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Neoabsolutismus
Mit Neoabsolutismus bezeichnet man unter anderem die Regierungsform im Kaisertum Österreich in den Jahren von 1851 bis 1867 nach der Niederschlagung der …
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Begriff und Kennzeichen
Neoabsolutismus bezeichnet unter anderem die Regierungsform im Kaisertum Österreich von 1851 bis 1867. Nach der Niederschlagung der Märzrevolution orientierte sie sich am Aufgeklärten Absolutismus des 18. Jahrhunderts. Kennzeichnend waren das Fehlen einer Verfassung im formellen Sinn und eines politisch bedeutsamen Parlaments sowie die Konzentration der Macht beim Kaiser.
Vergleichbare Perioden gab es im Königreich Preußen und in Frankreich während des Zweiten Kaiserreichs. Für ähnliche Erscheinungen außerhalb Österreichs wird auch der Begriff Spätabsolutismus verwendet.
Von der Revolution zur absoluten Herrschaft
Während der Revolution von 1848/49 machte Kaiser Ferdinand I. zunächst liberale Zugeständnisse. Er schaffte die Zensur ab und ließ mit der Pillersdorfschen Verfassung einen Entwurf für eine konstitutionelle Monarchie ausarbeiten, in der die Herrschaft des Monarchen durch eine Verfassung begrenzt werden sollte. Dennoch erfasste die Revolution große Teile der Monarchie: Der Mailänder Volksaufstand führte zum Ersten Italienischen Unabhängigkeitskrieg, in Böhmen kam es zum Prager Pfingstaufstand, und von Pest aus griff die Revolution bereits im März auf das Königreich Ungarn über.
Weitere Zugeständnisse führten zur Bauernbefreiung, zum Ende der Erbuntertänigkeit und zur Bildung eines Parlaments, des Reichstags. Nach dem Wiener Oktoberaufstand 1848 setzten sich jedoch die konservativen Kräfte durch. Die österreichischen Abgeordneten wurden aus der Frankfurter Nationalversammlung zurückgerufen, und Ferdinand I. dankte im Dezember zugunsten seines Neffen Franz Joseph I. ab.
Am 7. März 1849 lösten Franz Joseph I. und Fürst Felix zu Schwarzenberg den nach Kremsier in Mähren geflohenen österreichischen Reichstag auf. Anschließend wurde die Revolution in Ungarn mit russischer Militärhilfe niedergeschlagen. Die Oktroyierte Märzverfassung, also eine vom Herrscher ohne parlamentarische Zustimmung erlassene Verfassung, trat praktisch nie in Kraft. Das Silvesterpatent setzte sie am 31. Dezember 1851 auch formell außer Kraft. Damit regierte der Kaiser wieder absolut.
Politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Maßnahmen
Kaiser Franz Joseph I. beauftragte Alexander von Bach mit der konservativen und zentralistischen Neuordnung Österreichs. Zentralismus bedeutet hier, dass wichtige Entscheidungen bei der kaiserlichen Regierung gebündelt wurden. Von 1852 an war Bach zwar nicht offiziell, aber tatsächlich der maßgebliche Leiter der Regierung; diese Zeit wird daher auch als „Ministerium Bach“ bezeichnet. Ein vom Kaiser einberufener Reichsrat blieb politisch bedeutungslos.
Die Regierung führte die Zensur wieder ein und reformierte die Universitäten. Durch das Konkordat von 1855, einen Vertrag zwischen Staat und katholischer Kirche, kamen die Pflichtschulen erneut unter die Aufsicht der katholischen Kirche. Kaiserin Maria Theresia hatte sie dieser Aufsicht 1774 entzogen.
Nicht rückgängig gemacht wurden dagegen die Bauernbefreiung und die Bodenreform in den österreichischen und böhmischen Kronländern. Gleichzeitig setzte sich der bürgerliche Kapitalismus weiter durch, und es begann eine erste Gründerzeit mit verstärkter wirtschaftlicher Entwicklung und Unternehmensgründungen. 1858 wurden die Wiener Stadtmauern abgerissen, um Platz für die neu geplante Ringstraße zu schaffen.
Ende und historische Folgen
Der Zweite Italienische Unabhängigkeitskrieg gegen Sardinien-Piemont brachte die Regierung Bach 1859 in Bedrängnis. Nach der österreichischen Niederlage von Solferino musste sie zurücktreten. Mit dem Oktoberdiplom von 1860 und dem Februarpatent von 1861 entfernte sich der Kaiser erstmals wieder vom neoabsolutistischen System. Vollständig beendet wurde diese Phase erst nach dem Deutschen Krieg von 1866 durch die Dezemberverfassung von 1867 und den Österreichisch-Ungarischen Ausgleich.
Der österreichische Neoabsolutismus war einerseits ein Versuch, liberale Kräfte auszuschalten und die Staatsgewalt wieder allein beim Kaiser zu konzentrieren. Andererseits bildete er ein Gegenmodell zum wachsenden Nationalismus der italienischen, tschechischen, slowakischen und ungarischen Bevölkerung des Vielvölkerstaats. Er richtete sich ebenfalls gegen den großdeutschen Nationalismus und verhinderte damit eine deutsche nationale Einheit unter Einbeziehung der deutschsprachigen österreichischen Kronländer, die sogenannte Großdeutsche Lösung.
In Kunst und Architektur förderte das System den Historismus, der auf Formen vergangener Kunstepochen zurückgriff. Ein besonders ehrgeiziges Vorhaben war das Kaiserforum Wien. Denkmäler und Inschriften sollten die Größe der Habsburgermonarchie sichtbar machen. Die tatsächlichen politischen und wirtschaftlichen Misserfolge standen jedoch zunehmend im Gegensatz zu dieser Selbstdarstellung. Dazu gehörten die Niederlagen bei Solferino und Königgrätz sowie der Gründerkrach an der Wiener Börse. Dieses Missverhältnis zwischen dargestellter und wirklicher Macht fand später unter anderem in der Wiener Operette seinen Ausdruck.