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René Descartes

März 1596 in La Haye en Touraine; † 11. Februar 1650 in Stockholm) war ein französischer Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler. Sein Diktum „ich …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Einordnung
  2. 2. Leben und Hauptwerke
  3. 3. Methode und sichere Erkenntnis
  4. 4. Zweifel, Ich und Gott
  5. 5. Mathematik, Materie und Bewegung
  6. 6. Optik, Mensch und Willensfreiheit

Bedeutung und Einordnung

René Descartes (latinisiert Renatus Cartesius; * 31. März 1596 in La Haye en Touraine; † 11. Februar 1650 in Stockholm) war ein französischer Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler. Sein Satz „cogito ergo sum“ – „Ich denke, also bin ich“ – gehört zu den bekanntesten Grundsätzen der modernen Philosophie.

Descartes gilt als Begründer des frühneuzeitlichen Rationalismus: Erkenntnis soll vor allem auf Vernunft, klaren Begriffen und logischem Schlussfolgern beruhen. Seine Philosophie wird Cartesianismus genannt. Zugleich entwickelte er ein mechanistisches Weltbild: Naturvorgänge sollen durch allgemein gültige Gesetze, Bewegung und materielle Wechselwirkungen erklärt werden, nicht durch Geister oder Zwecke in der Natur. Er wird deshalb als wichtiger Systematiker der neuzeitlichen Metaphysik und als „Vater der neueren Philosophie“ bezeichnet.

Er verband außerdem Algebra und Geometrie zur analytischen Geometrie. In der Physik vereinfachte er die Statik einfacher Maschinen mithilfe des Prinzips der virtuellen Arbeit. Seine naturwissenschaftlichen Einzeltheorien wurden später vielfach durch Newtons Physik ersetzt, doch seine Forderung nach einer mathematisch und gesetzmäßig erklärbaren Natur wirkte weit über seine Zeit hinaus.

Leben und Hauptwerke

Descartes erhielt am jesuitischen Collège Henri-IV de La Flèche eine klassische und mathematische Ausbildung. Er studierte ab 1612 Jura in Poitiers und bestand dort 1616 ein juristisches Examen. Danach begegnete er in Breda Isaac Beeckman, der ihn für Physik begeisterte; Descartes widmete ihm das mathematisch-physikalische Musicæ compendium (1618).

Im November 1619 entwickelte er die Idee einer „universale[n] Methode zur Erforschung der Wahrheit“: Anerkannt werden sollte nur, was er selbst oder im „großen Buch der Welt“ fand und auf Plausibilität und Logik prüfte. Daraus gingen die unvollendeten Regulae ad directionem ingenii hervor.

Von 1629 an lebte Descartes überwiegend in den Niederlanden. 1637 veröffentlichte er anonym den Discours de la méthode samt den Anhängen Dioptrique, Météores und La Géométrie. Weitere zentrale Schriften sind die Meditationes de prima philosophia (1641), die Principia philosophiae (1644) und Les Passions de l’âme (1649). Sein Traité du Monde blieb nach Galileis Verurteilung 1633 zunächst unveröffentlicht. Descartes starb 1650 wahrscheinlich an einer Lungenentzündung; die 2009 vertretene Vergiftungsthese fand wenig Anerkennung. 1663 setzte der Heilige Stuhl seine Schriften auf den Index Librorum Prohibitorum.

Methode und sichere Erkenntnis

Descartes orientierte seine philosophische Methode an der Mathematik, weil deren Gründe ihm sicher und evident erschienen. Im Discours de la méthode nennt er vier Regeln:

  • Skepsis: Nur als wahr akzeptieren, was klar und deutlich erkannt ist und nicht bezweifelt werden kann.
  • Analyse: Schwierige Probleme in kleinere Teile zerlegen.
  • Konstruktion: Vom Einfachen zum Schwierigen fortschreiten.
  • Rekursion: Vollständigkeit der Untersuchung immer wieder prüfen.

Die Methode ist reduktionistisch: Komplexe Fragen werden so weit zerlegt, bis ihre einfachen Bestandteile unmittelbar als wahr erkannt werden können. Intuition bedeutet dabei das unmittelbare Erfassen einfacher Wahrheiten, etwa: Ein Dreieck hat drei Seiten. Descartes wollte aus wenigen sicheren Prinzipien die gesamte Philosophie und Naturwissenschaft aufbauen. Sein Bild vom „Baum des Wissens“ ordnet die Metaphysik als Wurzel, die Physik als Stamm und Medizin, Mechanik sowie Ethik als wichtigste Zweige ein.

Zweifel, Ich und Gott

In den sechs Meditationes de prima philosophia von 1641 beginnt Descartes mit radikalem Zweifel. Sinneswahrnehmungen können täuschen; auch Denken kann irren, wenn ein „böser Dämon“ den Verstand täuscht. Daher darf zunächst nichts ungeprüft als gewiss gelten.

Im Zweifel bleibt jedoch sicher: Wer zweifelt, denkt; wer denkt, existiert. Der erste unbezweifelbare Satz lautet „ego sum, ego existo“ – „Ich bin, ich existiere“ – und ist „notwendig wahr, so oft ich ihn ausspreche oder denke“. Das Ich ist als denkendes Ding, res cogitans, bestimmt.

Descartes folgert ferner aus der Idee eines vollkommenen Gottes dessen Existenz: Eine Ursache könne nicht weniger vollkommen sein als ihre Wirkung; die Gottesvorstellung sei vollkommener als der Mensch selbst. Ein vollkommener Gott könne kein Betrüger sein. Deshalb könne man dem klar und deutlich („clare et distincte“) Erkannten vertrauen. Irrtum entstehe, wenn der Wille über Dinge urteilt, die der Verstand nicht klar einsieht.

Descartes unterscheidet Ideen nach ihrem Ursprung in ideae factitiae, die auf Gegenstandswahrnehmung beruhen, ideae adventitiae, die durch Einbildungskraft erzeugt werden, und eingeborene Ideen, ideae innatae. Besonders wichtig sind die Ideen der unendlichen Substanz (Gott), der endlichen denkenden Substanz (menschlicher Geist) und der endlichen ausgedehnten Substanz (Materie).

Mathematik, Materie und Bewegung

Die analytische Geometrie verbindet algebraische Terme und Gleichungen mit geometrischen Problemen. In La Géométrie (1637) werden unbekannte Strecken als Variablen wie x und y behandelt; Zahlenpaare (a, b) und Veränderliche (x, y) bilden ebene Kurven ab. Descartes führte das heute sogenannte kartesische Koordinatensystem nicht direkt ein. Für Kegelschnitte gab er die bis heute gebräuchliche allgemeine Form

ax² + bxy + cy² + dx + ey + f = 0.

Sein Materiebegriff setzt Materie mit räumlicher Ausdehnung in Länge, Breite und Tiefe gleich. Daher gibt es nach ihm kein Vakuum und keine unteilbaren Atome; Materie ist unbegrenzt ausgedehnt, teilbar und beweglich. Er unterscheidet drei Arten raumerfüllender Materie: feinste Lichtmaterie, Ätherstoff für Himmelswirbel und grobe sichtbare Materie für Erde und Planeten.

Naturvorgänge erklärt Descartes durch Nahwirkung, also Druck und Stoß sich berührender Teilchen; Fernkräfte wie Gravitation lehnt er ab. Bewegung ist die Überführung eines Körpers aus der Nachbarschaft unmittelbar berührender Körper in die Nachbarschaft anderer. Ruhe und Bewegung sind relativ zur jeweiligen Umgebung. Jede Einwirkung geht mit Gegenwirkung einher.

Die von Gott geschaffene quantitas motus soll erhalten bleiben. Descartes fasste sie als richtungsunabhängiges Produkt m·v auf, also als Vorstufe des Impulserhaltungssatzes, ohne dessen vektoriellen Charakter zu berücksichtigen. Er formulierte außerdem das Trägheitsprinzip: Ohne äußere Einwirkung behält ein Körper Form und Bewegungszustand bei, und seine Bewegung setzt sich geradlinig fort. Viele seiner Stoßgesetze waren fehlerhaft, unter anderem weil er elastische und plastische Stöße nicht sauber unterschied.

Optik, Mensch und Willensfreiheit

In der Dioptrique (1637) behandelte Descartes Strahlenoptik, Sehvorgang, Lichtbrechung und optische Instrumente. Er formulierte unabhängig von Snellius das Brechungsgesetz als Verhältnis und gab die dazu gleichwertige moderne Form an:

n = sin(∠ABH) / sin(∠IBG),

wobei n der relative Brechungsindex ist. Seine Begründung stützt sich auf ein mechanisches Modell von Lichtpartikeln und nicht auf Messungen.

Descartes beschreibt den Körper als mechanisch funktionierenden Organismus und begründete damit die neuzeitliche Iatrophysik. Seine Schrift Traité de l’homme von 1632 erschien wegen der Furcht vor der Inquisition erst 1662 als De homine. Körper und Seele sind im cartesianischen Dualismus verschiedene Substanzen: Materie ist res extensa, das Denken res cogitans. Offen bleibt, wie Körper und Seele aufeinander einwirken.

Für körperliche Vorgänge nahm Descartes „Lebensgeister“ (esprits animaux) an: feine Materie, die sich vom Gehirn, insbesondere der vermuteten Zirbeldrüse, über den Körper verteilt und ihn steuert. Passionen beziehungsweise Leidenschaften erklärte er als Reiz-Reaktions-Vorgänge. Dennoch verteidigte er die Willensfreiheit: Der Mensch kann als vernunftbegabtes Wesen urteilen, seine Leidenschaften kontrollieren und sich für das als gut Erkannte entscheiden. Edelmut (generosité) bedeutet, die freie Verfügung über die eigenen Willensakte verantwortlich und tugendhaft zu gebrauchen.

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