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Nachhaltiger Konsum
Nachhaltiger Konsum ist Teil einer nachhaltigen Lebensweise und ein Verbraucherverhalten: Umwelt- und sozialverträglich hergestellte Produkte zu kaufen, …
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Grundverständnis und Bedeutung
Nachhaltiger Konsum ist ein Teil einer nachhaltigen Lebensweise. Gemeint ist der Ver- und Gebrauch von Gütern und Dienstleistungen so, dass Bedürfnisse erfüllt, Umwelt und Ressourcen geschont sowie soziale und wirtschaftliche Anforderungen berücksichtigt werden. Nachhaltig hergestellte Produkte sollen dazu beitragen, die ökonomischen, ökologischen und sozialen Kosten des Konsums zu verringern.
Eine einheitliche, allgemein anerkannte Definition gibt es bislang nicht. Eine verbreitete Definition, die auch der Arbeit der Verbraucherzentralen zugrunde liegt, umfasst drei Nachhaltigkeitsdimensionen: Umwelt- und Ressourcenschonung, Sozialverträglichkeit und ökonomische Tragfähigkeit. Diese drei Bereiche bilden auch das sogenannte Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit.
Kaufentscheidungen können über die Nachfrage Produktionsstrukturen und Herstellungsprozesse beeinflussen. Wichtig sind deshalb nicht nur der Kaufpreis und die Herstellung, sondern auch Betriebs- und Folgekosten. Dazu gehören beispielsweise der spätere Energieverbrauch, die Reparierbarkeit und die Langlebigkeit eines Produkts.
Ein bekanntes Beispiel ist der faire Handel. Verbraucher kaufen dabei häufig etwas teurere Waren kleinerer Erzeuger aus Entwicklungsländern und unterstützen damit gerechtere Arbeitsbedingungen. Der Begriff „ethischer Konsum“ wird manchmal gleichbedeutend mit nachhaltigem Konsum verwendet. Ethischer Konsum ist jedoch weiter gefasst: Er wird durch ethische Überlegungen aller Art beeinflusst. Die Frage, welche Form der Fleischproduktion stärker mit dem Tierwohl vereinbar ist, betrifft beispielsweise ethische Verbraucher besonders, gehört aber nicht automatisch zur Kategorie der Nachhaltigkeit.
Entstehung des Leitbilds
Der Begriff des nachhaltigen Konsums entstand im Zusammenhang mit der Diskussion über nachhaltige Entwicklung. Nachhaltige Entwicklung soll die Bedürfnisse der heutigen Generation erfüllen, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.
Der Ursprung des Begriffs wird auf Kapitel 4 der Agenda 21 zurückgeführt, die 1992 auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung, der Rio-Konferenz, verabschiedet wurde. Unter dem Titel „Veränderung von Konsumgewohnheiten“ wurde gefordert, nicht nachhaltige Produktionsweisen und Konsumgewohnheiten gezielt zu untersuchen und durch einzelstaatliche Politik zu verändern.
Diese Forderung beruht auf zwei Zusammenhängen: Einerseits steuert die Nachfrage die Produktionsstrukturen und Produktionsprozesse. Andererseits entstehen auch beim Konsum selbst Umweltbelastungen, die einer nachhaltigen Entwicklung entgegenstehen.
Auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung 2002 in Johannesburg wurde angesichts zunehmend nicht nachhaltiger Produktions- und Konsummuster die Entwicklung eines Zehn-Jahres-Rahmenprogramms für nachhaltigen Konsum und nachhaltige Produktion beschlossen. Dieses Programm wird als Marrakesch-Prozess bezeichnet.
Konsumverzicht und Suffizienz
Dem nachhaltigen Konsum im Sinne eines gezielten Kaufs nachhaltiger Produkte steht das Konzept des Konsumverzichts gegenüber. Im Mittelpunkt steht die Überlegung, auf den Gebrauch verfügbarer Güter bewusst zu verzichten oder ihren Neukauf zu vermeiden.
Mögliche Formen sind, alte Gegenstände zu reparieren, gebrauchte Produkte zu kaufen, Dinge zu mieten oder zu tauschen. Durch Upcycling kann aus einem alten Gegenstand ein neues Produkt entstehen. Konsumverzicht wird damit als eine Möglichkeit verstanden, den Verbrauch von Gütern und Ressourcen zu verringern.
Ein jährlicher Aktionstag für Konsumverzicht ist der Ende November stattfindende Kauf-nix-Tag. Das Konzept steht außerdem im Zusammenhang mit der Suffizienz, also einer ökologischen Orientierung an einem geringeren Verbrauch.
Möglichkeiten und Grenzen für Einzelverbraucher
Menschen mit einem nachhaltigen Lebensstil werden als LOHAS bezeichnet. Das Kürzel steht für „Lifestyles of Health and Sustainability“. Menschen, die bewusst weniger Fleisch essen, um den negativen Umweltauswirkungen der Massentierhaltung entgegenzuwirken, werden Flexitarier genannt.
Zertifizierungen und Gütesiegel sollen Verbrauchern die Kaufentscheidung erleichtern. Beispiele sind das Fair-Trade-Siegel für fairen Handel und das Demeter-Siegel für eine bio-dynamische Wirtschaftsweise. Für Wirtschaftsakteure gibt der CSE-Standard als Unternehmenszertifizierung eine Richtlinie für ethischen Konsum vor.
Nach dem Global Wealth and Lifestyle Report 2020 zahlen Konsumenten in Europa in der Regel nur ungern einen Aufschlag für verantwortungsvoll hergestellte Güter. Als Gründe werden Skepsis gegenüber der Nachhaltigkeitswerbung von Unternehmen sowie die Einschätzung genannt, dass strenge Regulierungen bereits bei konventionellen Gütern hohe Standards sicherstellten. Recycling wird besonders in Deutschland, Österreich, Wales und der Schweiz als selbstverständlich angesehen; diese Länder gehören laut Artikel zu den Ländern mit den höchsten Recyclingraten weltweit.
Angebot, Ausgaben und individuelle Entscheidungen
Eine Studie untersuchte 217 Analysen von Produkten und Dienstleistungen sowie nachhaltige Alternativen zu herkömmlichen Lebensmitteln, Reisen und Einrichtungsgegenständen. Sie kam zu dem Schluss, dass die Treibhausgasemissionen der Schweden um bis zu 38 % gesenkt werden könnten, wenn Verbraucher ihre Gesamtausgaben in diesen drei Bereichen stattdessen für nachhaltige Alternativen verwendeten.
Die Studie berücksichtigte weder die Logik des Eigennutzes noch ärmere Länder. Außerdem weist der Artikel darauf hin, dass nachhaltige Konsumentscheidungen nicht allein von einzelnen Personen kontrolliert werden können. Bereitstellung, Angebot und Verfügbarkeit, Produktentwicklung, Produkterfolg und Preise, komparative Vorteile sowie Anreize, Zwecke, Erwartungen und Nachfragen sind Bestandteile eines menschlichen neuro-sozioökonomischen Systems.
Daher sind individuelle rationale und ethische Entscheidungen auch dann begrenzt, wenn Verbrauchern alle relevanten Informationen einer Lebenszyklusanalyse, Produktinformationen und zugängliche Alternativen vorliegen. Nachhaltiger Konsum hängt somit nicht nur vom persönlichen Willen, sondern auch von den Bedingungen des Angebots und des gesamten Systems ab.
Unternehmen, Organisationen und Kritik
Bei nachhaltigem Konsum stehen häufig Einzelverbraucher im Mittelpunkt. Unternehmen werden dagegen oft mit Corporate Social Responsibility verbunden. Dabei liegt der Fokus meist auf der Zuliefer- und Wertschöpfungskette. Sie soll nicht nur wirtschaftlich rentabel, sondern auch sozial und ökologisch verträglich sein. Betrachtet werden vor allem das Produkt sowie sein Herstellungs- und Lieferprozess.
Auch der Bürobetrieb gewinnt an Bedeutung. Nach dem Green-Office-Prinzip können Unternehmen und Organisationen ihre Ökobilanz verbessern. Wichtige Bereiche sind:
- Energie und Ressourcen: Ökostrom, eigene Stromerzeugung etwa durch Photovoltaik, doppelseitiges Drucken sowie das Ausschalten nicht benötigter Geräte und Beleuchtung.
- Mobilität: Firmenfahrräder, Jobtickets, emissionsarme Fahrzeuge und die Bahn statt des Flugzeugs. Wenn Flüge unvermeidbar sind, kann eine Kompensation über Klimaschutzprojekte erfolgen.
- Bürobedarf und Ausstattung: energiearme oder recycelte Bürogeräte sowie Recyclingpapier.
- Catering und Veranstaltungen: möglichst regionale und saisonale Einkäufe sowie Produkte aus fairem Handel.
Zur sozialen Dimension zählen neben dem fairen Handel auch Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements.
Der Artikel weist zugleich auf eine Kontroverse hin: Produkte, die als nachhaltig beworben werden, können vor allem Marketinginstrumente zur Kundenbindung und Absatzsteigerung sein. Ökostrom kann beispielsweise nachhaltig sein, aber auch ein Produkt, das den Kunden ein gutes Gefühl vermittelt, obwohl die tatsächliche Umweltwirkung nur Fassade ist. Diese Form der Irreführung wird als Greenwashing bezeichnet. Außerdem wird nachhaltiger Konsum gelegentlich als Ersatz für echtes politisches oder gesellschaftliches Engagement kritisiert; in diesem Zusammenhang wird der Ausdruck „Bionade-Biedermeier“ genannt.
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