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Osho

Er betonte die Wichtigkeit von Meditation, Achtsamkeit (mindfulness), Liebe ... Auch zum orthodoxen Hinduismus äußerte er sich kritisch: die brahminische Religion …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Person und Lebensweg
  2. 2. Neo-Sannyas und die Ashrams
  3. 3. Lehre und Meditation
  4. 4. Konflikte und Verbrechen
  5. 5. Kritik und rechtliche Auseinandersetzungen
  6. 6. Nachwirkung und Veröffentlichungen

Person und Lebensweg

Osho war der Eigenname von Chandra Mohan Jain (* 11. Dezember 1931 in Kuchwada, Britisch-Indien; † 19. Januar 1990 in Pune, Indien). Er war Philosoph, spiritueller Lehrer und Begründer der Neo-Sannyas-Bewegung, die auch Bhagwan-Bewegung genannt wird. Bekannt wurde er außerdem als Entwickler der Dynamischen Meditation. Seine Lehre beeinflusste unter anderem die westliche New-Age-Ideologie; zugleich wurde er als Anführer einer neuen religiösen Bewegung stark kritisiert.

Er verwendete mehrere Namen: zunächst Chandra Mohan Jain, dann den Kindheits-Spitznamen Rajneesh, von Mitte der 1960er- bis Anfang der 1970er-Jahre Acharya Rajneesh und von 1971 bis Ende 1988 Bhagwan Shree Rajneesh beziehungsweise Bhagwan. „Acharya“ bedeutet Lehrer oder spiritueller Lehrer, „Bhagwan“ sinngemäß Erhabener oder Gesegneter. Ab Anfang 1989 bis zu seinem Tod nannte er sich Osho, einen Ehrentitel im Zen-Buddhismus.

Rajneesh wuchs als ältestes von elf Kindern zunächst bei seinen Großeltern auf. Er studierte Philosophie, schloss 1955 mit dem Bachelor und 1957 mit dem Master an der University of Sagar ab. Am 21. März 1953 hatte er beim Meditieren eine Erfahrung, die er später als spirituelle Erleuchtung bezeichnete. Ab 1958 lehrte er an der Universität Jabalpur, ab 1960 als Professor. 1966 gab er die Lehrtätigkeit auf und widmete sich vollständig Vorträgen und spiritueller Beratung.

In den 1960er Jahren kritisierte er Sozialismus, Mahatma Gandhi, orthodoxe Religionen und politische sowie religiöse Systeme. Er forderte Kapitalismus, Wissenschaft, moderne Technik und Familienplanung zur Überwindung der Armut. Besonders umstritten waren seine Aussagen über Sexualität: Sexuelle Energie sei göttlich, solle nicht unterdrückt werden und könne den Menschen der Erleuchtung näherbringen. Dadurch wurde er in Indien und später im deutschsprachigen Raum als „Sex-Guru“ bekannt.

1970 zog er nach Bombay, 1974 nach Pune. Dort entstand ein großer Ashram. Wegen Konflikten, Steuerforderungen und der feindlichen Umgebung wurde der Hauptsitz 1981 in die USA verlegt. Nach der Auflösung der Kommune in Oregon kehrte er 1987 nach Pune zurück. Seine Gesundheit verschlechterte sich; seinen letzten öffentlichen Vortrag hielt er im April 1989. Osho starb am 19. Januar 1990 im Alter von 58 Jahren.

Neo-Sannyas und die Ashrams

Die Neo-Sannyas-Bewegung begann 1970. Am 28. September 1970 initiierte Rajneesh während eines Meditations-Camps in Manali die ersten Schüler. Sannyasins erhielten häufig neue Namen, trugen bis 1987 orange oder rötliche Kleidung und eine Mala mit 108 Holzkugeln und Oshos Bild. Diese Zeichen bezogen sich auf traditionelle indische Sannyasins, wurden von Osho aber mit einem lebensbejahenden und feiernden Verständnis spiritueller Suche verbunden. Die Verpflichtung zu Kleidung und Mala wurde Ende 1985 abgeschafft.

Der Ashram in Pune wuchs ab 1974 stark. 1981 gab es dort unter anderem Bäckerei, Käseherstellung, Kosmetik- und Kleiderproduktion, Töpferei, Theatergesellschaft und ein Gesundheitszentrum mit mehr als 90 Mitarbeitern, darunter 21 Ärzte. Viele westliche Besucher kamen durch Mundpropaganda, Bücher oder persönliche Berichte. Der Ashram bot Meditationen und zahlreiche Therapiegruppen an. 1976 gab es zehn Therapieformen, später etwa 80. Dazu gehörten etwa „Encounter“, „Primal“ und „Enlightenment Intensive“, bei der Teilnehmer drei Tage lang die Frage „Wer bin ich?“ beantworten sollten. In „Encounter“- und Tantra-Gruppen wurde teilweise Sex mit wechselnden Partnern angeregt; gewalttätige Konfrontationen wurden nach Verletzungen verboten.

Ein typischer Tag in Pune begann um 6 Uhr mit einer einstündigen Dynamischen Meditation. Um 8 Uhr hielt Osho in der Buddha Hall einen Vortrag, bis 1981 abwechselnd auf Hindi und Englisch. Tagsüber folgten weitere Meditationen und Therapien, abends Darshans, also persönliche Gespräche mit einzelnen Schülern und Besuchern. Der Ashram hatte zugleich klare Regeln: Drogen und Rauchen waren verboten, bestimmte Bereiche waren nur privilegierten Schülern zugänglich, und vor dem Besuch der Buddha Hall gab es einen Schnüffeltest wegen Oshos Allergien.

1981 entstand auf der Big Muddy Ranch in Oregon die Kommune Rajneeshpuram. Die Ranch kostete 5,75 Millionen Dollar. 1982 wurde die Stadt gegründet und erhielt unter anderem Post, Schule, Feuerwehr, Einkaufszentren, Restaurants, ein Transportsystem mit 85 Bussen, einen Flugplatz und eine Meditationshalle. In Antelope mit etwa 50 Einwohnern kauften Sannyasins Häuser auf und gewannen die Mehrheit im Stadtrat. Die Kommune veranstaltete Festivals und verfügte zeitweise über bis zu 93 Rolls-Royce. Nach Konflikten mit Behörden und Anwohnern zerfiel das Projekt 1985.

Lehre und Meditation

Osho lehnte feste Glaubenssysteme, Dogmen und die bloße Zugehörigkeit zu einer Religion ab. Entscheidend sei die authentische religiöse Erfahrung: Der Mensch solle selbst zur Erkenntnis gelangen und sich als Individuum religiös vervollkommnen. Das Leben müsse in seiner Gesamtheit angenommen, geliebt und täglich gefeiert werden. Jede Tätigkeit könne dem inneren Wachstum dienen.

Meditation bedeutet in seiner Lehre, zum Zeugen der eigenen Gedanken und Empfindungen zu werden. Der Meditierende lässt innere Vorgänge vorüberziehen, ohne sich mit ihnen zu identifizieren. Dadurch erkennt er ihre Vorläufigkeit und kann nach Osho die Realität hinter der vergänglichen, rational oder sinnlich wahrnehmbaren Welt erfassen. Im Zustand des reinen Beobachtens erfahre der Mensch, wer er wirklich ist. Die Dynamische Meditation und später die Kundalini- und Mystic-Rose-Meditation gehören zu den von Osho entwickelten oder verbreiteten Techniken.

Seine Lehre verband Elemente der Humanistischen Psychologie mit Vorstellungen aus verschiedenen Religionen: das „Buddhafeld“ als transzendenter Entwicklungsort stammt aus dem Mahayana-Buddhismus, die Karma-Lehre wurde mit der Vorstellung einer neuen Existenz nach dem Tod verbunden, mystische Elemente kamen aus dem Sufismus und die Nutzung sexueller Energie zur Bewusstseinsentwicklung aus dem Tantrismus. Die Bewegung blieb dabei flexibler als andere neohinduistische Strömungen.

Osho widersprach sich häufig bewusst. Nach seiner Auffassung sollten seine Worte keine neue Philosophie oder ein Dogma bilden, sondern nur den Blick auf eine nicht vollständig beschreibbare Wahrheit ermöglichen. Humor sollte ein Grundstein zukünftiger Religiosität sein; seine Vorträge enthielten daher viele, teils derbe Witze.

Seine sogenannten „Zehn Gebote“ formulierte er ausdrücklich nur zum Spaß, obwohl er gegen Gebote war: 1. Gehorche niemals dem Befehl eines anderen, es sei denn, er kommt auch aus deinem Inneren. 2. Es gibt keinen anderen Gott als das Leben selbst. 3. Die Wahrheit ist in dir, suche sie nicht woanders. 4. Liebe ist Gebet. 5. Ein Nichts zu werden ist die Tür zur Wahrheit. 6. Das Leben ist jetzt und hier. 7. Lebe wach. 8. Nicht schwimmen – gleiten. 9. Stirb jeden Moment, damit du jeden Moment neu sein kannst. 10. Suche nicht. Das, was ist, ist. Halte inne und sieh. Besonders betonte er die Nummern 3, 7, 9 und 10.

Konflikte und Verbrechen

Der Ashram in Pune geriet in den 1970er Jahren wegen Therapiegruppen, Sexualität, Drogen- und Prostitutionsvorwürfen sowie Oshos provokanten Aussagen in die Kritik. 1980 verübte ein Hindu einen Messerangriff auf ihn, verfehlte ihn jedoch. Nach der Veröffentlichung des in Indien verbotenen Films „Ashram“ und Oshos Kritik an Premierminister Morarji Desai entzog der indische Staat dem Ashram rückwirkend die Steuerbefreiung; es folgte eine Steuerforderung in Millionenhöhe.

1981 begann Osho eine Schweigephase. Aus den Darshans wurden Energie-Darshans, später Satsangs mit stillem Zusammensitzen, kurzen Lesungen und Musik. In Oregon bestimmte Ma Anand Sheela mit einem fast ausschließlich weiblichen Managementteam das Tagesgeschehen. Es kam zu Streitigkeiten über Baugenehmigungen und Einwanderungsrecht, zu Scheinehen und zu einer autoritären Verschärfung des Lebens in der Kommune. Nach einem Bombenanschlag auf ein von Sannyasins geführtes Hotel im Juli 1983 kaufte die Kommune Waffen und bildete eigene Polizeikräfte aus.

Im März 1984 wurde eine AIDS-Warnung bekanntgegeben. Es hieß, etwa zwei Drittel der Menschheit würden in den kommenden Jahren an AIDS sterben. Sannyasins sollten deshalb Kondome und Einmalhandschuhe verwenden, keine Körperflüssigkeiten austauschen und keinen ungeschützten Sex haben. Viele Beobachter hielten diese Reaktion für überzogen.

Im September 1984 brachte ein „Share-a-Home“-Programm mehrere Tausend Obdachlose nach Rajneeshpuram. Die Aktion wurde im Zusammenhang mit einer bevorstehenden Wahl als Versuch gewertet, den Stimmenanteil der Kommune zu erhöhen. Nach einer Änderung der Wahlbestimmungen wurden viele Obdachlose wieder in einer anderen Stadt abgesetzt. Im Oktober 1984 kündigte Osho das Ende seiner Schweigephase an. Zu diesem Zeitpunkt hatte Sheela heimlich Abhöranlagen installiert und Gegner ihres Führungsstils isoliert.

Nach Sheelas Flucht im September 1985 berichtete Osho auf einer Pressekonferenz am 16. September über mutmaßliche Verbrechen und bat um Ermittlungen. Mitglieder ihres Teams hatten im September 1984 Salmonellen in Restaurants in The Dalles verbreitet. Etwa 750 Menschen erkrankten, 45 mussten ins Krankenhaus. Außerdem sollten Oshos Leibarzt und zwei Behördenmitarbeiter vergiftet werden; zwei von ihnen erkrankten schwer, erholten sich aber. Osho erklärte, nichts gewusst zu haben, und wurde wegen dieser Taten nicht belangt.

Am 28. Oktober 1985 wurde Osho in North Carolina festgenommen und zwölf Tage lang in Ketten durch verschiedene Gefängnisse transportiert. Er erhielt zehn Jahre Bewährungsstrafe, ausgesetzt unter der Bedingung, die USA zu verlassen, sowie eine Geldstrafe von 400.000 Dollar. Nach Aufenthalten unter anderem in Nepal, Kreta und Uruguay kehrte er 1987 nach Indien zurück.

Kritik und rechtliche Auseinandersetzungen

In autobiografischen Berichten ehemaliger Kinder aus dem Umfeld der Bewegung werden Vorwürfe des Kindesmissbrauchs, der Trennung von Kindern und Eltern, der Beimischung von Psychopharmaka zum Essen, harter unbezahlter Arbeit und schwerer Gewalt in Psycho-Seminaren erhoben. Besonders genannt werden der sexuelle Missbrauch präpubertärer Mädchen durch erwachsene Männer sowie ein Klima, das Missbrauch begünstigt habe. Diese Darstellungen werden als Vorwürfe aus autobiografischen Berichten wiedergegeben.

Osho wurde außerdem wegen Aussagen zur Euthanasie, zu genetischen Veränderungen, Homosexualität und Judentum kritisiert. Er befürwortete in dokumentierten Zitaten, schwerbehindert geborene Kinder auf Wunsch der Eltern in einen „ewigen Schlaf“ zu versetzen, weil ihre Seele in einem anderen Körper wiedergeboren werden könne. Er schlug vor, genetische Programme zu verändern, um Krankheiten, Behinderungen, Gewalt und bestimmte gesellschaftlich unerwünschte Eigenschaften zu vermeiden. Homosexuelle bezeichnete er insbesondere nach dem Umzug nach Rajneeshpuram als „pervers“, machte sie für AIDS mitverantwortlich und forderte getrennte Wohnorte beziehungsweise den Ausschluss aus der Gesellschaft. Außerdem sagte er, Juden müssten Jesus wieder als einen der Ihren akzeptieren, dann bestehe kein Bedarf an Adolf Hitler.

In Deutschland wurde die Bewegung in den 1970er und 1980er Jahren staatlich unter anderem als „Sekte“, „Jugendsekte“, „Jugendreligion“ oder „Psychosekte“ bezeichnet. Das Bundesverfassungsgericht entschied am 26. Juni 2002, diese Bezeichnungen seien für die damalige Zeit verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden. Die zusätzlichen Attribute „destruktiv“ und „pseudoreligiös“ sowie der Vorwurf der Mitgliedermanipulation seien jedoch diffamierend und sachlich nicht gerechtfertigt gewesen; insoweit sei die Religionsfreiheit verletzt worden. Im November 2008 wurde Deutschland wegen der überlangen Dauer des Verfahrens vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu einer Strafzahlung verurteilt.

Auch die Markenrechte an Oshos Namen und Meditationstechniken sind umstritten. Eine Entscheidung des United States Patent and Trademark Office von 2009 ließ das Markenrecht für viele Meditationen und Therapietechniken offen. Streit gab es außerdem um eine Facebook-Sperrung 2013, ein zurückgezogenes Testament, vermutete Fälschung, Vorgänge bei der Osho International Foundation und ein EU-Markenenthebungsverfahren, das im Juli 2014 zunächst abgelehnt wurde.

Nachwirkung und Veröffentlichungen

Osho blieb zu Lebzeiten und nach seinem Tod umstritten. Bewunderer würdigten seine Originalität, Bildung und Fähigkeit, Menschen spirituell zu bewegen. Kritiker sahen in ihm einen gefährlichen Scharlatan, der Anhänger ausbeutete, Vermögen und unentgeltliche Arbeit verlangte und durch Kleidung, Mala und autoritäre Strukturen Abhängigkeit erzeugte. Religionssoziologen beschrieben seine Lehre als clever vermarktete, widersprüchliche Mischung aus verschiedenen geistigen Strömungen und bestritten ihren originellen oder tiefgründigen Gehalt. Die deutsche Presse berichtete häufig sensationell über Rolls-Royce, Luxus, Sexualität, Gewalt und die Verbrechen in Oregon. Auch kirchliche Publikationen wie die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen wurden wegen polemischer, apologetischer Darstellungen kritisiert.

In Südasien nahm Oshos Anerkennung nach seinem Tod zu. 1991 wurde er von einer einflussreichen indischen Tageszeitung neben Gandhi und Buddha als einer von zehn Menschen genannt, die Indien entscheidend beeinflusst hätten. Zwei Jahre nach seinem Tod wurde die Gesamtausgabe seiner Bücher in die Bibliothek des indischen Parlaments aufgenommen.

Weltweit etablierte sich die Bewegung nach den Kontroversen und einer späteren Anpassung im Umfeld neuer religiöser Bewegungen. Laut dem Artikel gab es im Jahr 2000 etwa 300 Meditations- und Informationszentren in 45 Ländern. Seine aktiven Meditationstechniken werden auch außerhalb der Bewegung in Selbsterfahrungs-Workshops und teilweise an Schulen und Universitäten genutzt. Das frühere Ashram-Gelände in Pune wurde zum Osho International Meditation Resort und empfing laut Presseberichten jährlich etwa 200.000 Besucher aus 100 Ländern. Für Deutschland werden 30.000 bis 40.000 initiierte Anhänger geschätzt. Das Netzwerk besitzt heute kein Oberhaupt und keine zentralen Dogmen; viele Anhänger praktizieren individuell.

Oshos Vorträge und Initiationsgespräche wurden nahezu unredigiert als Bücher, Tonkassetten und Videos veröffentlicht. Aus seinen im Durchschnitt etwa 250 Seiten langen Bänden entstand eine Sammlung von mehr als 400 Bänden; viele Werke wurden ins Deutsche und in mehr als 50 weitere Sprachen übersetzt. Zu den bekannten Themen gehören Meditation, Zen, Tantra, Sufismus, Jesus, Buddha, Kabir und Heraklit. Seine Wirkung wurde außerdem in Filmen und Dokumentationen verarbeitet, darunter „Sommer in Orange“ (2011), „Wild Wild Country“ (2018) und „Bhagwan – Die Deutschen und der Guru“ (2021).

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