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Khoekhoegowab
Aus den Vokalen werden zahlreiche Doppellaute (Diphthonge) gebildet: [əi] [ae] [əu] [ao] [ui] [oa] [oe] und nasal [ə̃ĩ] [ə̃ũ] [ũĩ] [õã]. [ə] ist phonemisch …
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Überblick und Einordnung
Khoekhoegowab ist seit Mitte der 1990er Jahre die offizielle Bezeichnung in Namibia für den Zusammenschluss der Khoisansprachen Nama, Damara, Haiǁom und Topnaar. Nama und Damara wurden historisch oft gemeinsam als Damara-Nama oder seltener Nama-Damara bezeichnet. Die Sprache wird von den Nama, Damara, Haiǁom und Topnaar gesprochen.
Khoekhoegowab ist geografisch und nach Sprecherzahl die meistverbreitete Khoisansprache. Sie wird in Namibia, Botswana und Südafrika gesprochen. Insgesamt werden etwa 300.000 Sprecher genannt; für Namibia werden 238.769 Sprecher im Jahr 2011 angegeben, für Botswana 200 bis 1000 und für Südafrika ungefähr 56.000. Die Angaben im Artikel enthalten außerdem den Hinweis, dass ein Abschnitt nicht ausreichend belegt ist.
In Namibia ist Khoekhoegowab eine Nationalsprache und in 11 Prozent der Haushalte die erste Sprache. In Südafrika wird die Sprache anerkannt, ist dort aber nicht offiziell, anders als Afrikaans, Englisch und neun dort gesprochene Bantu-Sprachen. Man darf Khoekhoegowab nicht mit Sprachen der San wie ǃKung verwechseln, auch wenn diese ebenfalls zu den Khoisansprachen gehören.
In der linguistischen Einordnung gehört Khoekhoegowab zur Gruppe Khoe, genauer zu Khoekhoe, Nord-Khoekhoe und Nama. In ISO 639-3 werden die zwei Dialekte Nama mit dem Code naq und Haiǁom mit dem Code hgm unterschieden. Die Sprache ist nahe verwandt mit Korana und Xiri, die als sterbend beschrieben werden, sowie mit ausgestorbenen Sprachen der Khoikhoi am Kap.
Verbreitung und Dialekte
In Namibia hat Khoekhoegowab knapp 240.000 Sprecher. Eine Karte im Artikel zeigt die Verteilung als Muttersprache in Namibia für das Jahr 2011 in mehreren Anteilsstufen: unter 1 Prozent, 1 bis 5,99 Prozent, 6 bis 10,99 Prozent, 11 bis 20,99 Prozent, 21 bis 30,99 Prozent und 31 bis 49,99 Prozent.
Als Dialekte oder Varietäten werden genannt: Damara, Sesfontein Damara, Namidama, Zentraldamara, Nama, Gimsbok Nama, Haiǁom, Korana, Xiri und Topnaar. Diese Liste zeigt, dass Khoekhoegowab nicht nur eine einzelne lokale Sprechweise meint, sondern mehrere eng zusammengehörige Sprachformen umfasst.
Laute und Aussprache
Das Nama hat acht Vokale und 31 Konsonanten. Der Artikel beschreibt dieses Lautinventar für eine Khoisansprache als schlicht und vergleicht es mit den 128 Lauten des ǃXóõ.
Bei den Vokalen gibt es fünf Vokalqualitäten: a, e, i, o und u. Drei davon können nasaliert werden, nämlich ã, ĩ und ũ. Nasalierung bedeutet, dass beim Sprechen Luft auch durch die Nase strömt. Vokale können außerdem lang oder kurz sein.
Aus Vokalen werden zahlreiche Doppellaute, also Diphthonge, gebildet. Genannt werden [əi], [ae], [əu], [ao], [ui], [oa], [oe] sowie nasal [ə̃ĩ], [ə̃ũ], [ũĩ] und [õã]. Das Zeichen [ə] ist phonemisch /a/, gehört also im Lautsystem zur Einheit /a/.
Außerdem gibt es drei Töne: steigend, flach und fallend. Ein Ton ist hier eine bedeutungsunterscheidende Tonhöhe oder Tonbewegung beim Sprechen. Der steigende Ton wird meist mit á geschrieben, der fallende Ton mit à. Der flache Ton wird nur selten schriftlich markiert.
Konsonanten und Schnalzlaute
Von den 31 Konsonanten sind 20 Schnalzlaute, auch Klicks genannt. Bei den Nicht-Schnalzlauten wird /p/ als [β] ausgesprochen, und /t/ wird zwischen Vokalen als [ɾ] gesprochen. In der Tabelle des Artikels werden unter anderem Plosive wie p, t, k und ʔ, Affrikaten wie t͡s und k͡x, Frikative wie s, x und h sowie Nasale wie m und n genannt. Ein Plosiv ist ein Verschlusslaut, ein Frikativ ein Reibelaut, ein Nasal ein Laut mit Luftstrom durch die Nase, und eine Affrikate verbindet Verschluss- und Reibelaut.
Die Schnalzlaute können dental, lateral, alveolar oder palatal sein. Diese Begriffe bezeichnen unterschiedliche Artikulationsstellen im Mund. Zusätzlich können sie von verschiedenen Begleitlauten begleitet werden: Plosiven, aspirierten Plosiven, Plosiven mit Glottisschlag, Nasalen und aspirierten Nasalen. Daraus ergeben sich 4 Schnalzpositionen mal 5 Begleiter, also 20 mögliche Schnalzlaute.
Behauchte Schnalzlaute werden oft als Affrikaten ausgesprochen. Das bedeutet, dass zum Beispiel /k!ˣ/ zwischen [kǃʰ] und [kǃx] ausgesprochen werden kann. In der Schrift erscheinen Klickzeichen wie ǃ, ǀ, ǁ und ǂ; für einen alveolaren Klick werden zum Beispiel Schreibweisen wie ǃ oder ǃg, ǃx oder ǃk, nǃ oder ǃn, ǃh sowie ǃ’ oder ǃ genannt.
Grammatik, Schrift und Gebrauch
Die Grammatik wird im Artikel nur knapp beschrieben: Nama hat eine Subjekt-Objekt-Verb-Wortfolge. Das bedeutet, dass in einem einfachen Satz normalerweise zuerst das Subjekt steht, dann das Objekt und zuletzt das Verb.
In Namibia kann man Nama an der Universität von Namibia studieren. In Namibia und Südafrika gibt es Rundfunksendungen auf Nama. Außerdem sind Wörterbücher Nama-Englisch und Englisch-Nama erschienen. Die Sprache wird im Artikel ausdrücklich als nicht vom Aussterben bedroht bezeichnet.
Im schriftlich-maschinellen Gebrauch werden Sonderzeichen oft ersetzt: ǁ wird häufig als // geschrieben, ǀ als / und ǂ als #. Das ist wichtig, weil diese Zeichen für Schnalzlaute stehen, aber nicht auf allen Tastaturen leicht eingegeben werden können.
Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen des Khoekhoegowab gehen auf Georg Friedrich Wreede (1635–1672) zurück. 1815 begann der deutsche Pastor Chr. Albrecht mit der Übersetzung des Matthäusevangeliums. Heinrich Schmelen und besonders seine einheimische Frau Zara Schmelen führten die Arbeit weiter. 1831 waren die vier Evangelien übersetzt, 1832 wurden sie am Kap gedruckt. Von 1863 bis 1866 stellte G. Krönlein von der Rheinischen Missionsgesellschaft die Übersetzung des Neuen Testaments fertig; 1882 wurden die Psalmen gedruckt. Diese Schriften wurden laut Artikel jedoch kaum von den Namas gelesen, weil sie ihrer eigenen Schrift misstrauten.
Ein weiteres wichtiges Druckwerk war Luthers Katechismus in der Nama-Sprache. Franz Heinrich Kleinschmidt und seine Frau Hanna, eine Tochter von Zara und Heinrich Schmelen, brachten ihn am 29. Juni 1855 in Scheppmansdorf, dem heutigen Rooibank, mit einer Auflage von 300 Exemplaren heraus.
Beispiele aus der Sprache
Der Artikel nennt mehrere einfache Übersetzungsbeispiele. „Bitte“ heißt toxoba, „danke“ heißt aio und „vielen Dank“ heißt kai aios. Zahlenbeispiele sind ǀgui für „eins“, ǀgam für „zwei“, ǃnona für „drei“, haka für „vier“ und koro für „fünf“. Weitere Wörter sind oms für „Haus“, ǀaes für „Feuer“, nétsé für „heute“ und ǁari für „gestern“ und auch „morgen“.
Auch Grußformeln werden genannt: ǃgâi ǁgoas bedeutet „guten Morgen“, ǃgâi ǃoes bedeutet „guten Abend“ oder „gute Nacht“, und ǃgâi tsés bedeutet „guten Tag“ oder „auf Wiedersehen“. An diesen Beispielen sieht man die häufige Verwendung der Klickzeichen in der Schreibung.
Als längeres Beispiel enthält der Artikel eine Fabel aus Hagman 1977 mit deutscher Übersetzung. Darin gilt der Löwe als König aller Tiere, weil er stark ist, eine mächtige Brust hat, schlank in der Taille ist und schnell läuft. Jeden Morgen geht der junge Löwe in den Wald, um seine Kraft mit anderen Tieren zu vergleichen, und kehrt siegreich zurück. Seine Mutter lobt ihn, warnt ihn aber vor einem kleinen Wesen, das aufrecht geht und dessen Kopf auf den Schultern sitzt: dem Menschen. Wenn der Löwe diesem Wesen begegnet, werde er nicht zurückkehren.