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Osttimor
Osttimor, amtlich Demokratische Republik Timor-Leste, ist ein demokratischer Inselstaat in Südostasien und war der erste Staat, der im 21.
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Staat und geografischer Rahmen
Osttimor, amtlich Demokratische Republik Timor-Leste, ist ein demokratischer Inselstaat in Südostasien und wurde 2002 als erster Staat des 21. Jahrhunderts unabhängig. Hauptstadt ist Dili. Das Land ist eine semipräsidentielle Republik mit Präsident José Ramos-Horta und Premierminister Xanana Gusmão, der seit dem 1. Juli 2023 Regierungschef ist. Amtssprachen sind Tetum und Portugiesisch; daneben sind 15 Nationalsprachen anerkannt. Gezahlt wird mit dem US-Dollar sowie eigenen Centavo-Münzen. Die Unabhängigkeit wurde am 28. November 1975 von Portugal ausgerufen und am 20. Mai 2002 nach indonesischer Besetzung und UN-Verwaltung international wiederhergestellt.
Osttimor umfasst den östlichen Teil der Insel Timor, die Exklave Oe-Cusse Ambeno sowie Atauro und Jaco. Die Fläche beträgt 14.918,72 km², die Bevölkerung 1.341.737 Einwohner (Zensus 2022), die Bevölkerungsdichte 90 Einwohner pro km². Die einzige Landgrenze besteht zu Indonesien; südlich liegt jenseits der Timorsee Australien. Das Land liegt vollständig südlich des Äquators. Die Küstenlinie ist 783 km lang, die Landgrenze zu Indonesien 228 km. Die Seegrenzen mit Indonesien waren im Artikel noch Gegenstand von Verhandlungen.
Timor gehört zum Bandabogen und liegt in einer Subduktionszone, in der sich die Australische Platte unter die Eurasische Platte schiebt. Deshalb ist das Land gebirgig und durch Erdbeben und Tsunamis gefährdet. Höchster Berg ist der Tatamailau mit 2963 m. Die Flüsse entspringen meist im zentralen Bergland, sind kurz und führen im Norden häufig nur während der Regenzeit Wasser. Der längste Fluss ist der Lóis mit 80 km. Der größte See ist der Ira Lalaro mit 6,5 km Länge und 3 km Breite. Das tropische Klima hat eine Regenzeit von Ende November bis April und eine ausgeprägte Trockenzeit von Mai bis November. Dili erhält durchschnittlich 843,4 mm Niederschlag im Jahr; die Südküste 1500 bis 2000 mm. Am 4. April 2021 verursachten starke Regenfälle große Überschwemmungen, besonders in Dili.
Bevölkerung, Sprachen und Lebensbedingungen
Die Bevölkerung wuchs von knapp 950.000 Einwohnern Anfang 2006 auf 1.341.737 im Jahr 2022. 383.416 Menschen lebten 2022 in Städten und 958.321 auf dem Land. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug 1,8 %, die Fruchtbarkeitsrate sank von 6,9 Kindern je Frau (2004) auf 3,5 (2022). 35 % der Bevölkerung waren jünger als 15 Jahre, nur 6 % mindestens 65 Jahre alt. Das Durchschnittsalter stieg bis 2024 auf 21,3 Jahre. Dili wächst durch Binnenmigration besonders stark. 17,5 % der Einwohner lebten 2022 nicht in der Gemeinde, in der sie geboren wurden.
In Osttimor gibt es etwa 16 Ethnien. Tetum ist mit etwa 433.000 Angehörigen die größte ethnische Gruppe und dient als Lingua franca, also als allgemein verwendete Verkehrssprache. Weitere wichtige Gruppen sind Mambai, Kemak, Tokodede, Galoli, Makasae, Bunak, Fataluku und Makalero. Neben Tetum und Portugiesisch werden Atauru, Baikeno, Bekais, Bunak, Fataluku, Galoli, Habun, Idalaka, Kawaimina, Kemak, Makuva, Makalero, Makasae, Mambai und Tokodede als Nationalsprachen anerkannt. 62,5 % konnten Tetum lesen, schreiben und sprechen; Portugiesisch beherrschten dies 30,8 %. Englisch und Bahasa Indonesia gelten als Arbeitssprachen.
Die Bevölkerung ist zu 97,47 % katholisch, 2,04 % sind Protestanten und 0,26 % Muslime. Osttimor ist jedoch ein säkularer Staat mit Religionsfreiheit. Animistische Vorstellungen, insbesondere das Prinzip Lulik, wirken im Alltag und in traditionellen Riten fort. Häusliche Gewalt ist ein großes Problem; seit 2009 ist sie als Straftat erfasst. Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung ist gesetzlich verboten, gesellschaftliche Stigmatisierung kommt aber weiterhin vor.
Die medizinische Versorgung verbessert sich, bleibt aber mangelhaft. 2023 gab es unter anderem das Nationalkrankenhaus Guido Valadares in Dili, Regionalkrankenhäuser in Baucau und Pante Macassar, 76 kommunale Gesundheitszentren und 333 medizinische Stationen. 2022 wurden 1200 Ärzte gezählt. 68,5 % der Geburten wurden in den fünf Jahren vor dem Zensus 2022 von medizinisch ausgebildetem Personal unterstützt. Gleichzeitig litten 46 % der Kinder unter fünf Jahren unter einer durch Unterernährung verursachten Fehlentwicklung. 33 % der Einwohner rauchten täglich, bei Männern 61 %. Seit 2018 wurden keine neuen Malariafälle registriert, Denguefieber, Tuberkulose und japanische Enzephalitis bleiben jedoch verbreitet.
Geschichte und politisches System
Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung Timors sind mindestens 43.000 bis 44.000 Jahre alt. In der Höhle Jerimalai wurden unter anderem der älteste bekannte Angelhaken der Welt und Hinweise auf Hochseefischerei vor 42.000 Jahren gefunden. Später wurde die Insel durch mehrere Einwanderungswellen von Austronesen, Melanesiern und Proto-Malaien besiedelt. Vor der Kolonialzeit war Timor in zahlreiche kleine Reiche geteilt, deren Herrscher Liurais genannt wurden. Heirats- und Bündnispolitik verbanden die Reiche, dennoch gab es bis ins 20. Jahrhundert Konflikte.
1515 kamen die Portugiesen nach Timor und gründeten 1556 Lifau als erste Siedlung Portugiesisch-Timors. Die endgültige Grenze zwischen dem portugiesischen und niederländischen Teil wurde 1916 festgelegt. Japan besetzte die Insel von 1942 bis 1945; im folgenden Guerillakrieg starben in Portugiesisch-Timor 40.000 bis 70.000 Menschen. Nach der Nelkenrevolution in Portugal 1974 führte ein Bürgerkrieg zwischen FRETILIN und UDT dazu, dass FRETILIN die Macht übernahm. Am 28. November 1975 erklärte Osttimor seine Unabhängigkeit. Neun Tage später begann Indonesien mit der Operation Seroja die offene Besetzung; 1976 wurde Osttimor als Provinz Timor Timur eingegliedert. Zwischen 1977 und 1979 starb etwa ein Drittel der Einwohner durch Hunger, Epidemien, Kämpfe und Maßnahmen der Besatzungsmacht.
Beim Referendum von 1999 stimmte die Bevölkerung für die Unabhängigkeit. Darauf folgten schwere Gewalttaten pro-indonesischer Milizen und der indonesischen Armee. Die internationale Friedenstruppe INTERFET übernahm die Kontrolle, anschließend verwaltete die UNTAET das Land. Am 20. Mai 2002 wurde Osttimor unabhängig und am 27. September 2002 als 191. Mitglied in die Vereinten Nationen aufgenommen.
Die Verfassung von 2002 orientiert sich am portugiesischen Vorbild. Der Präsident wird alle fünf Jahre gewählt, hat überwiegend symbolische Befugnisse, besitzt aber ein Gesetzesveto. Der Premierminister führt die Regierung und muss sich auf eine Mehrheit im Einkammerparlament stützen. Bei der Wahl vom 21. Mai 2023 gewann der CNRT 31 von 65 Sitzen und bildete mit der PD, die 6 Sitze erhielt, die Regierung. Die FRETILIN erhielt 19 Sitze, PLP 4 und KHUNTO 5. Das höchste Gericht ist das Tribunal de Recurso de Timor-Leste. Todesstrafe und lebenslange Haft sind abgeschafft; die Höchststrafe beträgt 25 Jahre.
Nach schweren Unruhen 2006 mit 37 Toten und 155.000 Flüchtlingen stabilisierte sich die Lage zunehmend. Die internationale Mission UNMIT und ausländische Truppen unterstützten bis 2012 die Sicherheit. Osttimor verfolgt außenpolitisch das Prinzip „Viele Freundschaften schließen und Null Feinde“. Seit 2025 ist es ASEAN-Mitglied und seit dem 30. August 2024 Mitglied der Welthandelsorganisation.
Wirtschaft, Verkehr und Versorgung
Die Wirtschaft wurde durch die Zerstörung von etwa 70 % der Infrastruktur im Jahr 1999, Fachkräftemangel und hohe Löhne belastet. Das BIP sank 1999 um 30 %, erholte sich durch internationale Hilfe und wuchs 2008 im Nicht-Erdöl-Bereich um 12,8 %. 2024 betrug das nominale BIP 2,0 Milliarden US-Dollar, das kaufkraftbereinigte BIP 6,7 Milliarden US-Dollar. 37,5 % der Bevölkerung lebten nach der im Artikel genannten UN-Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag unterhalb der Armutsgrenze. Erdöl und Erdgas sind die wichtigsten Einnahmequellen; der Timor-Leste Petroleum Fund legt Überschüsse aus dem Öl- und Gassektor an. Das Gasfeld Bayu-Undan, das den Großteil der Gewinne erzeugt, soll bis 2028 erschöpft sein.
Fast 90 % der Haushalte betreiben Ackerbau und halten Nutztiere. Mais, Reis und Maniok sind Hauptnahrungsmittel; Kaffee ist das wichtigste landwirtschaftliche Exportprodukt. Ein Viertel der Bevölkerung hängt von der Kaffeeproduktion ab. Weitere Produkte sind Zimt, Vanille, Kakao, Erdnüsse, Honig, Lichtnüsse und Kopra. Traditionelles Handwerk umfasst Tais-Gewebe, Silberschmuck, Holzverarbeitung, Töpferei und kleine Schmieden. Rund 5200 Fischer betreiben vor allem Küstenfischerei; eine kommerzielle Flotte gibt es nicht.
2023 wurden laut Artikel Waren im Wert von 909.825 US-Dollar importiert und im Wert von 127.754.000 US-Dollar exportiert; bei den Exporten entfielen 110.299.000 US-Dollar auf Erdöl- und Erdgasprodukte und 14.472.000 US-Dollar auf Kaffee. Die wichtigsten Importherkunftsländer waren Indonesien, China, Singapur, Taiwan und Indien. Der US-Dollar ist seit Januar 2000 Landeswährung; eigene Centavo-Münzen gibt es seit 2003.
Osttimor hat Linksverkehr und keine Eisenbahn. Von 5320 Straßenkilometern waren 70 % reparaturbedürftig. In der Regenzeit werden viele Wege unpassierbar. Biskotas, Mikroléts und Lastwagen mit Sitzbänken bilden den öffentlichen Landverkehr. Dili besitzt den einzigen international von Passagiermaschinen angeflogenen Flughafen; Inlandsflüge verbinden Dili mit Suai und Oe-Cusse. Der neue Frachthafen in der Bucht von Tibar wurde am 30. November 2022 eröffnet. Fähren verbinden Dili mit Oe-Cusse und Atauro.
2024 hatten 44,3 % der Bevölkerung Zugang zum Internet. 66 % der Haushalte hatten Zugang zu sauberen Trinkwasserquellen, aber nur 21 % direkt am oder im Haus. 2015 kochten 90 % der Haushalte mit Holz. Die Stromversorgung ist vor allem auf dem Land eingeschränkt; bis Mitte 2027 sollen alle Aldeias an das nationale Stromnetz angeschlossen werden.
Kultur, Bildung und Umwelt
Das Bildungssystem hat sich seit der Unabhängigkeit stark ausgebaut. Die Zahl der Vor-, Grund- und Sekundarschulen stieg in den ersten 15 Jahren von 93 auf 1715, die Zahl der Lehrkräfte von 6541 auf 13.948. 2022 besuchten 54,6 % der Drei- bis 29-Jährigen eine Schule. Der Anteil der Analphabeten unter den Überzehnjährigen sank bis 2022 auf 27,6 %, bei Frauen auf 30 % und bei Männern auf 25,3 %. In den ersten drei Schuljahren wird hauptsächlich Tetum unterrichtet, danach Portugiesisch schrittweise eingeführt; ab der 7. Klasse kommt Englisch hinzu.
Traditionelle Kultur verbindet europäische, asiatische und pazifische Einflüsse. Die Tais genannten gewebten Tücher werden je nach Region und Ethnie unterschiedlich gestaltet. Zu festlicher Kleidung gehören Lipa-Wickelröcke, die Kaibauk-Krone, das Belak als metallene Brustscheibe, Federschmuck, Ketten und Silberschmuck. Traditionelle Häuser sind unter anderem Uma tidor, also Schlafhäuser, und Uma Lulik, heilige Häuser. In der Musik sind der Likurai-Tanz, Gitarren, Kirchenchöre, Trommeln und das Horn Karau dikur bedeutsam. Die Küche verwendet unter anderem Mais, Reis, Maniok, Taro, Süßkartoffeln, Gemüse, Schweine- und Hühnerfleisch, Fisch an der Küste sowie Palmwein. Die mündliche Überlieferung der Lian Nain, der „Herren der Wörter“, bewahrt Legenden und Clan-Geschichten.
Der beliebteste Sport ist Fußball. Weitere Aktivitäten sind Marathon, Mountainbike, Kampfsport und Pferderennen. Der Tourismus beruht auf Bergen, Stränden, Korallenriffen, heißen Quellen, kultureller Vielfalt und Walbeobachtung, wird aber durch die schwache Infrastruktur begrenzt. Die Riffe um Atauro gehören zu den artenreichsten der Welt; dort wurden 643 Fischarten nachgewiesen.
Osttimor gehört zur Übergangszone Wallacea. Es gibt etwa 240 Vogelarten und besondere Tiere wie den Timor-Waran, die Timor-Wasserpython, die Timorschildkröte und das Leistenkrokodil. Die ursprünglichen Primärwälder sind auf 220.000 ha geschrumpft; insgesamt sind 61,9 % der Landesfläche bewaldet. Waldverlust, Brandrodung, Überweidung, Erosion, Plastikmüll und illegale Fischerei gefährden die Umwelt. Seit 2000 ist kommerzielle Holzgewinnung verboten. Das Land besitzt 15 Schutzgebiete, 17 Important Bird Areas sowie die Nationalparks Nino Konis Santana und Kay Rala Xanana Gusmão. Der Klimawandel verstärkt Dürren, Überschwemmungen und Erosion; die CO₂-Emissionen pro Kopf stiegen von etwa 0,2 t (2006) auf 0,4 t (2021).