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Unternehmenskonzentration

In der Wirtschaft allgemein sind die Konzentration von Einkommen, Standorten, Steuerlasten, Vermögen, Verfügungsmacht oder von Anbietern und Nachfragern auf …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Formen der Konzentration
  3. 3. Messung und Kennzahlen
  4. 4. Konzentrationsniveau und Marktformen
  5. 5. Ursachen, Kontrolle und Folgen

Begriff und Bedeutung

Unternehmenskonzentration bezeichnet in der Wirtschaft die Tendenz zur Monopolisierung von Unternehmen. Sie zeigt sich insbesondere, wenn die Zahl der Anbieter oder Nachfrager auf einem Markt sinkt oder sich Marktanteile zunehmend bei wenigen großen Unternehmen sammeln. In der Handelswissenschaft wird Konzentration als „die Vergrößerung und die Zusammenballung von Marktanteilen in einer Hand“ definiert; diese Definition gilt allerdings als relativ unscharf.

Eine hohe Konzentration bedeutet meist, dass nur wenige Anbieter oder Nachfrager am Markt tätig sind. Dadurch kann die Wettbewerbsintensität abnehmen und die Marktmacht einzelner Unternehmen zunehmen. Unternehmenskonzentration kann durch internes Wachstum entstehen, wenn ein Unternehmen schneller wächst als seine Mitbewerber, oder durch externes Wachstum, etwa durch Konzernbildung oder Fusionen. Räumlich kann sie regional, national oder international auftreten.

Formen der Konzentration

John M. Blair unterscheidet mehrere Formen der Marktkonzentration:

  • Horizontale Konzentration: Unternehmen derselben Fertigungsstufe und desselben Marktes schließen sich zusammen, beispielsweise mehrere Handelsunternehmen derselben Handelsstufe. Ziele sind Kostensenkung, Kostendegression und Synergien.
  • Vertikale Konzentration: Ein Unternehmen integriert vor- oder nachgelagerte Produktionsstufen durch Vorwärts- oder Rückwärtsintegration. Ein Beispiel ist der Kauf eines Zulieferers durch einen Automobilhersteller. Ziele sind geringere Transaktions- und Bezugskosten sowie eine größere Fertigungstiefe.
  • Laterale Konzentration: Unternehmen verschiedener Fertigungs- oder Wirtschaftsstufen und Wirtschaftszweige verbinden sich zu einem Mischkonzern, etwa wenn ein Automobilhersteller eine Bank kauft. Mögliche Ziele sind Verbundeffekte und Risikostreuung.
  • Konglomerate Konzentration: Unter diesem Begriff werden alle übrigen Konzentrationsformen zusammengefasst.
  • Aggregierte Konzentration: Sie bezeichnet Marktmacht aufgrund der Betriebsgröße und entsteht als Ergebnis fortschreitender horizontaler, vertikaler und/oder konglomerater Konzentration.

Außerdem wird zwischen absoluter und relativer Konzentration unterschieden. Die absolute Konzentration betrachtet, welche Anteile einer Marktgröße, beispielsweise der gesamten Umsatzerlöse, auf einzelne oder wenige Unternehmen entfallen. Ein Konzentrationsprozess liegt hier vor, wenn die Zahl der Unternehmen sinkt. Die relative Konzentration beschreibt dagegen die Ungleichverteilung der prozentualen Marktanteile auf sämtliche Unternehmen. Sie steigt, wenn sich bei gleichbleibender Unternehmenszahl Marktanteile zugunsten der größten Unternehmen verschieben.

Beispiele für mögliche Kombinationen sind: Bei 100 Unternehmen mit jeweils 1 % Marktanteil liegt weder absolute noch relative Konzentration vor. Vier Unternehmen mit jeweils 25 % zeigen absolute, aber keine relative Konzentration. Haben bei 100 Unternehmen die drei größten Anteile von 40 %, 25 % und 20 %, besteht relative, aber keine absolute Konzentration. Marktanteile von 50 %, 40 %, 7 % und 3 % bei nur vier Unternehmen bedeuten sowohl absolute als auch relative Konzentration.

Messung und Kennzahlen

Das Ausmaß der Konzentration wird mit verschiedenen Kennzahlen gemessen. Zu den absoluten Maßen gehören der Hirschmann-Herfindahl-Index beziehungsweise Herfindahl-Hirschman-Index (HHI), die Konzentrationsrate, der Rosenbluth-Index und der Linda-Index. Der HHI berücksichtigt alle Unternehmen eines Marktes. Die Konzentrationsrate betrachtet die größten Unternehmen, der Rosenbluth-Index zusätzlich deren Rangfolge und der Linda-Index die Marktstellung der größten Unternehmen.

Die Konzentrationsrate CRₙ gibt an, wie viel Prozent einer ökonomischen Größe die n größten Unternehmen gemeinsam auf sich vereinen. Haben fünf Unternehmen jeweils 20 % Marktanteil, ergibt sich für die zwei größten Unternehmen:

CR₂ = 0,2 + 0,2 = 0,4.

In deutschen Wirtschaftsstatistiken wird als kleinster Wert CR₃ veröffentlicht. In der kartellrechtlichen Praxis ist besonders der HHI wichtig. In den USA gilt ein Markt bei einem Index unter 1.500 als unkonzentriert. In der europäischen Praxis wird ein Zusammenschluss als unbedenklich angesehen, wenn der HHI zwischen 1.000 und 2.000 liegt und sich durch den Zusammenschluss um weniger als 250 erhöht oder wenn er über 2.000 liegt, die Erhöhung aber weniger als 150 beträgt.

Relative Konzentration lässt sich grafisch durch die Lorenz-Kurve und als Messziffer durch den Gini-Koeffizienten darstellen. Bei der logarithmischen Normalverteilung zeigt der Streuungsparameter relative Abweichungen vom Mittelwert. Entropie-Maße beschreiben, dass mit wachsendem Konzentrationsgrad die Unsicherheit eines Anbieters sinkt, mit einem zufällig ausgewählten Kunden ein Geschäft abzuschließen. Entropie-Maße, Lorenz-Kurve und logarithmische Normalverteilung sind jedoch keine konzentrationsspezifischen Kennzahlen.

Konzentrationsniveau und Marktformen

Das Konzentrationsniveau beeinflusst die Marktform und die Stärke des Wettbewerbs. Perfekter Wettbewerb liegt nach der angegebenen Zuordnung vor, wenn CRₙ = n/N beträgt. Die Tabelle ordnet Konzentrationsraten von 0 % bis 40 % einer geringen, von 40 % bis 70 % einer mittleren und von 70 % bis 100 % einer hohen Konzentration zu. Mittlere Konzentration ist typisch für ein Oligopol, also einen Markt mit wenigen Anbietern. Bei 100 % fehlt wegen eines Monopols der Wettbewerb.

An anderer Stelle nennt der Artikel abweichende Grenzen: Dort gilt eine Marktkonzentration zwischen 0 % und 50 % als gering und zwischen 80 % und 100 % als hoch. Allgemein wird der Wettbewerb schwächer, wenn es weniger Marktteilnehmer gibt oder das Marktvolumen ungleichmäßiger verteilt ist. Sinkende Konzentrationsraten erhöhen, steigende Konzentrationsraten verringern daher die Wettbewerbsintensität. Der Wettbewerb nimmt außerdem bei Wachstums- und Zukunftsmärkten zu und bei Marktsättigung und Schrumpfmärkten ab.

Eine Konzentrationsanalyse erfordert eine Untersuchung von Marktstruktur, Marktverhalten und Marktentwicklung. Nach dem Grad der wirtschaftlichen und rechtlichen Selbstständigkeit werden Konzern und Trust unterschieden. Ein Kartell besitzt dagegen keine Kapitalverflechtung und gilt deshalb nicht als Konzentrationsform, sondern als Kooperationsform, die in vielen Rechtsräumen grundsätzlich verboten ist.

Ursachen, Kontrolle und Folgen

In der Betriebswirtschaftslehre wird Unternehmenskonzentration als Prozess horizontaler, vertikaler oder lateraler Unternehmenszusammenschlüsse durch Kooperation oder Integration verstanden. Gründe können der Schutz vor ruinöser Konkurrenz, eine größere Unternehmensgröße, bessere Skalenerträge, höhere Marktanteile bis hin zur Marktbeherrschung sowie persönliches Machtstreben sein. Konzentration kann auch zu Verdrängungswettbewerb führen.

In Deutschland unterliegen ausreichend große Zusammenschlüsse der Fusionskontrolle, damit keine marktbeherrschende Stellung entsteht. Kartellbehörden berücksichtigen dabei unter anderem den HHI und seine Veränderung. Internes Wachstum oder eine durch Struktur und Konjunktur verursachte Konzentrationssteigerung ist zunächst nicht beschränkt. Auch monopolistische oder stark oligopolistische Marktstrukturen sind in Europa und Nordamerika nicht als solche verboten; marktbeherrschende Unternehmen können aber besonderen Regeln und einer Missbrauchsaufsicht unterliegen. Die 1974 gegründete Monopolkommission beurteilt nach § 44 GWB alle zwei Jahre in einem Hauptgutachten Stand und voraussichtliche Entwicklung der Unternehmenskonzentration in Deutschland.

Mögliche Vorteile konzentrierter Märkte sind gebündelte finanzielle und personelle Mittel für Forschung und Entwicklung, niedrigere Forschungs- und Entwicklungskosten, Skaleneffekte, größere Widerstandsfähigkeit gegenüber Konjunkturschwankungen und ein besserer Zugang zu Krediten und anderen Finanzierungen. Konzentration kann außerdem daraus entstehen, dass besonders effiziente und kostengünstige Unternehmen größere Produktionsanteile übernehmen, was Käufern zugutekommen kann.

Zu den möglichen Nachteilen gehören eine wachsende Marktmacht und Abhängigkeiten von Kunden oder Lieferanten, etwa durch hohe Preise. Konzentration kann Kartelle begünstigen und sich selbst verstärken, wenn dominante Unternehmen Konkurrenten durch Dumpingpreise verdrängen oder Markteintrittsbarrieren erhöhen.

Die Messung ist häufig schwierig, weil geeignete und vergleichbare Daten fehlen und Märkte sachlich, zeitlich und räumlich abgegrenzt werden müssen. Besonders im Handel führen gemischte Sortimente, die gleichzeitige Tätigkeit auf vielen Produktmärkten und unvollständige Statistiken zu Problemen. Deshalb werden neben Branchenumsätzen auch Beschäftigtenzahl, Gesamtkapital oder Verkaufsfläche verwendet. Absolute Darstellungen zeigen zudem oft die übrigen Unternehmen nicht, während relative Darstellungen wie die Lorenz-Kurve die absolute Zahl der erfassten Unternehmen nicht erkennen lassen.

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