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Neufundländisches Französisch
Das neufundländische Französisch ist eine Varietät der französischen Sprache, es wird auf Neufundland gesprochen. Das neufundländische Französisch …
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Einordnung, Verbreitung und Gefährdung
Das neufundländische Französisch ist eine auf Neufundland gesprochene Varietät der französischen Sprache. Es unterscheidet sich deutlich von anderen frankokanadischen Dialekten, besonders vom Quebecer und vom akadischen Französisch. Heute wird es nur noch von wenigen betagten Neufundland-Frankophonen gesprochen und gilt als vom Aussterben bedroht. Deshalb gibt es Bemühungen, es wieder als Unterrichtssprache einzuführen.
Die Gesamtzahl der französischstämmigen Neufundländer wird auf 15.000 geschätzt; das entspricht etwa 3 Prozent der Inselbevölkerung. Frankophone Gemeinden liegen vor allem auf der Halbinsel Port-au-Port, insbesondere in L'Anse-à-Canards, La Grand'Terre und Cap Saint-Georges. Insgesamt ist auf Neufundland allerdings das akadische Französisch weiter verbreitet. In den Schulen wird frankokanadisches Standard-Französisch unterrichtet.
Einflüsse und regionale Besonderheiten
Das neufundländische Französisch wurde durch mehrere Sprachformen beeinflusst. Dazu gehören das akadische Französisch, nordfranzösische Dialekte wie das Normannische sowie das Baskische und Bretonische. Hinzu kommt das laurentidische Französisch, das vor allem durch die Medien wirkt.
Eine regionale Besonderheit ist, dass Wörter aus der Sprache der Fischer in den allgemeinen Sprachgebrauch übergehen. Insgesamt sind die Abweichungen vom Standard-Französischen weniger stark als in Québec und Akadien.
Aussprache
Die Phonetik, also die lautliche Gestalt der Sprache, weist mehrere typische Merkmale auf. Vokale können geöffnet oder verändert werden: [ɛ] und [e] werden zu [a], etwa jamais [ʒama]; [ɔ] und [o] werden zu [u], etwa votre [vut]. Außerdem kommen Diphthonge vor, also Verbindungen zweier Vokallaute innerhalb einer Silbe, beispielsweise malade [malaʊ̯d] und mère [maɛr].
Konsonantengruppen am Wortende werden teilweise reduziert: arbre wird [ab] ausgesprochen. Die Laute [k] und [g] können palatalisiert, also weiter vorn am harten Gaumen gebildet werden. Die Buchstabenfolge -oi- hat unterschiedliche Aussprachen: [wa], [we] oder [wɛ], zum Beispiel boîte [bwɛt] und quoi [kwa]. Ein auslautendes [t] wird häufiger gesprochen als im Standard-Französischen, etwa bei bout [but].
Formenlehre und Satzbau
In der Morpho-Syntax, also bei Wortformen und Satzbau, besitzt die Varietät zahlreiche eigene Regeln. Die 3. Person Plural eines Verbs kann auf -ont [ɔ̃] enden: ils écoutont [il'ekutɔ̃]. Das Participe passé, das französische Partizip der Vergangenheit, endet bei Verben auf -ir auf -i, etwa couri statt couru und offri statt offert. Formen werden auch analog zu anderen Formen desselben Verbs gebildet: tiendre statt tenir nach je tiens sowie vous boivez statt vous buvez nach je bois.
Unregelmäßige Pluralformen werden vermieden: un chual – des chuals steht anstelle von un cheval – des chevaux. Substantive, die mit einem Vokal beginnen, werden als weiblich behandelt, zum Beispiel une argent, une hôtel, une avion und une espace. Im Plural wird bei Pronomen teilweise nicht zwischen männlich und weiblich unterschieden: Les jeunes filles, ils venaient se louer pour leur pain.
Auch die Verneinung und Relativsätze weichen vom Standard ab. Es tritt eine doppelte Verneinung auf, etwa On ne veut pas rien dire. Das Relativpronomen que kann als Subjekt verwendet werden: y en a qu'ont parti d'ici. Es kann außerdem dem standardfranzösischen dont entsprechen, wie in les camions que je vous parle.
Bei Verben und Lautverbindungen gibt es weitere Besonderheiten. Eine phonetische Liaison, also die Aussprache eines sonst stummen Endkonsonanten vor einem folgenden Vokal, unterbleibt beim Plural-[s], beispielsweise ils étaient [il'etɛ] und les hôtels [le'otɛl]. Bewegungsverben werden mit avoir („haben“) statt mit être („sein“) konjugiert: il a parti und j'ai retourné anstelle von il est parti und je suis retourné. Der Subjonctif wird kaum gebraucht: il fallait que le pêcheur lavait son poisson ersetzt il fallait que le pêcheur lavât son poisson.
Wortschatz
Der Wortschatz enthält Einflüsse des Englischen, ältere französische Wörter und viele Begriffe aus Seefahrt und Fischerei. Englische Wendungen können wörtlich übertragen werden: je disais de même pour fun folgt dem englischen for fun und entspricht im Standard-Französischen pour rire. Daneben gibt es Anglizismen wie rum-runner für einen „traficant d'alcool au temps de la prohibition“, also einen Alkoholschmuggler zur Zeit der Prohibition.
Wörter aus dem Meeres- und Fischereiwortschatz erhalten teilweise eine allgemeinere Bedeutung. Bourlinguer bedeutet im neufundländischen Französisch „hart arbeiten“, während es im Standard-Französischen „gegen die Wellen kämpfen; zur See fahren“ bezeichnet. Archaismen bewahren den französischen Sprachgebrauch des 17. Jahrhunderts. So steht la ressource dort, wo das moderne Standard-Französisch la source verwendet.