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Omar Chayyām

Omar Chayyām persischer Mathematiker, Astronom, war ein persischer Mathematiker, Astronom, Astrologe, Kalenderreformer, Philosoph und weltweit. Mathematik und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Mathematik und Astronomie
  3. 3. Philosophie und Dichtung
  4. 4. Beispiele der Vierzeiler
  5. 5. Künstlerische Wirkung
  6. 6. Ausgaben und Übersetzungen

Überblick

Omar Chayyām, deutsch auch Omar Chajjam, war ein persischer Mathematiker, Astronom, Astrologe, Kalenderreformer, Philosoph und Dichter. Er wurde am 18. Mai 1048 in Nischapur in Chorasan, dem heutigen Iran, geboren und starb dort am 4. Dezember 1131. Weltweit bekannt wurde er vor allem durch seine Vierzeiler, die Rubāʿīyāt.

Für das Verständnis seiner Bedeutung sind zwei Bereiche besonders wichtig: In Mathematik und Astronomie entwickelte er bedeutende Verfahren, unter anderem zur Behandlung kubischer Gleichungen und zur Kalenderberechnung. In Philosophie und Dichtung wurde er später vor allem als Autor skeptischer, lebensnaher und oft nachdenklicher Vierzeiler wahrgenommen.

Mathematik und Astronomie

Omar Chayyām löste kubische Gleichungen, also Gleichungen dritten Grades, indem er ihre Wurzeln geometrisch bestimmte. Dazu nutzte er Kegelschnittkurven. Weil er nur positive Koeffizienten voraussetzte, musste er verschiedene Fälle solcher Gleichungen unterscheiden. Sein Werk zur Algebra war lange Zeit einflussreich. Einen ähnlichen Weg setzte erst Jahrhunderte später Descartes fort.

Er beschäftigte sich außerdem mit Parallelen und suchte nach einem Beweis für das Parallelenaxiom des Euklid. Dieses Axiom gehört zu den Grundannahmen der euklidischen Geometrie. Auch irrationale Zahlen, also Zahlen, die sich nicht als Bruch ganzer Zahlen darstellen lassen, gehörten zu seinen Themen. Zudem behandelte er die Anordnung der Binomialkoeffizienten, die heute als Pascalsches Dreieck bekannt ist.

1073 beauftragte ihn der seldschukische Sultan Malik Schah I. mit dem Bau eines Observatoriums und mit der Erstellung eines Sonnenkalenders zu astrologischen Zwecken. Ab 1074 leitete Omar Chayyām das Observatorium. Sein Kalender war genauer als der 500 Jahre spätere Gregorianische Kalender. Der moderne iranische Kalender beruht auf seinen Berechnungen.

Nach Omar Chayyām wurden mehrere Himmelskörper und Raumfahrtobjekte benannt: der Asteroid des äußeren Hauptgürtels (3095) Omarkhayyam, der Mondkrater Omar Khayyam und der iranische Überwachungssatellit Khayyam, der im August 2022 mit russischer Hilfe ins All geschossen wurde.

Philosophie und Dichtung

Omar Chayyām war ein Anhänger der Philosophie Avicennas. Schon zu seiner Zeit hatte er Ansehen durch philosophische Texte, die auch islamkritische Themen sachlich und eingehend behandelten. 1080 erschien sein philosophischer Traktat über „Sein und Verpflichtung“ beziehungsweise „Sein und Sollen“, der sich mit Willensfreiheit befasste.

In seinen Robāʿīyāt, also Vierzeilern, erscheint er oft von einer aufklärerisch-skeptischen Seite. Einige Verse sind von Weltschmerz geprägt und wenden sich gegen den islamischen Glaubenssatz der Vorherbestimmung. Vermutlich wurden zu seinen Lebzeiten nur wenige dieser Verse veröffentlicht. Persische Quellen erwähnen und zitieren seine Gedichte erst ab dem späten 12. Jahrhundert, also nach seinem Tod. In Persien wurde ihm zunächst keine hohe dichterische Anerkennung gegeben; er wurde nicht zum „Siebengestirn“ der persischen Dichter gezählt.

Die Deutung seiner Gedichte ist umstritten. Eine wörtliche Lesart sieht darin eine Verbindung von Pessimismus, Nihilismus, Epikureismus, Fatalismus und Agnostizismus. Diese Auffassung vertreten unter anderem die Iranisten Arthur Christensen, H. Schaeder und Richard N. Frye. Andere verstanden seine Gedichte als Teil der Sufi-Dichtung. Frye betont jedoch, dass mehrere berühmte Sufi-Mystiker seiner Zeit Omar Chayyām ablehnten. Schams-e Tabrizi beschrieb ihn als „einen unglücklichen Philosophen, Atheisten und Materialisten“, Attar als freidenkenden Wissenschaftler, der im Jenseits Bestrafung zu erwarten habe.

Im Westen wurde Omar Chayyām erst durch Edward FitzGeralds Übersetzung der Rubai'yat in der Mitte des 19. Jahrhunderts sehr bekannt, besonders in der anglo-amerikanischen Welt. Dieser westliche Ruhm wirkte später auch auf seine Wahrnehmung im Heimatland zurück. Deutsche Übersetzungen folgten um 1880 durch Adolf Friedrich Graf von Schack und Friedrich Bodenstedt; ab 1912 übersetzte Friedrich Rosen die Texte unter dem Titel „Die Sinnsprüche Omars des Zeltmachers / Rubaijat-i-Omar-i-Khayyam“. Klabund schuf 1917 eine deutsche Nachdichtung mit dem Titel „Das Sinngedicht des persischen Zeltmachers“.

Beispiele der Vierzeiler

Die im Artikel ausgewählten Gedichte zeigen typische Themen, die Omar Chayyām zugeschrieben werden: Vergänglichkeit, Zweifel an jenseitigen Versprechungen, Lebensgenuss, Wein, Naturbilder und das Staunen über Welt und Himmel.

Ein Vierzeiler stellt dem versprochenen Paradies mit Jungfrauen den unmittelbaren Genuss von Wein gegenüber. Die Aussage „Nimm diesen Cent und den versproch’nen Schatz lass fahren“ betont den Vorrang des Gegenwärtigen gegenüber einer unsicheren Zukunft.

Ein anderer Vierzeiler mahnt, das vergangene Leben könne niemand zurückholen. Auch das Motiv des Todes erscheint mehrfach: In einem Gedicht wird ein Schloss beschrieben, in dem einst Herrscher lebten, während nun Tiere dort wohnen; in einem anderen will das lyrische Ich so viel Wein trinken, dass dessen Duft noch aus dem Grab aufsteigt. Ein weiterer Vierzeiler beschreibt die Welt als Laterne eines Trugbilds: Die Sonne ist der Lichtquell, die Welt die Laterne, und die Menschen erscheinen wie Formen darin.

Künstlerische Wirkung

Nach Edward FitzGeralds erster englischer Übersetzung von 1859 entstanden zahlreiche aufwendig illustrierte Ausgaben der Vierzeiler. Diese Mode der Omar-Rezeption hielt bis in die 1940er Jahre an. Besonders in England beteiligten sich seit dem Art Nouveau viele Illustratoren daran.

Auch Musik, Film, bildende Kunst und Literatur griffen Omar Chayyām auf. Sir Granville Bantock komponierte 1906 das Oratorium „Omar Khayyām“ für Orchester, Chor und drei Solisten und nutzte dafür FitzGeralds Übersetzung. Friedrich Cerha schrieb 1949 „Zehn Rubaijat des Omar Chajjam für gemischten Chor a cappella“. Fazıl Says 2011 uraufgeführtes erzählendes Konzert „Khayyam“ für Klarinette und Orchester bezieht sich vor allem auf Omar Chayyāms Leben.

William Dieterle verfilmte 1956 sein Leben in „Sturm über Persien“. Anatoli Iwanowitsch Kalaschnikow schuf 1971/72 eine abstrakte Holzstichserie zu Omar Chayyam. Kayvan Mashayekh bearbeitete seine Lebensgeschichte 2005 im Film „Prince of Persia. Die Legende von Omar“. Literarisch spielt Omar Chayyām unter anderem eine zentrale Rolle in Amin Maaloufs Roman „Samarkand“ von 1988 und in Dževad Karahasans Roman „Der Trost des Nachthimmels“ von 2016. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde er in der arabischen Welt erneut bekannter durch das Lied „Rubaiyat Al-Khayyam“ von Umm Kulthum.

Ausgaben und Übersetzungen

Die Artikelangaben nennen zahlreiche Ausgaben und Übersetzungen der Vierzeiler. Dazu gehören deutsche Übertragungen von Joseph von Hammer-Purgstall, Friedrich Bodenstedt, Adolf Friedrich von Schack, Friedrich Rosen, Martin Remané, Walter von der Porten und Cyrus Atabay. Auch Salo Weindling übertrug Vierzeiler nach Edward FitzGeralds „Rubaijat“.

Wichtige genannte Ausgaben sind unter anderem „Die Sinnsprüche Omars des Zeltmachers“ von 1909, Rosens „Sinnsprüche“ in der Insel-Bücherei, „Durchblättert ist des Lebens Buch“ mit Auswahl, Übersetzung und Anmerkungen von Bozorg Alavi sowie „Wie Wasser strömen wir“ von 1984. Als persische Ausgabe wird „Roba’iyat Hakim Omar-e Khayyam“, herausgegeben von Sadegh Hedayat, Teheran 1923, genannt. Die bekannteste englische Übersetzung ist FitzGeralds „Rubaiyat“, ursprünglich 1859 erschienen.

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