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Quebecer Französisch
C'est-tu loin, ça ? – „Ist es weit? · Ta mère est-tu là ? – „Ist deine Mutter da? · J'ai-tu l'air fatigué ? – „Sehe ich müde aus? · Y'en a-tu d'autres ? – „Gibt es …
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Begriff und Einordnung
Quebecer Französisch (französisch français québécois) ist ein Regiolekt des Französischen in Québec, Ontario und den westlichen Provinzen Kanadas. Die ältere Bezeichnung Frankokanadisch beziehungsweise kanadisches Französisch wird zunehmend ersetzt; „Quebecer Französisch“ verdeckt jedoch, dass diese Sprachvariante auch außerhalb Québecs gesprochen wird.
Davon zu unterscheiden sind das akadische Französisch in New Brunswick, Nova Scotia, Prince Edward Island und einem kleinen Teil der Gaspésie sowie das neufundländische Französisch an der Westküste Neufundlands auf der Port-au-Port-Halbinsel. Durch die räumliche Isolierung von der übrigen Frankophonie unterscheidet sich das Quebecer Französisch deutlich vom Französischen Europas, besonders in der Umgangssprache. In formellen Situationen orientieren sich viele Sprecher am français de Radio-Canada, dem Französisch des kanadischen Rundfunks, das dem europäischen Standard nähersteht.
Entstehung und sprachliche Prägung
Französisch wurde im 17. Jahrhundert Amtssprache der Kolonie Neufrankreich. Die Siedler im Sankt-Lorenz-Strom-Tal kamen vor allem aus der Île-de-France sowie aus der Normandie, dem Poitou, der Guyenne, der Bretagne, Saintonge und Aunis. Mit Ausnahme der Siedler aus der Île-de-France sprachen sie lokale Patois, also regionale Dialekte, statt Standardfranzösisch.
Als gemeinsame Sprache setzte sich die Pariser Koine durch, eine überregional verwendete Pariser Sprachform. Ihre Rolle verstärkte sich durch die Ankunft der Filles du roy; deshalb hinterließen die jeweiligen Muttersprachen der Siedler nur geringe Spuren.
Nach der Abtretung Neufrankreichs an die Briten im Jahr 1763 entwickelte sich das kanadische beziehungsweise Quebecer Französisch getrennt vom Französischen Europas weiter. Es erhielt einerseits ältere Merkmale, andererseits wirkten das Englische, indigene amerikanische Sprachen und nichtfrankophone Einwanderer in Kanada auf die Sprache ein.
Wortschatz und Entlehnungen
Der Wortschatz bewahrt Archaismen, also in Frankreich veraltete Wörter. Beispiele sind chaudron für „Topf, Kasserolle“ statt casserole, frette für „bitterkalt“ statt très froid, chandail statt pull und patate statt pomme de terre.
Englische Einflüsse zeigen sich in Entlehnungen und Lehnübersetzungen. So stehen canceller neben französisch annuler, pâte à dents als Übersetzung von toothpaste neben dentifrice, bine für „Bohne“, job oder djobe für „Arbeit, Job“, fanne für „Ventilator“ und char für „Auto“. Die Sprachpolitik versucht, solche englischen Einflüsse zurückzudrängen. Aus anderen Sprachen stammen unter anderem orignal „Elch“ aus baskisch oreinak und caribou „Rentier“ aus dem Algonquin.
Für das Leben in Kanada entstanden auch Neologismen. Ein dépanneur ist ein Nachbarschaftsladen für Einkäufe außerhalb der Öffnungszeiten. Magasinage bedeutet „Einkaufen, Shopping“, poudrerie einen Sturm, bei dem Wind bereits liegenden Schnee aufwirft, und tuque eine große Wollmütze, die die Ohren bedeckt, später auch jede andere Mütze. Manche aus dem Englischen stammende Begriffe werden gegenüber dem Französisch Frankreichs französischer gestaltet: vol nolisé statt vol charter, fin de semaine statt week-end und traversier statt ferry.
Frageformen und basilektaler Satzbau
In der Umgangssprache kennzeichnet die Partikel -tu direkte Fragen. Sie geht auf die Inversionsfrage zurück, etwa Jean, est-il là? („Ist Johann da?“); eine verwandte Partikel -ti findet sich noch in einigen nordfranzösischen Patois. Beispiele sind C'est-tu loin, ça ? („Ist es weit?“), Ta mère est-tu là ? („Ist deine Mutter da?“) und J'ai-tu l'air fatigué ? („Sehe ich müde aus?“). Die Partikel kann auch in Fragen wie Y'en a-tu d'autres ? oder Ça vous tente-tu vraiment d'y aller ? vorkommen.
In basilektalen Varianten, also besonders stark von der Standardsprache abweichenden Sprachformen, wird das Imperfekt von être („sein“) analytisch aufgeteilt und mit agglutinierten Präsensformen verbunden. Beispielsweise bedeutet (moué) chu tà àprà manjé „ich war am Essen“ und stammt aus j'suis'tais (j'étais) après manger. Weitere Formen sind (toué) té tà, (lui) i(é) tà, (èl) è tà, (nouzot) ouen tà, vouzot tà sowie (euzot) son tà oder (euzot) i tà. Nouzot, vouzot und euzot entsprechen jeweils nous-autres, vous-autres und eux-autres.
Weibliche Formen und regionale Unterschiede
Im kanadischen Französisch wurden weibliche Berufsbezeichnungen früher und häufiger verwendet oder neu gebildet als im europäischen Französisch. Professeure für „Lehrerin“ oder „Professorin“ ist dort länger gebräuchlich als in Frankreich. Weibliche Formen auf -eure, die wie die männliche Form ausgesprochen werden, sind besonders häufig, beispielsweise auteure statt autrice für „Autorin“.
Auch regional gibt es deutliche Unterschiede; Sprecher vom Lac Saint-Jean oder aus der Beauce sind für andere Sprecher nicht immer leicht verständlich. In Montréal werden lange Vokale besonders stark diphthongiert, also als Verbindung zweier Vokalklänge gesprochen: père („Vater“) lautet dort [paɛ̯ʁ], in der Stadt Québec dagegen [pɛːʁ]. Unterschiede betreffen auch die Grammatik: Für „der Bus“ heißt es in Montréal und international le bus, in Québec umgangssprachlich dagegen la bus.