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Nordstern (Versicherung)
In der Sachversicherung entstand hierdurch automatisch eine massive Unterversicherung. Vor allem aber verloren die Geldanlagen der Versicherung massiv an Wert.
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Überblick
Nordstern war ein deutscher Versicherungskonzern, der aus mehreren Versicherungsgesellschaften bestand und in den 1990er Jahren in der Axa aufging. Der Konzern betrieb vor allem Lebensversicherung, Sachversicherung, Unfall- und Haftpflichtversicherung sowie später auch Transportversicherung. Seine Geschichte zeigt, wie ein Versicherungsunternehmen durch neue Geschäftsfelder, Zusammenschlüsse, Krieg, Inflation und spätere Übernahmen geprägt wurde.
Für die Unternehmensgeschichte wichtig sind die frühen Berliner Gründungen, die starke Ausweitung vor dem Ersten Weltkrieg, die Neuordnung während und nach dem Krieg, die Krise durch Inflation und Währungsrisiken sowie der spätere Übergang über die Colonia Versicherung zur Axa. Bauliche Spuren der Nordstern-Versicherungen sind mehrere Verwaltungsgebäude, vor allem in Berlin.
Gründung und Aufbau
Bereits 1857 wurde in Hamburg eine See- und Flußversicherung „Nordstern“ gegründet; ein direkter Zusammenhang mit dem späteren Nordstern-Konzern ist jedoch nicht belegt.
Die spätere Nordstern entstand 1866/1867 als „Nordstern“ Lebens-Versicherungs-Actien-Gesellschaft. Sie wurde durch Berliner Bankiers gegründet, darunter Franz Mendelssohn, Gerson von Bleichröder, F. W. Krause, Moritz Plaut und Eduard von der Heydt. Bis 1872 hatte sie ihren Sitz im Gebäude der Mendelssohn-Bank in der Jägerstraße 52 in Berlin.
Ab 1871 leitete Franz Gerkrath das Unternehmen drei Jahrzehnte lang als Generaldirektor. Nach seinem Tod folgte 1901 sein Sohn Albrecht Gerkrath, 1909 Robert Hackelöer-Köbbinghoff und nach dessen Tod 1924 Hans Riese.
Ausbau vor und während des Ersten Weltkriegs
1909 bestand die Nordstern-Gruppe aus zwei Gesellschaften: der Nordstern Lebensversicherungs-AG und der Nordstern-Unfallversicherung. Nach dem Amtsantritt von Robert Hackelöer-Köbbinghoff gab die Nordstern-Unfallversicherung das Kleinlebensversicherungsgeschäft auf. Dadurch entfielen die soziale Zielsetzung der Gesellschaft und die damit verbundene Dividendenbeschränkung.
1911 begann Nordstern mit der Automobilversicherung. 1911/1912 kamen Feuer- und Einbruchdiebstahlsversicherung hinzu; die Firma wurde in Nordstern Unfall- und Haftpflicht-Versicherungsgesellschaft AG geändert. Das Kapital wurde auf 6 Millionen Mark erhöht. 1914 erreichten die Prämieneinnahmen 5,9 Millionen Mark. Die Nordstern-Lebensversicherung hatte 1914 einen Marktanteil von 4 % und 28 Millionen Mark Prämieneinnahmen.
Ein wichtiges Ereignis war im Juni 1914 die Interessengemeinschaft mit der Preußische Feuer-Versicherungs-AG, einem bedeutenden Sachversicherer mit 4,8 Millionen Mark Prämienvolumen. Die Gesellschaft hieß zunächst „Nordstern“ Preußische Feuer-Versicherungs-AG, ab Ende November 1914 ohne den Namensbestandteil „Preußische“. 1921 wurde sie in Nordstern Allgemeine Versicherungs-AG umbenannt. Sie wurde als Spitzen-Gesellschaft des Nordsternkonzerns beschrieben.
Im November 1914 wurde auch die Westdeutsche Versicherungs-Bank AG in Essen angegliedert. Durch diese Veränderungen entstand eine Dreiteilung: Sachversicherung durch die Nordstern Feuerversicherungs-AG, Unfall- und Haftpflichtversicherung durch die Nordstern Unfall und Lebensversicherung durch die weiterhin bestehende Lebensversicherungsgesellschaft.
Krieg, Inflation und Bankenkrise
Der Erste Weltkrieg brachte große Belastungen. In der Sachversicherung waren Kriegsschäden vertragsgemäß ausgeschlossen, in der Lebensversicherung jedoch nicht. Auf Anregung Hackelöer-Köbbinghoffs gründeten deutsche Lebensversicherer gemeinsam die Bank Deutscher Lebensversicherungs-Gesellschaften. Sie sollte bei hohen Auszahlungen wegen Kriegstoten langfristige Anlagen der Versicherer aufkaufen und kurzfristig Liquidität sichern. Nordstern benötigte diese Hilfe nicht, hatte aber hohe versicherungstechnische Kosten: Bis 1916 waren 12 Millionen Mark kriegsbedingte Schäden angefallen.
Ab 1915 bot Nordstern neue Kriegsprodukte an, darunter eine Fliegerschadensversicherung und eine Kriegsanleiheversicherung. Das Auslandsgeschäft brach weitgehend zusammen: In Feindesländern wurde es unter Treuhandverwaltung gestellt und später konfisziert; in befreundeten und neutralen Ländern schrumpfte es durch territoriale Veränderungen nach dem Krieg.
1917 übernahm Nordstern 87 % des Kapitals der Düsseldorfer Allgemeine Versicherungs-Actien-Gesellschaft, verkaufte die Anteile aber 1921 wieder. 1920 wurde die Nordstern Transport-Versicherungs-AG gegründet, um das Transportversicherungsgeschäft zu bündeln.
Nach dem Krieg traf die Hochinflation den Konzern stark. In der Sachversicherung entstand massive Unterversicherung, und Geldanlagen verloren an Wert. Besonders gefährlich wurde 1920 der Erwerb der Teutonia-Versicherungsgesellschaft in Leipzig. Diese hatte ein bedeutendes Auslandsgeschäft, darunter 28 Millionen Schweizer Franken Bestand, aber nur 1,16 Millionen Franken kongruente Absicherung. Durch den Wertverlust der Mark musste Nordstern hohe Verpflichtungen in Auslandswährung erfüllen.
1923 beteiligte sich Hugo Stinnes mit einem Aktienpaket im Nominalwert von 22,5 Millionen Mark aus einer Kapitalerhöhung und baute seine Beteiligung später zur Aktienmehrheit aus. Im selben Umfeld entstand 1923 die Nordsternbank AG. Ebenfalls 1923 wurde durch Übernahme der „Allba“ Allgemeine Lebensversicherungs-Bank AG die Allba-Nordstern Lebensversicherungs-AG gebildet. Die alte Nordstern Lebensversicherungs-AG hieß nun AG für Lebens- und Renten-Versicherung und wickelte alte, vor der Währungsreform geschlossene Verträge in Papiermark ab.
Während der Deutschen Bankenkrise geriet Nordstern 1931 erneut in Schwierigkeiten. Am 30. Mai 1931 meldete der Konzern einen Verlust von 28 Millionen Reichsmark; zugleich nahmen Kreditkündigungen zu.
Nachkriegszeit und Ende des Konzerns
Von 1931 bis 1961 war Edgar Schnell Generaldirektor der „Nordstern“ Allgemeine Versicherung und ab 1949 auch der „Nordstern“ Leben. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand neben Berlin ein zweiter Hauptsitz in Köln. Die Nordstern Leben kam über Bremen ebenfalls nach Köln.
Im Geschäftsjahr 1954 betrug die Gesamtprämieneinnahme rund 80 Millionen DM. 1964 lag sie bei 224 Millionen D-Mark. Nach Zuführung der Spezialrücklagen aus dem Gesamtüberschuss betrug der Reingewinn 1964 2,2 Millionen D-Mark.
1995 wurde Nordstern von der Colonia Versicherung gekauft. Die Colonia Versicherung wurde 1997 von der Axa übernommen. Damit ging Nordstern in den 1990er Jahren in der Axa auf.
Gebäude und Immobilien
An die Nordstern-Versicherungen erinnern besonders drei denkmalgeschützte Verwaltungsgebäude in Berlin. Sie dienten nacheinander als Hauptverwaltung und zeigen das Wachstum des Unternehmens.
Vom zweiten Nordsternhaus an der Mauerstraße in Berlin-Mitte, erbaut 1900–1901, sind nur noch Reste der Fassade erhalten. Die Architekten waren Heinrich Kayser und Karl von Großheim. Das dritte Nordsternhaus entstand 1913–1914 in Berlin-Schöneberg am Nordsternplatz nach Entwürfen von Paul Mebes und Paul Emmerich. Das vierte Nordsternhaus wurde 1935–1936 am Fehrbelliner Platz in Berlin-Wilmersdorf nach Entwurf von Otto Firle gebaut.
Auch in anderen deutschen Städten gab es „Nordsternhäuser“, die als Niederlassungen dienten und teilweise als Geldanlage gebaut oder gekauft wurden. Ein Beispiel ist das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Nordsternhaus in Dortmund, das 1906–1907 an der Ostseite des Markts nach Entwurf von Heinrich Kayser und Karl von Großheim errichtet wurde.
Ende 1931 besaßen Nordstern-Gesellschaften zahlreiche Immobilien. Zur Nordstern Allgemeine Versicherungs-AG gehörten unter anderem Gebäude in Berlin, Düsseldorf, Wuppertal-Elberfeld, Essen, Köln, Istanbul-Galata, Mainz, Saarbrücken, Weimar und Mönchengladbach. Zur Nordstern Lebensversicherungsbank AG gehörten unter anderem Immobilien in Bremen, Nürnberg, Hannover, Magdeburg, Essen-Rüttenscheid, Leipzig, München-Maxvorstadt und Wuppertal-Barmen. Einige dieser Gebäude sind erhalten oder stehen unter Denkmalschutz, viele andere sind nicht erhalten.