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Negative Binomialverteilung

Die negative Binomialverteilung (auch Pascal-Verteilung) ist eine univariate Wahrscheinlichkeitsverteilung. Sie zählt zu den diskreten …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Bedeutung
  2. 2. Herleitung und zwei Varianten
  3. 3. Erwartungswert und weitere Eigenschaften
  4. 4. Beziehungen und Verallgemeinerung
  5. 5. Summen und Beispiel

Definition und Bedeutung

Die negative Binomialverteilung, auch Pascal-Verteilung, ist eine univariate diskrete Wahrscheinlichkeitsverteilung und eine der drei Panjer-Verteilungen. Sie beschreibt in einem Bernoulli-Prozess die Wahrscheinlichkeit, dass nach einer bestimmten Zahl von Misserfolgen genau r Erfolge eingetreten sind. In der Versicherungsmathematik gehört sie neben der Poisson-Verteilung zu den wichtigsten Schadenzahlverteilungen, besonders in der Krankenversicherung und seltener in der Kraftfahrzeug-Haftpflicht- oder Kaskoversicherung.

Die Parameter sind r > 0 als Anzahl der Erfolge bis zum Abbruch und p ∈ (0,1) als Erfolgswahrscheinlichkeit eines einzelnen Versuchs. Für die übliche diskrete Verteilung gilt k ∈ {0, 1, 2, 3, …} als Anzahl der Misserfolge. Die Wahrscheinlichkeitsfunktion lautet P(X=k) = {k+r-1 choose k} · p^r · (1-p)^k.

Die Verteilungsfunktion kann mit der regularisierten unvollständigen Betafunktion angegeben werden: F(k) = 1 - I_{1-p}(k+1, r).

Herleitung und zwei Varianten

Zur Herleitung dient ein Urnenmodell mit Zurücklegen. Die Urne enthält zwei Sorten Kugeln; der Anteil der Kugeln erster Sorte beträgt p. Es wird so lange gezogen, bis erstmals genau r Kugeln erster Sorte, also r Erfolge, gezogen wurden.

Variante A betrachtet die Gesamtzahl X der Versuche bis zum r-ten Erfolg. Dann gilt X ∈ {n ∈ N | n ≥ r}. Damit der r-te Erfolg beim n-ten Versuch eintritt, müssen in den ersten n−1 Versuchen genau r−1 Erfolge vorkommen und der n-te Versuch erfolgreich sein. Mit der Binomialverteilung ergibt sich P(X=n) = {n-1 choose r-1} · p^r · (1-p)^(n-r).

Die alternative Darstellung, Variante B, zählt dagegen nur die Misserfolge bis zum r-ten Erfolg. Für k = 0,1,2,… gilt mit q = 1-p: P(X=k) = {k+r-1 choose k} · p^r · (1-p)^k = {k+r-1 choose k} · p^r · q^k = {-r choose k} · p^r · (-q)^k.

Beide Varianten hängen durch X_A = X + r zusammen. Variante A zählt Erfolge und Misserfolge, Variante B nur die Misserfolge; die r Erfolge werden dort nicht mitgezählt.

Erwartungswert und weitere Eigenschaften

Für Variante A beträgt der Erwartungswert E(X) = r/p. Für Variante B ist er um r kleiner: E(X) = r/p − r = r(1-p)/p.

Die Varianz ist in beiden Varianten gleich: Var(X) = r(1-p)/p². Bei Variante B ist sie immer größer als der Erwartungswert; diese Eigenschaft heißt Überdispersion.

Die Variationskoeffizienten sind VarK(X) = √((1-p)/r) für Variante A und VarK(X) = 1/√(r(1-p)) für Variante B. Die Schiefe lautet für beide Varianten (2-p)/√(r(1-p)). Der Exzess, also die um 3 verringerte Wölbung, ist 6/r + p²/[r(1-p)]. Die Wölbung beträgt daher 6/r + p²/[r(1-p)] + 3. Der Modus der Variante B ist floor((1-p)(r-1)/p).

Für Variante A lautet die charakteristische Funktion φ_X(s) = (p e^{is}/[1-(1-p)e^{is}])^r; für Variante B lautet sie φ_X(s) = (p/[1-(1-p)e^{is}])^r. Die wahrscheinlichkeitserzeugende Funktion ist in Variante A (ps/[1-(1-p)s])^r mit 0 < s < 1/(1-p), in Variante B (p/[1-(1-p)s])^r. Die momenterzeugende Funktion lautet in Variante A (p e^s/[1-(1-p)e^s])^r mit s < |ln(1-p)| und in Variante B (p/[1-(1-p)e^s])^r.

Beziehungen und Verallgemeinerung

Die negative Binomialverteilung ist das Gegenstück zur Binomialverteilung: Bei der Binomialverteilung ist die Zahl n der Versuche fest und die Zahl X der Erfolge zufällig. Bei der negativen Binomialverteilung ist die Zahl x der Erfolge fest und die Zahl N der dafür erforderlichen Versuche zufällig.

Für r = 1 geht die negative Binomialverteilung in die geometrische Verteilung über. Umgekehrt ist die Summe X = Σ_{i=1}^r X_i unabhängiger geometrisch verteilter Zufallsgrößen mit demselben Parameter p negativ-binomialverteilt NB(r,p). Für große r ist diese Summe annähernd normalverteilt. Die Variante B entsteht außerdem aus einer zusammengesetzten Poisson-Verteilung, wenn diese mit der logarithmischen Verteilung kombiniert wird. Dabei gelten p_log = 1-p_neg und r = −λ/ln(1-p_log).

Die Herleitung über das Urnenmodell setzt r ∈ N voraus. Für r ∈ R⁺ wird die Verteilung als Poisson-Gamma-Mischverteilung verallgemeinert: Die Intensität λ einer Poisson-Verteilung P(k|λ) ist gamma-verteilt mit den Parametern r und p/(1-p). Die resultierende Poisson-Gamma-Verteilung besitzt die Wahrscheinlichkeitsfunktion f(k|r,p) = Γ(r+k)/(k! Γ(r)) · (1-p)^k p^r. Für r ∈ N stimmt sie mit der negativen Binomialverteilung überein. Die Gamma-Funktionen können durch verallgemeinerte Binomialkoeffizienten ersetzt werden. Die Konstruktion entspricht Variante B; ihre Charakteristika bleiben gültig, und für reelles r > 0 ist die Verteilung unendlich teilbar.

Summen und Beispiel

Sind X₁ und X₂ unabhängig negativ binomialverteilt mit Parametern r₁,p beziehungsweise r₂,p, dann ist ihre Summe wieder negativ binomialverteilt: NB(r₁,p) * NB(r₂,p) = NB(r₁+r₂,p). Die Verteilung ist damit reproduktiv und bildet eine Faltungshalbgruppe.

Im Beispiel gewinnt die Studentin Paula bei jedem fünften Skatspiel, also mit p = 0,2. Sie möchte nach dem zehnten Gewinn aufhören; ein Spiel dauert ungefähr 4 Minuten. Die Wahrscheinlichkeit, den zehnten Gewinn genau im 30. Spiel zu erzielen, erfordert zunächst neun Gewinne in den ersten 29 Spielen: P(Y=9) = {29 choose 9} · 0,2^9 · 0,8^20 = 0,0591. Daher gilt P(X=30) = 0,0591 · 0,2 = 0,0118.

Für die Frage, ob Paula spätestens nach 30 Spielen fertig ist, muss die Verteilungsfunktion verwendet werden, also die Summe P(X=0)+P(X=1)+…+P(X=30). Nach der im Artikel beschriebenen Grafik benötigt sie für eine Wahrscheinlichkeit von 50 % höchstens ungefähr 50 Spiele, entsprechend 50 · 4 min = 200 min = 3 h 20 min. Für eine Wahrscheinlichkeit von 80 % sind höchstens ungefähr 70 Spiele nötig, also knapp 5 Stunden.

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