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Naraka (Mythologie)

Naraka ist ein Ort der Leiden und körperlichen Qualen und entspricht somit in etwa dem Begriff ‚Hölle'. Naraka und der Gegenbegriff svarga bezeichnen jedoch …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Naraka als Unterwelt und Übergangsphase
  2. 2. Hinduistische Vorstellungen
  3. 3. Buddhismus
  4. 4. Jainismus und islamische Begriffsverwendung

Naraka als Unterwelt und Übergangsphase

Naraka oder Narakaloka ist das Sanskritwort für die Unterwelt. Der Begriff kommt in Hinduismus, Jainismus, Buddhismus und Sikhismus vor. Naraka ist ein Ort des Leidens und körperlicher Qualen und entspricht deshalb ungefähr der Vorstellung einer Hölle.

Anders als eine endgültige Verdammnis ist Naraka zusammen mit seinem Gegenbegriff svarga, dem Himmel, meist eine Übergangsphase: Die Seele hält sich dort vor einer erneuten Wiedergeburt auf.

Hinduistische Vorstellungen

In Veden, Upanishaden, Puranas, der Bhagavad Gita und weiteren hinduistischen Texten ist Naraka der Ort, an den Seelen zur Tilgung ihrer Sünden vor einer neuen Wiedergeburt gelangen. Er wird als Ort der Dunkelheit sowie seelischen und körperlichen Leidens beschrieben.

Einige hinduistische Schulen verstehen Naraka nur metaphorisch und lehnen eine tatsächlich existierende Hölle ab. Andere unterscheiden mehrere Bereiche oder Ebenen. Herrscher der Unterwelt ist der Totengott Yama; deshalb wird Yama loka oft gleichbedeutend mit Naraka verwendet. Sein Assistent Chitragupta notiert die Taten aller Lebewesen in einem Buch und weist ihnen danach einen Platz in Naraka oder im Himmel svarga zu.

Auch kleinere Übeltaten können nach manchen Autoren einen zeitweiligen Höllenaufenthalt nach sich ziehen. Im Mahabharata verbringen selbst die fünf Pandava-Brüder, obwohl sie sonst Aufrichtigkeit und Tugend verkörpern, eine gewisse Zeit in der Unterwelt. Der Aufenthalt gilt im Hinduismus normalerweise als vorübergehend, nicht als ewige Verdammnis. Eine Ausnahme bildet der Philosoph Madhva: Nach ihm ist die Schuld vollkommen Ungerechter untilgbar.

Yamas Diener heißen Yamadutas. Sie fangen sündige Seelen ein und schleppen sie in die Unterwelt. Vaishnavas bleiben davon ausgenommen und werden ins Paradies, etwa nach vaikuntha oder goloka, geleitet.

Buddhismus

Buddhistische Vorstellungen von Naraka stimmen in vielem mit hinduistischen überein. Der entscheidende Unterschied ist: Die buddhistische Weltsicht kennt keinen Gott, der Strafen festsetzt oder Seelen einordnet. Allein das unerbittliche Gesetz des Karma, also die Folgen der eigenen Taten, bestimmt das Schicksal.

Die tiefste Ebene der buddhistischen Hölle heißt Avici. Die buddhistisch beeinflusste Höllenvorstellung der chinesischen Mythologie wird Diyu genannt. Neuzeitliche buddhistische Höllenvorstellungen in Ost- und Südostasien sind teilweise von christlich-westlichen und islamischen Vorstellungen, etwa jehenna, beeinflusst.

Jainismus und islamische Begriffsverwendung

Im Jainismus unterscheidet sich die Vorstellung der Hölle nicht wesentlich vom buddhistischen Konzept. Die Unterwelt ist in sieben Bereiche, prabhas, abgestuft.

In Indonesien und Malaysia bezeichnet Neraka, eine leicht veränderte Form von Naraka, die islamischen Vorstellungen von Hölle.

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