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🎧 Othello – William Shakespeare | Tragödie | Hörbuch Komplett | Jürgen Fritsche liest Klassiker

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Transkriptautomatisch erstellt · 1221 Zeilen
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  1. Otello, ein Drama von William Shakespeare, übersetzt von Wolf Graf
  2. Baudisin, gesprochen von Jürgen Fritsche. Personen: Herzog von Venedig, Brabanzio,
  3. Senator. Andere Senatoren. Graziano, Bruder des Brabanzio. Lodovico, Verwandter des Brabano. Otello, Feldherr, ein edler
  4. Moor im Dienste Venedigs. Casio, sein Leutnant, Jago, sein Fanrich. Rodrigo, ein junger
  5. Venetianer. Montano, Otellos Vorgänger als Stadthalter von Zypern. Ein Narr, Diener des Hotello,
  6. Herold. Des Demona, Brabanzios Tochter und Ehefrau des Otello. Emilia, Jagos Frau, Bianca, Csios
  7. Geliebelle, Amtsdiener, Ein Bote, Musikanten, Herold, ein Matrose, Gefolge etc. Szene im ersten Akt in Venedig. Danach
  8. ein Hafen in Zypern. Erster Akt. Erste Szene.
  9. Venedig, eine Straße. Es treten auf Rodrigo und Jago. Rodrigo, still, sag nichts mehr, denn damit kränkst du mich. Das Jago,
  10. du, der meine Börse führte, als wäre sie dein die Sache schon gewusst. Jago, verdammt, ihr hört ja nicht. Habe ich mir je davon was träumen
  11. lassen? Verabscheut mich. Rodrigo, du hast mir stets gesagt, du hassest ihn. Jago, verachte mich, wenn es nicht
  12. so ist. Drei mächtige aus dieser Stadt, persönlich bemüht zu seinem Leutnant mich zu machen, hoffierten ihm und auf Soldaten Wort: "Ich kenne meinen Preis,
  13. das kommt mir zu." Doch er, verliebt in seinen Stolz und Dünkel, weicht ihnen aus mit Schwulzt, weit hergeholt, den er staffiert mit grausen Kriegssentenzen.
  14. Und kurz und gut schlägt's meinen Gönner ab, denn wirklich spricht er, "ge gewählt schon habe ich meinen Offizier. Und wer ist das?
  15. Seht mir ein großer Arithmetiker, ein Michael Casio, ein Florentiner, ein Bursch, verdammt fast in ein schmuckes Weib, der niemals eine Schei ins Feld
  16. geführt, noch von der Heresordnung mehr versteht als Jüngferchin. Nur Bücherheorie, von der in seiner Troga wohl ein Ratsherr so weißlich spricht
  17. als er. All seine Kriegskunstgeschwätz, nicht Praxis. Der nun wird erwählt und ich, von dem sein Auge Proben sah zu Rodus, Zypern und auf
  18. anderem Boden christlich und heisch komm um Wind und Flut durch solchen Rechenknecht, solch einmal eins. Der wohl bekommst ihm muss sein
  19. Leutnand sein und helf mir Gott, ich seine Morschaft Fernrich Rodrigo bei Gott sein Henker würde ich lieber sein.
  20. Da hilft nichts für. Das ist der Fluch des Dienstes. Beförderung geht nach Gunst und nach Empfehlung und nicht nach altem
  21. Brauch, wo jeder zweite den Platz des Vormanns erbt. Wort halt nun selbst, ob mich wohl irgend verpflichtet, den Moh zu
  22. lieben, Rodrigo. So auch dient ich ihm nicht. Jago: "Oh, seid ganz ruhig. Ich di ihm, um mir's einzubringen, denn es kann nicht jeder Herr sein, jeder Herr
  23. nicht treue Diener haben. Seht ihr doch so manchen pflichtgetreuen Kniebeuger, der ganz verliebt in seine Sklavenfessel ausharrt, recht wie die Esel seines
  24. Herrn ums Heu und wird im Alter fortgejagt. Peitscht mir solch redlich Volk. Dann gibt es andere, die ausstaffiert
  25. mit Blick und Form der Demut ein Herz bewahren, das nur sich bedenkt. Die nur Scheindienste liefern ihren oberen durch sie gedeih und wann ihr Pelz gefüttert
  26. sich selbst Gebieter sind. Die Burschen haben Witz und dieser Zunft zu folgen ist mein Stolz. Denn Herr, es ist so gewisß als ihr
  27. Rodrigo heißt. Wä ich der Mo nicht möchte ich Jago sein. Wenn ich ihm diene, diene ich nur mir selbst. Der Himmel weiß es. Nicht aus Lieb und
  28. Pflicht. Nein, nur zum Schein für meinen eigenen Zweck. Denn wenn man äußeres Tun je offenbart, des Herzens angeborene Art und Neigung
  29. in Haltung und Gebärde, dann als bald will ich mein Herz an meinem Ärmel tragen als Frasß für Krän. Ich bin nicht was ich
  30. bin. Rodrigo Groß Glück fällt diesem Dick Gelippten zu, wenn es ihm gelingt. Jago ruft ihren Vater auf,
  31. hetzt den ihm nach, vergiftet seine Lust, schreiz durch die Stadt, macht ihre Vettern wild und ob er unter milden Himmel wohnt, plagt ihn mit Fliegen. Ist
  32. die Freud ihm Freude, versetzt sie dennoch ihn mit so viel Pein, daß sie etwas erleiche. Rodrigo, hier ist das Vaters Haus. Ich
  33. rufe ihn laut. Jago, das tut mit gleichem Angstruf und Geheul, als wenn bei Nacht und Lässigkeit ein Feuer erspät wird in volreichen
  34. Städten. Rodrigo, hallo Brabano. Seor Brabano, ho Jago erwacht. Hallo, Brabanzio. Diebe, Diebe, nehmt euer Haus in acht,
  35. euer Kind, euer Geld. Hey, Diebe, Diebe. Brabano, oben am Fenster. Brabano, was ist die Ursach dieses wilden Lärms? Was gibt es hier?
  36. Rodrigo, ist alles, was euch angehört im Hause? Jago, die Türen zu. Brabanzio, nun, warum fragt ihr das? Jago, ihr seid beraubt, zum Teufel. Neimmt den Mantel.
  37. Euer Herz zerbrach. Halb eure Seele ist hin. Jetzt eben jetzt bespringt ein alter schwarzer Schafbock euer weißes Lämchen. Auf heraus weg die
  38. schlaftrunkenen Bürger mit der Glocke, sonst macht der Teufel euch zum Großpapa auf, sag ich auf. Brabanzio, was seid ihr bei
  39. Verstand? Rodrigo, er wird geherrennt ihr mich an der Stimme? Brabano. Nein. Wer seid ihr? Rodrigo. Rodrigo heiß ich. Brabancio mir umso verste befohlen habe
  40. ich dir mein Haus zu meiden. Ganz unverhoen hörtest du mich sagen: "Mein Kind sei nicht für dich." Und nun wie rasend vor Male voll und scharfem Trunk
  41. erregt in böswilligem Übermute kommst du mich in der Ruh zu stören? Rodrigo, Herr, Herr, Herr, Brabanio doch Wissen sollst du dies. Durch meine Kraft
  42. und Stellung habe ich Macht, dir es zu vergellen. Rodrigo, ruhig, werter Herr Brabanzio, was sprichst du mir von Raub? Dies ist Venedig. Mein Haus ist keine
  43. Scheune. Rodrigo, würdiger Herr, in arglos reiner Absicht komme ich her. Jago Wetter Herr, ihr seid einer von denen, die Gott nicht dienen wollen,
  44. wenn es ihnen der Teufel befiehlt. Weil wir kommen, euch einen Dienst zu tun, denkt ihr, wir sind Raufbole. Ihr wollt einen Berber Hengst
  45. über eure Tochter kommen lassen? Ihr wollt Enkel, die euch anwieren, wollt Rennpferde zu fettern und Zelter zu neen haben. Brabano, wer bist du, frecher
  46. Lästerer? Jago, ich bin einer, Herr, der euch zu melden kommt, dass eure Tochter und der Moh jetzt dabei sind, das Tier mit zwei
  47. Rücken zu machen. Brabanzio, du bist ein Schurke. Jago, ihr seid ein Senator. Brabanzio, du sollst dies
  48. büßen. Ich kenne dich, Rodrigo. Rodrigo, ich will für alles einstehen, doch ich bitte euch. Ist's euer Wunsch und wohlbedächtige Weisheit,
  49. wie es fast mir scheint, dass eure schöne Tochter in dieser späten Stunde dumpfer Nacht wird ausgeliefert? Besser nicht noch schlechter bewacht als durch
  50. einen feilen Gondollier, den rohen Küssen eines lüsternen Mohen? Wenn ihr das wisst und einverstanden seid, so taten wir euch groben, frechen Schimpf.
  51. Doch wst ihr es nicht, dann sagt mir Sitt und Anstand, ihr scheltet uns mit Unrecht. Nimmer glaubt, dass allem Sinn für Höflichkeit entfremdet, ich so zum
  52. Scherz mit eurer Würde spielte. Euer Kind, wenn ihr ihm nicht Erlaubnis gabt, ich sag's noch einmal, hat sich schwer vergangen, so Schönheit, Geist, Vermögen
  53. auszuliefern, dem heimatlos unstehten Abenteurer von hier und überall. Gleich überzeugt euch, Herr, ist sie im Schlafgemach? Ja, nur zu Hause. Laßt auf
  54. mich los der Republik Gesetze, weil ich euch so betrog. Brabanzio, schlagt Feuer. Ho, gebt mir eine Kerze. Weckt alle meine
  55. Leute. Der Vorfall ist nicht ungleich meinem Traum. Der Glaube dran droht schon mich zu vernichten. Licht, sag ich. Licht geht ab.
  56. Jago ich muß euch lassen. Es scheint nicht gut. Noch heilsam meiner Stelle stellt man als Zeugen mich. Bleib ich geschieht's. Demoren vor, denn unser
  57. Staat, ich weiß es, wenn ihn dies gleich etwas verdunkeln wird, kann ihn nicht fallen lassen. Fordert doch so triftiger Grund ihn für den Zypernkrieg, der jetzt
  58. bevorsteht, dass um keinen Preis ein anderer von der Fähigkeit sich fände als Führer dieses Zugs. In dieser Rücksicht, obgleich ich
  59. ihn wie Höllenqualen hasse, weil mich die Gegenwärtgelage zwingt, muss ich Aufziehen der Liebe Flag und Zeichen. Freilich als Zeichen nur, daß ihr ihn
  60. sicher findet, führt jene Suchenden zum Schützen hin. Dort werde ich bei ihm sein. Und so lebt wohl. Jago geht ab. Brabanio tritt auf
  61. mit Dienern und Fackeln. Brabano, zu wahr nur. ist dies Unglück. Sie ist fort und was mir nachleibt vom
  62. verhasßen Leben ist nichts als Bitterkeit. Nun sag Rodrigo, wo hast du sie gesehen? Töricht Kind, der Mo sagst
  63. du? Wer möchte Vater sein? Wie weißt du, dass sie es war? Unerhört betrogst du mich? Was sprach sie? Holt noch Fackeln. Ruft alle
  64. meine Vättern. Sind Sie wohl vermählt? Was glaubst du, Rodrigo? Nun, ich glaube ja. Brabano. Oh Gott, wie kam sie fort? Hob Bluts Verrat. Väter hin fortraut
  65. euren Töchtern nie nach äußerlichem Tun. Gibt's einen Zauber der Jugendunschuld und des Mädchentums zu hintergehen? Lasst ihr von solchen
  66. Dingen, Rodrigo? Rodrigo? Ja, Seor. Ich las es wohl. Braanzio, ruft meinen Bruder. Wä sie
  67. euer doch. Geht ihr den Weg, ihr diesen. Habt ihr Kundschaft, wo wir sie finden mögen mit dem Ohren? Rodrigo, ich hoffe ihn auszusperren, wenn es euch gefällt,
  68. mit tüchtiger Bedeckung mir zu folgen. Rabanzio, wohl führt den Zug. Vor jedem Hause rufe ich. Wenn es gilt, kann ich
  69. befehlen. Waffen her und holt ein paar Hauptleute von der Wache. Voran, Rodrigo, eure Müh vergeltig. Sie gehen
  70. ab. Zweite Szene, Venedig, eine andere Straße. Es treten auf Otello, Jago und Gefolge mit Fackeln. Jago im Kriegeshandwerk schlucke ich
  71. manchen tot, doch halte ich's für Gewissenssach und Sünde mit Absicht morden. Ja, mir fehlt's an Bosheit und oft zu meinem Schaden. 20 mal dachte
  72. ich, ihm mit einem Rippenstoß zu dienen. Otello, es ist besser so. Jago, doch schwatzt er solches Zeug und sprach so schnöd und gegen eure Ehre so
  73. lästerlich. dass all mein bßchen Fräummigkeit mich kaum im Zügel hielt. Doch sagt mir, werter Herr, seid ihr auch recht vermählt? Denn glaubt mir
  74. nur, gar sehr beliebt ist der Magnifico und hat was durchzusetzen kräftige Stimme, voll wichtig wie der Fürst. Er wird euch scheiden. Zumindsten häuft er
  75. Hemmung und Verdruss, wie nur das Recht durch seine Macht geschärft ihm Spielraum gibt. Otello, er mag sein erstes tun.
  76. Der Dienst, den ich geleistet, dem Senat, schreit seine Klage nieder. Kund soll werden. Was wenn mir Kund das Pralen Ehre bringt, ich offenbaren will,
  77. dass ich entspross aus königlichem Stamm und mein Gestirn darf ohne Scheu so stolzes Glück ansprechen, als dies, das ich erreicht. Denn wisse Jago, liebt ich
  78. die Holde des Dämoner nicht, nie zwänge ich meinen sorglos freien Stand in Band und Schranken ein. Nicht um die Schätze der tiefen See. Doch sie. Was dort für
  79. Lichter? Casio kommt mit Amtsdienern. Jago, der zornige Vater ist es mit den Freunden. Geht doch hinein. Otello, ich nicht. Man soll mich
  80. finden. Mein Stand und Rang und meine feste Seele. Laut sollen sie für mich zeugen. Sind Sie es? Jago beim Janus. Nein, Csio und einige Amtsdiener mit
  81. Fackeln kommen. Otello, das Herzogsdiener sind es und mein Leutnant. Sei euch die Nacht gedeilig, meine Freunde. Was gibt's? Cio
  82. Herzog grüßt euch, General, und fordert, dass ihr schnell, blitzschnell erscheint im Augenblick. Otello, was meint ihr ist im Werk?
  83. Casio, etwas aus Zypern, wenn ich recht vermute. Es ist ein Geschäft von heiße Eil. Die Flotte verschickt ein Dutzend Boten nacheinander. Noch diesen Abend,
  84. die gedrängt sich folgten. Viel Herrn vom Rad, geweckt und schon versammelt, sind jetzt beim Herzog. Eifrig sucht man euch. Und da man euch verfehlt in eurer
  85. Wohnung, hat der Senat drei Haufen ausgesandt, euch zu erspähen. Otello, es ist gut, dass ihr mich fandet. Ein Wort nur lasse ich hier
  86. zurück im Hause und folg euch nach. Geht ab, Cio Frich, was schafft er
  87. hier? Jago, nun, eine Landgalere nahm er heute. Er macht sein Glück, wenn gute Prise wird. Casio, wie meint ihr das? Jago, er ist
  88. vermählt. Coio, mit wem? Otello kommt zurück. Jago ein nun mit kommt ihr General Otello, ich komme.
  89. Cioht ein anderer Trup, euch aufzusuchen. Brabano, Rodrigo und Bewaffnete treten auf. Jago, es ist Brabanzio. General, nehmt
  90. euch in acht, er sind auf Böses. Otello Holla steht. Rodrigo Signor, es ist der Moor. Brabanio Dieb, schlagt ihn nieder. Von beiden Seiten
  91. werden die Schwerter gezogen. Jago, Rodrigo, ihr kommt, Herr, ich bin für euch. Otello, die Schwerter fort. Sie rosten
  92. sonst im Tau. Das Alter hilft euch besser, guter Herr, als euer Degen. Brabanzio, oh schnöderdieb, was wart aus meiner
  93. Tochter? Du hast, verdammter Frefler, sie bezaubert, denn alles, was Vernunft hegt, will ich fragen, wenn nicht ein magisch Banzi hält gefangen. Ob eine
  94. Jungfrau, zart und schön und glücklich, so abholter Vermählung, dass sie floh, den reichen Jünglingsadel unserer Stadt, ob sie ein allgemein gespött zu werden,
  95. häuslichem Glück entfloh, an solches Unholzpchwarze Brust, die Grauen nicht Lust erregt. Die Welt soll richten, ob es nicht
  96. sonnenklarß du mit Höllenkunst auf sie gewirkt. Mit Gift und Trank verlockt ihr zartes Alter, den Willen ihr gelähmt. Man soll es prüfen, denn glaubhaft ist's
  97. handgreiflich dem Gedanken. Drum nehme ich dich hin Haft und klag dich an als einen Volksbetörer, einen Zauberer, der unerlaubte böse Künste treibt. Legt Hand
  98. an ihn und setzt er sich zu wehr, zwingt ihn und gelt sein Leben. Otello steht zurück. Ihr die für mich Partei nehmt und ihr anderen. Wer
  99. fechten meine Rolle nun, die wüßt ich auch ohne Stichwort. Wohin soll ich folgen und eurer Klage stehen? Brabanio in Haft bis Zeit und Form im Lauf des
  100. geraden Rechts verhörst dich ruf zur Antwort. Otello, wie denn nun, wenn ich gehorchte? Wie käme das dem Herzog wohl
  101. erwünscht, des Boten hier an meiner Seite stehen, mich wegen dringenden Geschäfts im Staat vor ihn zu führen. Erster Amtsdiener, so ist,
  102. wirkog sitzt zu Rat und euer Gnaden wart sicher auch bestellt. Brabanio im Rad Herzog jetzt um die
  103. Mitternacht führt ihn dahin. Nicht schlecht ist mein Gesuch. Der Herzog selbst und jeglicher von meinen Amtsgenossen muß fühlen meine Kränkung
  104. wie sein eigen. Denn lässt man solche Untat straflos schalten, wird Heid und Sklav bei uns als Herrscher walten. Sie gehen
  105. ab. Dritte Szene. Saal im herzoglichen Palast. Eine Ratskammer. Der Herzog und die Senatoren an einer
  106. Tafel sitzend, Beamte im Gefolge. Herzog: "In diesen Briefen fehlt Zusammenhang, der sie glaubwürdig machte." Erster Senator. Jawohl. Sie
  107. weichen voneinander ab. Mein Schreiben nennt mir 106 Galeeren. Herzog und meines 140. Zweiter Senator. Meins 200.
  108. Noch stimmt die Zahl auch nicht genau zusammen wie ins Gemein, wenn sich Gerüchte melden der Inhalt abweicht. Doch erwähnen alle die türkische Flotte,
  109. die Gen Zypern segelt. Herzog. Gewiss erwägen wir es, so scheint es glaublich. Ich will mich nicht im Irrtum sicher schätzen. Viel mehr den Hauptartikel
  110. halte ich wahr und Sorge fast mich. Matrose draußen. Oh, hallo. Hallo. Ein Beamter tritt auf, dem ein Matrose folgt. Beamter Botschaft von den
  111. Galeen. Erzog. Nun, was gibt's? Matrose, der Türken Kriegsbewegung geht auf Rodus. So wart mir Auftrag, dem Senat zu melden vom Senor
  112. Angelo. Herzog, wie dünkt der Wechsel euch? Erster Senator. So kann's nicht sein. Nach keinem Grund und Fug. Es ist eine
  113. Finte, den Blick uns fehlzuleiten. Denken wir, wie wichtig Zypern für den Türken sei. Und wiederum gestehen wir selber ein, dass wie es dem
  114. Türken mehr verlohnt als Rodus, er auch mit leichterem Aufwand sich erobert, die weil es nicht so kriegsgröstet steht und alle Wehr und Festigkeit entbehrt, mit
  115. der sich Rodus schärmt. Wer dies erwägt, der wird den Türken nicht so töricht achten, das nächstgelegene bis zuletzt zu sparen und leichten Vorteil und
  116. Gewinn versäumend nutzlos Gefahr zum Kampf für sich zu wecken. Er zog: "Ja, seit gewiss, er denkt an Rodus
  117. nicht." Erster Beamter, seht, neue Botschaft. Ein Bote tritt auf. bote. Die Ottomanen, weise gnädiger Herren, in geradem Lauf zur Insel Rodes
  118. steuernd, vereinten dort sich mit der Nebenflotte. Erster Senator. Nun ja, so dachte ich mir es. Wie stark an Zahl bote? An 30 Segel. Und jetzt wenden sie
  119. rücklenkend ihren Lauf und ohne He gilt ihre Absicht Zypern. Herr Montano, eu sehr getreuer und beherzter Diener, entbietet euch mit seiner Pflicht die
  120. Nachricht und hofft, ihr schenkt ihm Glauben. Er zog nach Zypern dann gewiss. Markus Lucese, ist er in Venedig? Erster Senator. Er reiste nach
  121. Florenz. Herzog, schreibt ihm von uns schnell. Win schnell komm er. Eil erster Senator. Hier kommt Brabanio
  122. unter tapf Moar. Brabancio, Otello, Jago, Rodrigo und Gerichtsdiener treten auf. Herzog: "Tapfrau Otello, ihr müsst gleich ins
  123. Feld wieder den allgemeinen Feind, den Türken. Superbanio, ich sah euch nicht. Willkommen, edler Herr. Uns fehlt euer
  124. Rat und Beistand diese Nacht. Brabanio und eurer Mir, mein Gütkerfürst, verzeiht mir. Nicht Amtsberuf noch Nachricht von Geschäften
  125. trieb mich vom Bett. Nicht allgemeine Sorge erfüllt mich jetzt, denn mein besonderer Gram gleich einer Springflut strömt so wild dahin, dass er
  126. verschluckt und einschlingt jede Sorge, nur seiner sich bewusst. Er zog nun, was geschah? Brabanzio. Oh, Tochter,
  127. Tochter. Erster Senator. Starb sie Brabanio? Ja, für mich. Sie ist beschimpft, entführt mir und verderbt durch Hexenkünste und
  128. Quacksalbertränke. Denn das Natur so widersinnig irre, daß sie nicht stumpf noch blind noch blöden Sinns, geschah nicht ohne Zauberkraft.
  129. Er zog, wer es auch sei, der auf so schnödem Wege so eure Tochter um sich selbst betrog und euch um sie, das blutige Buch des Rechts. Ihr sollt es
  130. selbst in Herbster Stränge deuten, nach eigenem Sinn. Und wä es unser Sohn, den eure Klage trifft.
  131. Brabanzio, ich danke in Demut. Hier, dieser ist's, der Moer, den jetzt, so scheins euer dringendes Gebot im Dienst des Staats hierher
  132. berief. Alle, das tut uns herzlich leid. Herzog zu Otello. Was eurerseits vermögt ihr zu erwidern?
  133. Rabanzio, nichts als das dies die Wahrheit. Otello, ehrwürdiger, mächtiger und erlauchter Rat. Sehr edle, wohlprobte gute Herren, daß ich dem
  134. alten Mann die Tochter nahm, ist völlig wahr. Wahr, sie ist mir verm. Der Tatbestand und Umfang meiner Schuld reicht s weit weiter nicht. Ich bin von
  135. rauem Wort und schlecht begabt mit milder Friedensrede, seit siebenjährige Kraft mein Arm gewann. Bis vor neun Monden etwa übt er stets nur Kriegestat
  136. im Felde wie im Lager. Und wenig lernt ich von dem Lauf der Welt, als was zum Streit gehört und Werk der Schlacht. Drum wenig Schmuck wohlleich meiner
  137. Sache rede ich für mich. Dennoch, mit eurer Gunst erzähle ich schlicht und ungefärbt den Hergang von meiner Liebe. Was für Tränk und Künste, was für
  138. Beschwörung, welches Zaubers Kraft. Denn solcher Mittel stehe ich angeklagt, die Jungfrau mir gewann. Brabano, ein Mädchen schüchtern von
  139. Geist so still und sanft, daß jede Regung erröhten schwieg. Die sollte trotz Natur und Jugend, Vaterland und Stand und allem das lieben, was ihr
  140. Grauen schuf zu sehen. Ein krankes Urteil wä es, ein Unvollkommenes, das wähnt es irre so Vollkommenheit ganz der Natur entgegen. Schwören muss man, dass
  141. nur des Teufels Kunst und List dies alles zu tun vermocht. Noch einmal denn behaupte ich, daß er mit Tränken ihrem Blutverderblich und
  142. Zaubersaft geweih zu solchem Bann auf sie gewirkt. Erzog, Behauptung, nicht Beweis, steht euch kein klarer Zeugnis
  143. zu Gebot, als solch unhaltbar meinen, solch armseeliger Scheingrund ihn zu beschuldigen vermag. Erster Senator. Doch sagt Otello, habt
  144. ihr durch Nebenweg und künstlich zwingend der Jungfrau Sinn erobert und vergiftet? Oder durch Antrag und erlaubtes Werben, wie Herz an Herz sich
  145. wendet. Otello, ich ersuche euch zum Schützen. Sendet, ruft das Fräulein her und vor dem Vater mag sie von mir zeugen und
  146. werde ich falsch erfunden durch ihr Wort. Nicht nur Vertrauen und Amt, daß ihr mir gabt, mögt ihr mir nehmen. Ja, es treff euer Spruch mein Leben
  147. selbst. Herzog, holt das Dämonah her. Einige vom Gefolge gehen hinaus. Otello, Fenrich geht mit. Ihr wisst den Ort am
  148. besten. Jago und einige vom Gefolge ab und bis sie kommt, so wahr, wie ich dem Himmel bekenne, meines Blutes sündige Fehle. So treulich melde ich eurem
  149. ernsten Ohr, wie ich gewann der schönen Jungfrau Herz. Und sie das meine. Herzog sprecht Otello. Otello. Ihr Vater liebte mich,
  150. lut oft mich ein, erforschte meines Lebenslauf von Jahr zu Jahr, die Schlachten, Stürme, Schicksalswechsel, so ich bestand. Ich ging es durch, vom
  151. Knabenalter her bis auf den Augenblick, wo er gefragt. So sprach ich denn von manchem harten Fall, von schreckender Gefahr zu See und Land, wie ich ums Haar
  152. dem drohenden Tod entrann, wie mich der Feind gefangen nahm und hönisch als Sklaven mich verkauft, wie ich erlöst und meine Reisenwundervolle Fahrt, wobei
  153. von weiten Höhlen, Wüstenstppen, Steinbrüchen, Felsen, himmelhohen Bergen zu melden war im Fortgang der Geschichte von Kannibalen, die einander schlachten,
  154. Anthrophagen, Völkern, deren Kopf wächst unter ihrer Schulter. Das zu hören war des Dämon eifrig stets geneigt. Oft aber rief ein Hausgeschäft sie ab,
  155. und immer, wenn sie eilig dies vollbracht, gleich kam sie wieder und mit durstigem Ohr verschlang sie meine Rede. Dies bemerkend ersah ich einst die
  156. günstige Stund und gab ihr Anlass, dass sie mich recht herzlich bat, die ganze Pilgerschaft ihr zu erzählen, von der sie Stückweis einzelnes gehört, doch
  157. nicht in strenger Folge. Ich begann und oftmals hat ich Tränen ihr entlockt, wenn ich ein leid voll Abenteuer berichtet. aus meiner
  158. Jugend. Als ich nun geändigt, gab sie zum Lohn mir eine Welt von Seufzern. Sie schwuh in Wahrheit seltsam, wundersam und rührend war es. Unendlich rührend
  159. war es. Sie wünscht, sie hät's gehört nicht, doch sie wünschte, der Himmel habe sie als solchen Mann geschaffen, und sie dankte mir und bat mich, wenn je
  160. ein Freund von mir sie lieben sollte, ich möge ihn die Geschichte erzählen lehren, das würde sie gewinnen. Und auf den Wink erklärte ich
  161. mich. Sie liebte mich, weil ich Gefahr bestand. Ich liebte sie um ihres Mitleids willen. Das ist der ganze Zauber, den ich brauchte.
  162. Und hier kommt das Fräulein. Laß sie dies bezeugen. Das Demon Jago und Gefolge treten auf. Herzog. Nun, die Geschichte
  163. hätte auch meine Tochter gewonnen. Würdiger Brabanio nehmt was versehen wart von der besten Seite. Man ficht doch lieber mit zerbrochenem Schwert als
  164. mit der bloßen Hand. Brabano, hört sie. Ich bitt euch, bekennt sie, daß sie halb ihm kam entgegen. Fluch auf mein Haupt, wenn
  165. meine bittere Klage den Mann verunglimpft. Komm her, junge Dame. Wen siehst du hier in diesem edlen Kreis, dem duist gehorsam schuldig
  166. bist? Des Demona. Mein edler Vater, ich sehe hier zwiefach geteilte Pflicht. Euch muss ich Leben danken und Erziehung.
  167. Und Leben und Erziehung lehren mich euch ehren. Ihr seid Herrscher meiner Pflicht, wie ich euch Tochter. Doch hier steht mein Gatte und so viel Pflicht als
  168. meine Mutter euch gezeigt, da sie euch vorzog ihrem Vater. So viel muss ich auch meinem Gatten widmen, dem Moren, meinem
  169. Herrn. Brabanzio, Gott sei mit dir. Ich bin zu Ende. Beliebt euer Hoheit.
  170. Jetzt zu Staatsgeschäften. Oh, zeug dich nie ein Kind und wählt ein fremdes. Tritt näher Moor hier gebe ich
  171. dir von ganzem Herzen hin. Was hättest du es nicht von ganzem Herzen verweigerte? Um deinen Willen, klein Od erfreut es mich, dass kein zweites Kind
  172. mir wart. Durch deine Flucht wäre ich tyranisch worden und legt ihr Ketten an. Ich bin zu Ende. Herzog, ich red an eurer Stadt und
  173. fäll ein Urteil, daß eine Stufe sei, den Liebenden in eure Gunst zu helfen. Wem nichts mehr hilft, der muss nicht Gram verschwenden. Und wer das Schlimmste
  174. sah, die Hoffnung enden. Unheil beklagen, das nicht mehr zu bessern, heißt umso mehr das Unheil nur vergrößern.
  175. Was nicht zu retten als dem falschen Glück und gib Geduld für Kränkung ihm zurück. Zum Raube lächeln heißt den Dieb bestehlen. Doch selbst beraubst du dich
  176. durch nutzlos quälen. Brabanzio. So mögt ihr Zyper nur den Türken gönnen. Wir haben es noch,
  177. solange wir lächeln können. Leicht trägt den Spruch, wen andere Last nicht drückt und wen der selbstgefundene Trosterquickt. Doch fühlt er sein
  178. Gewicht bei wahren Sorgen, wenn es gilt, von der Geduld die Zahlung borgen. Bitter und süß sind all derlei Sentenzen, die so gebraucht an Recht und
  179. Unrecht grenzen. Doch Wort bleibt Wort. Noch habe ich nie gelesen, dass durch das O ein krankes Herz
  180. gen euch inständig, gehen wir an die Staatsgeschäfte. Herzog: "Der Türke segelt mit gewaltiger Kriegsrüstung gegen Zypern.
  181. Otello, euch ist die Festigkeit des Orts am besten bekannt. Und obgleich wir dort einen Stadthalter von unbestrittener Fähigkeit besitzen, so hegt doch die
  182. öffentliche Meinung, eine unbeschränkte Gebieterin des Erfolgs, eine größere Zuversicht zu euch. Ihr müsst euch deshalb gefallen lassen, den Glanz eures
  183. neuen Glücks durch diese raue und stürmische Unternehmung zu verdunkeln. Otello, die eiserne Gewohnheit, edle Herren, schuf mir des Krieges Stahl und
  184. Felsenbett zum allerweichsten Pflaum. Ich rühme mich natürlicher und rascher Munterkeit im schwersten Ungemach und bin bereit zum jetzigen Feldzug mit dem
  185. In Demut drum mich neigend dem Senat, verlange ich Sorg und Schutz für mein Gemahl, anständige Rücksicht ihrem Rang und Aufwand und solche
  186. Wohnung, solche Dienerschaft als ihrem Stand geziemt. Herzog, wenn es euch genehm bei ihrem
  187. Vater. Trabanzio, nimmer geb ich's zu. Otello noch ich. Desona noch ich. Nicht gern verwalt ich dort und reizte meines Vaters
  188. Ungeduld, wäre ich ihm stets vor Augen. Gütiger Fürst, leid meinem Vortrag ein geneigtes Ohr und lasst mir eure Gunst als Freibrief gelten, mein schüchtern
  189. Wort zu kräftigen. Herzog: "Was wünscht ihr, des Demona?" Des Demona, "Dass ich den Mohen liebt, um ihm zu leben, mag meines
  190. Glücks gewaltsam sturmende Welt zu rufen. Ja. Mein Herz ergab sich vollständig meines Herren wahre Art. Mir war Otellos Antlitz sein Gemüt und
  191. seinem Ruhm und seinem Heldensinn habe ich die Seel und irdisch Glück geweiht. Drumwürdige Herrn lässt man mich hier zurück als Friedensmotte und er zieht
  192. ins Feld. So raubt man meiner Liebe teures Recht und lässt mir eine schwere Zwischenzeit dem liebsten fern. So, lasst mich mit ihm
  193. ziehen. Otello, stimmt bei, ihr Herrn. Ich bitte euch, ihrem Willen lasst freien Weg. Der Himmel zeuge mir es. Dies bitte ich nicht den Gaumen zu
  194. reizen meiner Sinnenlust noch heißem Blut zu Liebe jungen Trieben selbstsüchtiger Lüste, die jetzt schweigen müssen. Nur ihrem Wunsch will
  195. fährig Holz zu sein. Und Gott verhüht: "Euer Edeln möchten wähnen. Ich werde euer Ernst und Großgeschäft versäumen, weil sie mir folgt. Nein, wenn das
  196. flüchtige Spiel des Flügel Gottes mir mit buller Trägheit des Geistes und der Tatkraft Schärfe stumpft und mich Genuss entnervt und schwächt mein Wirken, mach
  197. eine Hausfrau meinen Helm zum Kessel und jedes niedre und unwürdige Zeugnis erstehe wieder mich und meinem Ruhm.
  198. Erzog: "Sei wie ihr es mit Sammen festgesetzt. Sie folg euch oder bleibe. Das Geschäft heiß dringend eil." Erster Senator. Zur Nacht noch. Müßt ihr
  199. fort? Das Demon. Heute Nacht, mein Fürst. Erzog heute Nacht. Otello von ganzem Herzen. Herzog. Um 9 Uhr früh versammeln
  200. wir uns wieder. Otello, las einen Offizier zurück, der eure Vollmacht euch kann überbringen und was noch sonst euer Amt und Dienstverhältnis
  201. betrifft. Otello, gefällt's euer Hoheit hier, mein Fenrich? Er ist ein Mann von Ehr und Redlichkeit und seiner Führung lasse ich meine Frau und was euer Hoheit
  202. sonst für nötig achtet, mir nachzusenden. Erzog. So mag es sein. Gut Nacht jetzt insgesamt zu
  203. Brabanio und würdiger Herr, wenn man die Tugend muss als schön erkennen, dürft ihr nicht hässlich euren Eidam nennen. Erster Senator, lebt wohl Moo,
  204. liebt und ehret des Demona. Brabanzio, sei wachsam, Moor. Hast du Augen zu sehen? Den Vater trug sie. So
  205. mag's dir geschehen. Herzog und Senatoren, Amtsdiener und Gefolge gehen ab. Otello, mein Kopf für ihre
  206. treu. Hör Wakrayago, ich muss dir meine Desona lassen und bitte ich gib deinen Weib ihr zur Gesellschaft und bringe sie mir nach, sobald du kannst. Komm des
  207. Demona. Nur ein Stündchen bleibt der Lieb und unserem häuslichen Geschäft zu widmen uns. Laß uns der Zeit gehorchen. Otello und des Demona
  208. ab. Rodrigo Jago. Jago was sagst du edles Herz? Rodrigo was werde ich jetzt tun meinst
  209. du Jago? Nun zu Bette gehen und schlafen. Rodrigo auf der Stelle ersäufen werde ich mich. Jago, nun, wenn du das tust, so
  210. ist's mit meiner Freundschaft auf ewig aus, du alberner junger Herr Rodrigo. Es ist Albernheit zu leben,
  211. wenn das Leben eine Qual wird und wir haben die Vorschrift zu sterben, wenn Tod unser Arzt ist. Jago. Oh, über die Erbärmlichkeit.
  212. Ich habe der Welt an die viermal sieben Jahre zugesehen, und seit ich einen Unterschied zu finden wußte zwischen Wohltat und Beleidigung, bin ich noch
  213. keinem begegnet, der es verstanden hätte, sich selbst zu lieben. Ich sagte, ich wollte mich einem Puthühnchen zu liebe ersäufen. Eh, tauschte ich meine
  214. Menschheit mit einem Pavian. Rodrigo, was soll ich tun? Ich gestehe, es macht mir Schande, so sehr verliebt zu sein, aber meine Tugend
  215. reicht nicht hin, dem abzuhelfen. Jago Tugend abgeschmackt. In uns selber liegt's, ob
  216. wir so sind oder anders. Unser Körper ist ein Garten und unser Wille der Gärtner, so dass ob wir Nesseln drin pflanzen wollen oder Salat bauen, Üop
  217. aufziehen oder Tymean aus Jäen, ihn dürfte ich mit einer Kraut besetzen oder mit mancherlei Gewächs aussaugen, ihn müßig verwildern lassen oder fleißig in
  218. Zucht halten. Das Vermögen dazu und die bessernde Macht liegt durchaus in unserem freien Willen. der Wagbalken unseres Lebens, nicht eine
  219. Schale von Vernunft, um eine andere von Sinnlichkeit aufzuwiegen. So würde unser Blut und die Bösartigkeit unserer Triebe uns zu den ausschweifendsten
  220. Verkehrtheiten führen. Aber wir haben die Vernunft, um die tobenden Leidenschaften, die fleischlichen Triebe, die zügellosen Lüste zu kühlen.
  221. Und daraus schließe ich, was du Liebe nennst. Sei ein Pfropfreis, ein Ableger. Rodrigo, das kann nicht sein. Jago, es ist nur ein gelüstes
  222. Blut, seine Nachgiebigkeit des Willens. Auf sei ein Mann, dich ersäufen. Ersäufe Katzen und junge Hunde. Ich nenne mich deinen Freund und
  223. erkläre mich an dein Verdienst geknüpft mit dem Ankertau der ausdauerndsten Festigkeit. Nie konnte ich dir besser beistehen als jetzt. Tu Geld in deinen
  224. Beutel, zieh mit in diesem Krieg. Verstelle dein Gesicht durch einen falschen Bart. Ich sage dir, tu Geld in deinen
  225. Beutel. Es ist undenkbar, dass Dämonah den Mohen auf die Dauer lieben sollte. Tu Geld in deinen Beutel. Noch der Moor sie. Es war ein gewaltsames Beginnen und
  226. du wirst sehen, die Katastrophe wird eine Ähnlichkeit sein. Tuur Geld in deinen Beutel. So ein Moor ist veränderlich in seine Neigungen. Fülle
  227. deinen Beutel mit Geld. Die Speise, die ihm jetzt so würzig schmeckt wie Süßholz, wird ihn bald bitterer dünken als
  228. Koloquinten. Sie muss sich einem Jüngeren zuwenden. Hat sie ihn erst satt. So wird sie den Irrtum ihrer Wahl einsehen. Sie muss Abwechslung haben.
  229. Das muss sie. Darum tu Geld in deinen Beutel. Wenn du durchaus zum Teufel fahren willst, so tuß auf einem angenehmeren
  230. Wege als durch Ersäufen. Schaff dir Geld so viel du kannst, wenn des Priesters Segen und ein hohl Gelübte zwischen einem abenteuernden Afrikaner und einer
  231. überlistigen Venezianerin für meinen Witz und die ganze Sippschaft der Hölle nicht zu hart sind, so sollst du sie besitzen. Darum schaff dir Geld zum
  232. Henker mit dem Ersäufen. Das liegt weit ab von deinem Wege. Denk du lieber drauf zu hängen, indem du deine Lust büß, als dich zu ersäufen und sie fahren zu
  233. lassen. Rodrigo, soll ich meine Hoffnung auf dich bauen, wenn ich es drauf wage? Jago, auf mich kannst du zählen. Geh, schaff dir Geld. Ich habe dir es
  234. oft gesagt und wiederhole es aber und abermals. Ich hasse den Mohen. Mein Grund kommt von Herzen. Der deinige liegt ebenso tief. Laß uns fest in
  235. unserer Rache zusammenhalten. Kannst du ihm Hörner aufsetzen? So machst du dir eine Lust und mir einen
  236. Spaß. Es ruhch manches im Schoß der Zeit, das zur Geburt will. Gerade durch fort. Treib Geld auf. Wir wollen es morgen weiter verhandeln. Leb
  237. wohl. Rodrigo. Wo treffen wir uns morgen früh? Jago in meiner Wohnung. Rodrigo, ich werde zeitig dort sein. Jago, gut, leb wohl. Höre doch,
  238. Rodrigo. Rodrigo, was sagst du? Jago, nichts von ersäufen. Hörst du, Rodrigo? Ich denke jetzt anders. Ich will alle meine Güter
  239. verkaufen. Er geht ab. Jago, nur zu. Tuur Geld genug in deinen Beutel.
  240. So muß mein Narr mir stets zum Säckel werden. Mein reifes Urteil würde ich ja entweih. Vertendelt ich den Tag mit solchem Gimpel mir ohne Nutz und
  241. Spaß. Den Moren hass ich. Die Rede geht. Er hab in meinem Bett mein Amt verwaltet. Möglich. Das ist falsch. Doch ich auf bloßen Ark wohn in dem Fall will
  242. tun, als wä es gewiss. Er hat mich gern. Umso viel besser wird mein Plan gedeih. Der Cio ist ein hübscher Mann. Lasst
  243. sehen. Sein Amt erhaschen, mein gelüstte Büen. Ein doppeltschämstück. Doch wie nur? Las mich
  244. sehen. Nach einiger Zeit Otellos Ohr betören. Er sei mit seinem Weibe zu vertraut. Der Bursch ist wohlgebaut von schmeidiger Art. Recht für den Ark,
  245. recht den Frauen gefährlich. Der Moor nun hat ein Grad und frei Gemüt. Das ehrlich jeden Held, scheint er nur so und läßt sich sanftlich an der
  246. Nase führen wie Eselton. Ich hab's. Es ist erzeugt. Aus Höll und Nacht sei diese Untat an das
  247. Licht gebracht. Er geht ab. Zweiter Akt. Erste
  248. Szene. Ein Hafen in Zypern. Eine Terrasse. Montano und zwei Edelleute treten
  249. auf. Montano, was unterscheidet man vom Damm zur See? Erster Edelmann: Nichts weit und
  250. breit. Es ist hochbewegte Flut und nirgends zwischen Meer und Himmel kann ich ein Schiff entdecken. Montano, mir scheint, der
  251. Wind bliß überlaut ans Ufer. Nie traf so voller Sturm die Außenwerke. Wenn es ebenso rumort hat auf der See, welch eichner Kiel, wenn
  252. Berge niederfluten, bleibt festgefügt. Was werden wir noch hören? Zweiter Edelmann. Zerstreuung wohl des türkischen Geschwades, denn
  253. stellt euch nur an den beschäumten Strand. Die zornige Woge sprüht bis an die Wolken. Die sturmgepeitschte Flut will mächtigen Schwalz den Schaum
  254. hinwerfen, auf den glühenden Bären des ewig festen Poles wach zu löschen. Nie sah ich so verderblichen Tumult des zornigen
  255. Meeres. Montano, wenn nicht die Türkenflotter sich bar in Bucht und Hafen, so versank sie. Es ist unmöglich, dass sie es
  256. überstand. Ein dritter Edelmann tritt auf. Dritter Edelmann. Botschaft, ihr Herrn. Der Krieg ist aus. Der tolle
  257. Sturm nahm so die Türken mit, dass ihre Landung hinkt. Ein Kriegsschiff von Venedig war Zeuge grauser Not und Havari des Hauptils ihrer
  258. Flotte. Montano, wie ist das wahr? Dritter Edelmann, das Schiff hat angelegt. Ein Veroneser, Michael Casio, Leutnand des kriegerischen Moorn Otello,
  259. stieg hier ans Land. Der Moor ist auf der See mit höchster Vollmacht unterwegs nach Zypern. Montano, mich freut's, er ist
  260. ein würdiger Gouverneur. Dritter Edelmann. Doch dieser Casio, spricht er gleich so tröstlich vom türkischen Verlust,
  261. scheint sehr besorgt und betet für den Mohen, denn es trennte ein grauser schwerer Sturm. Sie Montano, schütz ihn Gott. Ich diente
  262. unter ihm. Der Mann ist ganz Soldat und fälltherr. Kommt zum Strande. Oh, sowohl das eingelaufene Schiff zu sehen, als nach dem tapferen Mohen auszuschauen,
  263. bis wo die Meerflut und des Äs Blau dem Aug in eins verschmilzt. Dritter Edelmann, das lasst uns tun, denn jeder Augenblick ist jetzt
  264. Erwartung von neuer Ankunft. Casio tritt auf. Casio, dank allen Tapfern dieser mutigen Insel, die so den Mohen lieben, möchte
  265. ihn doch der Himmel schützen vor dem Element, denn ich verlore ihn auf der schlimmsten See. Montano hat er ein gutes
  266. Fahrzeug? Casio, sein Schiff ist stark gebaut und sein Pilot von wohlgeprüfter kundiger Meisterschaft. Drum hart mein Hoffen, noch nicht tödlich krank, kühn
  267. auf Genesung. Mehrere Stimmen draußen. Ein Schiff, ein Schiff, ein Schiff. Ein vierter Edelmann tritt
  268. auf. Cassio, was rufen Sie? Vierter Edelmann, die Stadt ist leer. Am Meeresufer steht gedrängt das Volk. Man ruft ein Schiff. Ein Schiff?
  269. Cio mein hoffen will, es sei der Gouverneur. Man hört Schüsse. Zweiter Edelmann. Mit Freudenschüssen salutieren sie. Zum
  270. Minsten Freunde sind's. Coio, ich bitte euch, Herr, geht, bringt uns sichere Nachricht, wer gelandet. Zweiter Edelmann. Sogleich. Er
  271. geht ab. Montano sagt Leutnand, ist der General vermählt? Cio ja, äußerst glücklich. Er gewann ein Fräulein, das jeden
  272. schwärmerischen Preis erreicht, kunstreicher Federn Lobspruch überbietet und in der Schöpfung reich begabter Fülle die Dichtung selbst
  273. ermattet. Der zweite Edelmann kommt zurück. Nun, wer war's? Zweiter Edelmann. Das fällt Herrn Fenrich, ein gewisser
  274. Jago. Cassio, der hat höchst schnelle günstige Fahrt gehabt. Die Stürme selbst, die Strömung, wilde Wetter, gezackte Klippen, aufgehäufter Sand,
  275. unschuldigen Kiel zu ferden, leicht verhüllt, als hätten sie für Schönheit sehen, vergaßen ihr tödlich amt und ließen ungekränkt die Hohe des Demon
  276. durch. Montano, wer ist sie? Casio, die ich genannt, die Herrin unseres Herrn, der Führung anvertraut, des Kühnen Jago, des Landung, unserem
  277. Hoffen vorgeeilt um eine Woche. Gott beschütz Otello, sein Segel schwelle dein allmächtige Hauch, das bald sein wackres Schiff den Hafen
  278. segne. Dann eil er liebend an der Gattinbrust, entflamme glühend unser nauen Mut und bringe Zypernant Tröstung. Seht, oh, seht.
  279. Das Dämonera, Emilia, Jago, Rodrigo und Gefolge treten auf. Das Schiffes Reichtum ist ans Land gekommen. Ihr Zypnsedle, neigt euch huldigend. Heil
  280. dir, oh Herrin, und des Himmels Gnade begleite dich auf allen Seiten stets dich rings umschließend. Des Dämon. Dank euch, wach
  281. Co. Was wisst ihr mir von meinem Herrn zu sagen? Casio, noch ist er nicht gekommen und ich weiß nichts, als daß er wohl und
  282. bald hier landen muß. Der Stäona Ich fürchte nur, wie habt ihr ihn verloren?
  283. Cio Himmels und des Meers trennt unseren Lauf. Ach, Horcht. Es naht ein Schiff draußen. Ein Schiff. Ein Schiff. Man hört
  284. schießen. Zweiter Edelmann. Der Zitadelle bringt es seinen Gruß. Auch dies sind Freunde. Cio geht und schafft uns
  285. Nachricht. Der zweite Edelmann ab. Willkommen, Fenrich zu Emilia. Werte Frau, willkommen. Nicht reiz es euren Unmut,
  286. guter Jago, daß ich die Freiheit nahm, denn meine Heimat erlaubt so kühnen brauchter Höflichkeit. Er küsst
  287. Emilien. Jago: "Herr, gben ihre Lippen euch so viel, als sie mir oft beschert mit ihrer Zunge? Ihr hättet genug." Das Dämona, die Arme spricht ja
  288. kaum. Jago viel zu viel. Das merke ich immer, wenn ich schlafen möchte. Vor eurer Gnaden freilich, glaube ich's wohl, legt
  289. sie die Zungen ein wenig in ihr Herz und keift nur in Gedanken. Emilia, du sprichst ohne Grund so, Jago. Geht, geht. Ihr seid Gemälde
  290. ausm Haus. Drin schellen in den Küchen wilde Katzen. Verletzt ihr, heilige Teufel, kränkt man euch. Spielt mit dem
  291. Haushalt. Haltet Haus im Bett. Desona schäme dich, Verläumder Jago. Nein, das ist wahr. Ich
  292. irre nicht um ein Haarbreit. Ihr steht zum Spiel auf, geht ins Bett zur Arbeit. Emilia, ihr sollt mein Lob nicht schreiben. Ja.
  293. Will's auch nicht des Demona. Was schriebst du wohl von mir? Sollst du mich loben? Jago gnädige Frau, nicht fordert
  294. so mich auf, denn ich bin nichts, wenn ich nicht lästern darf. Des Dämon. Also
  295. probiert's. Ging einer hin zum Hafen? Jago ja, edle Frau Desona. Ich bin nicht fröhlich, doch verhülle ich gern den Innern Zustand
  296. durch erborgten Schein. Nun sag, wie lobst du mich? Jago? Ich Sinne schon, doch leider mein
  297. Erfinden geht mir vom Kopf wie Vogelleim vom Fries, reißt Hirn und alles mit. Doch kreist die Mose und wird also entbunden. Ist eine schön und klug,
  298. dient dem Gebrauch die Schönheit und die Klugheit nutzt sie auch. Das Demona ganz hübsch. Wie wenn sie hässlich ist und
  299. witzig. Jago ist eine hässlich, aber witzig. Doch, die macht sich einen hübschen willig noch. Desona schlimm und
  300. schlimmer. Emilia, wenn aber schön und dumm. Jago so gänzlich dumm sich keine schöne find. Gerade ihre Dummheit hilft ihr noch zum
  301. Kind. Desona. Das sind abgeschmackte alte Reime, um die Narren im Bierhause zum Lachen zu bringen. Was für ein erbärmliches Lob hast du denn für eine,
  302. die hässlich und dumm ist. Jago keine so hässlich und so dumm zugleich wie kluge schöne macht sie dumme
  303. Streich des Demona. Oh grober Unverstand, du preist die schlechteste am besten. Aber welches Lob bleibt dir für
  304. eine wirklich verdienstvolle Frau? Für eine, die in dem Adel ihres Werts mit Recht den Ausspruch der Bosheit selbst herausfordern darf?
  305. Jago, die immer schön, doch nicht dem Stolz vertraut, von Zunge flink, doch niemals sprach zu laut, nicht arm an Gold, nie bunten Schmuck sich gönnte,
  306. den Wunsch erstickt und dennoch weiß, ich könnte die selbst im Zorn, wenn Rache nah zur Hand die Kränkung trägt und ihren Groll verbandt, die nie von
  307. überwitz sich lässt berauschen, einen Stockfischkopf für ein Salschwanz einzutauschen, Sie, die viel denkt, die Meinung doch
  308. verschweigt und keinen Blick dem Schwarm der Werber zeigt, die nennt ich gut. Wer sie nur aufzutreiben des Demona? Nun, wozu?
  309. Jago Narren aufzuziehen und Dünnbier anzuschreiben. Das Dämoner hoch. Über solchen lahen hinkenden Schluss. Lerne
  310. nichts von ihm, Emilie, wenn er auch dein Mann ist. Was meint ihr, Casio? Ist er nicht ein heilloser, ausgelassener Schwätzer? Cio? Er redet derb, gnädige
  311. Frau. Der Soldat wird euch besser an ihm gefallen als der Gelehrte. Jago beiseit. Er fasst sie bei der
  312. Hand. So recht flüstert nur. Mit solchem kleinen Gewebe will ich eine so große Fliege umgarnen wie CIO. Ja, lächle du sie an. Nur zu. Deine
  313. eigenen Kratzfüße sollen dir Beinschellen werden. Ganz recht. In der Tat so ist's. Wenn solche Manieren dich um deine Leutenchaft bringen, so wä es
  314. besser gewesen. Du hättest deine drei Finger nicht so oft geküsst, mit denen du jetzt wieder so stattlich den Kavalier
  315. spielst. Sehr gut. Wohlgeküsst. Eine herrliche Verbeugung. Ja. Ja, so ist's. Schon wieder die Finger an den Mund. So wollte ich doch.
  316. Das wären Klisterspritzen, um deinet Willen. Trompetenstoß. Der Moor, ich kenne sein Signal.
  317. Cio's des Demona. Wir wollen ihm entgegen, ihn empfangen. Casio, da kommt er schon. Otello kommt mit
  318. Gefolge. Otello? Oh, meine Holdekriegerin. Des Demona. Mein Otello. Otello, ein Wunder dünkt's, groß wie meine Freude, dich hier zu sehen vor
  319. mir. Oh, mein Entzücken, wenn jedem Sturm so heitere Stille folgt, dann blast Orkane, bis den Tod ihr weckt. Dann klimme Schiff die Wogenberg hinein
  320. hoch wie Olymp und tauch hinunter tief zum Grund der Hölle. Gelt es jetzt zu sterben. Jetzt wä es mir höchste Wonne, denn ich fürchte, so
  321. volles Maß der Freude füllt mein Herz, dass nie ein anderes Glück mir diesem gleich im Schoß der Zukunft hart. Das Demona, verhüte Gott, dass
  322. unsere Lieb und Glück nicht sollten wachsen wie unsere Tagezahl. Otello. Amen. Ihr holden Mächte. Nicht auszusprechen, weiß ich
  323. diese Bonne hier stockt es. Oh, es ist zu viel der Freude. Und dies und dies der größte Misklang sei es. Er küsßt sie, den unser
  324. Herz je tönt. Jago beiseite noch seid ihr wohl gestimmt, doch dieses Einklangswirbel spann ich
  325. ab, so wahr ich ehrlich bin. Otello, gehen wir aufs Schloss. Wisst ihr es? Der Krieg ist aus. Der Türk
  326. ertrank. Wie geht's den alten Freunden hier auf Zypern? Liebchen, dich wird man hoch in Ehren halten. Ich fand hier große Gunst. Oh, süßes Herz. Ich
  327. schwatze alles durcheinander, schwärme im neuen Glück. Ich bitte dich, guter Jago, geh nach der Bucht und schaff ans Land die Kisten. Bring auch den
  328. Schiffsherrn mir zur Zitadelle. Es ist ein wackrer Seemann, das Verdienst ich hoch belohnen muss. Komm, des Demona, nochmals begrüßt den
  329. Zypern. Otello des Demona und Gefolge ab. Jago zu einem Diener. Geh du sogleich zum Hafen und erwarte mich dort zu
  330. Rodrigo. Komm näher. Wenn du ein Mann bist, denn man sagt, dass auch feige, wenn sie verliebt sind, sich zu höherer Gesinnung erheben,
  331. als ihnen angeboren war. So hör mich an. Der Leutnand hat diese Nacht die Wach auf dem Schlosshof. Vorerst aber muß ich dir sagen, das Demona ist richtig in ihn
  332. verliebt. Rodrigo in ihn? Unmöglich. Jago, leg deinen Finger so und lass dich belehren. Besinne dich
  333. nur, wie heftig sie zuerst den Mohen liebte, nur weil er pralte und ihr unerhörte Lügen auftischte. Wird sie ihn immer für
  334. seinen Schwatzen lieben? Das kann deine verständige Seele nicht glauben wollen. Ihr Auge verlangt Nahrung und welches Wohlgefallen kann
  335. ihr es gewähren, den Teufel anzusehen? Wenn das Blut durch den Genuss abgekühlt ist, dann bedarf es, um sich aufs Neue zu entflammen und der Sättigung neue
  336. Begier zu wecken, Anmut der Gestalt, Übereinstimmung in Jahren, Gesitt und Schönheit und an dem allem fehlsdemoren. Nun, beim Mangel aller
  337. dieser ersehnten Annehmlichkeiten wird ihr feiner Sinn sich getäuscht fühlen. Sie wird das Mohen erst satt, dann überdrüssig werden und endlich ihn
  338. verabscheuen. Die Natur selbst wird sie anleiten und sie zu einer neuen Wahl treiben. Nun, Freund, dies eingeräumt, wie es denn eine völlig überzeugende und
  339. ungezwungene Voraussetzung ist, wer steht wohl so gewiss auf der Stufe dieses Glücks als Cio? Ein Spitzbuber, sehr gewandt und gewissenhaft, nur so
  340. weit, als er die äußere Form eines sitzsamen und gebildeten Betragens annimmt, um seine lockeren, geheimen, wilden Neigungen umso leichter zu
  341. befriedigen. Nein, keiner, keiner. Ein glatter, geschmeidiger Spitzbub, ein Gelegenheitshascher, dessen Blick Vorteile prägt und falsch münzt, wenn
  342. selbst kein wirklicher Vorteil sich ihm darbietet. Ein Teufelsspitzbub. Außerdem ist der Spitzbub hübsch, jung und hat alle die
  343. Eigenschaften, wonach Torheit und grüner Verstand hinschelen. Ein verdammter, ausgemachter Spitzbub und die Frau hat ihn schon
  344. herausgefunden. Rodrigo, das kann ich von ihr nicht glauben. Sie ist von ganz himmlischem Wesen. Jago himmlisch. Was heißt das
  345. schon? Der Wein, den sie trinkt, ist aus Trauben gepresst. Wäre sie so himmlisch, dann hätte sie nie den Mohen lieben können.
  346. Himmlisch, lauter Kohl. Sahst du nicht, wie sie mit seiner flachen Hand tätschelte? Hast du das nicht bemerkt, Rodrigo? Oh ja, aber das war
  347. nur Höflichkeit. Jago Verbultheit bei dieser Hand. Eine Einleitung und dunkler Prolog zum Schauspiel der Lust und der schnöden
  348. Gedanken. Sie kamen sich so nah mit ihren Lippen, daß ihr Hauch sie lieb kostte. Böbische Gedanken,
  349. Rodrigo. Wenn diese Vertraulichkeiten so den Weg bahnen, so kommt gleich hinter drein der Zweck und die Ausübung, der fleischliche
  350. Beschluss. Aber Freund, lass dir von mir raten. Ich habe dich von Venedig her geführt. Steh heute Nacht mit Wache. Ich nehme es auf mich dir deinen Posten
  351. anzuweisen. Casio kennt dich nicht. Ich werde nicht weit sein. Find nur eine Gelegenheit, Csio zum Zorn zu reizen. Sei es, dass du laut redest oder ihm die
  352. Disziplin verdirbst oder welchen anderen Anlass du sonst wahrnimmst, den die günstige Zeit dir eben darbietet. Rodrigo.
  353. Gut. Jago, er ist heftig und sehr jährzornig und schlägt vielleicht mit seinem Stabe nach dir. Reize ihn nur, dass er es tut, denn das genügt mir
  354. schon, um die Zypria zum Aufruhr zu bringen, der nicht wieder beschwichtigt werden kann, als durch Cosos Absetzung. So findest du einen kürzeren Weg zu
  355. deinem Ziel durch die Mittel, die ich dann habe, dir Vorschub zu tun. Und wir schaffen das Hindernis aus dem Wege, ohne dessen Besiegung kein Erfolg
  356. erwartet werden darf. Rodrigo, das will ich tun, wenn du mir Gelegenheit gibst. Jago, dafür stehe ich dir. Komm
  357. nur so gleich auf die Zitadelle. Ich muss jetzt sein Gepäck ans Land schaffen. Leb wohl. Rodrigo Gott
  358. befohlen. Er geht ab. Jago. Dass Cio liebt, das glaube ich wohl. Dass sie ihn liebt, ist denkbar
  359. und natürlich. Der Moor, ob schon ich ihm von Herzen gram, ist liebevoller, treuer, edler Art und wird für des
  360. Demona, denke ich, sicher ein wacker Ehemann. Jetzt lieb ich sie auch, nicht zwar aus Lüsternheit, wie wohl vielleicht nicht
  361. kleinere Sünde mir zu schulden kommt. Nein, mehr um meine Rache an ihm zu weiden, weil ich vermute, dass der lüsterne Moh ins Gehege kam und der
  362. Gedanke nagt wie ein fressend Gift an meinem Innern. Nichts kann und soll mein Herz beruhigen, bis ich ihm wett geworden.
  363. Weib um Weib. Oder schlägt mir dies Fehl, bringe ich den Mohen in Eifersucht so wilde Art, dass nie Vernunft sie heilen
  364. kann. Dies zu vollbringen hält nur mein Köter von Venedigstand, den ich am Riemen führe zu der Hatz. Pack ich den Michael Casio bei der Hüfte, verschwärz
  365. ihn dann dem Mooren als gefährlich, denn Casio fürchte ich auch für meine Nachthaube. So dankt Otello Miras liebt mich, belohnt mich, dass ich so
  366. stattlich ihn zum Esel machte und seine Ruhe und Freud ihm ganz verkehrt zum Wahnsinn. Ja, hier liegt's noch nicht entfaltet.
  367. Die Bosheit wird durch Tat erst ganz gestaltet. Er geht ab. Zweite Szene:
  368. Straße. Ein Herold tritt mit einer Proklamation auf. Leute folgen ihm. Herold, es ist Otellos unseres edlen und tapferen Generals Wunsch, daß auf die
  369. zuverlässige jetzt eingegangene Nachricht von der gänzlichen Vernichtung der türkischen Flotte jeder Mann seine Freude kontur, sei es durch Tanz oder
  370. Lustfeuer, oder wie ihn sonst seine Neigung zu Spiel und Kurzwald treibt, denn außer jenem erfreulichen Ereignis feiert er heute seine Hochzeit. Solches
  371. wird auf seinem Befehl ausgerufen. Alle Seele des Palastes sind geöffnet und volle Freiheit zu Schmaß und Fest von jetzt 5 Uhr an bis die elfte Stunde
  372. geschlagen. Der Himmel segne die Insel Zypern und unseren edlen General Otello. Er geht ab.
  373. Dritte Szene. Ein Saal im Schloss. Otello, des Demona, Cassio und Gefolge treten auf. Otello, mein lieber Michael, halt ja genaue Wache diese
  374. Nacht. Wir müssen selbst auf eher Maß bedacht sein, dass nicht die Lust unbändig werde. Cio Jago war schon befehligt, was
  375. zu tun, doch außerdem noch soll mein eigenes Auge auf alles sehen. Otello Jago ist treu bewährt. Gute Nacht. Auf morgen mit dem frühsten
  376. habe ich mit dir zu reden. Komm, Geliebte. Es soll, wer einen Handel hat geschlossen, Gewinn ziehen. Teilen wir ihn uns als Genossen.
  377. Gut Nacht. Otello des Demona und Gefolge ab. Jago tritt auf. Casio, willkommen, Jago. Wir müssen
  378. auf die Wache. Jago, jetzt noch nicht, Leutnand. Es ist noch nicht 10 Uhr. Unser General schickt uns so früh fort aus Liebe zu seiner des Demon und wir
  379. dürfen ihn drum nicht tadeln. Es ist seine erste glückliche Nacht und sie ist Jupiters würdig.
  380. Ciovergleichliche Frau. Jago und dafür stehe ich. Sie hat Feuer. Csio gewiss. Sie ist ein blühendes süßes Geschöpf. Jago. Welcher ein Auge? Mir
  381. scheint es wie ein Aufruf zur Verführung. Cio ein einladendes Auge und doch wie mir scheint ein höchst sitzames. Jago und wenn sie spricht, ist
  382. es nicht eine Herausforderung zur Liebe. Coio, sie ist in der Tatommenheit selbst. Jago, nun heil ihrem Bette. Komm, Leutnand, ich habe ein Stübchen
  383. Wein und hier draußen sind ein paar muntre Jungen aus Zypern, die gern eine Flasche auf die Gesundheit des schwarzen Otello ausstechen
  384. möchten. Cio heute Abend, lieber Jago. Ich habe einen sehr schwachen, unglücklichen Kopf zum Trinken. Mir wäre es lieb, wenn die Höflichkeit eine
  385. andere Sitte der Unterhaltung erfände. Jago. Oh, es sind gute Freunde. Nur einen Becher. Ich will für dich trinken, Casio. Ich habe heute Abend nur
  386. einen Becher getrunken, der noch dazu stark mit Wasser gemischt war und sieh nur, wie er mich verändert hat. Ich habe leider diese Schwäche und darf meinen
  387. Kräften nicht mehr zumuten. Jago lieber, es ist ja fast Nacht heute. Die jungen Leute wünschen es. Coio, wo
  388. sind Sie? Jago hier vor der Tür. Ich bitte dich, ruf sie herein. Csio, ich will's tun, aber es
  389. geschieht ungern. Er geht ab. Jago, wenn ich ihm nur ein Glas aufdrängen kann zu dem, was er an diesem
  390. Abend trank, wird er so voller Zank und Ärger sein, als einer Dame Schoßhund. Rodrigo nun mein Gimpel, den Liebe wie einen Handschuh umgewendet, hat des
  391. Dämon in manchen tiefen Humpen heuteln schon gelehrt und muss zur Wache. Drei junge Zyprern, hochgesindnt und rasch, im Punkt der Ehre keck und leicht
  392. gereizt. Dem wahren Ausbund hier der mutigen Jugend habe ich mit vollen Flaschen zugesetzt, die wachen auch. Nun, in der trunken Schar reiz ich Herrn
  393. Casio wohl zu solcher Tat, die alles hier empört. Da stell sie kommen. Hat nur Erfolg, was jetzt mein Kopf ersindt,
  394. dann fährt mein Schiff mit vollem Strom und Wind. Es kommen Cio Montano und mehrere Edelleute, gefolgt von Dienern mit
  395. Wein. Casio, auf Ehre. Haben Sie mir nicht schon einen Hieb beigebracht? Montano der wäre klein. Kaum eine Flasche sowe ich Soldat
  396. bin. Jago Wein her. Singt stoßt an mit dem Gläselein. Klingt klingt. Stoßt an mit dem Gläselein. Klingt der Soldat ist ein Mann das Lebende spannum lustig
  397. Soldaten und trinkt. Wein herburschen. Cio auf Ehre. Ein allerliebstes Lied. Jago. Ich habe es in England gelernt, wo sie, das muss man
  398. sagen, sich gewaltig auf das Bechern verstehen. Euer Däne, euer Deutscher, euer dickbäuchiger Holländer zu trinken sind alle nichts gegen den
  399. Engländer. Cio Engländer so sehr ausbündig im Trinken, Jago? E wohl, den Dänen trinkt er euch mit Gemächlichkeit unterm Tisch.
  400. Es wird ihn wenig angreifen, den Deutschen kaputt zu machen, und den Holländer zwingt er zur Übergabe, e der nächste Humpen gefüllt werden
  401. kann. Casio, auf unseres Gouverneursgesundheit. Montano, da trinke ich mit, Leutnand, und ich will euch bescheid
  402. tun. Jago: "Oh, das liebe England!" sinkt König Stefan war ein wackrer Held. Eine Krone kostet ihm seinen Rock. Das fand er um sechs grot geprellt und
  403. schalt den Schneider einen Bock. Und war ein Fürst von großer Macht. Und du bist solch geringer Mann. Stolz hat manch Haus zu Fall gebracht. Drum zieh den
  404. alten Kittel an. Weinhsackig. Coio. Hi. Das Lied ist noch viel ehrlicher als das erste. Jago, wollt ihr es nochmals hören? Cio? Nein,
  405. denn ich glaube, der ist seiner Stelle unwürdig, der sowas tut. Wie gesagt, der Himmel ist über uns allen und es sind Seelen, die müssen selig werden und
  406. andere, die müssen nicht selig werden. Jago. Sehr wahr, lieber Leutnant. Cioch, meines Teils, ohne dem General
  407. oder sonst einer hohen Person vorzugreifen, ich hoffe seelig zu werden. Jago und ich auch, Leutnand. Casio, aber mit eurer Erlaubnis nicht
  408. vor mir. Der Leutnand muss vor dem Fenrich selig werden. Doch nun genug hiervon. Wir wollen auf unsere Posten. Vergib uns unsere Sünden, meiner Herren.
  409. Wir wollen uns nach unserem Dienst sehen. Ihr müsst nicht glauben, meine Herren, dass ich betrunken bin. Dies ist mein Fanricht. Dies ist meine rechte
  410. Hand. Dies ist meine linke Hand. Ich bin also nicht betrunken. Ich stehe noch ziemlich gut und spreche noch ziemlich gut. Alle außerordentlich
  411. gut. Coio. Nun recht gut. Also, ihr müsst also nicht meinen, dass ich betrunken bin. Er geht ab. Montano, jetzt zur Terrasse, lass die
  412. Wachen stellen. Jago, da seht den jungen Mann, der eben ging. Ein Krieger wehrt bei Caesar selbst zu stehen und zu befehlen. Doch ihr seht sein Laster. Es
  413. ist das Equinoxum seiner Tugend. Eins ganz dem anderen gleich. Es ist schad um ihn. Das Zutrauen fürchte ich, daß der Moer ihm schenkt, bringt Zypern Unglück.
  414. Trifft die Schwachheit ihn zu ungelegener Stunde? Montano, ist er oft so, Jago? So ist er immer vor dem Schlafen gehen. Er
  415. wacht des Zeigers Umkreis zweimal durch. Wiegt ihn der Trunk nicht ein? Montano, dann wäre es gut, man meldete den Fall dem General.
  416. Vielleicht, dass er es nicht sieht. Vielleicht gewahrt sein gutes Herz die Tugend nur am Casio und ihm entgehen die Fehler. Ist es nicht
  417. so? Rodrigo tritt auf. Jago beiseite zu ihm. Was soll's, Rodrigo? Ich bitte euch, folgt dem
  418. Leuten nach. Geht doch. Rodrigo geht ab. Montano und wahrlich schade, daß der edle Moh so wichtigen Platz wie den
  419. gleich nach ihm selbst dem Mann vertraut, in dem die Schwachheit wuchert. Der Tät ein gutes Werk, wer dies dem Moren
  420. entdeckte. Jago, ich tätz nicht, nicht für ganz Zypern. Ich liebe Cassio sehr und gäbe viel, könnte ich ihn heilen. Euch, was für ein Lärm.
  421. Man ruft hinter der Szene: "Hilfe, Hilfe!" Casio kommt zurück und verfolgt den Rodrigo. Casio, du Lump, du Schuft.
  422. Montano, nun, Leutnant, was ist euch? Coio, der Schurke pflicht mich lehren. In eine Korkflasch prügel ich ihn hinein. Rodrigo, mich prügeln. Cassio,
  423. muckst du, Kerl? Er schlägt Rodrigo. Montano. Still lieber Leutnant. Er hält den Casio zurück. Ich bitte euch, haltet
  424. ein. Casio. Her, lasst mich gehen, sonst zeichne ich eure Fratze. Montano, geht. Ihr seid trunken.
  425. Cioen. Sie fechten. Jago, leise zu Rodrigo. Fort ich. Eil und rufe Meuterei. Rodrigo ab.
  426. Still doch, Herr Leutnand, still doch, liebe Herren. Hey, Hilfe, Leutnand, Herr, Montano Herr, helft Nachbarn. Das ist eine saubere
  427. Wache. Eine Glocke läutet. Wer zieht die Glocke denn? Oh, Diavolo, die Stadt wird wach. Pui, pfui doch Leutenant halt. Ihr macht euch
  428. ewige Schande. Otello kommt mit Gefolge. Otello, was gibt's hier? Montano, Teufel. Ich blute stark. Er
  429. traf mich tödlich. Otello, bei eurem Leben. Halt, Jago, halt, Leutnand, Herr Montano, liebe Herren, vergaß ihr allen
  430. Sinn für Rang und Pflicht? Halt! Hört den General! Schämt euch! Halt!" Otello, was gibt es hier? Woher entspannt sich dies? Sind wir denn
  431. Türken? Tun uns selber das, was den Ungläubigen der Himmel wehrt? Schämt euch als Christen. Lasst euer Heidnisch raufen. Wer sich noch rührt und zäumt
  432. nicht seine Wut, der wagt sein Leben dran. Ein Schritt ist tot. Still mit dem Sturmgeläut. Es schreckt die Insel aus ihrer Fassung.
  433. Was geschah? Ihr Herrn, ehrlich, Herrer, Jago, du bist bleich vor Gram. Sprich, wer hob an? Bei deiner Lieb, ich will's.
  434. Jago, ich weiß nicht. Freunde jetzt noch jetzt im Nu liebreich und gut wie Bräutigam und Braut, wenn sie zu Bette gehen und drauf im Nu als ob sie
  435. plötzlich ein Planet verwirrt. Das Schwert heraus und aufeinander stechen den blutiger Gegnerschaft. Ich kann nicht sagen, wie dieser wunderliche
  436. Kampf begann und hätte in guter Schlacht die Beine lieber verloren, die dazu hierher mich trugen. Otello, wie Cioß du dich so
  437. vergaßest? Cio? Ich bitte euch, Herr, verzeiht, ich kann nicht reden. Otello Wtger Bontan, ihr schien mir sonst gesittet. Die Ruh und edle Haltung
  438. eurer Jugend pries alle Welt und euer Name prankte im Lob der Weisen. Sagt mir denn, wie kam es, dass ihr so abgestreift den guten Leumund und eures
  439. Ansehens Reichtum für den Ruf nächtlicher Rauflust hinwerft? Gebt mir Antwort. Montano wird Cautotello, ich bin schwer verwundet. Euer Fenrich Jago
  440. kann euch Meldung tun. Mir fällt das Reden schwer. Ich sparte es gern. Vor allem was ich weiß. Doch wüßte ich nicht, worin ich mich in Wort und Tat
  441. versündigt, wenn Selbsterhaltung nicht ein Frefel ist und unser Leben schützen ein Vergehen, wann uns Gewalt bedrohte. Otello, nun beim Himmel, mein
  442. Blut beginnt zu meistern die Vernunft und Leidenschaft, mein helles Urteil trübend maßt sich der Führung an. Reg ich mich erst, erhebe ich nur den Arm.
  443. Dann soll der Beste vor meinem Streiche fallen. Tut mir Kund, wie kam der Schnöteck? Wer bracht ihn auf? Wer immer hier verschuldet dies Vergehen, wä er
  444. mir Blutsverwandt, mein Zwillingsbruder, verliert mich. Was in der Festung selbst das Volk noch ungewiss, von Angst betäubt,
  445. Privatgezenk und Händel anzustiften bei Nacht und auf das Schlosses höchster Wache. Es ist ungeheuer. Jago, wer begann?
  446. Montano, der hier parteisch oder dienstbefreundet mehr oder minder als die Wahrheit spricht, ist kein Soldat. Jago ha, leg mir es nicht so nah. Ich
  447. büste ja die Zunge lieber ein, als daß sie gegen Michael Casio zeugte. Doch glaube ich fest, die Wahrheit reden bringt ihm keine
  448. Nachteil. So geschah es, mein Veldherr. Ich und Montano waren im Gespräch. Da kommt ein Mensch, der laut um Hilfe schreit und Casio folgt ihm mit
  449. gezücktem Schwert, ihn zu verwunden. Drauf trat dieser Herr Casio entgegen, bat ihn still zu sein und ich dabei verfolgte jenen Schreier, damit sein Ruf
  450. nicht wie es doch geschah, die Stadt erschrecke. Jener leicht zu Fuß entlief mir und ich kehrte umso schneller, weil ich Geklirr und Waffenlärm vernahm und
  451. Cassios lautes Fluchen, was bis heute ich nie von ihm gehört. Als ich zurückkam, und das war gleich, fand ich sie hart zusammen auf Hieb und Stoß,
  452. ganz wie das zweite Mal, als ihr sie selber trenntet. Mehr von dem Vorfall ist mir nicht bekannt. Doch Mensch ist Mensch.
  453. Der Beste fehlt einmal. und ob ihm Cio gleich zu nah getan, wie man in Wut den besten Freundschlägt. Doch denke ich ward von
  454. dem der Flo an Casio so große Kränkung wohl geübt, als kaum Geduld ertragen mag. Otello, ich weiß wohl, Jago, aus Lieb und Brafheit milderst du die Sache
  455. zugunsten Cos. Casio, ich liebe dich allein. Mein Leutnand bist du länger nicht. Das Demona kommt mit
  456. Gefolge. Seht, wart mein liebes Weib nicht auch geweckt? Ich gebe an dir ein Beispiel. Des Demona. Was gab's hier, mein
  457. teurer Otello, ist alles gut schon? Liebe, kommt zu Bett. Ich selbst will Arzt sein, Herr, für eure Wunden. Führt die nach Haus.
  458. Montano wird weggeführt. Du Jago, sieh mit Sorgfalt auf die Stadt. Beschwichtige wie in der Schnödelm
  459. geängstet. Komm des Demon. Oft im Kriegerleben wird süßer Schlaf der Störung preis gegeben. Alle ab. Es bleiben Jago und
  460. Casio. Jago? Seid ihr verwundet? Leutnant Cio? Oh ja. So dass kein Arzt mir hilft. Jag verhüte der
  461. Himmel. Coio. Guter Name. Guter Name. Guter Name. Oh, ich habe meinen guten Namen verloren. Ich habe das unsterbliche Teil von mir selbst
  462. verloren und was übrig bleibt ist tierisch. Mein guter Name. Jago. Mein guter Name. Jago. So war ich ein ehrlicher
  463. Mann bin. Ich dachte, du hättest eine körperliche Wunde empfangen und das bedeutet mehr als mit dem guten Namen. Der gute Name ist eine nichtige
  464. und höchstrügliche Einbildung, oft ohne Dienst erlangt und ohne Schuld verloren. Du hast überhaupt gar keinen guten Namen verloren, wenn du nicht an diesen
  465. Verlust glaubst. Mut, Freund, es gibt ja Mittel, den General wiederzugewinnen. Du bist jetzt nur in
  466. seiner Heftigkeit kassiert. Er straft mehr aus Klugheit als aus böser Absicht. Just als wenn einer seinen harmlosen Hund schlüge, um einen drohenden Löwen
  467. zu schrecken. Gib ihm wieder ein gutes Wort und er ist dein. Cio lieber will ich ein gutes Wort einlegen, dass er mich ganz verstoße als
  468. einen so guten Feldherr noch länger hintergehen mit einem so leichtsinnigen, trunken und unbesonnen Offizier. trunken sein und wie ein Papagei
  469. plappern und renommieren und toben fluchen und Bombast schwatzen mit dem eigenen Schatten. Oh, du unsichtbarer Geist des
  470. Weins, wenn du noch keine Namen hast, an dem man nicht kennt, so heiße Teufel. Jago, wer war es, den du mit dem Degen verfolgtest? Was hatte er dir
  471. getan? Cioch, Jago, ist es möglich? Giochesinne mich auf einen Haufen Dinge,
  472. aber auf nichts deutlich. Auf einen Zank, aber nicht weswegen. Oh, dass wir einen bösen Feind in den Mund nehmen, damit er unser
  473. Gehirn stehle, dass wir durch Frau Locken, Schwärmen, Vergnügen und Aufregung uns in Vie verwandeln.
  474. Jago, nun, aber du scheinst mir jetzt recht wohl. Wie hast du dich so schnell erholt, Cio? Es hat dem Teufel Trunkenheit gefallen, dem Teufel
  475. Zornplatz zu machen. Eine Schwachheit enthüllt mir die andere, damit ich mich recht von Herzen verachten möge. Jago, geh, bist ein zustrenger
  476. Moralist. Wie Zeit, Ort und die Umstände des Landes beschaffen sind, wünschte ich von Herzen, dies wäre nicht geschehen, da es aber nun einmal so ist. So, richte
  477. es wieder ein zu deinem Besten. Cioch wieder um eine Stelle bei ihm nachsuchen. Er wird mir antworten. Ich
  478. sei ein Trunkenbold. Hätte ich so viel Meul als die Hydra, solch eine Antwort würde sie alle
  479. stopfen. Jetzt ein vernünftiges Wesen sein. Bald drauf ein Narr und plötzlich ein Vieh. Oh, furchtbar. Jedes Glas zu viel ist verflucht und sein Inhalt ist
  480. ein Teufel. Jago ge guter Wein ist ein gutes geselliges Ding, wenn man mit ihm umzugehen weiß. Schältet mir nicht mehr
  481. auf ihn. Und lieber Leutnant, ich denke, du denkst, ich liebe dich. Cioch Beweise davon,
  482. Freund. Ich betrunken. Jago. Du oder jeder andere Erdensohn kann sich wohl einmal betrinken, Freund. Ich will dir sagen,
  483. was du zu tun hast. Unsers Generals Frau ist jetzt General. Das darf ich insofern sagen, als er sich ganz dem Anschauen der Bewunderung und Auffassung ihrer
  484. Reize und Vollkommenheiten hingegeben und geweih hat. Nun, weichte ihr alles frei heraus, bestürme sie. Sie wird dir schon wieder zu deinem Amt verhelfen.
  485. Sie ist von so offener, freundlicher, hilfreicher, gnädiger Art, daß sie für einen Flecken in ihrer Güte halten würde, nicht noch mehr zu tun, als um
  486. was sie gebeten wird. Dies zerbrochene Glied zwischen dir und ihrem Manne bitte sie zu schienen und mein Vermögen gegen irgendetwas, das Namen hat, dieser
  487. Freundschaftsbruch wird die Liebe fester machen als zuvor. Csio, du rätst mir gut. Jago, ich bete es mit aufrichtiger Liebe und redlichem
  488. Wohlwollen. Coio, das glaube ich zuversichtlich. Und gleich morgen früh will ich die tugendhafte des Dämonen
  489. ersuchen, sich für mich zu verwenden. Ich verzweifle an meinem Glück, wenn es mich hier zurückstößt. Jago, ganz recht. Gute
  490. Nacht, Leutnant. Ich muss auf die Wache. Cio Gute Nacht, ehrlicher Jago. Er geht ab.
  491. Jago. Und wer ist nun, der sagt, ich sei ein Schurke? Da dieser Rat aufrichtig ist und redlich, geprüft erscheint und in der Tat der Weg den Moren
  492. umzustimmen. Denn sehr leicht wird des Dämonas mildes Herz bewegt für eine gute Sache. Segenspendend ist sie wie die Natur.
  493. und dann für sie den Mohen zu gewinnen. Geld der Taufe und der Erlösung Siegel zu entsagen. Sein Herz ist so verstrickt von ihrer Liebe, dass sie ihn formt,
  494. umformt, tut, was sie will, wie es ihr gelüsten mag, den Gott zu spielen mit seiner Weichheit. Bin ich denn ein Schurke?
  495. Rat ich dem Casio solchen Richtweg an zu seinem Glücke. Höllenpriesterrat, wenn Teufel ärgste Sünde fördern wollen, so locken
  496. sie zuerst durch frommen Schein, wie ich jetzt tue. Weil der gute Tropf in das Demona dringt ihm beizustehen und sie mit Nachdruck
  497. sein Gesuch begünstigt, träuf ich den Gifttrank in Otellos Ohr, dass sie zu eigener Lust zurück ihn ruft und umso mehr sie strebt ihm wohl zuun vernichtet
  498. sie beim Mohen das Vertrauen. So wend ich ihre Tugend selbst zum Laster und strick ein Netz aus ihrer eigenen Güte. Das alle soll
  499. umgarnen. Rodrigo kommt nun Rodrigo. Rodrigo. Ich folge hier der Meute, nicht
  500. wie ein Hund der Jagd, sondern wie einer, der nur mit anschlägt. Mein Geld ist fast vertan. Ich bin heute Nacht tüchtig
  501. durchgeprügelt und ich denke, das Ende wird sein, daß ich für meine Mühe doch etwas Erfahrung gewinne und so ganz ohne Geld und mit etwas mehr Verstand nach
  502. Venedig heim kehre. Jago, wie arm sind die, die nicht Geduld besitzen? Wie halten Wunden als nur nach
  503. und nach. Du weißt, man wirkt durch Witz und nicht durch Zauber und Witz beruht auf stund und günstiger Zeit. Geht's dir nicht gut? Casio hat dich
  504. geschlagen und du mit wenig Schmerz kassierst den Casio. Gedein auch andere Dinge in der Sonne. Die erste Frucht bringt, was zuerst
  505. geblüht. Beruhige dich beim Kreuz, der Morgengraut, Vergnügen und Geschäft verkürzt die Zeit. Nun lass mich erst. Geh jetzt in dein Quartier. Fahrt sag
  506. ich. Du erfährst in kurzem Meer. Nein, geh doch nur. Rodrigo ab. Zwei Dinge sind zu tun. Mein Weib
  507. muss ihre Frau für Casio bitten. Ich stimme sie dazu. Indess nehme ich den Mohen auf die Seite und führe ihn just hinein, wenn
  508. Casio dringend sein Weib angeht. Nun helfe mir der Trug. So muss es gehen. Oh Lauheit und Verzug. Er geht
  509. ab. Dritter Akt. Erste Szene. Zypern vor dem Schlosse. Casio tritt auf mit Musikanten. Cio Herrn, spielt auf. Ich
  510. zahle euch eure Mühe. Ein kurzes Stück als morgengroß dem Feldherrn Musik. Der Narr tritt
  511. auf. Narr? Nun ihr Herren, sind eure Pfeifen in Neapel gewesen, dass sie so durch die Nase schnarren? Erster Musikant. Wie, Herr,
  512. wie? Narr, bitte, sind das Blasinstrumente? Erster Musikant. Ja, gewiss Blasinstrumente. Narr. Oh, da hängt was
  513. dran. Erster Musikant. Woran hängt was? Nahre, freilich an manchem Blasinstrument, das ich kenne. Aber hier ist Geld für euch, ihr Herren.
  514. Und dem General gefällt eure Musik so ausnehmend, dass er euch um alles in der Welt bitten lässt, keinen Lärm mehr damit zu
  515. machen. Erster Musikant. Es ist gut, Herr. Das wollen wir auch nicht. Nah, wenn ihr eine Musik habt, die gar nicht zu hören ist in Gottes Namen. Aber
  516. was man sagt, Musik hören, danach fragt der General nicht viel. Erster Musikant, solche haben wir nicht,
  517. Herr. Narr. Dann steckt eure Pfeifen wieder in den Sack, denn ich will fort. Geht, verschwindet in die Lüfte. Fort! Die Musikanten gehen ab.
  518. Cio mein ehrliches Gemüt? Narr? Nein, euer ehrliches Gemüt höre ich nicht. Ich höre euch. Cioch bin dich. Lass deine Witze.
  519. Hier hast du ein kleines Goldstückchen. Wenn die Gesellschaftsdame deiner Gebieterin schon munter ist, sag ihr, hier sei ein gewisser Csio, der sie um
  520. die Vergünstigung eines kurzen Gesprächs bitte. Willst du das tun? Narr, munter ist sie, Herr. Wenn sie sich hierher ermuntern will, so werde
  521. ich's ihr insinuieren. Narr ab. Jago tritt auf. Coio, dank, lieber Freund. Ei, Jago, gerade
  522. recht. Jago, so gingt ihr nicht zu Bett, Csio. Ich? Nein, der Morgen graute e trennten. Eben jetzt, mein Jago, schickt ich zu deiner Frau, um sie zu bitten,
  523. sie wolle bei der edlen des Dämonar mir Zutritt schaffen. Jago, ich will gleich sie rufen und auf ein mittelsinnig wie der
  524. Moor entfernt wird, dass ihr umso freier euch besprechen mögt. Er geht ab. Cio von Herzen danke ich dir's. Ich
  525. kannte nie einen Florentina, der so brav und freundlich. Emilia tritt auf. Emilia, guten Morgen, werter
  526. Leutnand. Euer Unfall betrübt mich sehr, doch wird noch alles gut. Der General und seine Frau besprechen's, und warm vertritt sie euch. Er wendet ein. Der,
  527. den ihr straft, sei hochgeschätzt in Zypern von großem Anhang und nach bestem Rat können er euch nicht verteidigen. Doch er liebt euch und keines Fürworts
  528. braucht als seine Freundschaft, die sicherste Gelegenheit zu nutzen, euch wieder einzusetzen.
  529. Cioch bitte ich, wenn ihr es für ratsam haltet oder tunlich, schafft mir die Wohltat einer Unterredung allein mit des Demona.
  530. Emilia, kommt mit mir. Ich richte es ein, daß ihr in günstiger Mus euch frei aussprechen mögt. Coio, wie danke ich
  531. euch? Sie gehen ab. Zweite Szene: Zypern, ein Zimmer im Schloss. Otello, Jago und Edelleute
  532. treten auf. Otello, die Briefe, Jago gibt dem Schiffspatron und meinen Gruß entbiet er dem Senat. Ich will her nach die
  533. Außenwerke sehen. Dort triffst du mich. Jago, sehr wohl, mein General. Ortello beliebt ihr Herren zur Festung, mir zu folgen. Edelute, wir sind bereit, mein
  534. gnädiger Herr, sie gehen ab. Drittes Szene. Zypern, der Schlossgarten. Das Demon Casio und
  535. Emilia treten auf. Des Demona? Nein, zweifle nicht, mein guter Casio. Alles, was mir nur möglich, biete ich für dich auf. Emilia, tut's, edle Frau. Ich weiß,
  536. mein Mann betrübt sich, als wäre es seine Sache. Das Demona. Er ist ein ehrlich Herz. Sei ruhig, Csio. Ich mache meinen Herrn und dich aufs Neue zu
  537. freunden, wie ihr wart. Casio, oh Gütige Frau, was auch aus Michael Casio werden mag, auf immer bleibt er eurem Dienst
  538. ergeben. Das Dämona, ich weiß und dank euch. Und ihr liebt den Herrn. Ihr kennt ihn lange schon, drum seid gewiss. Er wendet sich nicht ferner von euch ab,
  539. als ihn die Klugheit zwingt. Cioch gnädige Frau, die Klugheit währt vielleicht so lange Zeit, lebt von so
  540. mager, wassergleicher Kost, erneut vielleicht sich aus dem Zufall so, dass wenn ich fern bin und mein Amt besetzt, der Feld Herr meine Lieb und treu
  541. vergisst. Der Stämona. Das fürchte nimmer. Vor Emilien hier verbirg dein Amt und sei gewisß versprach ich jemand einen
  542. Dienst. Den leiste ich bis auf den letzten Punkt. Ich lass ihm keine Ruh. Ich mache ihn zahm, schwätz ihn aus der Geduld. Sein Tisch und Bett soll Beicht
  543. und Schule sein. In alles, was er vornimmt, meng ich ihm Csios Gesuch. Deshalb sei fröhlich, Cassio, denn lieber wird dein Anwalt sterben, als
  544. aufgeben deine Sache. Otello und Jago treten in einiger Entfernung auf. Emilia, gnädige Frau, hier kommt
  545. der Herr Cio meinen Abschied. Des Demona bleibt und hört mich
  546. reden. Cio, gnädige Frau, jetzt nicht. Ich bin nicht unbefangen, wenig geschickt für meine Absicht. Das
  547. Dämonerp tut nach Belieben. Casio geht Otello und Jago erscheinen. Jago? Ha, das gefällt mir
  548. nicht. Otello, was sagst du da? Jago nichts, gnädiger Herr. Doch wenn, ich weiß nicht was. Otello, war das nicht Co, der mein Weib
  549. verließ? Jago Cio General gewiss, ich däch nicht, dass er wie schuldbewußt wegschleichen würde, da
  550. er euch kommen sieht. Otello, ich glaube, er war's. des Demona. Ei, sie, mein lieber Herr, soeben sprach ein Bittender mit mir, ein
  551. Mann durch dein Missfallen ganz entmutigt. Otello, wer ist es, den du meinst? Des Demona? Nun, deinen Leutnand Casio. Teurer Freund, hat meine liebe
  552. Kraft, dich zu bewegen? Dann augenblick versöhne dich mit ihm. Ist er nicht einer, der dich wahrhaft liebt? Aus Übereilung fehlt und nicht aus
  553. Vorsatz, verstehe ich schlecht mich auf ein ehrlich Auge. Bitte ruf ihn zurück. Otello ging er jetzt fort des Demona? Ja, wahrlich so gebeugt, dass er
  554. ein Teil von seinem Gram mir ließ, mit ihm zu leiden. Liebster, ruf ihn wieder. Otello, jetzt nicht, geliebtes Herz. Ein andermal.
  555. des Demona. Doch bald, Otello, so bald als möglich. Deinetalb des Demon zum Abendessen Otello. Nein, heute nicht.
  556. Das Demona zu morgenmittag dann. Otello, ich speise nicht zu Haus. Die Offiziere luden mich zur Festung. Das Day Mona nun morgen Abend oder
  557. Dienstagmorgen, zu Mittag oder Abend. Mittwoch früh. Nenne mir die Zeit, doch lass es höchstens drei Tage sein. Gewiss es reut ihn sehr und sein Vergehen nach
  558. unserer schlichten Einsicht, wie wohl der Krieg ein Beispiel fordert, sagt man am besten selbst ist nur ein Fehl geeignet für heimlichen Verweis.
  559. Wanda verkommen. Sprich doch, Otello. Ich weiß wirklich nicht, was du mich bitten könntest, daß ich weigert und st so zögernd. Nur ein Michael Cassio, der
  560. für dich warb und manches liebe Mal, wenn ich von dir nicht immer günstig sprach. Dich treu verfocht, den kostet so viel Mühe, dir zu versöhnen. Glaubst,
  561. ich hätte vielo, ich bitte dich, lass er. Komme wann er will. Ich will dir nichts versagen. Das Demona, es ist ja nicht
  562. für mich. Es ist als bät ich dich Handschuh zu tragen, dich warm zu halten, kräftige Kost zu nehmen oder als riet ich dir besondere Sorgfalt für
  563. deine Pflege. Nein, habe ich zu bitten, was deine Liebe recht in Anspruch nimmt, dann muss es schwierig sein und voll
  564. Gewicht und misslicht die Gewährung. Otello, ich will dir nichts versagen. Dagegen bitte ich dich, gewähr mir dies. Lass mich ein wenig nur mit mir
  565. allein. Der Stemona. Soll ich's versagen? Nein. Leb wohl, mein Gatte. Otello, leb wohl, mein Herz. Ich folge dir gleich
  566. nach. Des Demon. Emilia, komm zu Otello. Tu wie dich Laune treibt. Was es auch sei, gehorsam bin ich dir. Geht ab mit Emilien.
  567. Otello. Holzselig Ding. Verdammt sei, meine Seele. Liebe ich dich nicht. Und wenn ich dich nicht liebe, dann kehrt das Chaos
  568. wieder. Jago, mein eden Otello. Was sagst du, Jago? Jago hat Casio, als ihr wartt, um eure Gattin gewußt um eure
  569. Liebe? Otello, von Anfang bis zu Ende. Warum fragst du? Jago, um nichts als meine Neugier zu befriedigen. Nichts Ages
  570. sonst? Otello, warum die Neugier? Jago? Jago, ich glaubte nicht, er habe sie gekannt. Otello. Oh ja, er ging von einem oft zum anderen. Jago
  571. wirklich? Otello wirklich? Ja, wirklich. Findst du was darin? Ist er nicht ehrlich? Jago? Ehrlich, gnädiger Herr. Rotello, ehrlich. Ja,
  572. ehrlich. Jago, so viel ich weiß. General Otello, was denkst du? Jago Jago, denken gnädiger Herr. Otello denken, gnädiger Herr bei Gott
  573. mein Echo, als lag ein Ungeheuer in seinem Sinn, zu grässliches zu zeigen. Etwas meinst du? Jetzt eben riefst du, das gefällt mir nicht, als Cassio
  574. fortging. Was gefällt dir nicht? Und als ich sagt, ihm habe ich mich vertraut. Dem Fortgang meiner Werbung riefst du wirklich und zogst und faltest es die
  575. Stirn zusammen, als hielst du einen gräulichen Gedanken verschlossen im Gehirn. Wenn du mich liebst, sprich, was du
  576. denkst, ihr wisst, ich liebe euch, Herr Otello. Das denke ich tust du. Und weil ich weiß, du bist mein Freund und redlich und wägst das Wort eh du ihm
  577. Atem leist, so ängstigt mich dies Stocken umso mehr. Denn derlei ist bei falschst treulosen Buben alltäglich Spiel, doch bei dem
  578. Biedermann heimlicher Wink, der aus dem Herzen dringt im Zorn des Edelmuts. Jago nun Michael Casio. Ich darf wohl schwören, ehrlich
  579. halte ich ihn. Otello, ich auch. Jago, man sollte sein, das was man scheint, und die es nicht sind, sollten
  580. es auch nicht scheinen. Otello, ganz recht, man sollte sein was man scheint. Jago, nun wohl, so halte ich
  581. Cassio dann für ehrlich. Otello, nein, damit meinst du mehr. Ich b dich, sprich mir ganz so wie du denkst, ganz wie du sinst und gib dem
  582. schlimmsten Denken das schlimmste Wort. Jago, mein General verzeiht, obgleich zu jeder Dienstpflicht euch verbunden, nicht bin ich da, wo Sklaven
  583. frei sich fühlen. Aussprechen, die Gedanken gesetzt, sie wären niedrig und verkehrt. Wo ist der Palast, wo nicht auch einmal schändliches eindringt?
  584. Wessen Herz so rein, daß der und jener schmutzige Zweifel nicht einmal zu Rat sitzt und Gerichtstag hält mit rechtsgemäßer Forschung.
  585. Otello, du übst Verrat an deinem Freundej Jago. Glaubst du, man kränk ihn und verhüllst ihm doch, was du nur
  586. irgendjo, ich bitte euch, wenn auch vielleicht falsch ist, was ich vermute, wie es ich bekenne es, stets mein Leben quält, Fehltritten nachgehen. Auch mein
  587. Ark wohnt oft aus nichts die Sünde schafft, dass eure Weisheit auf einen, der so unvollkommen wahrnimmt, nicht höre, dass ihr euch nicht Sorge schafft
  588. aus unsicherer, zufälliger Vermutung. Nicht kann es bestehen, mit eurer Ruh und Wohlfahrt. Noch meiner Mannheit, Redlichkeit und Vorsicht sage
  589. ich euch, was ich denke. Otello, sprich. Was meinst du? Jago, der gute Name ist bei Mann und Frau, mein bester Herr, das eigentliche
  590. Kleinot ihrer Seelen. Wer meinen Beutel stielt, nimmt Tant. Es ist etwas und nichts. Mein war es, war das Seine nun und ist der Sklave von tausenden
  591. gewesen. Doch wer den guten Namen mir entwendet, der raubt mir das, was ihn nicht reicher macht. mich aber bettelarm Otello beim Himmel. Ich will
  592. wissen, was du denkst. Jago, ihr könnt's nicht. Leg in eurer Hand mein Herz. Noch sollt ihr es, weil es meine Brust
  593. verschließt. Otello Jago, bewahrt euch, Herr vor Eifersucht, dem grün geeugten Scheusaal, das verhöhnt die Speise, dies nähert.
  594. Heil dem Betrogenen, der seiner Schmach bewusst die falsche hasst. Doch welche Qualminuten zählt der Mann, der liebt, doch zweifelt, argwöhnt, doch
  595. vergöttert. Otello, oh Jammer, Jago, arm und vergnügt ist reich und überreich. Doch Krösus Reichtum ist so arm als Winter für den, der immer
  596. fürchtet, er verarme. Oh Himmel, schützt aller meiner Freunde Herz vor Eifersucht. Otello, wie was ist das?
  597. Denkst du, mein Leben soll aus Eifersucht bestehen und wechseln wie der Mond in ewigem Schwanken zu neuer Furcht?
  598. Nein, einmal zweifeln ist zugleich ein Schluss. Vertausch mich mit einer Geiß, wenn ich das Wirken meiner Seele richte auf solch verblasenes, nichtiges Phantom
  599. warnspielend so wie du. Nicht weckt mir es Eifersucht, sagt man. Mein Weib ist schön, gedeih spricht scherzend. Sie liebt Gesellschaft, singt, spielt, tanzt
  600. mit Reiz. Wo Tugend ist, macht das noch tugendhafter. Noch schöpfe ich je aus meinen eigenen Mängeln die kleinste Furcht, noch
  601. Zweifel ihres Abfalls. Sie war nicht blind und wählte mich. "Nein, Jago, ich zweifle, will ich sehen." Zweifle ich Beweis. Und habe ich
  602. den so bleibt nichts anderes übrig als fort auf eins mit Lieb und Eifersucht. Jago, das freut mich, denn nun darf ich ohne Scheu euch offenbaren
  603. meine Lieb und Pflicht mit freiem Herzen. Drum als Freundeswort hört so viel nur noch schweige ich von Beweisen. Beachtet eure Frau, prüft sie
  604. mit Csio. Das Auge war nicht blind, nicht eifersüchtig. Wie traurig wird euer freies edles Herz gekränkt durch seine Güte. Drum gebt acht. Venedigsart
  605. und Sitte kenne ich wohl. Dort lassen sie den Himmel Dinge sehen, die sie dem Mann verbergen. Gut Gewissen heißt dort nicht Unterlass. Nein, halt
  606. geheim. Otello, meinst du? Jago, den Vater trug sie, da sie euch geehrlicht. Als sie vor eurem Blick zu beben schien, war sie in euch
  607. verliebt. Otello, jawohl. Jago, nun folglich. Sie, die so jung sich so verstellen konnte, dass sie des Vaters Blick mit Nacht umhüllte, dass er es für
  608. Zauber hielt. Doch scheltet mich. In Demut bitte ich euch, ihr wollt verzeihen, wenn ich zu sehr euch liebe. Otello, ich bin dir ewig
  609. dankbar. Jago, ich sehe, dies bracht euch etwas aus der Fassung. Otello. Oh, gar nicht, gar nicht. Jago. Ja, ich fürchte es doch.
  610. Ich hoffe, ihr wollt bedenken, was ich sprach, geschah aus Liebe. Doch ihr seid bewegt. Ich bitte euch, Herr, dehnt meine Worte nicht zu größerem Raum und
  611. weiterer Richtung aus als Vermutung. Otello, nein. Jago, denn hättet ihr es, so hätten meine Reden schlimmere Folgen als ich jemals
  612. gedacht. Sehr liebe ich CO, ich sehe, ihr seid bewegt. Otello? Oh nein, nicht sehr. Ich
  613. glaube, das Demona ist mir treu. Jago, lang bleibe sie und lange mögt ihr es glauben. Otello und dennoch, ob Natur,
  614. wenn sie verirrt, Jago. Ja, darin liegt's. als um es dreist zu sagen, so manchem Heiratsantrag widerstehen von gleicher
  615. Heimat, Wohlgestalt und Rang, wonach wir sehens Natur doch immer strebt. Hm, darin spürt man wilde Leidenschaft, schlimme Verkehrtheit, unnatürlich
  616. fühlen. Jedoch was seit. Ich habe in diesem Fall nicht sie bestimmt gemeint, ob schon ich fürchte, dass Ihr Verlangen besserem Urteil folgend euch einst
  617. vergleicht mit ihren Landsgenossen. Und dann vielleicht bereut sie.
  618. Otello, lebe wohl. Wenn du mehr wahrnimmst, lass mich mehr erfahren. Dein Weib, geb auf sie acht. Verlass mich,
  619. Jago. Jago abgehend. Lebt wohl, mein gnädiger Herr Otello. Warum vermelde ich mich? Der
  620. brave Mensch sieht und weiß mehr, weit mehr als er enthüllt. Jago zurückkehrend: "Mein General, ich möchte
  621. euch herzlich bitten, nicht weiter grübelt. Überlasst's der Zeit und ist gleich recht, Casso im Dienst zu lassen, denn allerdings steht er ihm trefflich
  622. vor. Doch wenn es euch gut düngt, haltet ihn noch hin. Dadurch verrät er sich und seine Wege. Habt Acht, ob eure Gatte in seine Rückkehr mit dringend heftigem
  623. Ungestüm begehrt. Daraus ergibt sich manches. Unterdess denkt nur, ich war zu emsig in der Furcht und wirklich muss ich fürchten, dass ich es war und haltet
  624. sie für treu, mein eder Feldherr Otello, sorg nicht um meine Fassung. Jago, noch einmal nehme ich
  625. Abschied. Er geht ab. Otello, das ist ein Mensch von höchster Redlichkeit und kennt mit wohlerfahrenem
  626. Sinn das Treiben des Weltlaufs. Finde ich dich verwildert, Falk, und sei dein Fußriem ums Herz geschlungen. Los, gebe ich dich, flieg
  627. hin in alle Lüfter auf gutes Glück. Vielleicht wohl, weil ich schwarz bin und mir des leichten Umgangsgabe fehlt. Der
  628. Stutziert, auch weil sich meine Jahre schon abwärts senken. Doch das ist nicht viel. ist sie gegangen. Ich betrogen muß mit
  629. Bitterkeit mich trösten. Fluch des Ehs, dass unser diese zarten Wesen sind, nicht ihr begehren. Lieber Kröte sein und von den
  630. Dünsten eines Kerkers leben, als dass ein Winkel im geliebten Wesen für andere sei. Das ist der großen Qual. Sie haben minder Vorrecht als der Niedre. Es ist
  631. ihr Geschick, unwendbar wie der Tod. Schon im Entstehen schwebt der gehörnte Fluch auf unserem Scheitel. Das Demona
  632. kommt. Des Demona und Emilia treten auf. Ist diese falsch? So spottet sein der Himmel. Ich will's nicht glauben. Des Dämon. Nun, mein teurer
  633. Herr, dein Gastmal und die edlen Zyprier, die du geladen, warten schon auf dich. Otello, ich bin zu
  634. tadeln. Der Stemona. Was redest du so matt? Ist dir nicht wohl, Otello? Ich fühle Schmerz an meine Stirne hier. Des Dämon. Ja, das kommt
  635. vom Wachen. Es vergeht. Ich will sie fest dir binden. In der Stunde ist's wieder gut. Otello, dein Schnupftuch ist zu
  636. klein. Er weißt das Schnupftuch von sich und sie lässt es fallen. Das nur. Komm mit, ich gehe hinein mit dir. Des
  637. Demona, es quält mich sehr, dass du dich unwohl fühlst. Des Demona und Otello ab. Emilia, mich freut, daß ich das Tuch
  638. hier finde. Dies war das Mohen erstes Liebespfand. Mein wunderlicher Mann hieß mich schon zehn mal das Tuch entwenden, doch sie liebt so sehr, denn er beschwor
  639. sie immer es zu hüten, dass sie es wo ständig bei sich trägt, es küsst und spricht damit. Das Stickwerk zeichne ich nach
  640. und geb es Jago. Wozu er es will, der Himmel weiß gleich viel. Ich füge mich in seiner Laune Spiel. Jago tritt auf. Jago, was gibt's?
  641. Was machst du hier allein? Emilia, nun zank nur nicht. Ich habe was für dich. Jago, hast was für mich? Das ist nun wohl nichts Neues. Emilia. Ei, seht mir
  642. doch. Jago ein ner Schweib zu haben. Emilia, so weiter nichts. Nun sprich. Was gibst du mir für dieses
  643. Taschentuch? Jago, welch Taschentuch? Emilia, welch Taschentuch? Ein nun, das mohen erstes Brautgeschenk, dass du so oft mich zu entwenden
  644. hießest. Jago, hast du es gestohlen, Emilia? Das nicht. Sie ließ es fallen aus Versehen und ich zum Glück stand nah und hob es auf. Sie da. Hier
  645. ist's. Jago. Ein braves Weib. Gib her. Emilia, was soll dir es nur, dass du so eifrig drängst, ihr es wegzumausen? Jago reißt es ihr weg. Was
  646. geht's dich an? Emilia hat's keinen wichtigen Zweck. So gib's mir wieder. Die arme Frau, sie wird von Sinnen kommen, wenn sie es
  647. vermisst. Jago, lass dir nichts merken. Genug, dass ich's bedarf. Geh, lass mich. Emilia geht ab. Ich will bei Casio dieses Tuch
  648. verlieren. Da soll er es finden. Dinge, leicht wie Luft sind für die Eifersucht Beweis, so stark wie Bibelsprüche. Dies kann Wirkung tun. Der
  649. Mo ist schon im Kampf mit meinem Gift. Gefährliche Gedanken sind gleich Giften, die man zuerst kaum wahrnimmt am Geschmack. Allein nach kurzer Wirkung
  650. auf das Blut gleich Schwefelmienen glühen. Ich sag es wohl. Otello tritt auf. Da kommt er. Mohsaft nicht noch
  651. Mandragora, noch alle Schlummerkräfte der Natur verhelfen je dir zu dem süßen Schlaf, den du noch gestern hattest. Otello.
  652. Ha, mir treulos mir Jago. Nun fasst euch General nichts mehr davon. Otello, fort. Heb dich weg. Du warfst mich auf die Folter. Ich schwö es ist besser sehr
  653. betrogen sein, als nur ein wenig wissen. Jago, wie General? Otello, was ahnte ich von ihren stillen Lüsten. Ich sah's nicht. dacht
  654. es nicht, war ohne Harm. Schlief wohl die nächste Nacht, war frei und froh. Ich fand nicht Cassios Küss auf ihren Lippen. Wenn der Bestohlene nicht
  655. vermisst den Raub, sagt ihr es ihm nicht. So ist er nicht bestohlen. Jago, es schmerzt mich dies zu
  656. hören. Otello, noch wäre ich glücklich, wenn das ganze Lager Trosbub und alles ihren süßen Leib genoss und ich erfuhr es nicht.
  657. Oh, nun auf immer fahr wohl des Herzens Ruh. Fahr wohl mein Friede. Fahr wohl du wallender Helmbusch stolzer Krieg der Ehrgeiz macht zur Tugend.
  658. Fah wohl, fahr wohl, mein wirnd Ross und schmetternd Erz, mutschwellende Trommel Mundrab Pfeifenklang, du königlich Panier und aller Glanz, Pracht, Pomp und
  659. Rüstung des glorreichen Kriegs und oh du Mordgeschoss, des raue Schlund des ewigen Jovis Donner wieder halt fahr wohl. Otellos Tagwerk ist getan.
  660. Jago ist's möglich, gnädiger Herrello, beweise Schurke mir. Mein Weib sei Packt ihn bei der Kehle. Tu es ja.
  661. Schaff mir den sichtlichen Beweis, sonst bei dem Leben meiner ewigen Seele besser wä dir ein Hund geboren sein, als meinem Grim dich
  662. stellen. Jago dahin kam's. Otello, sehen will ich oder mindestens Beweis, an dem kein Häckchen sei, den kleinsten Zweifel zu hängen dran, sonst
  663. wehe deiner Seele. Jago, mein eder Herr, Otello, wenn du sie frech verläumtest und mich folterst, dann bete
  664. nie mehr. Gib's Gewissen auf. Auf höchsten Greul, häufe neuen Greul, macht, daß der Himmel weint, die Erde bebt, denn nichts zum ewigen Fluche
  665. kannst du fügen, das größer sei. Jago, oh Gnad, oh Himmel, schützt mich. Seid ihr ein Mann? Habt ihr Vernunft und Sinn? Fahrt wohl denn.
  666. Nehmt mein Amt, ich blöder Tor, dass meine Redlichkeit als Laster gilt. Oh Schnöder Welt, merk auf, merk auf, oh Welt. Aufrichtig sein und redlich bringt
  667. Gefahr. Dank für die Warnung. Keinen Freund von jetzt lieb ich hin fort, da liebe so verletzt. Otello, nein, bleib. Du
  668. solltest doch wohl ehrlich sein. Jago, klug sollte ich sein, denn Ehrlichkeit ist töricht, verfehlt, wonach sie strebt. Otello, Himmel und Erde. Ich
  669. denke, mein Weib ist treu und ist es nicht. Ich denke, du bist brav und bist es nicht. Ich will Beweis. Ihr Name, einst so hell wie Dianens Antlitz, ist
  670. nun wüst und schwarz wie mein Gesicht. Wenn es Messer gibt und Stricke, Gift, Feuer oder Ströme zum Ersäufen, ich duld es nicht. Oh, wäre ich
  671. überzeugt? Jago, ich sehe, wie euch Leidenschaft verziehrt. Mich rollt, daß ich euch Anlass gab. So möchtet ihr überzeugt sein, Otello?
  672. Möchte. Nein, ich will. Jago und könnt. Doch wie wie überzeugt. Oh Herr. Wollt ihr mit offenem Blick die Frechheit schauen? Sie sehen
  673. gepart. Oto. Tot und Teufel. Oh Jago, ein schwierig Unternehmen, denke
  674. ich mir, sie so zur Schau zu bringen. Es wäre zu toll, wenn mehr noch als vier Augen Zutritt fänden zu solchem Lostspiel. Was denn also? Wie was soll
  675. ich tun? Wo Überzeugung finden? Unmöglich ist es, dies mit anzusehen. Und wären sie wie Geiß und Affen wild, hitzig wie brünstige Wölfe, plump und
  676. sinnlos wie trunkene Dummheit. Dennoch sag ich euch, wenn Schuld Verdacht und Gründe triftiger Art, die gerad hin führen zu der Wahrheit Tor,
  677. euch Überzeugung schafften, solche hätte ich. Otello, gib sprechende Beweise, dass sie falsch. Jago, ich hasse dies Geschäft.
  678. Doch weil ich hierin schon so weit gegangen, verlockt durch Lieb und dumme Redlichkeit, so fahr ich fort. Ich schlief mit Casio jüngst und da ein
  679. Argerschmerz im Zahn mich quälte, konnte ich nicht ruhen. Nun gibt es Menschen von so schlaffem Geist, dass sie im Traum ausschwatzen, was sie tun. Und
  680. Casio ist derart. Im Schlafe sprach er: "Süße des Dämona, sei achtsam. Unsere Liebe halt geheim. Und dann ergriff und drückte er
  681. meine Hand, rief: "Süßes Kind!" und küsste mich mit Innenbrunzt, als wollte er Küsse mit der Wurzel reißen aus meinen Lippen. Legte dann das Bein auf
  682. meines, seufzt und küsste mich und rief: "Verwünscht es los, dass dich den Moren gab." "Otello, oh, kräulig, gräulig. Jago, nun, dies war nur
  683. Traum. Otello, doch er bewies vorhergegangene Tat. Jago, ein schlimm Bedenken ist's, sei es auch nur Traum und dient vielleicht zur
  684. Stütze anderer Proben, die schwach beweisen. Otello, in Stücke reiß ich sie. Jago, nein, mäßigt euch. Noch sehen wir nichts getan, noch kann sie
  685. schuldlos sein. Doch sagt dies eine: "Sah nie sonst in eures Weibes Hand ein feines Tuch mit Erdbeeren bunt gestickt? Otello, so eines gab ich hier. Mein
  686. erstgeschenk. Jago, das wusste ich nicht. Allein mit solchem Tuch, gewisß war es das ihre, sah ich heute Cassio den Bart sich
  687. wischen. Otello, wer ist das? Jago, das oder sonst eins? Kam's von ihr, so zeugt es gegen sie nebst jenen anderen Zeichen. Otello. Oh, dass der Sklavusend
  688. Leben hätte. Eins ist zu arm, zu schwach für meine Rache. Nun sehe ich, es ist wahr. Blick her, Ojago. So blas ich meine Lieb in alle Winde. Hin ist
  689. sie auf. Schwarzer Rach aus deiner tiefen Höhle. Gib Liebe deine Kron und Herzensmacht tyrannischem Hass. Dich sprenge deine Last Busen angefüllt mit
  690. Natterzungen. Jago, ich bitte euch ruhig. Otello, Blut. Oh Jago, Blut. Jago Geduld. Vielleicht noch ändert ihr den
  691. Sinn. Otello. Nee, Jago, nicht. sowie des Pontus Meer, des eisiger Strom und fortgewälte Flut nie rückwärts Ebben Magnein unaufhaltsam in die Propontis
  692. und den helles Bond rollt, so soll mein blutiger Sinn im Gang der Wut nie umschauen, noch zur sanften Liebe Ebben, bis eine voll genügend weitere Rache ihn
  693. ganz verschlang. Er kniet nieder. Nun, beim kristallenden Äter mit schuldiger Ehrfurcht vor dem heiligen Eid verpfnd
  694. ich hier mein Wort. Jago kniet auch. Steht noch nicht auf. bezeugt's ihr ewig glühenden Lichter
  695. dort, ihr Elemente, die ihr uns umschließt. Bezeugt, dass Jago sich hier weit mit allem, was sein Verstand, was Herz und Hand vermag, Otellos schmach zu
  696. ahnten. Er gebiete und zu gehorchen sei mir Liebespflicht, wie blutig auch die Tat. Otello, ich grüß die Liebe, die er nicht
  697. mit eitlem Dank, mit freudigem Jahr und augenblücklich führe ich dich ans Werk. Lass in drei Tagen mich von dir vernehmen, dass Casio nicht mehr
  698. lebt. Jago, mein Freund ist tot. Ihr wollt's, es ist geschehen. Sie aber
  699. schontello. Verdammt, verdammt sei sie, die age Dirne. Komm, folge heimlich mir. Ich will im Stillen mir schnelle Mittel
  700. schaffen für den Tod des schönen Teufels. Nun bist du mein Leutnant. Jago, ich bin auf ewig eurer. Sie gehen ab.
  701. Vierte Szene. Zypern vor dem Schloss des Demona Emilia der Narre. Das Demona. Hey, weißt du in welcher Gegend Leutnard Casio liegt? Narr, ich möchte
  702. nicht sagen, dass er irgendwo lüge. Des Dämon. Warum? Na, er ist ein Soldat. Und wollte ich sagen, dass ein Soldat Lüge, das ginge an Hals und
  703. Kragen. Das Dämon nicht doch. Wo wohnt er? Nah, euch sagen, wo er wohnt. Hieß euch sagen, wo ich
  704. lüge. Das Demoner ist daraus wohl klug zu werden. Na, ich weiß nicht, wo er wohnt. Und sollte ich eine Wohnung aus der Luft greifen und sagen, er liegt
  705. hier oder liegt da, das hieße in meinen Hals hineinlügen. Des Dämona, kannst du ihn wohl erfragen und dich durch Auskunft
  706. belehren lassen? Nah, ich will die Welt hindurch katechisieren, das heißt Fragen stellen und sie antworten
  707. lassen. Des Demona, such ihn auf und schick ihn her. Sage ihm, ich habe meinen Gemahl für ihn gestimmt und ich hoffe, alles werde noch
  708. gut. Narr, dies auszurichten reicht nicht über das Vermögen des menschlichen Geistes und darum will ich das Abenteuer bestehen. Er geht ab.
  709. Der Stemona. Wo habe ich nur das Tuch verlegt? Emilia. Emilia? Ich weiß nicht, gnädige Frau. Das Demon. Glaub mir, viel lieber
  710. misst voll von Crusadus. Wärm edler Moh nicht großgesinnt und frei vom Niedernstoff der Eifersucht, dies könnte auf schlimme Meinung ihn
  711. führen. Emilia, weiß er nichts von Eifersucht des Dämoner? Wer er? Die Sonne in seinem Lande, glaube ich, sog alle solche dünst ihm
  712. aus. Emilia, da kommt er, des Demona. Ich will ihn jetzt nicht lassen, bis er Cio zurückbrief. Otello tritt auf. Wie geht dir es, mein
  713. Otello? Otello wohl teure Frau beiseite. Oh, qual sich zu verstellen. Laut wie geht dir's,
  714. Desona? Des Demona. Gut, mein teurer Otello. Gib mir die Hand, Frau, diese Hand ist feucht. Das Demona, sie fühlte noch kein
  715. Alter. Kennt nicht Gram. Otello, dies deutet Überschwang, freigebiges Herz. Heiß, heiß und feucht. Solch einer hand
  716. geziemt Abtötung von der Welt, Gebet und Fasten, viel Selbstkasteiung, Andacht, from geübt. Denn jung und brennend wohnt ein Teufel hier, der leicht sich
  717. auflehnt. Es ist eine milde Hand, die gern verschenkt. Des Dämona, du kannst sie wohl so nennen, denn diese Hand war es,
  718. die mein Herz dir gab. Otello, eine offene Hand, sonst gab das Herz die Hand. Die neue Wappenkunst ist Hand, nicht
  719. Herz. Des Demona, davon verstehe ich nichts. Nun, dein Versprechen, Otello. Welch ein Versprechen, Kind des Demona. Ich ließ
  720. den Casio rufen, dich zu sprechen. Otelo, mich plagt ein widerwärtiger böser Schnupfen. Lei mir dein
  721. Taschentuch des Demona. Hier mein Gemahl. Otello, das welches ich dir gab. Des Demona, ich hab's nicht bei mir. Otello, nicht des Demona, wirklich
  722. nicht mein teurer. Otello, das muss ich tadeln. Dieses Tuch gab meiner Mutter
  723. ein Zigeunerweib, eine Zauberin war es, die in den Herzen las. Solange sie es bewahrte, sprach das Weib, wird es ihr Reiz verleihen und meinen Vater an ihre
  724. Liebe fesseln. Doch verlöre oder verschenkte sie's. Satt würde dann sein Blick sich scheuen, sein lüstern Auge spähen nach neuem Reiz. Sie sterbend gab
  725. es mir und hieß mir es, wenn mein Schicksal mich vermälte, der Gateben. Dies geschah. Nun hü es mit zter Liebe gleich dem
  726. Augenstern. Verlst du es oder gäbst es fort? Es wäre ein Unheil ohne Maß. Das Demona. Wie ist es
  727. möglich? Otello. Jawohl. In dem Gewebe steckt Magie. Eine Sibille, die den Sonnenlauf 200 mal die Bahn vollenden sah. Hat in prophetischem Wahnsinn es
  728. gewebt. Geweihte Würmer spannen ihre Seide. Sie färbt's in Mumiensaft, den sie mit Kunst aus Jungfrauenherzen zog. Der Stemona wirklich ist's
  729. wahr höchst zuverlässig. Drumpe war es wohl. Des Dämon wollte Gott, ich hätte es nie gesehen. Otello. Ha. Und
  730. weshalb? Des Demona, was sprichst du so auffahrend und so schnell? Otello ist sofort verloren. Sprich, ist's nicht vorhanden?
  731. des Dämoner. Gott helf mir. Otello. Nun das Demona ist nicht verloren. Wenn es nun aber wäre. Otello. Desona. Ich sag es ist noch da.
  732. Otello, hol's. Zeig's mir. Des Demona, das könnte ich, Herr. Allein. Ich will es nicht. Mit solchem Kunstgriff weichst du mir nicht aus. Ich bitte dich. Nehm
  733. den Cio an. Otello. So, hole mir das Tuch. Ich hane schlimmes. Des Demona, sei gut. Du
  734. findst nicht wieder solchen tüchtigen Mann. Otello, das Tuch. Des Demona, ich bitte sprich von Cioello. Das
  735. Tuch des Demona, er ist ein Mann, der all sein Glück von je auf deine Freundschaft hat gebaut, Gefahren mit dir geteilt. Otello, das
  736. Tuch. Das Demona für wahr, du tust nicht recht. Otello, hinweg. Er geht ab. Emilia, ist der nicht
  737. eifersüchtig? Des Dämoner? So sah ich ihn noch nie. Gewiss ein Zauber steckt in jenem Tuch. Ein wahres Unglück, dass ich es
  738. verlor. Emilia, man lernt den Mann nicht aus in einem Jahr. Sie alle sind nur Magen, wir nur kost. Sie schlingen uns hinab und sind sie satt, speen sie uns
  739. aus. Seht Ksi und mein Mann. Jago und Casio treten auf. Jago, da ist kein anderer Weg. Sie muß es tun und sie wie glücklich. Geh
  740. bestürme sie. Des Demona. Nun lieber Co, sagt, wie geht es euch? Cio mein Alt Gesuch. Ich bitte euch, gnädige Frau, laß mich durch euer kräftig Fürwort
  741. wiederstehen und Teil an seiner Freundschaft finden, die ich mit ganzer Liebe meines Herzens treulich verehre. Möglichern, ist mein Vergehen so tödlich
  742. schwere Art, dass weder voriger Dienst noch jetzige Reu noch Vorsatz künftig edlen Dienst zu tun, mir seine Neigung wieder kann gewinnen. So wird mir es
  743. Wohltat sein, es nur zu wissen. Dann bg ich mir erzwungene Freudigkeit. und such auf einer neuen Lebensbahn des Glücks Almosen. Des Demona. Ach, mein edler
  744. Cio ist meine Anwaltschaft umsonst. Mein Herr ist nicht mein Herr. Ich kennt ihn nicht, wer er im Antlitz wie im Geist verwandelt. So mag mir jeder fromme
  745. Engel helfen, wie ich für euch nach besten Kräften sprach. Und selbst auf seinen Zorn habe ich es gewagt durch dreistes Wort.
  746. Ihr müstt euch noch gedulden. Was ich vermag, das tue ich. Tu noch mehr, als ich für mich je wagte. Und dies genüg euch. Jago ist er
  747. erzört, Emilia. Er ging nur eben fort und wirklich ungewöhnlich aufgeregt. Jago, kann er in Zorn sein? Die Kanone sah ich ihm seine
  748. Schlachttreprengen in die Luft und wie ein Teufel ihm den eigenen Bruder von seiner Seite raffen, er im Zorn. Dann muss es großes sein. Ich gehe und suche
  749. ihn gewiss. Das hat was auf sich, wenn er zürnt. Er geht ab dem Demona, ich bitte ich tu's.
  750. Vielleicht ein Staatsgeschäft, sei es von Venedig, sei es geheime Bosheit, der eher in Zypern auf die Spur geraten, trübt seinen heitern Geist. In solchem
  751. Fall zanken die Männer leicht um kleinere Dinge, sind größere auch der Grund. So ist es immer, denn schmerzt uns nur der Finger, haben auch die
  752. übrigen gesunden Glieder etwas von wehgefühl. Nein, Männer sind nicht Götter. Wir müssen nicht des Bräutigams zarte Rücksicht von ihnen fordern.
  753. Schild mich nur, Emilia. Ich dachte seiner Raheit schon den Stab zu brechen. Sie so kindisch war mein Kriegsrecht. Den Zeugen finde ich nun, bestach ich
  754. selbst und er ist falsch verklagt. Emilia, Gott geb. Es sein Staatssachen, wie ihr glaubt, und nicht ein Warn noch eifersüchtige Grille, die
  755. euch betrifft. Das Dämoner liebezeit, ich gab ihm niemals Anlass. Emilia, das ist den
  756. Eifersüchtigen einer Lei. Sie sind nicht stets aus Anlass eifersüchtig. Sie eifern, weil sie eifern. Sie ist ein Scheusaal, erzeugt von selbst, geboren
  757. aus sich selbst. Das Demona Gott schütz Otello vor dem Scheusaal. Emilia, Amen. Desona. Ich will ihn suchen. Casio bleibt hier nah.
  758. Ist er gestimmt, betreibe ich eure Sitte und will es bis zum äußersten versuchen. Casio, ich dank in Demut, gnädige
  759. Frau. Das Demona und Emilia ab. Bianca tritt auf. Bianca, Gott grüß dich, Csio.
  760. Cioher was treibst du, meine allerschönste Bianca? Just wollte ich zu dir kommen, liebes Herz. Bianca und ich war eben unterwegs zu dir. Was? Eine
  761. Woche konnst du fern mir bleiben, sieben Tage und Nächte, acht mal 20 Stunden und acht noch Stunden ohne den Geliebten, langweiliger als der Zeiger 100tmal. Oh,
  762. lästige Rechnung. Cio nicht, mein Kind. Mich drückte schwere Sorge all die Tage. Doch werde ich dir zu ungestörter Zeit die
  763. lange Rechnung tilgen. Liebste Bianca, er gibt ihr das Demonas Tuch. Zeichne dies Muster ab. Bianca. Hi. Woher kam dies? Das ist ein
  764. Pfand von einer neuen Freundin. Dein Wechsin schmerzte, doch der Grund noch mehr. Kam es soweit? Nun gut, schon gut. Cio geh
  765. Mädchen. Wirf den Verdacht dem Teufel ins Gesicht, von dem er kam. Nun, bist du eifersüchtig? Dies sei von einer Liebsten mir geschenkt. Nein, glaub mir
  766. es, Bianca. Bianca, nun, woher kam's? Csio ich weiß nicht, Kind. Ich fand's auf meinem Zimmer. Die Stickerei
  767. gefällt mir. Ehemanns fordert, was bald geschehen kann, wünscht ich es nachgezeichnet. Da nimm's und tu's und lass mich jetzt
  768. allein. Bianca allein dich lassen und warum, Csio, ich muss hier warten auf den General und nicht empfehlend, wer mir es noch erwünscht, ft er mich so
  769. begleitet. Bianca, und warum nicht? Casio, nicht, dass ich dich nicht liebte, Bianca, nur dass du mich nicht liebst. Ich bitte dich, bring mich etwas
  770. auf den Weg und sag mir, kommst du wohl heute Abend zeitig? Cio? Ich kann ein kurzes Stück nur mit dir gehen, weil ich hier warte,
  771. doch ich sehe dich bald, Bianca. Schon gut. Man muss sich fügen in die
  772. Zeit. Sie gehen ab. Vierter Akt. Erste
  773. Szene. Zypern vor dem Schloss. Otello und Jago. Jago, wie dünkt euch das? Otello, was soll mich dünken? Jago, was? sich
  774. heimlich küssen. Otello, ein verbotener Kuss. Jago oder nackt im Bett mit ihrem Freunde sein, wohl stundenlang und mehr
  775. in aller Unschuld. Otello, im Better, Jago und in aller Unschuld. Das hieße Heucherlei ja mit
  776. dem Teufel. Wer Keusch sein will und solches tut, des tugend versucht der Teufel und er selbst den Himmel. Jago, wenn sie nichts taten, war der
  777. Fehl nicht groß. Doch wenn ich meiner Frau ein Tuch verehrt. Otello. Nun dann, Jago. Nun, dann gehört's ihr, knätker Herr, und
  778. folglich darf sie es verschenken, meine ich, wem sie will. Otello, sie ist Gebieterin auch ihrer Ehre. Darf sie die auch
  779. verschenken? Jago, die Ehe ist nur ein unsichtbares Wesen und oft besitzt sie der, der sie nicht hat. Allein das Tuch. Otello, bei
  780. Gott, mit Freuden hätte ich das vergessen. Du sagtest: "Oh, es schwebt um mein Gedächtnis, so wie der Rab um ein verpestet Haus Verderben drohnt. Er
  781. habe jenes Tuch." Jago, nun, was denn? Otello, das ist doch nicht gut. Gewiss, Jago, sagt ich noch gar, ich sah
  782. ihn euch beschimpfen oder hört ihn sagen, wie es den Schurken gibt, die, wenn sie durch ihr ungestümes Werben oder durch frei vergaffen eines Weibes
  783. sie zwangen oder kirten nimmer ruhen, bis sie geschwatzt. Otello, hat er sowas gesagt? Jago, das hat er, gnädiger Herr, doch
  784. seid versichert, nicht mehr als er abschwören wird. Otello, was sagt er? Jago, dass er bei ihr, ich weiß nicht,
  785. wie er sagte. Otello, was? Was? Jago gelegen. Otello bei ihr.
  786. Jago bei ihr. Auf ihr, wie ihr wollt. Ontello. Bei ihr gelegen. Auf ihr. Bei ihr gelegen. Das ist Unzucht. Das Tuch. Diese Geständnisse,
  787. das Tuch. Eingestehen und dann für die Mühe gehängt werden. Zuerst gehängt, dann eingestehen. Ich zittere davor.
  788. Natur würde sich nicht in so verfinsternde qualen, wäre es nicht Vorbedeutung, nicht Worte, die mich so erschüttern. Oh, Nasen, Ohren und
  789. Lippen. Ist es möglich? Ein Gestehen. Tuch. Oh, Teufel. Er fällt in
  790. Ohmacht. Jago, wirk fort, mein Gift. Wirk fort. So fängt man Gläubige Narren. Manch wackre kuschefrau kommt gerade so ganz schuldlos ins Geschrei. Aufgnädiger
  791. Herr. Otello. Gnädiger Herr. Casio tritt auf. Was wollt ihr Casio? Cio
  792. gibt's Jago? Der Feldherr stürzte jetzt in Krämpfen hin. Dies ist seit gestern schon sein zweiter Anfall. Coio, so reib ihn um die
  793. Schläfe. Jago, nein, lass ab. Lass ihn in seiner Starsucht ungestört, sonst schäumt es ihm vor Mund und rast der er bald in wilder
  794. Tobsucht. Sie, er rührt sich wieder. Entferne dich auf einen Augenblick. Er wird sich schneller holen. Wenn er fort ist, hätte ich mit dir ein wichtig Wort
  795. zu reden. Cio ab. Wie ist euch? Habt ihr nicht den Kopf
  796. verletzt? Otello, sprichst du mir hohen? Jago euch Höhnen? Nein, bei Gott, ich wollte ihr trügt euer Schicksal wie ein Mann.
  797. Otello, gehörnter Mann ist nur ein Vieh, ein Untier. Jago, so gibt es manches Vieh in großen
  798. Städten und manch vornehmes und hier Otello gestand erst ein. Jago, ein Feldherr, seid ein Mann. Denkt, jeder bertemensch ins Joch
  799. gespannt zieht neben euch. Millionen leben Rings, die nächtlich ruhen auf preisgegebenem Lager, daß sie ihr eigen wähnen. Ihr steht besser. Oh, das ist
  800. Satansfest. Erzspaß der Hölle. Ein Unkeuschweib im sichern Ehebett küssen und kusch sie glauben. Nein, Gewissheit will ich und weiß ich, was ich bin, weiß
  801. ich, was aus ihr wird. Otello. Oh, du bist klug. Es ist sicher. Jago, geht zur Seite für kurze Zeit und haltet euch geduldig. Indess
  802. ihr ganz von eurem Gram vernichtet. Ein Ausbruch, wenig ziehend solche Mann. Kam Csio her. Ich wusste ihn wegzuschaffen. Und euren Anfall trifft dich zu
  803. entschuldigen. Dann lud ich ihn zurück auf ein Gespräch, was er verhieß. Nun bergt euch irgendwo und merkt den Hohn, den Spott, die Schadenfreude in jeder
  804. Miene seines Angesichts. Denn beichten soll er mir aufs Neu hergang. Wo, wann? Wie oft, wie lange schon und wie er euer Weib geherzt
  805. und herzen wird. Merkt, sag ich, sein Gebärdenspiel. Oh, still doch. Sonst denke ich, ihr seid ganz und gar nur Wut und nichts von
  806. einem Manne. Otello, hörst du es? Jago höchst schlau jetzt den Geduldigen spielen. Doch hörst du es, dann den
  807. blutigen. Jago, so ist's recht. Jedes zu seiner Zeit. Nun geht beiseite. Otello tritt
  808. beiseite. Jetzt will ich Casio nach Bianca fragen. Ein gutes Ding, das ihre Gunst verkaufend sich Brot und Kleider anschafft. Dies Geschöpf läuft Cio nach
  809. und ist der Dirnen Fluch, nachdem sie zehn getäuscht, täuscht einer sie. Eher, wenn er von ihr hört, er wehrt sich nicht laut
  810. aufzulachen. Sie, da kommt er her. Casio tritt auf und wie er lächelt, soll Otello wüten. Und seine unerfahrene Eifersucht
  811. wird Cassios lächeln, Scherz und leichtes Wesen ganz missverstehen. Leutnant, wie geht's euch jetzt?
  812. Cio schlimmer, weil du mir den Titel gibst, dessen Verlust mich tötet. Jago, nutzt das Demona gut. So kann's nicht
  813. fehlen. Leiser. Ja, dies Gesuch in Biancas macht. Wie schnell wärst du am Ziel? Cio arme
  814. Ding. Otello beiseit. Seht nur, wie er schon lacht. Jago: "Nie habe ich so verliebt ein Weib
  815. gesehen. Csio. Ja, das gute Närchen. Ja, sie liebt mich wirklich. Otello beiseit. Jetzt leugnet er es nur schwach
  816. und lacht das weg. Jago, hör einmal. Casio Otello beiseit. Jetzt bestimmt er ihn es zu gestehen. Nur fort. Recht gut. Recht
  817. gut. Jago sie rühmt sich schon. Du nimmst sie bald zur Frau. Ist das dein Ernst?
  818. Casio Otello beiseit triumphi du Römer triumphist du schon Cio? Ich sie zur Frau nehmen? Was? Eine Bullschwester? Ich bitte dich. Hab doch
  819. etwas Mitleid mit meinem Witz. Halt ihn doch nicht für so ganz ungesund. Otello beiseit. So, so. Wer gewinnt, der lacht.
  820. Jago, wahrhaftig. Die Rede geht. Du würdest sie heiraten. Cio? Nein, sag mir die Wahrheit. Jago, ich will ein Schelm
  821. sein. Beiseit. Ich trage also dein Brandmal. Gut, Csio. Das hat der Affe selbst unter die Leute gebracht. Aus Eitelkeit hat sie sich in den Kopf
  822. gesetzt. Ich werde Sie heiraten, nicht weil ich es versprochen habe. Otello beiseite. Jago winkt mir. Nun fängt er
  823. die Geschichte an. Cio eben war sie hier. Sie verfolgt mich überall. Neulich stand ich am Strande und sprach mit einigen
  824. Venetianern. Da kommt wahrhaftig der Grasaffe hin und sowe ich lebe, fällt mir so um den Hals. Otello beiseite und ruft. Oliba
  825. Casio oder etwas ähnliches, denn das deutet seine Gebärde. Hiio und hängt und küsst und weint an mir und zerrt und zupft
  826. mich. Otello beiseit. Jetzt erzählt er, wie sie ihn in meine Kammer zog. Oh, ich sehe deine Nase, aber noch nicht den Hund, dem ich sie vorwerfen
  827. will. Coio, nun, ich muss sie aufgeben. Jago, bewahr mich. Sie da kommt sie. Bianca tritt auf.
  828. Cio iltis, ja, aber parfümiert. Was willst du nur, dass du mir so nachläufst? Bianca, mag der Teufel und
  829. seine Großmutter dir nachlaufen? Was hast du mit dem Taschentuch vor, dass du mir jetzt eben gabst? Ich war eine rechte Nerrin, dass ich es nahm. Ich
  830. soll die ganze Arbeit abzeichnen. Recht wahrscheinlich, daß du's in deinem Zimmer sollst gefunden haben und nicht wissen, wer es da ließ. Es ist das
  831. Geschenk irgendeines Schätzchens und ich soll die Arbeit abzeichnen. Da gib's deinem Steckenpferde. Woher du es auch hast, ich werde die Stickerei nicht
  832. abzeichnen. Csio, still doch, meine süße Bianca, still doch still. Otello beiseite beim
  833. Himmel. Ist das nicht mein Taschentuch? Bianca, willst du heute Abend zum Essen kommen? So tu's. Willst du nicht, so komm ein ander mal, wenn es
  834. dir passt. Sie geht ab. Jago, geh nach, geh ihr nach, Cio? Das muß ich wohl, sonst zangt sie noch auf
  835. der Straße. Jago, willst du zu Abend bei ihr essen, Csio? Ich denke ja. Jago, vielleicht treffe ich dich dort, denn
  836. ich hätte in der Tat notwendig mit dir zu reden. Csio, dich kommen. Willst du, Jago? Gut, nichts mehr. Casio
  837. ab. Otello hervortretend, wie mord ich ihn? Jago Jago bemerktet ihr, wie er zu seiner Schandtat
  838. lachte? Otello. Oh, Jago. Jago und zir das Tuch. Otello, was war's meines? Jago eures bei dieser Hand und seht nur,
  839. wie er das törichte Weib eure Gattin achtet. Sie schenkt es ihm und er schenkt es seiner Dirnerne. Otello. Oh, dass ich 9 Jahre
  840. an ihr morden könnte. Ein hübsches Weib, ein schönes Weib. Ein süßes Weib. Jago, das müst ihr jetzt vergessen. Otello mag sie verfaulen und
  841. verderben und zur Hölle fahren heute Nacht, denn sie sollen nicht leben. Nein, mein Herz ist zu stein geworden. Ich schlage daran und die Hand schmerzt
  842. mich. Oh, die Welt besitzt kein süßeres Geschöpf. Sie hätte an eines Kaisers Seite ruhen und ihm Sklavendienste gebieten
  843. können. Jago, nein, daran müsst ihr nicht denken. Otello, sei sie verdammt. Ich sage nur, was sie ist. So geschickt mit
  844. ihrer Nadel. Eine bewundernswerte Tonkünstlerin. Oh, sie würde die Wildheit eines Bärenzah singen. Von so feinem herrlichem Witz, so
  845. geistreich. Jago und deshalb so schlimmer. Otello. Oh, tausend tausend mal. Und dann von so holl der
  846. Gefälligkeit. Jago freilich zu gefällig. Otello. Ja, ganz gewiss. Aber wie schade dennoch. Jago Jago. Wenn ihr verliebt in ihre
  847. Sünden seid, so gebt ihr einen freibrief zu Frefeln, denn wenn es euch nicht rührt, geht's kein was an. Otello, ich will sie in Stücke hacken,
  848. mir Hörner aufsetzen. Jago ist schändlich von ihr. Otello mit meinem Leutnand. Jago, das ist noch
  849. schändlicher. Otello, schaff mir Gift. Jago diese Nacht. Ich will sie nicht zur Rede stellen, damit ihre Gestalt und Schönheit meinen Zorn nicht wieder
  850. entwaffnen. Diese Nacht. Jago Jago tut es nicht mit Gift. Er drosselt sie in ihrem Bett, demselben Bett, das sie entehrt
  851. hat. Otello. Gut, die Gerechtigkeit darin gefällt mir sehr gut. Jago und Casio. Diesen übernehme ich selbst. Um Mitternacht erfahrt ihr
  852. mehr. Man hört eine Trompete. Ello. Vortrefflich. Doch euch. Was meldet die Trompete? Jago. Nachricht wohl von
  853. Venedig ist Lodovico, gesandt vom Herzog. Mit ihm kommt euer Weib. Lodovic, des Dämoner und Gefolge treten auf. Lodovico, Heil, würdiger
  854. General Otello. Willkommen, Herr Lodovico. Euch grüßt Vedigs Herzog und Senat. Er übergibt ihm einen Brief. Otello, ich küsse seines Willens
  855. Dokument. Er liest. Der Stemona. Was bringt ihr Neues, Vetter Lodovico? Jago, es freut mich höchlich
  856. euch zu sehen, Senor. Willkommen hier in Zypern. Lodovico, ich danke euch. Was macht Leutnand Casio, Herr? Jago, er lebt. Seor. Desona.
  857. Mein Vetter, er ist schlimm mit meinem Gatten zerfallen, doch ihr werdet sie versöhnen. Otello, seid ihr das so gewiss? Desona wie Herr Otello
  858. liest dies zu vollbringen säumt nicht, wenn ihr wollt. Lodovico, er rief dich nicht. Der Brief beschäftigt ihn. Ist Feindschaft
  859. zwischen deinem Herrn und Casio? Desona? Ja, recht unglücklich. Ich g viel darum, sie auszusöhnen, denn ich liebe
  860. Cassio. Otello, Feuer und Schwefel des Demoner. Herr Oto, bist du bei Sinnen? Des Dämonera, wie zörst du?
  861. Lodovico, es ist, der ihn bewegt, denn wie ich glaube, ruft man ihn zurück und Cassio wird statt seiner Gouverneur. Des Dämoner für wahr? Das
  862. freut mich. Otello in der Tat Dämoner. Wie Herr Otello mich freut dich toll zu sehen. Das Dämoner oh mein Otello. Otello Teufel. Er schlägt sie.
  863. Das Demona, das habe ich nicht verdient. Lodovico, Herr General, das würde keiner in Venedig glauben und schwöre ich auch, ich sah es. Das geht
  864. zu weit. Bittet ihr es ab, sie weint. Otello. Oh, Teufel, könnte die Erde sich von Weibertränen schwängern. Aus jedem Tropfen wügst ein Krokodil mir
  865. aus den Augen. Des Dämona, ich gehe euch nicht zu ärgern. Sie will
  866. abgehen. Lodovico. In Wahrheit. Ein Gehorsam Weib. Ich bitt euch, gnädiger Herr, ruft sie
  867. zurück. Otello, Frau des Demona, mein Gemahl. Otello, was wollt ihr mit ihr, Herr? Lodovico. Wer? Ich, Herr Otelo. Ihr wünschtet ja, dass sie umkehren
  868. möchte. Umkehren kann sie und doch vorwärts gehen und wieder drehen und weinen kann sie weinen und ist gehorsam, wie ihr
  869. sagt. Gehorsam. Ja, sehr gehorsam. Immer fortgeweint, was dies betrifft. Oh, recht geschickt im Heucheln. Ich bin zurückberufen. Geh du fort. Ich schicke
  870. gleich nach dir, Herr, dem Befehl gehorchig und kehre nach Venedig. Fort hinaus. Das Dämon geht ab. Casio bekommt mein Amt und Herr, heute
  871. Abend ersuche ich euch mit mir zu Nacht zu speisen. Willkommen hier in Sypern. Ziegen und Affen. Er geht
  872. ab. Lodovico. Ist dies der edle Moor, den der Senat sein ein und alles nennt? Der edle Geist, den Leidenschaft nicht regt?
  873. Das feste Tugend kein Pfeil des Zufalls, kein Schoss des Glücks streift und durchboht? Jago, er hat sich sehr
  874. geändert. Lodovico, ist er nicht wohl? Hat sein Verstand gelitten? Jago, er ist so wie er ist. Ich darf nicht schelten. Gott geb er
  875. wäre was er könnte sein. Jetzt ist das nicht Lodovico. Was? seine Frau zu schlagen. Jago gewisß das war nicht fein. Doch dieser Schlag wünschte ich wä
  876. nicht sein ärgstes. Lodovico, ist er oft so? Sagt oder hat der Brief sein Blut erhitzt, dass er sich heute nur so
  877. verging? Jago? Ach, leider nicht wä es gewissenhaft von mir, erzählt, was ich erfuhr und sah. Habt Acht auf ihn. Sein eigener Wandel wird ihn so bezeichnen,
  878. daß ihr mein Wort entbehren könnt. Beachtet ihn nur, wenn ihr mit ihm zusammen seid. Lodovico, es schmerzt mich, dass
  879. ich mich in ihm getäuscht. Sie gehen ab. Zweite Szene, Zypern. Ein anderes Zimmer auf dem
  880. Schloss. Otello und Emilia treten auf. Otello, so habt ihr nichts gesehen? Emilia, auch nie gehört, noch Arg woh geschöpft. Otello. Ja, du sahst Cio und
  881. sie beisammen. Emilia, doch ich sah dann kein Unrecht und dann hörte ich Jedwede Silber, die gewechselt wart. Otello, was
  882. flüsterten sie nie? Emilia, nein, gnädiger Herr. Otello und schickten nie dich fort, Emilia. Niemals, Otello, um Fächer, Maske,
  883. Handschuh ihr zu holen. Emilia, nein, gnädiger Herr. Otello, es ist seltsam. Emilia, ich wollte auf ihre Tugend meine
  884. Seele zum Pfande setzen. Wenn ihr anders denkt, gebt nicht dem Argwohnraum, der euch betört. Wenn dies ein Schelm euch in den Kopf gesetzt, dem lohnst der
  885. Himmel mit dem Fluch der Schlange. Denn ist diese nicht redlich, kusch und treu. Ist kein Mann glücklich, ist die reinste Frau schwarz wie
  886. Verläumdung. Otello, lass sie kommen. Geh. Emilia geht. Sie sagt genug, doch jede Kupplerin erzählt dasselbe. Schlau ist
  887. diese Metze, ein heimlich Schloss und Riegelschnöder Sünden. Doch kniet und betet sie. Ich sah es selbst. Emilia und Des Demona treten
  888. auf. Des Demona? Was wollt ihr mein Gemahl? Otello. Komm, Täubchen. Komm. Des Demona, was ist euer Wunsch? Otello, lass dir ins Auge sehen. Schau
  889. ins Gesicht mir. Des Demona, welcher ein grausiger Einfall. Otello zu Emilia. Nun deine Künste. Weibsbild.
  890. Lass Buler nun allein und schließ die Tür. Hust oder rufe, wenn jemand kommt. Dein Handwerk an dein Handwerk. Mach dich
  891. fort. Emilia geht ab. Desde Demona, ich flehe knieend. Sag mir, was du meinst. Dein Wort verstehe ich nicht. Doch aus dem Wort tönt
  892. Raserei. Otello, was bist du? Desona. Dein Weib, mein Gatte, dein pflichtgetreues Weib. Otello, komm, schwör es. Verdamm
  893. dich selbst, dass nicht die Teufel geschreckt von deiner Engelbildung zittern, dich zu ergreifen. Drum verdamm dich doppelt. Schwör, du seist treu.
  894. Desona der Himmel weiß, ich bin's. Otello, der Himmel weiß, falsch bist du. Wie die Hölle des Dämoner? Wem, mein Gemahl, mit wem? Wie bin ich falsch?
  895. Otello. Oh, des Demona, fort mit dir. Fahrt, fort, das Demona. Oh, Tag des Jammers. Wehe, warum weinst du? Bin ich, mein
  896. Gatte, ursacht dieser Tränen. Hast du vielleicht den Vater in Verdacht? Er sei das Werkzeug deiner Heimberufung. Gib mir die Schuld nicht.
  897. Hast du ihn verloren? Nun, ich verlore ihn auch. Otello gefiel es Gott durch Trübsal mich zu prüfen. Goser Schmach und jede
  898. Kränkung auf mein nacktes Haupt versenkt in Armut mich bis an die Lippen. Schlugsamt der letzten Hoffnung mich in Fesseln, doch
  899. fändenswinkel ein Tröpfchen von Geduld. Doch mich zu machen zum festen Bilde für die Zeit des Hohns mit langsam drehenden Finger drauf
  900. zuweisen. Oh oh und dies auch könnte ich tragen. Sehr sehr wohl. Doch da, wo ich mein Herz als Schatz verwart, wo ich muß leben oder gar nicht
  901. leben, der Quell, aus dem mein Leben strömen muss, denn sonst versiegt er, da vertrieben sein oder ihn schauen als Sumpf für ekler Kröten begehen und
  902. brüten. Da verfinstere dich Geduld, du junger rosenweingiger Kerub. Ja, schau so grimmig als die Hölle. Des Demoner. Ich hoffe, mein
  903. Gemahl hält mich für treu. Otello. Oh ja, wie Sommerfliegen auf der Fleischbank, die im Entstehen schon
  904. bohlen. Oh, du Unkraut, so reizend lieblich und von Duft so süß, dass du den Sinn betäubst. Oh, wärst du nie geboren?
  905. Das Demona. Welch unbewußten Fehl konnte ich begehen? Otello, dies reine Blatt, dies schöne Buch nur dazu, um Metzer drauf zu
  906. schreiben. Was? Beggehen. Beggehen? Oh, du ganz freche Bulerin. Schmelzöfen müsste ich machen aus den Wangen. Um meine Sitzamkeit zu Asche zu brennen,
  907. nennt ich nur deine Taten. Was begehen? Dem Himmel ekels und der Mond verbirgt sich. Der B Wind, der küsst, was ihm begegnet, versteckt sich in den
  908. Höhlungen der Erde und will nichts davon hören, was begehen schamlose Metze des Dämoner. Bei Gott, ihr tut mir unrecht.
  909. Otello, du keine Metze des Dämoner. Nein, so war ich Christin. Wenn meinem Herrn bewahren dies Gefäß vor jeder schnöden sträflichen Berührung heißt
  910. keine Metze sein, so bin ich keine. Otello, du keine des Dämona, nein. So helfe Gott mir. Otello, ist möglich? Des Dämoner? Oh Himmel, sei mir
  911. gnädig. Otello, dann verzeiht mir. Ich nahm euch für die Dirne von Venedig, die den Otello freite. Emilia kommt zurück und du,
  912. Weib, die von St. Peter, das Gegenteil der Hölle Pforten sperrt. Du, du, ja, du, wir sind zu Ende. Nehmen, da ist dein Geld. Nun schließ die Tür und halte
  913. deinen Mund. Er geht ab. Emilia. Oh Gott, was hat doch unser Herr im
  914. Sinn. Wie geht's euch, teure Frau? Wie geht's euch, gnädige? Des Dämoner mir ist als träumt ich. Emilia sagt, werte Frau, was fehlt dem gnädigen
  915. Herrn des Dämoner? Wem? Emilia, meinem gnädigen Herrn. Das Dämoner. Wer ist dein Herr? Emilia, der auch der eure liebste
  916. gnädige Frau des Dämoner. Ich habe keinen. Sag mir nichts, Emilia. Ich kann nicht weinen. Habe auch keine Antwort,
  917. die nicht zu Wasser würde. Bitte ich diese Nacht leg auf mein Bett mein Brauttuch. Denke dran und ruf mir deinen
  918. Mann. Emilia, wie hat sich's hier geändert? Sie geht ab. Das
  919. Dämoner. Sie ist billig, dass es mir so geht. Sehr billig. Wie war ich nur, dass auch sein kleinster Argwohn mein mindestes
  920. Versehen missdeuten konnte? Jago und Emilia treten auf. Jago? Was wünscht ihr, gnädige Frau? Wie geht es euch? Das
  921. Demona? Ich weiß es nicht. Wer Kinder unterrichtet, gibt ihnen freundlich leichte Arbeit auf. So konnte er mich ja schmälen, denn für wahr? Ich
  922. bin ein Kind fürs Schmälen. Jago, was ist denn gnädige Frau? Emilia. Ach, Jago, Metze, schimpfte sie der Herr. Wie schändlich
  923. und verachtend er sie nannte. Das trägt kein treues Herz. Des Dämon Jago, bin ich das
  924. Wort? Jago, welch Wort verehrte des Demona, das wie sie sagt, mein Herr mir hat gegeben. Emilia, er schalt sie Metze.
  925. Nein, kein Bettler könnte im Rausch solch Wort von seiner Dirne brauchen. Jago, warum denn das? Das Demona, ich weiß es nicht gewiss.
  926. Ich bin es nicht. Jago weint nicht, weint nur nicht. Du liebe Zeit. Emilia wies sie so manchen edlen Antrag ab, verließ den Vater, Freunde
  927. Vaterland, dass man sie Metze schimpft. Ist nicht zum Weinen, des Dämoner. Das ist mein trauriges
  928. Geschick. Jago, wie ihm? Wie kommt ihm solcher Einfall? Das Dämoner weiß der Himmel. Emilia, nein. Hängt mich, wenn
  929. ein Erzverläumder nicht, irgendein schleichender, geschäftiger Schuft, ein glatter Schurk, um sich ein Amt zu fischen, die Lügen ausgedacht. Ja,
  930. darauf sterb ich. Jago Fui. Solchen Menschen gibt's nichts. Ist unmöglich. Des Dämoner und gibt es
  931. einen, so vergeb ihm Gott. Emilia, ein Strick vergeb ihm, na an ihm die Hölle. Sie Metze schimpfen. Wer besucht sie je? Wo, wann und wie? Wo ist
  932. auch nur ein Schein? Ein recht ausbündiger Schurk belog den Mohen. Ein niedertrecht Schurk, ein schäbiger Buber. Oh Himmel, möchtest du solch
  933. gezücht entlarfen und jeder wackeren Hand eine Geißel geben, den Schurken nackt durch alle Welt zu peitschen vom Ost zum fernen West?
  934. Jago, schrei doch nicht so. Emilia fuh über ihn. Solch ein Geselle war es, der ehemals dir auch den Verstand verwirrte, mich mit dem Mohen in Verdacht zu
  935. haben. Jago, du bist nicht klug. Sei still. Des Dämoner. Och, guter Jago, was soll ich tun, ihn wieder zu gewinnen? Geh zu ihm, Freund, denn bei der Sonne
  936. Licht. Ich weiß nicht, wie ich ihn verlore. Hier knie ich, wenn je mein Herz sich seiner Lieb empört, in Worten, in Gedanken oder Tat. Wenn je mein Aug,
  937. mein Ohr und sonst einen Sinn an anderer Wohlgestalt gefallen fand, wenn ich nicht jetzt ihn lieb, ihn stets geliebt, ihn immer da, auchch. Wenn er mich
  938. verstieße als Bettlerin, von Herzen lieben werde, dann Trost, verlass mich. Kaltsinn bringt es weit und rauben kann sein Kalzin mir das Leben. Die Liebe
  939. minder nicht. Ich kann nicht sagen Metze. Mich schaudert schon, da ich das Wort gesprochen. Doch tun, was die Beschimpfung nach sich zieht, nicht um
  940. die ganze Eitelkeit der Welt. Jago, ich bitte, fasst euch. Es ist nur seine Laune. Die Staatsgeschäfte machten ihm verdrust. Da zangt er nun
  941. mit euch. des Demona. Wer nur das Jago? Glaubt mir, es ist nichts anderes. Man hört
  942. Trompeten. Hecht. Die Trompete ruft zur Abentafel und die Gesandschaft von Venedig wartet. Geht hin und weint nicht. Alles wird noch
  943. gut. Des Demona und Emilia ab. Rodrigo tritt auf. Was gibt's Rodrigo? Rodrigo, ich finde nicht, dass du es
  944. redlich mit mir meinst. Jago und was im Gegenteil, Rodrigo, jeden Tag fertigst du mich mit einer Ausrede ab, Jago, und hältst mich viel mehr, wie mir es
  945. vorkommt, von aller guten Gelegenheit fern, als dass du meine Hoffnung den geringsten Vorteil verschaffst. Ich ertrage das wahrhaftig nicht länger und
  946. du sollst mich nicht dazu bringen, ruhig einzustecken, was ich bisher wie ein Tor mir habe gefallen lassen. Jago, wollt ihr mich anhören?
  947. Rodrigo? Rodrigo, auf Ehre, ich habe schon zu viel gehört, denn euer Versprechen und Tun halten nicht gleichen Schritt
  948. miteinander. Jago, ihr beschuldigt mich höchst ungerecht. Rodrigo, es ist lauter Wahrheit. Ich habe mein ganzes Vermögen
  949. zugesetzt, die Juwelen, die ihr von mir empfingt, um sie des Dämoner einzuhändigen. Die Hälfte hätte eine Nonne verführt. Ihr sagtet mir, sie habe
  950. sie angenommen und gab mir Hoffnung und Aussicht auf baldige Gunst und Erwiderung, aber dabei bleibt's. Jago gut, nur weiter. Recht
  951. gut, Rodrigo. Recht gut, weiter. Ich kann nicht weiter, Mann. Und hier ist nichts recht gut bei dieser Hand. Ich sage, es ist spitzbübisch und ich fange
  952. an zu merken, dass man mich foppt. Jago, recht gut. Rodrigo, ich sage dir, es ist nicht recht gut. Ich will mich des Demon
  953. selbst entdecken. Gibt sie mir meine Juwelen wieder zurück, so lasse ich ab von meiner Bewerbung und bereue mein unerlaubtes Zumuten. Wo nicht, seid
  954. gewiss, dass ich genug Tuung von euch fordern werde. Jago, habt ihr jetzt gesprochen? Rodrigo. Ja. Und habe nichts gesprochen,
  955. als was ich ernstlich zu tun gesonnen bin. Jago, schön. Nun sehe ich doch, dass du Haare auf den Zähnen hast und seit diesem Moment fasse ich eine
  956. bessere Meinung von dir als je zuvor. Gib mir deine Hand, Rodrigo. Du hast sehr gegründete Einwendungen gegen mich vorgebracht und dennoch, schwöre ich
  957. dir, bin ich in deiner Sache sehr gerade zu Werke gegangen. Rodrigo, das hat sich wenig gezeigt.
  958. Jago, ich gebe zu, dass sich's nicht gezeigt hat und dein Ark ist nicht ohne Verstand und Scharfsehen. Aber Rodrigo, wenn das wirklich in dir steckt, was ich
  959. dir jetzt mehr zutraue als je, ich meine Willenskraft, Mut und Herz, so zeig es diese Nacht. Wenn du in der nächsten Nacht nicht zu
  960. des Demonas Besitz gelangst, so schaff mich hinterlist dich aus der Welt und stelle meinem Leben Fallstcke. Rodrigo, gut, was ist's?
  961. Liegt's im Gebiet der Vernunft und der Möglichkeit? Jago Freund, es ist ein ausdrücklicher Befehl von Venedig da, dass Casio in Otelos Stelle treten
  962. soll. Rodrigo, ist das wahr? Nun so gehen Otello und des Demona Venedig zurück. Jago: "Oh nein, er geht ins Morenland und nimmt die Schöne des
  963. Demona mit sich, wenn nicht sein Aufenthalt hier durch einen Zufall verlängert wird und darin kann nicht so entscheidend sein, als wenn Casio
  964. beiseite geschafft wird." Rodrigo, wie meinst du das? Ihn beiseite schaffen, Jago? Nun ihn für Otellosamt
  965. untauglich machen, ihm das Hirn ausschlagen. Rodrigo und das meinst du, soll ich tun? Jago ja, wenn du das Herz hast, dir
  966. Vorteil und Recht zu verschaffen. Er ist heute zum Abendessen bei einer Dirne und dort will ich ihn treffen. Noch weiß er nichts von seiner
  967. ehrenvollen Beförderung. Wenn du nun auf sein Weggehen lauern willst, und ich werde es einrichten, daß dies zwischen zwölf und eins geschieht,
  968. so kannst du noch Belieben über ihn herfallen. Ich will in der Nähe sein, um deinen Angriff zu unterstützen und er soll zwischen uns beiden
  969. fallen. Komm, steh nicht so verwundert, sondern folge mir. Ich will dich so von der Notwendigkeit seines Todes überzeugen, dass du es für Pflicht
  970. halten sollst, ihn aus der Welt zu schaffen. ist hohe Zeit zum Abendessen und die Nacht geht hin. Frisch
  971. daran. Rodrigo, ich muss noch mehr Gründe hören. Jago, das sollst du genüge. Sie gehen
  972. ab. Dritte Szene. Zypern. Ein anderes Zimmer im Schlosse. Otello, Lodovico, des Demona. Emilia und Gefolge treten auf.
  973. Lodovico, ich bitte euch, Herr, bemüht euch nun nicht weiter. Otello, oh nein, erlaubt, das Ausgehen tut mir wohl. Lodovico, schlaft, gnädige wohl. Ich sag
  974. euch meinen Dank. Das Demona, ihr wart uns sehr willkommen, Herr Otello. Wollen wir gehen, Senor? Oh, des
  975. Demona, des Demona, mein Gemahl. Otello, geh so gleich zu Bett. Ich werde augenblicklich wieder da sein. Entlasß Gesellschafterin. Tu wie ich dir
  976. sage. Das Demona, das wird ich mein Gemahl. Otello, Lodovico und gefolge ab. Emilia, wie geht's nun? Er scheint milder als
  977. zuvor. Desona? Er sagt, er werde hier sein ungesäumt. Er gab mir den Befehl zu Bett zu gehen und hieß mir dich entlassen. Emilia, mich
  978. entlassen des Demona. Er will es so. Darum, Emilia. Gute, gib mir mein Nachtgewand und lebe wohl. Wir dürfen jetzt ihn nicht
  979. erzen. Emilia, hättet ihr ihn doch nie gesehen. Des Dämoner? Das wollte ich nicht. Mein Herz hängt so an ihm, daß selbst sein Zorn, sein Trotz, sein
  980. Eigensinn. Komm, steck mich los. Mir lieb und reizend dünngt. Emilia, die Tücher legt dich auf, wie ihr es
  981. befahlt des Demona. Es ist alles eins. Ach, was wir töricht sind. Sterb ich vor dir, so bitte ich. Hülle mich in eins von diesen
  982. Tüchern. Emilia, geht ihr schwarzt. Des Dämon. Meine Mutter hat ein Mädchen. Berbel hieß sie. Die war verliebt und treulos war ihr Schatz und lief davon.
  983. Sie hat ein Lied von Weide, ein altes Ding, doch passt es für ihr Leid. Sie starb, indem sie es sang. Das Lied heute Nacht kommt mir
  984. nicht aus dem Sinn. Ich habe zu schaffen, dass ich nicht auch den Kopf so hängen und singe wie das arme Bärbel. Bitte dich, mach
  985. Geschwind. Emilia, soll ich euer Nachtkleid holen? Das Demona. Nein, steck mich hier nur los. Der Lodovico ist ein feiner
  986. Mann. Emilia, ein recht hübscher Mann. Des Demäona, er spricht gut. Emilia, ich weiß eine Dame in Venedig, die wäre barfuß nach Palästina gegangen,
  987. um einen Druck von seiner Unterlippe. Das Dämonar sinkt. Das Märktlein saß singend am Feigenbaum früh singt Weide, grüne
  988. Weide. Die Hand auf dem Busen, das Haupt auf dem Knie sinkt weide, weide Weide. Das Bächlein, es murmelt und stimmelt mit ein, sinkt weide, grüne Weide. Heiß
  989. rollt ihr die Tränen undterweicht das Gestein. Leg dies beiseite. Singt weiter. Singt weide, weide, weide. Bitt dich, mach schnell,
  990. er kommt gleich. Singt von Weiden Allflecht. Ich mir nun den Kranz. So schellt die nicht. Sein Zorn ist mir recht. Nein, das kommt später. Horch,
  991. wer klopft da? Emilia, es ist der Wind. Das Dämonar singt. Ich nannte ihn, du falscher. Was sagt er dazu? Singt weide, grüne
  992. Weide. Sehe ich nach den Mädeln, nach den Buben siehst du? So, geh nun fort. Gute Nacht. Mein Auge juckt. Bedeutet das wohl
  993. Tränen? Emilia. Ei, mit nichten des Dämoner. Ich hörte es so. Die Männer, oh die Männer. Glaubst du auf deinen gewissen Sprich, Emilia, dass wirklich
  994. Weiber sind, die ihre Männer so gröblich täuschen? Emilia, solche gibt's kein Zweifel. Des Dämona, hättest du dergleichen um die ganze
  995. Welt, Emilia. Nun hättet ihr es nicht. Des Dämon beim Lichte des Himmels. Emilia, ich tätte es auch nicht bei Himmelslicht. Ich könnte es ja im
  996. Dunkeln. Desona du dergleichen um die ganze Welt, Emilia. Die Welt ist mächtig weit. Der Lohn wä groß klein der Verstoß.
  997. des Dämoner. Gewissß du tätzt es nicht. Emilia gewisß ich tät es und macht es wieder ungetan, wenn ich es getan hätte. Nun freilicht hätte ich so
  998. etwas nicht für einen Fingerring, noch für einige Ellenbist, noch für Mäntel, Röcke und Hauben oder solchen armseligen Kram, aber für die ganze Welt. Ei, wer
  999. hätte da nicht Lust, dem Mann Hörner aufzusetzen und ihn zum Weltkaiser zu machen? Dafür wagte ich das Fegefeuer des Demona. Ich will des Todes
  1000. sein. Tätte ich solch Unrecht auch um die ganze Welt. Emilia ein nun das Unrecht ist doch nur ein Unrecht in der Welt. Und
  1001. wenn euch die Welt für eure Mühe zu Teil wird, so ist's ein Unrecht in eurer eigenen Welt. Ihr könnt es Geschwind zurecht
  1002. machen. Des Demona. Ich glaube doch, es gibt kein solches Weib. Emilia zehn für eins und noch so viel in Kauf. Die Welt, um die sie spielten,
  1003. gleich zu füllen. Allein mich dünkt, es ist der Männerschuld, das Weiber fallen. Wenn sie Pflicht vergessen in fremdem Schoß, vergeuden unseren Schatz. Wenn
  1004. sie verkehrt in launischer Eifersucht ans Haus uns fesseln, wenn sie gar uns schlagen. Wenn sie in Leichtsinn unser Gut vertun, dann schwillt auch uns die
  1005. Galle. Wir sind fromm, doch nicht von Rachsucht frei. Sie sollen's wissen. Wir haben Sinne auch. Wir sehen und riechen und haben einen Gaum für süß und herbe
  1006. wie unsere Männer. Was bezwecken Sie, wenn Sie uns andere vorziehen? Ist das Lust? Ich denke ja. Treibt sie die Leidenschaft? Ich denke ja. Ist's
  1007. Schwachheit, die so irrt? Gewissß. Und haben wir nicht Leidenschaft, nicht Hang zur Lust? und Schwachheit gleich den Männern. Drum der
  1008. Mann sich treulos von uns kehrte, war es seine Bosheit, die uns Böses lehrte. Des Demona. Gute Nacht. Und lass mich, Herr,
  1009. in fremden Sünden nicht eigene Sünde. Lass mich Besserung finden. Sie gehen
  1010. ab. Fünfter Akt. Erste Szene. Zypern, eine Straße. Jago und Rodrigo treten
  1011. auf. Jago, hier stehe am Pfeiler. Gleich wird Casio kommen. Halt deine Klinge blank und für sie gut. Frisch sei getrost. Ich
  1012. stehe dir nah zur Hand. Dies hebt uns oder stürzt uns. Daran denke. Und bleibe fest und standhaft beim Entschluss.
  1013. Rodrigo. So. Steh hier nah. Es könnte mir misslingen. Jago, neben dir, sei köhn. Nimm deinen Platz ein. Zieht sich in
  1014. eine geringe Entfernung zurück. Rodrigo, ich bin nicht sehr im Eifer für die Tat. Und doch sind's triftige
  1015. Gründe, die er gab. Es geht nur ein Mann drauf. Komm, mein Schwert. Er stirbt. Tritt
  1016. beiseite. Jago. Ich rieb die junge Quaddel bis sie brennt. Nun macht er ernst. Jetzt ob er Casio mordet, ob Casio ihn,
  1017. ob sie sich beide morden. Mir ist das gleich gelegen. Lebt Rodrigo, so dringt er auf den völligen Ersatz des Gelds und Schmucks, um die ich ihn geprellt für
  1018. des Demoner. Das darf nicht sein. Wenn Cassio übrig bleibt, so zeigt sein Leben täglich eine Schönheit, die mich
  1019. verhässlich und der Moh auch möchte mich ihm verraten. Das wäre sehr bedenklich. Nein, nein, er sterbe. Still, ich höre ihn kommen. Cio
  1020. tritt auf. Rodrigo, es ist sein Gang. Er kommt. So, stirb du Schurk. Er läuft auf
  1021. Casio zu und verwundet ihn. Casio, der Degenstoß war feindlich mir gemeint. Doch ist mein Rock stichfester als du glaubst. Nun prüfe
  1022. ich deinen zieht und verwundet Rodrigo. Rodrigo wie? Ich bin des Todes. Sie fechten. Casio verwundet den Rodrigo. Jago eilt von seinem Posten
  1023. hervor, sticht dem Casio von hinten ins Bein und geht ab. Casio gelähmt auf immer. Hilfe, Mörder, Mörder.
  1024. Er fällt. Otello zeigt sich oben in einiger Entfernung. Otello, ist Cassios Stimme. Jago hält sein
  1025. Wort. Rodrigo: Oh, ich verruchte Otello. Hch. Jawohl, so ist's. Coio. Oh, Hilfe. Licht. Ein Wundarzt. Otello. Er ist's.
  1026. Wakra Jago, brav und treu, der du so edel fühlst des Freundes Schmach, du lehrst mich, Püppchen, dein Geliebter viel und
  1027. deine Stunde naht. Ich komme, Dirne. Dein Blick, dein Reiz soll mir im Herzen sterben. Dein sündig Bett, das Blut der Sünde
  1028. färben. Der geht ab. Lodovico und Graziano treten in einiger Entfernung auf. Casio, kein Wächter da. Kommt niemand.
  1029. Hilfe, Mord. Graziano, ein Unglück. Ganz gewiss der Schreiber furchtbar. Casio. Oh, Hilfe. Lodovico. Horch. Rodrigo. Oh, niederträchtiger Bube. Lodovico. Zwei
  1030. dreimal hörte ich ächtzen. Grause Nacht. Das kann Verstellung sein. Ich halt's nicht sicher, dem Schrei zu folgen. Eh uns Beistand wird. Rodrigo kommt
  1031. niemand, dann muss ich zu Tode bluten. Jago kommt mit einem Lichte. Lodovico, Horch, Graziano, ein Mann hier ohne Wams mit Licht und
  1032. Degen. Jago, wer da? Was für ein Lärm. Wer rief hier Mord? Lodovico, wir wissen es nicht. Jago, habt ihr nicht schreien gehört? Cio
  1033. hier, hier, um Gottes Willen, helft. Jago, was gibt's? Graziano, das ist Otellos Frig, wie ich glaube. Lodovico. Ganz recht, er ist ein sehr beherzter
  1034. Mann. Jago, wer seid ihr da, der so erbärmlich ruft? Csio. Ja. Von Schurken bin ich schwer verwundet.
  1035. Ach, schaff mir Hilfe. Jago Um Gott sagt Leutnand. Welche Schurken taten?
  1036. Cio eine, denke ich, liegt hier in der Nähe und kann nicht fort. Jago. Oh, die arg Listkenschurken zu. Lodovico und
  1037. Graziano. Wer seid ihr da? Kommt doch heran und helft. Rodrigo. Oh, helf mir hier. Casio, der war
  1038. dabei. Jago, oh Schurk, oh Meuchelmörder. Jago ersticht den Rodrigo. Rodrigo, verdammte Jago,
  1039. Bluthund. Oh, oh, oh. Jago, im Dunkeln Morden. Wo sind die
  1040. blutigen Diebe? Wie still sind diese Straßen? Mord, Mord, Mord. Wie mögt ihr sein? Seid gut, ihr oder schlimm? Lodovic, rühmt uns, wie ihr uns
  1041. findet. Jago. Seor Lodovico. Lodovico. Ja, Herr Jago. Verzeihung. Hier liegt Casio, schwer verwundert von
  1042. Schurken. Graziano, Casio. Jago, sag, wie geht dir es, Bruder? Ciochs Bein
  1043. gestochen. Jago, Gott verhüt. Bringt Licht, Herren. Mit dem Hemd will ich es verbinden. Bianca tritt auf. Bianca, was ist geschehen? Wer war es, der so
  1044. schrie? Jago, wer war es der? Schrie Bianca. Oh, liefster Co. Oh, mein süßer Casio. Oh, Casio. Casio,
  1045. Casio. Jago Oh, du ausbündige Metze. Cio wisst ihr, wer jene waren, die euch so gelähmt? Cio? Nein, Rziano, ich schmerzt euch so zu sehen.
  1046. Ich sucht euch eben. Jago, leid mir ein Strumpfband. So. Oh, eine Senfte ihn leise fortzutragen. Bianca, er fällt in
  1047. Ohnmacht. Casio, Casio, Casio. Jago, ihr Herren, mir ahnt es, die Verworfene hier sei mit verstrickt in diese
  1048. Greultat. Geduld ein wenig, lieber Co. Kommt ein Licht her. Kenne ich den da oder nicht? Ach Gott, ist das mein Freund und werter
  1049. Landsmann Rodrigo? Nein. Und doch. Oh Gott, Rodrigo. Graziano. Rodrigo von Venedig. Jago, derselbe. Kennt ihr ihn?
  1050. Graziano. Ja, allerdings. Jago. Seor Graziano. Oh Herr, ich bin beschämt. Der blutige Fall. Entschuldige meine Raheit, die
  1051. euch misskannt. Graziano, es freut mich euch zu sehen. Jago Co, wie geht's? Die Senfte.
  1052. Hey, die Senfte. Graziano. Rodrigo Jaggo. Ja, ja, er ist. Oh, schön. Eine Senfte wird gebracht. Da
  1053. kommt die Senfte. Tragt ihn mit Sorgfalt heim, ihr guten Leute. Ich hole Otos Wundarzt zu Bianca. Ihr da Jungfer, spart eure Mühe. Csio, der hier gelämt
  1054. wart, ist sehr mein Freund. Was hattet ihr für Streit? Cio nichts in der Welt. Ich kenne ihn nicht
  1055. einmal. Jago zu Bianca. Wie seht ihr blasse aus? Tragt ihn aus der Luft. Cio und Rodrigo werden
  1056. weggetragen. Bleibt werter Herren, hier Jungfer. Seht so blass aus. Bemerkt ihr, wie verstört ihr Auge star? Nun, bebt ihr gar, erfahren wir wohl
  1057. mehr. Betrachtet sie, ich bitte euch. Seht sie an. Nicht wahr, ihr Herrn? Ihr schlecht Gewissen spricht, wenn auch die Zungen gar nicht reden
  1058. könnten. Emilia tritt auf. Emilia, was ist geschehen? Ach Mann, was ist geschehen? Jago Cio hier im Dunkeln angefallen. Rodrigo war es und andere,
  1059. die entflohen. Er ist halb umgebracht. Rodrigo starf. Emilia. Ach Gott, der arme Herr. Ach, guter
  1060. Casio. Jago, das ist der Unzuchtstrafe. Hör Emilia, frag doch den Cio nachts gespeist. Zu Bianca. Was zittert ihr
  1061. davor? Bianca? Er aß bei mir, doch davor zittere ich nicht. Jago? Ha, tat er das? Kommt, sag ich. Folgt mir nach. Emilia, fui, schlechtes Weib. Bianca,
  1062. ich bin kein schlechtes Weib. Ich bin so ehrlich, als ihr, die so mich schimpft. Emilia, als ich. Oh, pfui, Jago, kommt, Herren, zu sehen, wie
  1063. Casio wird verbunden. Ihr Jung vergeht. Euch zeigt man's bald noch anders. Emilia, lauf zur Zitadelle und melde dem Herrn und seiner Frau, was hier geschah.
  1064. Ich bitte, geht voran. Für sich dies ist die Nacht, die mich vernichtet oder glücklich
  1065. macht. Sie gehen ab. Zweite Szene: Zypern, Schlafzimmer im Schloss. Des Dämon schlafend im Bett.
  1066. Ein Licht brennt neben ihr. Otello tritt herein. Otello, die Sache will's. Die Sache will's, mein
  1067. Herz. Lasst sie mich euch nicht nennen. Keuschesterne, die Sache will. Doch nicht ihr Blut vergieß ich. Noch ritz sich diese Haut so weiß wie
  1068. Schnee und sanft wie eines Denkmals aller Bastter. Er legt seinen Degen ab. Doch sterben muss sie, sonst betrügt sie
  1069. andere. Tu aus das Licht und dann Tu aus das Licht. Ja, lösche ich dich, du flammenheller Diener. Kann ich dein vorig Licht dir wiedergeben? Sollte
  1070. ich's bereuen. Doch dein Licht ausgetan, du reizend Muster herrlichster Natur. Nie finde ich den Promethusfunken wieder dein Licht zu
  1071. zünden. Pflückt deine Rose. Nie kann ich ihr den Lebenswuchs erneuen. Sie muss muss wecken. Dufte mir am
  1072. Stamm. Er küsst sie. Hört Gehauch, der Selbstgerechtigkeit ihr schwer zu brechen
  1073. zwingt. Noch einen noch. Sei, wenn du tot bist, so dann töte ich dich und liebe dich nachher. Noch einen und den
  1074. letzten. So süß war nie so tödlich. Ich muss weinen. Doch sind's grausame Tränen. Dieser Schmerz ist wie des Himmels
  1075. strafend, wo er liebt. Sie wacht. Des Dämon. Wer da?
  1076. Otello. Otello. Ja. Desona. Desona. Wollt ihr zu Bett gehen, mein Gemahl? Otello, hast du zur Nacht
  1077. gebetet? Des Demona. Des Demona? Ja, mein Gemahl. Otello, kannst du dich einer Sünde noch
  1078. erinnern? Nicht ausgesöhnt dem Himmel und der Gnade? So flehe jetzt als bald. Der Stäona. Ach, mein Gemahl. Was willst du damit
  1079. sagen? Otello wohl. Tu es und sei kurz. Ich gehe beiseite. Nicht möchte ich deinen Geist in Sünden
  1080. töten. Nein, Gott verhütz, nicht deine Seele töten. Des Dämona, sprichst du von
  1081. töten, Otello? Ja, des Demona. Dann gütiger Himmel, erbarm dich mein Otello. Amen. Von ganzem
  1082. Herzen. Desona. Wenn du so sprichst, dann wirst du mich nicht töten.
  1083. Otello, der Stämona und dennoch fürchte ich dich, denn du bist schrecklich, wenn so dein Auge rollt. Warum ich fürchten sollte, weiß ich nicht. Da ich von
  1084. Schuld nichts weiß. Doch fühle ich, dass ich fürchte. Otello, denk deiner Sünde des Dämoner. Das ist zu dir die
  1085. Herzensliebe, Otello. Und dafür stirbst du des Dämoner. Grausamer Tod, der nur um Liebe tötet. Ach, warum nagst du so die
  1086. Unterlippe? Dein ganzer Leib erbebt im Blut Gavut. Das sind Vorzeichen. Doch ich hoffe, ich hoffe, sie deuten nicht auf
  1087. mich. Otello schweig und sei still. Des Demona, ich schweige. Was begehrst du, Otello, das Tuch, das ich so wert
  1088. hielt und dir schenkte. Du gabst es Casio. Desona? Nein, bei Seele und Leben. Ruf ihn herbei und frag ihn. Otello, behüte, Kind, behüte dich vor
  1089. mein Eid. Du liegst auf deinem Sterbebette. Der Stemona. Ja, doch nicht jetzt zu sterben. Otello. Ja, als bald. Drum
  1090. bekenn aufrichtig deine Sünde, denn jeden Punkt mit einem Alt verleugnen hö auf nicht, traf nicht meine Überzeugung, die mein Herz stöhnen macht. Du stehst
  1091. vorm Sterben. Desona dann Gott erbarm dich. Mein Otello. Ich sage
  1092. Amen. Des Dämon auch du erbarm dich mein nie habe ich dich jemals beleidigt Cio nie geliebt als mit der Liebe, die der Himmel selbst gestattet. Niemals gab ich
  1093. ihm ein Pfand. Otelo, bei Gott, ich sah mein Tuch in seinen Händen. Mein eig Weib, du machst mein Herz zu Stein und gibst dem Namen
  1094. Mord, was ich tun will, was ich als Opfer meinte. Ich sah das Tuch. Das Dämona, so hat er es denn gefunden. Nie habe ich es ihm gegeben.
  1095. Ruf ihn her, dass er bekennt, wie es ist. Otello, er hat bekannt des Demona. Was? Teure Herr
  1096. Otello, das er dein Freund gewesen. Des Demona, wie? Unerlaubt. Otello. Ja, der Demona, das kann er nicht
  1097. sagen. Otello. Oh nein, sein Mund ist stumm. Der treue Jago hat dafür gesorgt. Des Demona. Oh, eine Furcht erklärt das. Wie er tot?
  1098. Otello. Ob jedes Haar ein Leben war, mein Grim verschlang sie alle. Das Dämoner. Oh Gott, er ist verläumdet. Ich
  1099. verloren. Otello Ha, Metze, weinst um ihn vor meinen Augen? Das Dämoner. Verstoße mich und töte mich nur nicht.
  1100. Otello, nieder mit dir Metze des Demona, töte mich morgen. Lass mich heute noch leben. Otello, kein Sträuben. Das Dämona, nur ein
  1101. Stündchen. Otello, ist geschehen, gibt es kein Zaudern mehr. Des Dämona, nur bis ich noch gebetet. Otello, es ist zu spät.
  1102. Er erstickt sie. Emilia draußen. Mein gnädiger Herr. Hey, hol gnädiger
  1103. Herr. Otello. Was für ein Lärm. Nicht tot. Noch nicht ganz tot. Ich bin zwar grausam, aber doch
  1104. barmherzig. Nicht möchte ich dir verlängern deine Qual. Ersticht sie mit dem Dolch.
  1105. So. So. Emilia draußen. Hey, Holler. Gnädiger Herr. Otello. Wer da? Emilia. Oh, bester Herr, nur auf ein Wort mit
  1106. euch. Otello. Ja, Süß Emilia. Gleich. Jetzt ist sie tot. Gewiss. Sie kommt und meldet Cos
  1107. tot. Der Lärm war groß. Regst du dich nicht mehr? Stell wie das
  1108. Grab. Darf sie herein? Wer es gut? Mir deucht, sie rührt sich.
  1109. Nein. Was ist das Beste? Kommt sie wird sie nach meinem Weibe fragen. Ein
  1110. Weib? Ein Weib. Welch Weib! Ich habe kein Weib." Unerträglich furchtbare
  1111. Stunde. Nun, dächtig, müsste ein groß verfinstern sein an Sonn und Mond und die erschreckte Erde sich auftun vor Entsetzen. Emilia draußen, ich bitte
  1112. euch dringend, gönnt mir nur ein Wort, oh bester Herr. Otello. Oh, ich vergaß dich. Komm herein, Emilia. sagt gleich
  1113. sogleich. Ich ziehe den Vorhang zu. Wo kommst du her? Er schließt die Tür auf. Emilia tritt herein. Was hast du mir zu sagen,
  1114. Emilia? Oh, lieber Herr, ein sündiger Mord geschah. Otello, wie jetzt? Emilia, jetzt eben,
  1115. Herr Otello, das hat wahrhaftig nur der Mond verschuldet. Er kommt der Erde näher, als er pflegt und macht die Menschen
  1116. rasend. Emilia Cio Herr bracht einen jungen Venezianer um, genannt Rodrigo. Otello, was? Rodrigo tot und Casio tot. Emilia? Nein, Casio ist nicht
  1117. tot. Otello, Casio nicht tot, dann klingt der Mord verstimmt und rau die süße
  1118. Rache des Dämoner. Oh, ungerechter Mord. Emilia, Gott, welcher Schrei war das? Otello,
  1119. das was? Emilia. Oh heiliger Gott, die Stimme meiner Herrin. Helf, hilft. Oh. Hilft! Oheure, sprecht noch einmal. Oh, des Demona, süße Herrin,
  1120. sprecht. Des Dämon. Ich sterbe schuldlos. Emilia. Oh, wer hat die Tat vollbracht? Das
  1121. Dämoner. Niemand. Ich selber. Lebe wohl. Empfiehl mich meinem gütigen
  1122. Herrn. wohl. Sie stirbt.
  1123. Otello, wie wä sie denn ermordet? Emilia, Gott, wer weiß es? Oto, du hörst es von dir selbst. Ich tat es nicht.
  1124. Emilia, so sagte sie. So muß ich's treu berichten, Otello. Sie fuhr als Lügnerin zur Flammenhölle. Ich war ihr
  1125. Mörder. Emilia. So mehr Engel sie und ihr so schwerzer Teufel. Otello. Sie fiel der Sünd an
  1126. heim und war zur Emilia. Nein. Du verläumdest sie. Du bist ein Teufel. Otello, sie war wie Wasser falsch.
  1127. Emilia, und du bist wild wie Feuer, wenn du sie der Falschheit zeißt. Oh, sie war himmlisch treu. Otello, Casio verführte sie,
  1128. fragte einen Mann. Verdammt wäre ich zum tiefsten Höllenabgrund, wenn ich nicht Vorschritt auf gerechtem Grund zu diesem äußersten. Dein Mann weiß
  1129. alles. Emilia, mein Mann. Otello, dein Mann. Emilia. Da sie die Ehe brach. Otello, ja doch mit Cio wäre sie treu gewesen. Schuf mir
  1130. auch eine zweite Welt der Himmel aus einem fehlos reinen Krüsolit. Ich gab sie nicht dafür. Emilia, mein
  1131. Mann. Otello. Jawohl. Er war es der mich zuerst gewarnt. Er ist ein Ehrenmann und hasst den Schlamm schandbarer Gold tat. Emilia, mein Mann.
  1132. Otello, wozu die Wiederholung, Weib? Ich sag's dein Mann. Emilia, oh, teure Frau. Bosheit treibt Sport mit Liebe. Mein Mann sagt,
  1133. dass sie falsch ist. Otello, Weib, er sagt's. Dein Mann, dein Mann, verstehst du? Mein Freund, dein Mann. Der wachreckre
  1134. Jago. Emilia sagt er es, mag ihm die giftige Seele täglich verfaulen, um den Gran. Er lügt als Schelm. Sie liebte nur zu
  1135. sehr ihr schmutzig eigen. Otello. Ha. Emilia, tu dein ärgstes. So wert ist diese deine Tat des Himmels als ihrer du. Otello. Am besten wohl du
  1136. schwiegst. Emilia, du hast nicht halb die Kraft mir weh zu tun, als ich's zu tragen. Dummkopf, blöder Tor, Hirnlos wie Kot.
  1137. Die Tat, die du getan. Was kümmert mich dein Schwert? Ich mache es kund und Geld ist 20 Leben. Helf, hft, hälft. Der Mo hat meine Frau
  1138. erwirkt. Mord, Mord. Montano, Graziano und Jago treten auf. Montano, was geht hier vor? Was gibt es?
  1139. General Emilia. Oh, kommst du, Jago? Hi, du machst es schön, daß ihre Mordat auf dich schieben. Graziano, was geht hier vor?
  1140. Emilia, straf diesen Bösewicht Lügen, wenn du Mann bist. Er spricht: "Du sagtest ihm, sein Weib sei falsch. Ich weiß, das tatst du nicht. Du bist kein
  1141. Schelm. Sprich, denn mein Herz ist voll." Jago, ich sagt ihm, was ich dachte. Sagt auch nichts als er selbst glaubwürdig
  1142. fand und war. Emilia, so hast du je gesagt, sie sei nicht treu, Jago, ich tat's. Emilia, das war eine Lüge.
  1143. Schnöde höllische Lüge. Bei Gott eine Lüge. Recht verdammte Lüge. Sie falsch mit Casio. Sagtest du mit Casio. Ja.
  1144. Mit Cio still, bändige deine Zunge. Emilia, die Zunge bändigen. Reden will ich laut. In ihrem Bett liegt meine Frau
  1145. ermordet. Alle. Oh Gott, verhüt Emilia. Und dein Verhetzen stiftete den Mord. Otello. Nein, start nicht so. Ihr
  1146. Herrens ist wirklich wahr. Graziano. Unselige Wahrheit. Montano, ungeheure Tat. Emilia. Oh, Schurkerei. Verruchte
  1147. Schurkerei. Ich denke dran. Ich denke, ich merk's. Oh, Schurkerei, ich dachte es gleich. Vor Grab möchte ich mich töten. Oh, Schurkerei. Oh,
  1148. Schurkerei. Jago, was bist du toll? Geh gleich nach Haus, befehle ich. Emilia, ihr edlen Herren, vergönnt mir, dass ich rede. Ihm zu gehorchen zieh mir
  1149. doch nicht jetzt. Vielleicht gehe ich nie mehr nach Hause. Jago
  1150. Otello Er wirft sich auf das Bett über seine Frau gebeugt. Emilia, ja, wirf dich hin und brülle, weil du gemordet hast, die holzte Unschuld, die je den
  1151. Blick erhob. Otello erhebt sich. Oh, sie war schlecht. Ich sah euch nun erst um. Ja, diese Hand hat wirklich eure Nichte
  1152. jetzt ermordet. Ich weiß, die Tat sieht gräulig aus und schwarz. Graziano, du armes Kind. Gut, dass dein
  1153. Vater starb. Dein Bündnis ward ihm tödlich. Gram allein zerschnitt den alten Faden. Lebt er jetzt? Der Anblick wird ihn in Verzweiflung stürzen, daß er
  1154. den guten Engel von sich fluchte, sein Seelenheil gefährdend. Otello. Oh, es ist
  1155. jammervoll. Doch Jago weiß, dass sie die schnöde Tat mit diesem Casio wohl hundertmal beging. Casio Gestanz und sie vergalt ihm seine Liebesglut mit dem
  1156. Gedächtnispfand und Brautgeschenk, das ich ihr gab. Ich saß in seiner Hand. Es war ein Tuch, ein altes Angedenken, das einst mein Vater meine Mutter
  1157. gab. Emilia. Oh, all ihr Himmelsmächte. Jago, willst du schweigen, Emilia? Es muss heraus. Heraus jetzt schweigen. Nein, ich will
  1158. reden, ungehemmt wie Nordwind. Das Himmel, Menschen, Teufel, alle, alle Schmach rufen über mich. Ich rede doch. Jago, sei klug und geh nach Haus.
  1159. Emilia, ich will nicht. Jago macht Mene sie zu erstechen. Graziano Fui, den Degen auf ein Weib.
  1160. Emilia, oh dummer, das Tuch, von dem du sagst, fand ich durch Zufall und gab's meine Manne. Denn oft mit feierlichem Ernst und Nachdruck, mehr als für solche
  1161. Kleinigkeit sich ziehte, hieß erst mich stehlen. Jago, du verdammte Metze. Emilia, sie gab es Cio? Nein. Ach nein,
  1162. ich fand's und gab es meinem Mann. Jago, du Dreck. Du lügst, Emilia. Wei Gott, ich lüge nicht. Nein, ihr edlen Herren. Mörderischer Narr. Was
  1163. sollt auch dieser Tropf mit solcher guten Frau? Jago ersticht seine Frau und läuft fort. Otello, gibt's keinen Keil im
  1164. Himmel als nur zum Donner? Auserlesener Schurke. Graziano, sie sinkt wahrhaftig. Er erstar sein Weib.
  1165. Emilia. Ja. Ja. Wo legt mich neben meine Herrin?
  1166. Montano? Sie ist ein Erzbösewicht. Bewahrt dies Schwert, dass ich jetzt hier dem Mooren weggenommen. Besetzt die äußere Tür. Lasst ihn nicht
  1167. durch. Er stecht ihn eher. Ich will den Buben nach, denn der ist ein verdammter Hund. Montano und Graziano ab. Otello, ich bin auch nicht mehr
  1168. tapfer. Nein, jeder winzige Knab nimmt mir mein Schwert. Was soll auch Ehre Tugend überleben? Fahr alles
  1169. hin. Emilia Herrin, was sang dein Lied? Hörst du mich noch? Ich will den
  1170. Schwan nun spielen. In Tönen sterben. Weide, beide, weide.
  1171. Moor, sie war ke kusch. Sie liebte dich, Barbar. So werde heil mir, wie ich Wahrheit
  1172. zeuge. Und redend, wie ich denke, sterbe ich.
  1173. Sterb ich? Sie stirbt. Otello, ich habe noch einen Degen hier
  1174. im Zimmer. Es ist ein spanisch Schwert in Eis
  1175. gehärtet. Hier ist's. Oh. Ich muss hinaus. Graziano draußen. Wenn du es versuchst, wirst du es teuer büßen. Du bist wehrlos
  1176. und musst dich unterwerfen. Otelo, so komm denn hier herein und sprich mit mir, sonst mit der nackten
  1177. Faust falle ich dich an. Graziano im Here: "Was willst du mir?"
  1178. Otello, sie her. Ich habe ein Schwert. Ein besseres hat noch nie geschmückt, die Hütte eines Soldaten. Wohl war einst der Tag, wo mir
  1179. der kleine Arm, dies gute Schwert, den Ausgang schaffte durch mehr Hindernis als 20 mal dein Zwang. Doch Heitlos
  1180. bren. Wer lenkt sein Schicksal? Das ist jetzt vorbei. Seid nicht erschreckt, dass ihr bewährt mich seht.
  1181. Hier ist mein Reiseziel, mein Ankerplatz, die fernste Seemark für mein Ruhenschiff. Trittst du zurück in Furcht? Du bankst ohne Grund. Zück nur
  1182. ein Schilfrohr auf Otellos Brust. Er weicht ihm. Wohin sollt Otello gehen? Ach, wie siehst du nun aus, oh,
  1183. Kind des Jammers? gleich wie deeder ein Tuch. Wenn wir am Thron erscheinen, wird dies dein Bild mich fort vom Himmel schleudern, wo Furien mich
  1184. ergreifen. Kalt, mein Mädchen, wie deine Käuschheit. Oh, ich verfluchte das Sklav. Peitscht mich, ihr Teufel, weg
  1185. von dem Anblick dieser Himmelsschönheit. Stürmt mich in Wirbeln, röstet mich in Schwefel, wascht mich in tiefen Schlünden flüssiger Glut. Oh, das ist
  1186. Demon des Demon tot. Oh. Oh. Oh. Lodovico, Casio, der geführt wird, auf einem Stuhl hereingetragen. Montano,
  1187. Jago als Gefangener und Offiziere. Lodovico, wo ist der rasche, höchst unselige Mann? Otello, hier steht der einst Otello war.
  1188. Hier bin ich. Lodovico, wo ist die Natta? Führt den Schurken vor. Otello, ich sehe ihm auf den Fuß. Doch
  1189. das ist Fabel. Bist du ein Teufel, kann ich dich nicht töten. Otello verwundet den
  1190. Jago. Lodovico, nehmt ihm sein Schwert. Jago, ich blute, doch ich lebe. Otello, sonst tät es mir auch leid. Du sollst noch leben, denn wie ich
  1191. fühl, ist tot Glückseligkeit. Lodovico. Oh, du Otello, sonst so groß und gut, umgarend von Schlingen eines
  1192. Bösewichts. Was soll man von dir sagen? Otello, wenn ihr wollt, daß ich ein ehrenvoller Mörder sei, denn nichts tat ich aus Hass, für Ehre,
  1193. alles. Lodovico. Halb hat der Sklav sein Schurkenstück bekannt. Habt ihr mit ihm in Cassios Tod
  1194. gewilligt? Otello. Ja, Co. Teurer Herr, ich gab euch niemals Grund. Otello, ich glaube es und bitte um dein
  1195. Verzeihen. Wollt ihr von diesem Teufel wohl erfragen, warum er Seel und Leib mir so verstrickt?
  1196. Jago, fragt mich um nichts mehr. Was ihr wisst, das wisst ihr. Von dieser Stund an rede ich kein Wort. Lodovico, was nicht zum Beten?
  1197. Graziano Folter wird dich lehren. Otello, gut, du tust so am besten. Lodovico, ihr sollt erfahren, Herr, was sich begab. Noch glaube ich,
  1198. wisst ihr es nicht. Hier ist ein Brief, der sich in das Rodrigo Tasche fand und hier ein zweiter. Jener dort enthält, wie zu dem Mord an Casio aufgefordert
  1199. Rodrigo wart. Otello, nichts würdiger. Casio, höchst haltnisch, höchst verrucht. Lodovico, ein anderer
  1200. Brief, verstimmt und voller Zweifel, gefunden auch bei ihm. Und diesen Scheins wollte Rodrigo an den Schurken senden, doch kam indwohl Jago selbst zu
  1201. ihm, ihn zu beruhigen. Otello, meuchlerischer Hund, wie kamst du, Csio, denn zu jenem Tuch von meiner Frau?
  1202. Cio fand's auf meinem Zimmer und er gestand in diesem Augenblick, daß er es dort fallen ließ aus eigener Absicht, zu schlechtem
  1203. Zweck. Otello, o Thor! Thor! Thor! Casio! Dann weiter steht im Brief Rodrigos noch der Vorwurf, wie in Jago
  1204. aufgehetzt, mir auf der Wach zu trotzen, was bewirkte, dass abgesetzt ich ward. Und eben sagt er, erwacht vom Scheint, daß Injo, reizte, mich anzufallen und
  1205. ihn dann erstar. Lodovico, ihr müsst jetzt mit uns dieses Haus verlassen. Gewalt und Vollmacht
  1206. sind euch abgenommen. Casio befielt in Zypern. Dieser Schurke, gibt's irgendeine recht geschärfte Matha, die lang ihn hinhält und erfindrisch quält,
  1207. die sei für ihn. Ihr bleibt in strenger Haft, bis über eure Tat berichtet wart, dem Staat Venedis. Geht und führt ihn
  1208. hinweg. Otello, gemach. Nur noch zwei Worte, ihr geht. Ich tat Venedig manchen Dienst. Man weiß es nichts mehr davon.
  1209. In euren Briefen bitte ich, wenn ihr von diesem Unheil Kunde gebt, sprecht von mir, wie ich bin. Verkleinert nichts, noch setzt in Bosheit
  1210. zu. Dann müsst ihr melden von einem, der nicht klug, doch zu sehr liebte. Nicht leicht arg wöhnte, doch einmal erregt unendlich raste. Einem, dessen Hand dem
  1211. niedern Juden gleich die Perle wegwarf, mehr wert als all sein Volk. Des überwundenes Auge, sonst nicht gewöhnt zu schmelzen, sich ergießt in Tränen,
  1212. die Arabiens Bäume tauen von heilungskräftigem Balsam. Schreibt das alles und fügt hinzu, dass in Aleppo, wo ein giftiger
  1213. Türk in hohem Turbahn einst einen Venetianer schlug und schalt den Staat, ich den beschnittenen Hund am Hals ergriff und traf ihn.
  1214. So er ersticht sich. Lodovico. Oh, blutiges Ende. Graziano, umsonst unser
  1215. Wort. Otello, ich küsste dich, ehe ich dir tot gab. Nun sei dies der
  1216. Schluss, indem er auf das Dämon fällt, mich selber tötend, sterb ich so im Kuss. Coio, dieses fürchte ich, doch glaubt
  1217. ihn ohne Waffen, denn er war hochgesinnt. Lodovico zu Jago. Spartanischer Hund, verderblicher als Hunger, Pest und Meer. Schau dort, die
  1218. tragische Bürde dieses Betts, das ist dein Werk. Das Augliegt im Anblick, verhüllt ihn. Ihr Graziano, bleibt im Schloss und
  1219. nehmt es Mohengüter in Beschlag, denn ihr beerbt ihn. zu Casio. Euch, Herr Gouverneur, liegt ob zu strafen diesen höllischen
  1220. Schurken. Die Zeit, der Ort, die Martha. Oh, verschärft sie. Ich will sogleich an Bord und dem Senat mit schwerem Herzen künden schwere
  1221. Tat. Alle gehen ab. Der Vorhang fällt.

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