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Natürliches Monopol
Ein natürliches Monopol ist ein Wirtschaftsbereich, in dem die am Markt teilnehmenden Unternehmen automatisch zur Organisationsform eines Monopols tendieren …
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Begriff und wirtschaftliche Grundlage
Ein natürliches Monopol ist ein Wirtschaftsbereich, in dem der Wettbewerb langfristig dazu führt, dass nur ein Unternehmen den Markt versorgt. Es ist ein echtes Monopol, nicht bloß ein Markt mit wenigen Konkurrenten. Die Monopolbildung beruht auf ökonomischen Bedingungen und ist deshalb von künstlichen, rechtlichen Monopolen und Kartellen zu unterscheiden.
In der Mikroökonomie liegt ein natürliches Monopol vor, wenn hohe Fixkosten – einmalige Kosten etwa für den Aufbau eines Netzes – und niedrige Grenzkosten zusammentreffen. Grenzkosten sind die zusätzlichen Kosten für eine weitere Einheit eines Gutes. Dadurch entstehen stark steigende Skalenerträge: Die Gesamtkosten sind deutlich geringer, wenn ein einziges Unternehmen statt mehrerer Unternehmen den gesamten Markt beliefert. Diese Kostenstruktur heißt Subadditivität.
Subadditivität und engere Definition
Der Begriff ist in der Volkswirtschaftslehre nicht einheitlich definiert. Häufig gilt bereits jede Situation als natürliches Monopol, in der ein Unternehmen ein Gut günstiger herstellen kann als zwei oder mehr Unternehmen zusammen. Strikte Subadditivität über den gesamten betrachteten Outputbereich wird formal so beschrieben:
K(x) < K(x₁) + K(x₂) + … + K(xₙ), wobei x₁ + x₂ + … + xₙ = x. K bezeichnet die Kosten, und n Anbieter würden zusammen die Gesamtmenge x produzieren.
Diese weite Definition ist problematisch, weil sie auch auf viele enge Oligopole zutreffen kann. Schon geringe Fixkosten und konstante, auch hohe Grenzkosten können fallende Stückkosten verursachen, ohne dass notwendigerweise ein Monopol entsteht. Die engste, unumstrittene Definition lautet daher: Ein natürliches Monopol liegt vor, wenn nur ein Unternehmen den Markt kostendeckend bedienen kann.
Ein perfekt informierter sozialer Planer würde bei subadditiven Kosten eine Monopolstellung bevorzugen. In der Realität müssen jedoch die Kostenvorteile eines einzigen Anbieters gegen die Vorteile von Wettbewerb abgewogen werden, weil Information und Regulierung unvollkommen sind. Auch wenn zwei Unternehmen kostendeckend arbeiten könnten, kann ein Monopol volkswirtschaftlich sinnvoll sein, falls die vermiedenen Kosten den Nutzen der Konkurrenz übertreffen.
Netze und monopolistische Flaschenhälse
Typische natürliche Monopole beruhen auf Infrastruktur- und Versorgungsnetzen: Stromleitungen, Schienenwege, Straßen, Flugplätze und Telekommunikationskabel. Betroffen sind daher unter anderem Strom, Gas, Wasser, Telekommunikation, Postdienste und Verkehr. Kennzeichnend sind hohe Kosten für Aufbau und Unterhaltung eines Netzes, während die Nutzung oder Erweiterung des bestehenden Netzes vergleichsweise wenig kostet.
Bei der Stromversorgung ist nicht die gesamte Branche ein natürliches Monopol. Die Erzeugung der doppelten Energiemenge benötigt ungefähr doppelt so viele Kraftwerke. Dagegen kann die Durchleitung über Strommasten und Umspannwerke relativ kostengünstig auf die doppelte Kapazität ausgebaut werden. Ein Anbieter mit zwei Leitungen an einem Mast kann deshalb günstiger arbeiten als zwei Anbieter mit jeweils einer Leitung. Nur Netzbetrieb, Durchleitung und Verteilung gelten hier als natürlicher Monopolbereich. Sie sollen durch Entflechtung rechtlich und operationell von Erzeugung, Handel und Vertrieb getrennt werden.
Auch bei Elektrizität, Gas, Telefondienstleistungen und Bahn ist meist nur das Netz der monopolistische Flaschenhals: Viele Produzenten oder Bahnbetreiber treffen auf einen einzelnen Netzbetreiber. Zusätzlich wichtig sind irreversible oder versunkene Kosten. Ein möglicher neuer Anbieter kann seine Ausgaben bei einem Marktaustritt nicht zurückerhalten, etwa weil die Investitionen sehr speziell sind.
Ein Beispiel außerhalb von Leitungsnetzen ist die Modelleisenbahn-Branche. Kostet die Entwicklung einer Lok 1 Million Euro und gibt es 10.000 Käufer, ergeben sich ohne Produktionskosten 100 Euro Entwicklungskosten je Stück. Entwickeln zwei Firmen dasselbe oder ein ähnliches Modell, verkaufen beide vereinfacht je 5.000 Stück und müssten je 200 Euro pro Stück verlangen. Die höheren Preise senken die Nachfrage; für das nächste Modell bleibt wahrscheinlich wieder nur ein Hersteller.
Digitale Quasi-Monopole
Bei einem weiten Monopolbegriff können auch Anbieter mit großer Marktmacht als Quasi-Monopolisten gelten. Software-Anbieter mit sehr weit verbreiteter Software werden dann als natürliche Quasi-Monopolisten betrachtet.
Digitalisierbare Güter wie Anwendersoftware und elektronische Dienstleistungen haben oft hohe Fixkosten für Beschaffung, Produktion und Distribution, aber geringe variable Kosten je weiterer Einheit. Mit wachsendem Absatz entstehen Skaleneffekte. Hinzu kommen positive Netzwerkeffekte: Der Nutzen eines Netzwerkguts oder einer Netzwerkdienstleistung wächst mit der Zahl der Beteiligten. Eine E-Mail-Infrastruktur ist beispielsweise umso nützlicher, je mehr Nutzer darüber erreichbar sind. Auf der Anbieterseite kann ein etabliertes System weitere Varianten und Komponenten fördern, etwa Plugins für einen etablierten Browser.
Natürliche Quasi-Monopole entstehen nach diesem Modell durch eine positive Rückkopplung: Eine günstigere Kostenstruktur ermöglicht Preissenkungen, diese ziehen zusätzliche Nutzer an, steigern den Gesamtnutzen des Systems und schaffen wiederum weitere Skaleneffekte. Als Beispiele nennt der Artikel eBay, wenige dominierende B2B-Marktplätze nach der „New Economy“ sowie die auf den meisten Rechnern weltweit installierte Software von Microsoft.
Regulierung und technischer Wandel
Weil natürliche Monopole automatisch zur Alleinstellung tendieren, werden sie reguliert. Häufig wechseln Staaten von einem Staatsmonopol zu einer liberalisierten, zugleich regulierten Marktsituation. Mögliche Maßnahmen sind staatliche Übernahme, Höchstpreisregulierung, gesetzliche Beschränkungen der wirtschaftlichen Tätigkeit oder die strukturelle Zerschlagung eines Monopolisten.
Als neuere Lösung gilt die Entflechtung. Das Netzwerkmonopol bleibt bestehen und wird reguliert, während die Produktion über das Netz für Konkurrenz geöffnet wird. In Wasser-, Strom-, Gas- und Telekommunikationsnetzen muss das Netzunternehmen Wettbewerbern die Durchleitung ihrer Produkte zu Bedingungen erlauben, die eine Regulierungsbehörde festlegt. Die konkrete Regulierung unterscheidet sich nach Land; in Deutschland ist Durchleitungswettbewerb in der Wasserversorgung nicht die gewählte Regelungsform.
Der Abschnitt zur Abhilfe durch technischen Fortschritt ist im Artikel als grundsätzlich überarbeitungsbedürftig gekennzeichnet. Einige Ökonomen nehmen an, technische Neuerungen könnten natürliche Monopole selbst auflösen: Das Auto habe beispielsweise frühere natürliche Monopole von Eisenbahnanbietern bedroht. Dies wird als Substitutionskonkurrenz bezeichnet. Der Artikel hält die allgemeine Annahme wegen der Nutzungskonzentration technischer Anwendungen jedoch für nicht haltbar. Facebook und Google zeigten, dass die technische Möglichkeit vieler Anbieter nicht automatisch Wettbewerb schafft: Bei sozialen Netzwerken wählen neue Nutzer wahrscheinlich das Netzwerk, in dem ihre Freunde bereits sind.
Kritische Sichtweisen
Anknüpfend an William J. Baumols Theorie bestreitbarer Märkte wird bestritten, dass ein natürliches Monopol zwingend Marktversagen bedeutet. Zwar sind mehrere Anbieter nicht sichtbar, doch Wettbewerb könne latent wirken: Die Möglichkeit eines Markteintritts übt demnach Druck auf den Monopolisten aus.
Libertäre und Anarchokapitalisten wenden gegen historische Beispiele von Leitungsnetzen ein, diese seien erst durch vom Staat eingeräumte und abgesicherte Monopolstellungen entstanden. Nach Thomas DiLorenzo seien solche staatlichen Monopole anschließend lediglich nachträglich ökonomisch gerechtfertigt worden.