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Nachfragepolitik
Die Nachfragepolitik (auch nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik) geht davon aus, dass das gesamtwirtschaftliche Angebot und damit auch die Höhe der …
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Grundidee der Nachfragepolitik
Nachfragepolitik, auch nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik, beruht auf der Annahme, dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage bestimmt, wie groß das gesamtwirtschaftliche Angebot ist. Damit beeinflusst sie auch die Höhe der Produktion und den Grad der Beschäftigung.
Sie steht der Angebotspolitik gegenüber. Deren Anhänger begründen ihre Ablehnung der Nachfrageorientierung häufig mit dem Say’schen Theorem. Ökonomen wie Robert M. Solow und Olivier Blanchard betrachten Nachfrage- und Angebotspolitik jedoch nicht zwingend als Gegensätze: Beide können sich ergänzen. Eine nachfragepolitische Flankierung kann demnach helfen, angebotspolitische Maßnahmen erfolgreich durchzusetzen.
Keynesianische Grundlagen
Die Nachfragepolitik knüpft an John Maynard Keynes an und wird deshalb auch Keynesianismus genannt. Nach dem Börsencrash von 1929 entwickelte Keynes die These, dass Märkte zwar zu einem Gleichgewicht tendieren können, dieses Gleichgewicht aber auch mit niedriger Produktion, fehlenden Investitionen und hoher Unterbeschäftigung bestehen kann.
Sinkt die Konsumnachfrage der privaten Haushalte, erwarten Unternehmen keine positiven Renditen mehr und stellen Investitionen ein. Dies führt zu einem weiteren Ausfall der gesamtgesellschaftlichen Nachfrage. Gegen die Verunsicherung der Märkte seien daher permanente und langfristige staatliche Investitionen nötig.
Die Vorstellung, dass mangelnde Nachfrage Wirtschaftskrisen verursachen kann, hatte J. A. Hobson bereits ab 1889 vertreten; 1928 entwickelten William Trufant Foster und Waddill Catchings sie unabhängig davon. Sie verwendeten den Ausdruck underconsumption, also etwa „Unternachfrage“. Erst Keynes brachte diese Sichtweise 1936 mit The General Theory of Employment, Interest and Money wieder stärker in die Wirtschaftswissenschaft ein. Für ihn entsteht Kapital nicht durch Sparen, sondern als Reaktion darauf, dass Eigentümer von Produktionsanlagen eine steigende tatsächliche oder erwartete Nachfrage nach ihren Produkten wahrnehmen. Sparsamkeit kann deshalb das Wachstum bremsen, weil sie den Konsum senkt; Keynes bezeichnete dies als „Paradox der Sparsamkeit“.
Nachfragepolitik ist antizyklische Konjunkturpolitik: Der Staat soll gegenläufig zur Konjunktur handeln und so den Konjunkturzyklus stabilisieren. Dies kann grundsätzlich auch mit angebotsorientierten Maßnahmen versucht werden. Besonders die Ankurbelung der Nachfrage durch staatliches Deficit spending wurde wiederholt scharf kritisiert.
Instrumente zur Stärkung der Nachfrage
Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage kann durch höhere Konsumausgaben gestärkt werden. Genannt werden insbesondere:
- Lohnsteuerentlastungen oder Zuschüsse für private Haushalte,
- höhere staatliche Investitionen,
- höhere Ausgaben des öffentlichen Sektors durch mehr staatlichen Konsum,
- verbrauchsfördernde Rahmenbedingungen und
- Steuerpolitik.
Erfahrungen in Deutschland
Nach der ordoliberalen Phase der Sozialen Marktwirtschaft begann in der BRD eine Phase keynesianischer Globalsteuerung. In der ersten bundesdeutschen Rezession 1966/67 bekämpften Wirtschaftsminister Karl Schiller und Finanzminister Franz Josef Strauß die Krise mit einem Konjunkturprogramm von knapp acht Milliarden DM. Die Krise wurde schnell überwunden; die danach entstandene Verschuldung wurde wieder abgebaut. Schiller formulierte den Anspruch: „Konjunktur ist nicht unser Schicksal, Konjunktur ist unser Wille.“ 1967 wurde die Globalsteuerung durch das Stabilitäts- und Wachstumsgesetz gesetzlich verankert.
In der Wirtschaftskrise der 1970er Jahre versuchte Bundeskanzler Helmut Schmidt von 1974 bis 1982, die Konjunktur mit Paketen im Gesamtumfang von 60 Milliarden DM zu beleben. Die Stagflation konnte jedoch nicht überwunden werden, während die zuvor relativ niedrigen Staatsschulden beinahe exponentiell anstiegen. Marc Hansmann bewertet es so, dass angesichts der Angebotsschocks der Ölpreiskrisen und der Verlagerung der Weltwirtschaft nach Fernost eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch Angebotspolitik angemessener gewesen wäre. In den 80er Jahren setzte die BRD auf angebotsorientierte Wirtschaftspolitik.
Japan und die Finanzkrise ab 2007
Japan versuchte in den 1990er Jahren, die Wirtschaftskrise Ushinawareta Nijūnen mit fiskalpolitischen Konjunkturpaketen zu bekämpfen. Der Erfolg blieb mäßig. Die Staatsschuldenquote stieg dabei stark: von 68 % im Jahr 1990 auf 142 % im Jahr 2000.
Nach dem Nachfrageschock der Finanzkrise ab 2007 empfahlen viele Volkswirte eine fiskalische Nachfragepolitik als Ergänzung zur Geldpolitik der EZB.