinlich 1603 oder 1604 fertig. Die früheste sicher belegte Aufführung fand am 1. November 1604 im Festsaal der königlichen Residenz Whitehall statt. Die erste Druckausgabe erschien 1622, eine abweichende Fassung 1623 in der First Folio. Seit seiner Entstehung gehört das Stück zu Shakespeares besonders häufig gespielten Tragödien.

Heirat, Krieg und erste Intrige

Zu Beginn informiert Iago den reichen Roderigo über die heimliche Heirat Desdemonas mit Othello. Iago dient Othello als Fähnrich, hasst ihn aber, weil nicht er, sondern der Florentiner Michael Cassio zum Leutnant befördert wurde. Er kündigt an, sich zu verstellen: „Ich bin nicht, was ich bin.“ Roderigo begehrt Desdemona und finanziert Iago in der Hoffnung, sie für sich zu gewinnen.

Die beiden wecken Desdemonas Vater Brabantio und berichten ihm mit rassistischen Beschimpfungen von der Hochzeit. Brabantio beschuldigt Othello, seine Tochter durch Zauberei gewonnen zu haben. Vor dem Senat erklärt Othello jedoch, Desdemona habe sich in ihn verliebt, als er im Haus ihres Vaters von seinem bewegten Leben berichtete. Desdemona bestätigt dies. Der Senat erkennt die Ehe an.

Gleichzeitig droht ein türkischer Angriff auf das mit Venedig verbündete Zypern. Othello soll dessen Verteidigung übernehmen; Desdemona darf ihn begleiten. Auf Zypern hat ein Sturm die türkische Flotte bereits vernichtet. Während der Sieges- und Hochzeitsfeier setzt Iago seine Intrige fort. Er redet Roderigo ein, Desdemona liebe Cassio, und bringt den Offizier trotz dessen geringer Alkoholverträglichkeit zum Trinken. Roderigo provoziert eine Schlägerei, bei der Cassio den Gouverneur Montano verwundet. Othello entzieht Cassio daraufhin seinen Rang. Iago rät dem verzweifelten Cassio scheinbar hilfreich, Desdemona um Fürsprache zu bitten. Gerade diese Bitte soll später als angeblicher Beweis für eine Liebesbeziehung dienen.

Othellos Eifersucht

Desdemona verspricht Cassio, sich hartnäckig für seine Wiedereinsetzung einzusetzen. Als Cassio Othello und Iago kommen sieht, entfernt er sich. Iago nutzt den Vorgang, um Misstrauen zu säen. Durch Andeutungen, scheinbares Zögern und Warnungen vor dem „scharf-äugigen Ungeheuer“ der Eifersucht erweckt er den Eindruck, Cassio und Desdemona hätten etwas zu verbergen. Desdemonas wiederholte Fürsprache verstärkt Othellos Verdacht.

Eine entscheidende Rolle spielt Desdemonas Taschentuch, ein Liebespfand Othellos. Sie verliert es, als sie Othellos vermeintliche Kopfschmerzen lindern möchte. Emilia, Desdemonas Kammerfrau und Iagos Ehefrau, findet das Tuch und gibt es Iago, ohne dessen Plan zu kennen. Iago legt es in Cassios Zimmer. Cassio findet es und bittet seine Freundin Bianca, das Muster zu kopieren. Als Othello das Tuch von Desdemona verlangt, kann sie es nicht vorzeigen. Er erzählt, es stamme von seiner Mutter und besitze eine magische Bedeutung für die eheliche Liebe.

Iago behauptet außerdem, Cassio habe im Schlaf von Desdemona gesprochen. Danach lässt er Othello ein Gespräch belauschen, in dem Cassio tatsächlich über Bianca redet. Othello glaubt jedoch, das Gelächter und die Bemerkungen bezögen sich auf Desdemona. Als Bianca Cassio das Taschentuch zurückgibt, hält Othello den vermeintlichen Beweis für vollständig. Er beschließt, Desdemona in ihrem Bett zu töten, während Iago Cassio ermorden soll.

Der venezianische Gesandte Ludovico überbringt den Befehl, Othello solle nach Venedig zurückkehren und Cassio die Leitung auf Zypern übernehmen. Im Verlauf des Gesprächs schlägt Othello Desdemona vor den Augen Ludovicos. Später verhört er Emilia, demütigt Desdemona und behandelt sie wie eine Prostituierte. Desdemona versteht sein Verhalten nicht. Vor dem Schlafengehen singt sie in düsterer Vorahnung das Weidenlied, den „Willow Song“.

Katastrophe und Aufklärung

Iago überredet Roderigo, Cassio zu ermorden. Der Anschlag misslingt, und sowohl Roderigo als auch Cassio werden verwundet. Othello hört den Kampf und glaubt, Iago habe Cassio getötet. Iago beseitigt daraufhin Roderigo, damit dieser ihn nicht verraten kann. Außerdem beschuldigt er Bianca, an dem Anschlag beteiligt gewesen zu sein.

Im Schlafzimmer rechtfertigt Othello den geplanten Mord mit der Formel „Die Sache will’s“. Er erwürgt Desdemona. Emilia kommt hinzu und erkennt, dass Othello aufgrund der angeblichen Untreue gehandelt hat. Desdemona stirbt, ohne Othello wirksam belasten zu können. Emilia deckt Iagos Täuschung auf: Sie erklärt, dass sie das Taschentuch gefunden und ihrem Mann gegeben habe. Damit wird Othello bewusst, dass Desdemona unschuldig war und er selbst Opfer einer Intrige geworden ist.

Iago tötet Emilia, als sie die Wahrheit öffentlich macht. Othello bereut seine Tat und begeht Selbstmord. Die Katastrophe zeigt, wie Iagos planmäßige Täuschung und Othellos Bereitschaft, Verdächtigungen höher zu bewerten als Desdemonas Aussagen, gemeinsam zur Zerstörung mehrerer Menschen führen.

Vorlage, Datierung und Textfassungen

Die wichtigste literarische Vorlage war die siebte Erzählung der dritten Dekade aus Giraldo Cinthios Sammlung „Hecatommithi“. Sie erschien 1565 auf Italienisch und 1584 in französischer Übersetzung. Ob Shakespeare den italienischen Text, die französische Fassung oder eine verlorene englische Übersetzung verwendete, ist ungeklärt.

Shakespeare ergänzt die Ereignisse in Venedig und den Sturm vor Zypern und verändert das Ende. Bei Cinthio bereut der Maure den Mord nicht und versucht, seiner Bestrafung zu entgehen. Shakespeare verdichtet zudem einen Ablauf von Wochen oder Monaten auf wenige Tage. Iago erscheint dadurch von Anfang an als allgegenwärtiger Planer, und Othellos glückliche Ehe bleibt auf eine sehr kurze Zeit beschränkt. Auch die Figuren sind stärker ausgearbeitet; Themen wie Außenseitertum, Eifersucht, Gutgläubigkeit und Geschlechterkonflikte erhalten größeres Gewicht.

Als möglicher Entstehungszeitraum gilt 1601 bis Herbst 1604. Ein Textbezug auf Philemon Hollands 1601 veröffentlichte Plinius-Übersetzung stützt 1601 als frühestmöglichen Zeitpunkt. Die Aufführung vom 1. November 1604 bildet den sichersten spätestmöglichen Termin. Die meisten Forschenden bevorzugen 1603/04; eine Datierung auf 1601/02 wird aber nicht vollständig ausgeschlossen. Einzelne Argumente stützen sich auf sprachliche Vergleiche, mögliche Beziehungen zu „Hamlet“, „Maß für Maß“ und Richard Knolles’ 1603 erschienener „The Generall Historie of the Turkes“. Diese Indizien sind nicht eindeutig.

Da kein Originalmanuskript erhalten ist, beruht der heutige Text vor allem auf der Quartoausgabe von 1622 (Q) und der Folioausgabe von 1623 (F). Sie unterscheiden sich an mehr als 1000 Stellen, also ungefähr in einem Drittel des Textes. F enthält etwa 150 Zeilen, die Q fehlen; Q besitzt ungefähr zwölf Zeilen, die F nicht enthält. Nur F bietet unter anderem Desdemonas Weidenlied, Emilias Kritik an der gesellschaftlichen Stellung der Frauen und ihre ausführlichere Verurteilung Othellos und Iagos. Zugleich wurden dort Flüche und vulgäre Ausdrücke reduziert, wahrscheinlich als Reaktion auf den Profanity Act von 1606. Das Verhältnis beider Fassungen zu Shakespeares Manuskript bleibt umstritten. Moderne Ausgaben verbinden deshalb gewöhnlich beide Texte und entscheiden bei Abweichungen von Fall zu Fall.

Wirkung und Bearbeitungen

„Othello“ wurde schon zu Shakespeares Zeit häufig gespielt und zählt zu seinen „Großen Tragödien“. Die einsträngige Handlung, die emotionale Wirkung und die zwei umfangreichen Männerrollen Othello und Iago trugen zur anhaltenden Bühnenpräsenz bei. Die Deutung veränderte sich: Im 18. Jahrhundert stand Othello als romantischer Liebender im Vordergrund, im 19. Jahrhundert wurde das Werk stärker als Melodrama gespielt und Iago psychologisch differenzierter dargestellt.

Seit dem späten 20. Jahrhundert untersuchen postkoloniale und feministische Ansätze besonders Rassismus, kulturelle Fremdheit und Geschlechterrollen. Dabei bleibt umstritten, wie stark Othellos Fall durch Iagos außergewöhnliche Täuschung oder durch Othellos eigenes Misstrauen und seine selbstbezogene Liebe verursacht wird. Neuere Inszenierungen problematisieren zudem die lange Tradition des Blackfacing, also die Besetzung Othellos mit dunkel geschminkten weißen Schauspielern. Bereits 1930 spielte Paul Robeson die Rolle in London. Manche moderne Aufführungen geben Desdemona eine aktivere Rolle oder besetzen sämtliche Figuren mit schwarzen Schauspielern.

Die erste deutsche Übersetzung erschien in Christoph Martin Wielands „Shakespeares Theatralischen Werken“ von 1762 bis 1766; die deutsche Erstaufführung folgte 1766 in Hamburg. Zu den Verfilmungen gehören die frühen Stummfilme von 1907, Orson Welles’ preisgekrönte Schwarzweißfassung von 1952, Stuart Burges Version von 1965 mit Laurence Olivier, Trevor Nunns in den Amerikanischen Bürgerkrieg verlegte Fassung von 1990 sowie Oliver Parkers Film von 1995 mit Laurence Fishburne, Kenneth Branagh und Irène Jacob.

Die bekannteste musikalische Adaption ist Giuseppe Verdis Oper „Otello“ nach einem Libretto von Arrigo Boito, uraufgeführt am 5. Februar 1882 an der Mailänder Scala. Sie beginnt mit den Ereignissen auf Zypern und zeigt Desdemona dem Frauenideal des 19. Jahrhunderts entsprechend demütiger als Shakespeare. Gioachino Rossinis „Otello ossia Il moro di Venezia“ von 1816 stützt sich zusätzlich auf spätere Bearbeitungen des Stoffes. Daneben entstanden dramatische Parodien und Possen, darunter 1806 Karl Meisls „Othellerl, Der Mohr von Wien oder Die geheilte Eifersucht“.

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