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Objektfall
Von Akkudativ redet man, wenn dieser einheitliche Objektkasus entstanden ist, indem eine vorherige Trennung in Akkusativ und Dativ, wie sie etwa im …
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Begriff und Bedeutung
Der Objektfall, auch Objektiv genannt, ist ein einheitlicher Kasus für alle Objekte im Satz. Er kommt vor, wenn eine Sprache oder ein Dialekt im Kasussystem nur noch zwischen Subjekt und Objekt unterscheidet. Ein Objekt ist dabei ein Satzglied, das von einem Verb oder einer Präposition abhängt, zum Beispiel die Person oder Sache, die von einer Handlung betroffen ist.
Von Akkudativ spricht man, wenn dieser einheitliche Objektkasus dadurch entsteht, dass eine frühere Trennung zwischen Akkusativ und Dativ aufgegeben wird. Im Standarddeutschen gibt es diese Trennung noch: Der Akkusativ steht zum Beispiel bei „den Mann“, der Dativ bei „dem Mann“. In Sprachen oder Dialekten mit Objektfall kann dieselbe Form beide Funktionen übernehmen.
Entstehung durch Kasus-Synkretismus
Die Herausbildung des Objektfalls beruht auf Kasus-Synkretismus, auch Kasuskollaps genannt. Damit ist gemeint, dass ursprünglich verschiedene Kasusformen in einer flektierenden Sprache immer ähnlicher werden und schließlich zusammenfallen. Solche Entwicklungen sind in der indogermanischen Sprachfamilie häufig.
In germanischen Sprachen betrifft dies besonders die Trennung von Akkusativ und Dativ. Wenn beide Fälle zusammenfallen, entsteht ein Akkudativ, der die Funktionen beider Kasus erfüllt. Diese Entwicklung ist vor allem im Niederdeutschen zu finden, kommt aber auch im Berlinischen und bis in den ostsächsischen Sprachraum vor. Manchmal betrifft der Zusammenfall nur das männliche Genus, weil Formen wie „den“ und „dem“ lautlich schwerer zu unterscheiden sind als „die“ und „der“.
Vorkommen im Niederländischen und Berlinischen
Im Niederländischen ist die Entwicklung zu einem einheitlichen Objektkasus fast vollständig abgeschlossen. Eine Unterscheidung zwischen Dativ und Akkusativ gibt es nur noch bei bestimmten Pronomina der Schriftsprache: In der 3. Person Plural wird zwischen „hun“ als Dativform und „hen“ als Akkusativform unterschieden. Ansonsten verwendet das Niederländische einen einheitlichen Objektkasus.
Im berlinischen Dialekt ist die Lage uneinheitlich. Dort war die Trennung von Akkusativ und Dativ im niederdeutschen Substrat bereits aufgegeben. Durch den Einfluss standarddeutscher Formen wurde sie wieder sichtbarer, ihr Gebrauch bleibt aber unsicher. Bei Pronomina werden fast durchgehend standarddeutsche Dativformen verwendet, etwa „mir“ statt niederdeutsch „mi“. Bei anderen Objekten tritt dagegen häufig der lautlich einfacher zu bildende Akkusativ auf.
Zusammenhang mit dem Genitiv
Der Zusammenfall von Akkusativ und Dativ zum Objektfall wird nach dem Artikel vom Verlust des Genitivs begleitet. Der Genitiv ist ein Kasus, der im Standarddeutschen unter anderem Besitz oder Zugehörigkeit ausdrückt, zum Beispiel „des Mannes“.
An seine Stelle tritt oft eine Konstruktion mit „von“ plus Dativ, etwa „von dem Mann“ statt „des Mannes“. Auch bei Präpositionen, die im Standarddeutschen den Genitiv verlangen, kann eine Ersetzung durch den Dativ auftreten, zum Beispiel „wegen dem Regen“ statt „wegen des Regens“. Daneben gibt es besitzanzeigende Konstruktionen wie „dem Nachbarn seine Katze“; im Englischen wird in diesem Zusammenhang der sächsische Genitiv genannt.
Typische Beispiele
Die Beispiele zeigen, dass dieselbe Objektform Funktionen übernehmen kann, die im Standarddeutschen getrennt wären.
Bei „De Fru kiekt de Mann an“ beziehungsweise niederländisch „De vrouw kijkt de man aan“ entspricht „de Mann“ / „de man“ dem Standarddeutschen „den Mann“. Im Standarddeutschen oder Lateinischen stünde hier der Akkusativ.
Bei „De Fru gifft de Mann Koken“ beziehungsweise niederländisch „De vrouw geeft de man koek“ entspricht „de Mann“ / „de man“ dem Standarddeutschen „dem Mann“. Im Standarddeutschen oder Lateinischen stünde hier der Dativ.
In beiden Fällen steht „Mann“ also im Objektiv: einmal mit Akkusativfunktion, einmal mit Dativfunktion.