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Monopolkapitalismus
In dieser Phase haben Oligarchen, Großgrundbesitzer und Großkonzerne zumindest in den Schlüsselindustrien eine marktbeherrschende Stellung (Monopol).
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Grundidee und Bedeutung
Der Monopolkapitalismus ist im Marxismus eine Entwicklungsphase des Kapitalismus. Gemeint ist eine Wirtschaftsordnung, in der der frühere Konkurrenzkampf vieler Unternehmen durch Konzentration, Zentralisation und Kartellbildung in großen Teilen der Wirtschaft weitgehend aufgehoben wird oder andere Formen annimmt. Konzentration bedeutet, dass Kapital und Produktion bei wenigen Unternehmen zusammenlaufen; Zentralisation meint, dass größere Kapitale kleinere verdrängen, aufkaufen oder in sich aufnehmen; Kartelle sind Absprachen oder Zusammenschlüsse von Unternehmen zur Begrenzung des Wettbewerbs. In dieser Phase haben Oligarchen, Großgrundbesitzer und Großkonzerne zumindest in Schlüsselindustrien eine marktbeherrschende Stellung, also ein Monopol oder eine monopolähnliche Macht.
Die Monopolisierung am Ende des 19. Jahrhunderts wird im Artikel nicht als zwangsläufig beschrieben. Sie hatte auch politische Ursachen: Staaten förderten teilweise die Vermachtung der Märkte, weil sie darin einen Beitrag zur Dämpfung von Konjunkturschwankungen und zur Steigerung der Produktivität sahen. In heutigen marktwirtschaftlichen Ländern versucht man dagegen meist, Einschränkungen des Wettbewerbs durch rechtliche und institutionelle Mittel zu verhindern. In Deutschland werden dafür beispielhaft das GWB und das Bundeskartellamt genannt.
Marx’ Erklärung
Karl Marx beschreibt bereits in Band I von Das Kapital den Zentralisationsprozess des Kapitals. Nach seiner Annahme steigt die Profitabilität vor allem dadurch, dass pro Arbeitsplatz immer mehr konstantes Kapital eingesetzt wird. Konstantes Kapital bezeichnet bei Marx die Produktionsmittel wie Maschinen, Anlagen und Rohstoffe. Daraus folgt, dass immer mehr Rationalisierungsinvestitionen stattfinden, also Investitionen zur effizienteren Produktion, während Erweiterungsinvestitionen zurücktreten. Die Beschäftigung wird dadurch insgesamt immer schwächer ausgeweitet.
Wenn einzelne Unternehmen trotzdem mehr Beschäftigung schaffen, geschieht dies nach dieser Darstellung oft dadurch, dass andere Unternehmen vom Markt verdrängt, aufgekauft oder „geschluckt“ werden. In Band III von Das Kapital wird dies im Zusammenhang mit dem Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate ausführlicher dargestellt. Am Ende können ganze Wirtschaftszweige von immer weniger Unternehmen beherrscht werden, im äußersten Fall von Monopolen.
Damit verschwindet Konkurrenz nicht vollständig, sondern verändert ihre Form. Monopole oder Oligopole konkurrieren weniger mit Unternehmen, die dasselbe Produkt herstellen. Weiterhin geht es aber um eine möglichst hohe Profitrate oder um langfristig gesicherte Profite. Deshalb entsteht Konkurrenz zwischen Monopolen verschiedener Branchen. Als Beispiele nennt der Artikel Konflikte zwischen einem Stahlkonzern und einer Eisenbahngesellschaft wegen hoher Transportkosten, zwischen Öl-, Straßenbau- und Automobilkonzernen einerseits und Eisenbahngesellschaften andererseits sowie jüngere Konflikte zwischen Unternehmen, die das Internet verbreiten wollen, und Telefonmonopolen, die hohe Telefongebühren verlangen.
Staat, Imperialismus und Rüstung
In den Auseinandersetzungen zwischen großen Unternehmen geht es auch um Einfluss auf den Staat. Der Staat kann nach der im Artikel dargestellten Theorie auf verschiedene Weise in diese Konflikte eingreifen: Eine Eisenbahngesellschaft mit hohen Transportpreisen kann verstaatlicht werden, damit sie zu Kostenpreisen transportiert. Telefonmärkte können dereguliert werden. Trusts, also große Unternehmenszusammenschlüsse, können im Interesse anderer Monopole zerschlagen werden. Konkurrenten auf dem Weltmarkt können durch staatlichen Protektionismus ferngehalten werden, also durch Schutzmaßnahmen zugunsten heimischer Unternehmen. Billige Rohstoffe können mit Hilfe imperialistischer Politik gesichert werden.
Außerdem kann der Staat Großunternehmen in Krisen durch Subventionen retten oder sie als Großauftraggeber stützen, besonders in der Rüstungsindustrie. Daraus entwickelt sich nach dieser Theorie rasch ein staatlicher Monopolkapitalismus. Damit ist eine Ordnung gemeint, in der die herrschenden Monopole eng mit dem Staatsapparat verflochten sind.
Wenn sich Konkurrenz von Unternehmen innerhalb einer Branche zu Konkurrenz zwischen kapitalistischen Nationalstaaten und Kapitalblöcken verlagert, kann sie zunehmend militärische Formen annehmen. Daraus kann sich eine permanente Rüstungswirtschaft mit eigenen Widersprüchen entwickeln. Friedrich Engels betonte in seinen Anmerkungen zu den nach Marx’ Tod herausgegebenen Bänden, dass Marx vor allem vom Wettbewerbskapitalismus ausgegangen sei, während inzwischen eine starke Konzentration des Kapitals aufgetreten war.
Hilferding, Lenin und spätere Deutungen
Rudolf Hilferding, ein Vertreter des Austromarxismus, analysierte in seinem Buch Das Finanzkapital von 1910 den weiteren Prozess der Monopolisierung des Kapitals. Später, als sozialdemokratischer Politiker der Weimarer Republik, sah er im Staatsmonopolkapitalismus auch einen möglichen Weg zur Überwindung des kapitalistischen Wirtschaftssystems.
Lenin griff in Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus von 1916/17 auf weitere, auch statistische Quellen zurück, um die Monopolisierung des Kapitals nachzuweisen. Nach Lenin kann der Kapitalismus nicht durch eine Rückkehr zum Wettbewerbskapitalismus „entschärft“ werden, weil der Monopolkapitalismus gerade aus dieser Grundlage entstanden ist. Lenin bezieht sich mehrfach auf Hilferding, stellt sich aber gegen Karl Kautsky. Besonders kritisiert er Kautskys Ultra-Imperialismus-These. Diese These erwartete, dass eine neue Stufe des Kapitalismus den Imperialismus beenden könne, weil organisiertes Interessenmanagement zwischen imperialistischen Mächten sowie gegenseitige Kapital- und Handelsverflechtungen Krieg unwahrscheinlich oder unmöglich machen würden.
Lenin zufolge verringert der Monopolkapitalismus die Anarchie der Produktion. Mit „Anarchie der Produktion“ ist die ungeplante, unkoordinierte Produktion im Kapitalismus gemeint. Beim Bestehen von Trusts höre die Planlosigkeit des Kapitalismus auf. Die Monopolisten würden erkennen, dass Ordnung in diese Anarchie gebracht werden müsse, und der Versuch, den Produktionsapparat rational zu organisieren, zwinge sie zusammen.
Spätere Autoren deuteten den Monopolkapitalismus nach den Veränderungen von 1918 bis 1945 neu. Franz Neumann beschrieb in Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus von 1942/1944 das nationalsozialistische Wirtschafts- und Herrschaftssystem als „totalitäre Monopolwirtschaft“. Seine zentrale These lautet, dass im Zentrum der Diktatur „das Interesse der Sicherung der Kapitalreproduktion im Rahmen einer Monopolbildung“ steht, „die an die Interessen der wesentlichen Kräfte der NSDAP anschließt“. Paul A. Baran und Paul Sweezy sahen den Wettbewerbskapitalismus längst durch Monopolkapitalismus abgelöst. In Monopolkapitalismus – Ein Essay über die amerikanische Wirtschaftsordnung von 1965 untersuchten sie vor allem die USA und stellten die „Produktion und Absorption des Surplus unter den Bedingungen des Monopolkapitalismus“ in den Mittelpunkt. Surplus meint dabei den gesellschaftlichen Überschuss, der über die notwendigen Produktions- und Lebenshaltungskosten hinaus entsteht.
Historische Entwicklungen und Beispiele
Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts kam es in Ländern wie Deutschland und den USA zu starker Kapitalkonzentration. Diese Entwicklung wurde auch außerhalb des Marxismus als beunruhigend wahrgenommen. In den USA entstand der Begriff „robber barons“, also „Raubritter“, für besonders mächtige Unternehmer. Trusts wurden zunehmend als Gefahr für die Funktionsfähigkeit der Wirtschaft angesehen. In dieser Zeit entstand in den USA die Antitrustgesetzgebung; der Artikel verweist außerdem auf das deutsche Kartellrecht. 1938 setzte Präsident Roosevelt das Temporary National Economic Committee ein, um die Macht von Monopolen zu untersuchen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg prägte US-Präsident Dwight D. Eisenhower den Begriff des militärisch-industriellen Komplexes. Damit wird die enge Verbindung von Militär, Rüstungsindustrie und Politik bezeichnet. Die marxistische Theorie der permanenten Rüstungswirtschaft erklärt die vergleichsweise günstige Entwicklung kapitalistischer Wirtschaften bis in die frühen 1970er Jahre mit den sehr hohen Rüstungsausgaben des Kalten Krieges.
Der US-Wirtschaftswissenschaftler John Kenneth Galbraith prägte in den 1960er Jahren den Begriff „Technostruktur“. Danach betreiben Big Business, also große Unternehmen, und „Big Labour“, also große Gewerkschaften, eine gemeinsame Politik zulasten der übrigen Wirtschaft. Vor dem Hintergrund der „Öl-Kriege“ sprechen Marxisten neuerdings gelegentlich vom „Petro-Komplex“. Damit ist die Ölindustrie gemeint, teilweise zusammen mit der Autoindustrie. Von den 25 größten Konzernen der Welt sind dem Artikel zufolge 16 in der Öl- oder Automobilbranche tätig.
Kritik und offene Punkte
An der Theorie des Monopolkapitalismus wird vor allem ihr einfaches linear-geschichtliches Schema kritisiert. Dieses Schema lautet: Konkurrenzkapitalismus, dann Monopolkapitalismus, dann staatsmonopolistischer Kapitalismus oder in anderen marxistischen Richtungen Staatskapitalismus. Kritiker halten diese Abfolge für zu schlicht.
Der Artikel betont, dass es schon nach Karl Marx in Das Kapital neben „zentripetalen“ Kräften, die Kapital zusammenziehen und konzentrieren, immer auch zentrifugale Kräfte gibt, die Konzentration wieder aufbrechen können. Auch die Wechselwirkung zwischen Staat und Großkapital sowie der Einfluss der Banken auf die Industrie, also das Finanzkapital, verändern sich geschichtlich auf kompliziertere Weise. Außerdem kann die Entwicklung eines Weltmarkts nationale Monopole erneut der Konkurrenz aussetzen.
Ein Zitat aus Marx’ Das Kapital III fasst eine Grenze vollständiger Monopolisierung zusammen: „Und sobald die Kapitalbildung ausschließlich in die Hände einiger wenigen, fertigen Großkapitale fiele, … wäre überhaupt das belebende Feuer der Produktion erloschen.“