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Osten
Der Osten ist die in Richtung der Erdrotation verlaufende Himmelsrichtung. Sie ist eine der vier Haupthimmelsrichtungen (Nord, Ost, Süd, West).
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Grundbedeutung und Orientierung
Osten ist eine der vier Haupthimmelsrichtungen neben Nord, Süd und West. Er verläuft in Richtung der Erdrotation und ist für Geographie, Navigation und den Kompass wichtig.
Auf der Osthälfte des Himmels steigen alle Gestirne empor; auf der Westhälfte sinken sie entsprechend. Kulturhistorisch wird Osten mit dem Sonnenaufgang verbunden. Der Aufgangspunkt der Sonne liegt jedoch je nach Jahreszeit nicht genau im Osten: Am Äquator kann er bis zu 23° und in Mitteleuropa bis zu 45° abweichen, also zwischen Nordost und Südost liegen.
Osten als Koordinatenrichtung
Osten dient häufig als Koordinatenrichtung. In der Mathematik entspricht er meist der Abszisse x, in der Geodäsie der Ordinate y. Diese wird deshalb auch Ostwert genannt.
Geometrisch ist die Himmelsrichtung Ost beziehungsweise Osten, abgekürzt O und auf Englisch E, eine der zwei Winkelhalbierenden zwischen Nord bei 0 Grad und Süd bei 180 Grad.
Bezeichnungen und Verwechslungsgefahr
Standardsprachlich wird „Osten“ mit kurzem O gesprochen. Im Funkverkehr und in der Militärsprache verwendet man ein langes O, damit das Wort nicht mit „Westen“ verwechselt wird; dies heißt Explizitlautung. Als Ersatz für „östlich“ kann „ostwärts“ gebraucht werden.
In Navigation und Kartografie steht technisch meist E für Osten, nach englisch east und französisch est. Dadurch wird eine Verwechslung mit der Ziffer Null vermieden. Im romanischen Sprachraum kann O problematisch sein, weil es dort für Westen stehen kann, etwa französisch ouest, italienisch ovest und spanisch oeste.
Übertragene Bedeutungen
„Der Osten“ bezeichnete lange den durch den Deutschen Orden und die Deutsche Ostsiedlung geprägten deutschen Osten beziehungsweise die Ostgebiete des Deutschen Reiches. Nach dem Deutsch-polnischen Grenzvertrag und dem Zwei-plus-Vier-Vertrag wandelte sich diese Verwendung. Die Sowjetische Besatzungszone und die Deutsche Demokratische Republik wurden nie „Ostdeutschland“ genannt. Mit der Deutschen Wiedervereinigung entstanden auch Bezeichnungen wie Ossi, Wessi und Ostalgie.
Länder des asiatischen und muslimischen Ostens wurden als Morgenland zusammengefasst; ihm steht das Abendland als westliche Welt gegenüber. Begriffe wie Naher Osten, Mittlerer Osten und Ferner Osten bewahren die Vorstellung eines Orients. Edward Said beschreibt in seinem Buch „Orientalismus“ den Orient als westliches Othering: Aus westlicher Sicht werde er als rückständig, geheimnisvoll und unaufgeklärt dargestellt, als Gegenbild eines fortschrittlichen Westens. Die Dichotomie Orient–Okzident ist laut Artikel erst seit dem 18. Jahrhundert belegt. Auch Bilder von Osteuropa seien von vergleichbaren Fremdbeschreibungen geprägt. Im Kalten Krieg meinte „Osten“ die sozialistischen Staaten des Warschauer Pakts im Gegensatz zum demokratischen Westen.
Religiöse und sprachliche Bezüge
„Osten“ geht auf althochdeutsch ostan („östlich“) zurück; die Wörter „Osten“ und „östlich“ sind im Deutschen seit dem 15. Jahrhundert belegt. Frühere Landkarten waren oft geostet, also nach Osten ausgerichtet, weil Jerusalem dort lag. Viele Kirchen sind ebenfalls geostet; im christlichen Glauben wird Osten unter anderem mit der Wiederkehr des auferstandenen Christus verbunden. Auch „Orientierung“ stammt über lateinisch oriens („Osten“) von orior, „aufgehen, sich erheben“.
Muslime richten ihr Gebet nach Mekka aus; in der westlichen Welt entspricht dies einer östlichen Richtung. Die Verbindung von Frühling, Morgen und Osten ist weit verbreitet. Ob „Ostern“ etymologisch tatsächlich mit Osten zusammenhängt, ist nicht zweifelsfrei.