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Orson Welles’ Othello
Orson Welles' Othello (Originaltitel: Othello) ist ein Filmdrama des US-amerikanischen Regisseurs Orson Welles aus dem Jahr 1951 nach dem Theaterstück Othello …
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Film und Bedeutung
Orson Welles’ Othello ist ein 91-minütiges Filmdrama von 1951 nach William Shakespeares Theaterstück Othello. Der in englischer Sprache gedrehte Film entstand als Produktion aus Marokko und Italien und ist ab 12 Jahren freigegeben. Orson Welles führte Regie, schrieb das Drehbuch, produzierte den Film und spielte die Titelrolle. Weitere Hauptrollen übernahmen Micheál Mac Liammóir als Iago und Suzanne Cloutier als Desdemona. Die Musik komponierte Angelo Francesco Lavagnino, die Kamera führte Anchise Brizzi.
Die Verfilmung verdichtet das etwa dreistündige Theaterstück auf 91 Minuten, ordnet einzelne Szenen neu und erzählt eine Tragödie über Eifersucht, Täuschung, Rache und deren tödliche Folgen. Gedreht wurde in Marokko, Venedig, der Toskana und Rom. Der Film wurde auch als Othello sowie The Tragedy of Othello: The Moor of Venice vermarktet.
Handlung
Zu Beginn werden die aufgebahrten Leichen Othellos und Desdemonas in einer Prozession zu ihrem Grab getragen. Iago hängt währenddessen gefangen in einem Käfig, der auf die Zinnen eines Kastells gezogen wird. Anschließend zeigt eine Rückblende, wie es zu der Tragödie kam.
Der dunkelhäutige Feldherr Othello heiratet aus Liebe die venezianische Adelstochter Desdemona gegen den Willen ihres Vaters Brabantio. Roderigo, ein erfolgloser Verehrer Desdemonas, verzweifelt darüber. Othellos Fähnrich Iago hält ihn mit Versprechungen vom Selbstmord ab. Iago selbst will sich an Othello rächen, weil dieser bei der Beförderung zum Leutnant den unerfahrenen Michael Cassio bevorzugt hat.
Als auf Zypern ein Krieg droht, wird Othello dort zum Gouverneur ernannt. Desdemona und seine Gefährten reisen mit ihm. Iago bringt ein Taschentuch Desdemonas in Cassios Besitz und behauptet gegenüber Othello, Desdemona habe mit Cassio eine Affäre. Othello glaubt zunächst an ihre Unschuld, doch Iago verstärkt seine Zweifel durch Andeutungen und fingierte Beweise.
Iago überredet den leichtgläubigen Roderigo, Cassio zu töten. Der Anschlag scheitert, worauf Iago Roderigo als Mitwisser ermordet. Othello steigert sich inzwischen in rasende Eifersucht hinein und erwürgt Desdemona trotz ihrer Unschuldsbeteuerungen. Emilia, Desdemonas Dienerin und Iagos Ehefrau, entdeckt die Tote und enthüllt die Intrige. Iago ersticht Emilia und wird festgenommen. Als Othello seinen Irrtum erkennt, tötet er sich selbst und legt sich sterbend neben Desdemona. Der Schluss kehrt zur Grabprozession des Anfangs zurück.
Entstehung und Gestaltung
Die Dreharbeiten dauerten wegen erheblicher Finanzierungsprobleme drei Jahre. Nachdem der italienische Produzent insolvent geworden war, investierte Welles eigenes Geld und verwendete auch seine Gage aus Der dritte Mann. Trotzdem blieb die Finanzierung schwierig. Die Rolle der Desdemona musste neu besetzt werden, weshalb sämtliche Szenen mit ihr erneut gedreht wurden. Micheál Mac Liammóir schilderte die komplizierte Entstehung später in seinem Buch Put Money in Thy Purse.
Welles kürzte das vorhandene dreistündige Filmmaterial auf 91 Minuten. Mit der Musik Angelo Francesco Lavagninos war er so zufrieden, dass er ihn später auch für Falstaff und den unvollendeten Film Der Kaufmann von Venedig engagierte. Joseph Cotten als Senator und Joan Fontaine als Pagin treten in nicht im Abspann genannten Kurzauftritten auf.
Fassungen, Veröffentlichung und Synchronisation
Die europäische Originalfassung wurde 1952 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes uraufgeführt und anschließend auf dem europäischen Kontinent im Kino gezeigt. Für den US-amerikanischen Markt stellte Welles eine weitere Fassung her. Der Filmforscher Paul Squitieri bewertete die europäische Version als die authentischere und sah in der amerikanischen Fassung zu viele künstlerische Abstriche. In Deutschland kam der Film erstmals 1955 in die Kinos.
Nach Angaben der deutschen Synchronkartei existieren zwei deutsche Synchronfassungen. Die zweite entstand 1993 bei Hermes Synchron in Berlin. Darin sprechen unter anderem Wolfgang Dehler Othello, Hartmut Reck Iago, Maud Ackermann Desdemona, Ulrich Matthes Roderigo, Hubertus Bengsch Cassio und Regina Lemnitz Emilia; Friedrich Schoenfelder ist als Erzähler zu hören.
1992 organisierte Welles’ Tochter Beatrice Welles-Smith eine Restaurierung. Seit Mitte der 1990er Jahre ist auf DVD und Blu-ray fast nur noch diese Version erhältlich. Die Bearbeitung ist umstritten: Der Kritiker Jonathan Rosenbaum beanstandete, dass sie Welles’ ursprüngliche Absicht verfälsche und der Ton schlecht bearbeitet worden sei. Die europäische Originalfassung erschien als Bonusfilm auf der US-Blu-ray der Criterion Collection; eine europäische Blu-ray-Veröffentlichung dieser Fassung gab es laut Artikel bisher nicht.
Auszeichnungen und begleitender Dokumentarfilm
Othello nahm unter marokkanischer Flagge am Wettbewerb von Cannes teil, weil Welles keinen US-Verleiher finden konnte. Bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1952 erhielt der Film den Grand Prix gemeinsam mit Für zwei Groschen Hoffnung. Beim Fantasporto 1993 war er für den International Fantasy Film Award als bester Film nominiert. Rotten Tomatoes weist eine positive Bewertung von 90 % aus. Das Filmlexikon hob besonders das expressionistische Licht- und Schattenspiel, die atmosphärische Dichte und die Fülle der Regieeinfälle hervor.
1978 produzierte Welles mit einer deutschen Produktionsfirma den 84-minütigen Dokumentarfilm Filming Othello über die langen und schwierigen Dreharbeiten. Der für das deutsche Fernsehen hergestellte Film wurde 1978 bei den Berliner Filmfestspielen gezeigt. Neben Monologen von Welles enthält er Interviews, die 1974 in Paris mit Micheál Mac Liammóir und Hilton Edwards geführt wurden. Filming Othello sollte eine Dokumentarfilmreihe über Welles’ Spielfilme eröffnen, blieb jedoch deren einziger Teil. In den USA wurde er 1979 erstmals gezeigt, zunächst kaum beachtet und erst 1987 von Vincent Canby in der The New York Times sehr gelobt. Beatrice Welles, die Rechteinhaberin beider Filme, verhinderte laut Artikel Vorführungen des Dokumentarfilms und erlaubte nur die Aufführung einer bestimmten Fassung von Othello.