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Open Access

Open Access (Englisch für offener Zugang) ist der freie Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und anderen Materialien im Internet.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und politische Entwicklung
  3. 3. Wichtige Open-Access-Wege
  4. 4. Anwendungsbereiche
  5. 5. Finanzierung und Umsetzung
  6. 6. Argumente und Kritik

Begriff und Bedeutung

Open Access bedeutet freier Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und anderen wissenschaftlichen Materialien im Internet. Wer ein wissenschaftliches Dokument unter Open-Access-Bedingungen veröffentlicht, erlaubt allen, es kostenlos zu lesen, herunterzuladen, zu speichern, zu verlinken, zu drucken und zu nutzen. Nach der Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen von 2003 sollen außerdem freie Lizenzen weitere Nutzungsrechte ermöglichen, etwa Nachnutzung, Vervielfältigung, Verbreitung oder Veränderung, auch zu kommerziellen Zwecken.

Open Access betrifft nicht nur Artikel in elektronischen Zeitschriften. Dazu gehören auch Open-Access-Bücher, Preprints, also Vorabversionen wissenschaftlicher Texte, und Postprints, also Versionen nach der Begutachtung oder Veröffentlichung. Solche Texte können auf Servern freier Zeitschriften, universitären oder institutionellen Dokumentenservern, fachlichen Servern oder privaten Websites bereitgestellt werden. Außerdem umfasst Open Access Primärdaten, Metadaten, Quellentexte und digitale Reproduktionen.

Texte, die nur hinter einer Bezahlschranke zugänglich sind, werden zur Abgrenzung manchmal Closed Access oder Toll Access genannt. Open Access ist wichtig, weil es den Zugang zu Wissen erleichtern soll, besonders wenn Forschung öffentlich finanziert wurde. Zugleich ist Open Access umstritten, weil manche Finanzierungsformen neue Hürden für Autorinnen und Autoren schaffen können.

Entstehung und politische Entwicklung

Die Open-Access-Bewegung entstand seit Beginn der 1990er Jahre im Zusammenhang mit der sogenannten Zeitschriftenkrise. Damit ist gemeint, dass die Preise für wissenschaftliche Zeitschriften stiegen, während Bibliotheksetats stagnierten oder schrumpften. Vor allem im STM-Bereich, also Science, Technology, Medicine, wurde trotz wachsender Publikationsmenge für Leserinnen und Leser ein immer kleinerer Teil der Literatur zugänglich.

Ein Grundgedanke der Bewegung lautet: Ergebnisse öffentlich geförderter Forschung sollen der Öffentlichkeit kostenfrei zur Verfügung stehen. So soll vermieden werden, dass die Allgemeinheit Forschung erst finanziert und später über Bibliotheken oder Institutionen erneut teuer von Verlagen zurückkaufen muss. Open Access soll außerdem die digitale Kluft verringern, damit auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit geringem Budget an Forschungsergebnisse gelangen und am wissenschaftlichen Diskurs teilnehmen können.

Technisch wurde Open Access erst durch Internet und elektronisches Publizieren breit möglich. Vorläufer waren Preprint- und Dissertationsserver der 1990er Jahre. Wichtige frühe Open-Access-Verlage waren JMIR Publications (1999), BioMed Central (2000), PLoS (Anfang 2001) und Copernicus Publications (2001).

Ein zentraler Startpunkt war die Budapest Open Access Initiative (BOAI), die nach einer Konferenz des Open Society Institute im November 2001 entstand. Am 14. Februar 2002 verabschiedete sie eine Erklärung mit der Forderung, frei zugänglich im Internet solle jene Literatur sein, die Wissenschaftler ohne Erwartung einer Bezahlung veröffentlichen. 2003 folgten das Bethesda Statement on Open Access Publishing und die Berliner Erklärung. Die Berliner Erklärung erweiterte die Ziele der Bewegung und wurde von wichtigen deutschen Forschungsinstitutionen wie DFG, Hochschulrektorenkonferenz, Max-Planck-Gesellschaft und Fraunhofer-Gesellschaft sowie internationalen Organisationen wie CERN unterzeichnet. Seit Januar 2023 verlangt der Schweizerische Nationalfonds, dass alle geförderten wissenschaftlichen Publikationen sofort und ohne Embargofrist frei verfügbar sein müssen.

Wichtige Open-Access-Wege

Die wichtigsten Publikationswege heißen Goldener Weg und Grüner Weg. Sie wurden auf der Budapester Konferenz 2002 entworfen und werden meist als ergänzende Modelle verstanden.

Der Goldene Weg bedeutet Erstveröffentlichung in einem Open-Access-Medium. Das sind vor allem Open-Access-Zeitschriften, die wie traditionelle Zeitschriften ein Peer Review nutzen, also eine fachliche Begutachtung vor der Veröffentlichung. Auch Monografien und Sammelbände in Open-Access-Verlagen zählen dazu. Meist wird eine freie Lizenz vorausgesetzt, bei der Autorinnen und Autoren ihre Rechte behalten und anderen ein einfaches Nutzungsrecht einräumen.

Der Grüne Weg bedeutet Parallel- oder Zweitveröffentlichung auf Dokumentenservern, sogenannten Repositorien. Autorinnen und Autoren archivieren dort eine Kopie ihres Aufsatzes oder ihrer Monografie. Diese Dokumente sind oft Preprints oder Postprints; nur bei Postprints hat ein Peer Review stattgefunden. Institutionelle Repositorien werden etwa von Hochschulen betrieben und sind meist fachübergreifend. Disziplinäre Repositorien decken ein Fachgebiet ab; ein bekanntes und altes Beispiel ist arXiv. Die Open Archives Initiative entwickelte dafür das Metadatenprotokoll OAI-PMH, das Such- und Sammeldienste wie BASE oder CORE nutzen können.

Diamond Open Access, auch Platin Open Access genannt, bezeichnet offen zugängliche Erstveröffentlichungen ohne Kosten für Lesende und Autoren. Die Finanzierung erfolgt zum Beispiel durch wissenschaftliche Institutionen, die Infrastruktur bereitstellen, und durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Zeitschriften im Rahmen ihrer Arbeit herausgeben. Der Begriff ist jedoch nicht unumstritten und nicht eindeutig definiert.

Hybridmodelle erlauben Open Access einzelner Artikel in ansonsten kostenpflichtigen Zeitschriften. Dafür fällt oft eine Article Processing Charge an. Dieses Modell wurde 2004 von Springer mit Open Choice eingeführt und wird wegen möglichem „Double Dipping“ kritisiert, weil Verlage zugleich Subskriptionsgebühren und Publikationsgebühren erhalten können. Bronze Open Access bezeichnet frei lesbare Artikel auf Verlagswebseiten ohne ausdrückliche freie Lizenz; dadurch fehlen gesicherte Nachnutzungsrechte und garantierte Langzeitverfügbarkeit. Black Open Access oder Guerilla-Open-Access meint illegale Zugänge zu Closed-Access-Materialien, etwa über Schattenbibliotheken; diese Angebote gelten in der Regel nicht als Open Access im eigentlichen Sinn.

Anwendungsbereiche

Open Access bezieht sich auch auf Forschungsdaten. In der Berliner Erklärung ist der freie Zugang zu Primärdaten eingeschlossen. Für solche Daten werden die Begriffe Open Research Data oder Open Data verwendet. Die Veröffentlichung nach den FAIR-Prinzipien soll Forschung nachvollziehbar, reproduzierbar und nachnutzbar machen. Forschungsdaten können als eigene Datensätze in Forschungsdatenrepositorien oder auf Verlagsplattformen erscheinen, als Anhang zu Artikeln oder über Links nachgewiesen werden. Data Papers beschreiben besonders wichtige oder gut nachnutzbare Forschungsdaten; spezialisierte Zeitschriften dafür heißen Data Journals.

Für Bücher erweitert Open Access den ursprünglich stark auf Zeitschriftenartikel bezogenen Begriff. Das EU-geförderte Projekt OAPEN soll Bücher aus geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen frei zugänglich machen. Damit sollen Fächer, in denen Monografien wichtiger sind als Zeitschriftenaufsätze, keinen strukturellen Nachteil haben.

Delayed Open Access bedeutet, dass Publikationen erst nach einer Wartezeit, der Embargofrist, frei zugänglich werden. Bei vielen solchen Zeitschriften beträgt diese Frist zwölf Monate.

Auch Digitalisate und Kulturgut können unter Open-Access-Gesichtspunkten betrachtet werden. Die Berliner Erklärung nennt Kulturgüter in Archiven, Bibliotheken und Museen ausdrücklich. Sie sollen kostenlos und nachnutzbar zugänglich sein. Dabei entstehen Konflikte um Bildrechte: Freie Projekte kritisieren Copyfraud, also das Behaupten nicht bestehender Urheberrechte an gemeinfreien Werken, während Museen und andere Einrichtungen darum ringen, Abbildungen geschützter Werke online zeigen und teilen zu dürfen.

Finanzierung und Umsetzung

Auch digitales Publizieren verursacht Kosten. Open Access verändert die Produktionskette des Publizierens, weil neben oder statt Verlagen auch Wissenschaftler, Forschungsförderer, Institutionen und Bibliotheken eine zentrale Rolle übernehmen. Diese Richtung wird auch wissenschaftsgeleitetes Publizieren oder Scholar-led Open Access genannt.

Ein verbreitetes Modell sind Publikationsgebühren, auch Article Processing Charges (APC). Dabei zahlen Autorinnen und Autoren oder ihre Einrichtungen für die Veröffentlichung. Das Geschäftsmodell heißt Autor-zahlt-Modell. Laut einer Studie der Kaufmann-Wills-Group lag dieses Finanzierungsmodell bei Open-Access-Zeitschriften bei unter 50 Prozent und damit unter dem Wert für konventionelle Zeitschriften. Zwischen Fächern gibt es große Unterschiede. Manche Zeitschriften erlassen Gebühren für Autorinnen und Autoren aus finanziell benachteiligten Einrichtungen. Förderorganisationen übernehmen solche Gebühren teilweise oder ganz. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützte von 2009 bis Ende 2020 mit dem Förderprogramm „Open-Access-Publikationskosten“ Publikationsfonds an Hochschulen.

Bei institutioneller Mitgliedschaft zahlen Forschungsinstitutionen oder Bibliotheken im Voraus oder jährlich, damit Angehörige ohne weitere Kosten oder günstiger in einem Open-Access-Journal veröffentlichen können. Ein Beispiel ist BioMed Central. Der Begriff ist umstritten, weil damit meist kein Einfluss auf den Verlag verbunden ist; im deutschen Sprachraum wird auch von Verlagsvereinbarungen gesprochen.

Transformationsverträge, auch Publish-and-Read-Verträge oder Offsetting genannt, sollen den Übergang von Subskriptionsgebühren zu Publikationsgebühren organisieren. Bibliotheken oder Konsortien zahlen zunächst weiterhin Subskriptionsgebühren plus Publikationsgebühren; im Folgejahr kann der Subskriptionspreis um die vorherigen Publikationsgebühren sinken. Die DEAL-Verträge sind in Deutschland das bekannteste Beispiel. In mehreren Ländern, darunter Schweden, Ungarn, die USA, Norwegen, die Niederlande und die Schweiz, gab es Verhandlungen oder Verträge mit großen Verlagen wie Elsevier, Wiley, Springer Nature, Taylor & Francis und Oxford University Press.

Subscribe to Open (S2O) überführt Closed-Access-Zeitschriften in Open-Access-Zeitschriften, wenn genug Bibliotheken und Institutionen die bisherigen Abonnementgebühren weiterzahlen. Für Autorinnen und Autoren fallen dann keine APC an. Das Modell wurde 2017 vom US-Verlag Annual Reviews entwickelt; Stand 2023 beteiligten sich 15 Verlage mit mehr als 150 Zeitschriften, und Stand März 2025 wurden mehr als 300 Zeitschriften unter eine freie Lizenz gestellt. Weitere Modelle finanzieren Publikationen über Mitgliedsbeiträge, institutionelle Infrastruktur oder den Verkauf gedruckter Produkte.

Argumente und Kritik

Befürworter nennen mehrere Vorteile: Forschungsergebnisse und Forschungsdaten können leichter überprüft werden; Open-Access-Publikationen werden häufiger gelesen und häufiger zitiert; internationale Zusammenarbeit kann erleichtert und beschleunigt werden. Während der COVID-19-Pandemie machten viele Verlage und Institutionen Veröffentlichungen zum Virus und zur Pandemie frei zugänglich. Außerdem hilft Open Access bei der Relevanzprüfung, weil man in Texte hineinsehen kann, ohne für möglicherweise unpassende Werke zu zahlen. Die Auffindbarkeit kann steigen, weil Suchmaschinen nicht nur Metadaten, sondern auch Volltexte auswerten können.

Kritik gibt es an einem möglichen Veröffentlichungszwang. Manche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen in der Förderung oder Verpflichtung zu Open Access eine Einschränkung ihrer Freiheit, selbst über die Veröffentlichungsform zu entscheiden. Der Heidelberger Appell sprach von Eingriffen in Presse- und Publikationsfreiheit. Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen wies 2009 Vorwürfe zurück, sie wolle verfassungswidrig in Publikationsfreiheit oder Urheberrechte eingreifen.

Ein weiterer Kritikpunkt sind Interessenkonflikte. Wenn Publikationsgebühren gezahlt werden müssen, stellt sich die Frage, wer bei knappen Mitteln gefördert wird. Problematisch wäre es, wenn Stellung, Dienstalter oder Macht wichtiger würden als wissenschaftliche Qualität. Außerdem kann ein Gebührenmodell für Verlage einen Anreiz schaffen, weniger Artikel abzulehnen. Beispiele aus Open-Access-Journalen der Bentham-Science-Verlagsgruppe führten 2009 zu Rücktritten von Chefredakteuren und Diskussionen über Peer-Review-Standards.

Auch Auffindbarkeit und Langzeitarchivierung wurden kritisiert. Befürworter halten dagegen, dass Metadaten, Volltextsuche und vernetzte Repositorien die Auffindbarkeit verbessern können und dass sinkende Speicherkosten sowie Archivsysteme die Langzeitarchivierung erleichtern.

Ein bekannter Test des Journalisten und Biologen John Bohannon zeigte Probleme im Peer Review: Er schickte eine fehlerhafte Studie an 304 Open-Access-Zeitschriften; 157 akzeptierten sie, 98 wiesen sie ab. 36 Zeitschriften erkannten offensichtliche Fehler, aber bei 16 wollten die Herausgeber trotzdem veröffentlichen. Das Directory of Open Access Journals verschärfte 2014 seine Aufnahmekriterien. Kritisiert wird außerdem die Kommerzialisierung von Open Access, weil Publikationsgebühren und große Konsortialverträge die Dominanz marktbeherrschender Verlage stärken und Kosten weiter erhöhen könnten.

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