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Monopolistische Konkurrenz

In diesem monopolistischen Bereich gilt die Gewinnmaximierungsregel: Grenzerlös gleich Grenzkosten. Wenn der Anbieter diesen Bereich verlässt, wird der Preis …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Funktionsweise
  2. 2. Modell und langfristiges Gleichgewicht
  3. 3. Grenzen des Modells
  4. 4. Außenhandel und größere Märkte
  5. 5. Typische Märkte und Vergleich

Begriff und Funktionsweise

Monopolistische Konkurrenz, auch monopolistischer Wettbewerb oder heterogenes Polypol, bezeichnet eine Marktform zwischen Monopol und vollständiger Konkurrenz. Sie wurde von Edward Hastings Chamberlin und Joan Robinson unabhängig voneinander entwickelt. Es handelt sich um ein Polypol, also einen Markt mit vielen Anbietern, auf einem unvollkommenen Markt.

Die Anbieter verkaufen vergleichbare, aber nicht völlig gleiche Güter. Diese Produktdifferenzierung kann sich etwa auf Qualität, Preis, Marke oder andere erkennbare Merkmale beziehen. Die Produkte sind deshalb unvollkommene Substitute: Sie können einander ersetzen, aber nicht vollständig. Auch räumliche, zeitliche oder sachliche Präferenzen der Nachfrager machen den Markt unvollkommen.

Jedes Unternehmen besitzt dadurch einen begrenzten monopolistischen Spielraum. Es kann innerhalb bestimmter Grenzen Preis oder Menge selbst festlegen und wendet dort die Gewinnmaximierungsregel Grenzerlös gleich Grenzkosten an. Bei einer zu starken Preiserhöhung wechseln Nachfrager jedoch zu konkurrierenden Produkten; dann wird der Preis wie im Polypol durch den Markt begrenzt.

Modell und langfristiges Gleichgewicht

Chamberlin nimmt an, dass jeder Anbieter wie ein Monopolist den gewinnmaximalen Preis wählt. Die gewinnmaximale Preis-Mengen-Kombination liegt im Cournotschen Punkt. Bei freiem Markteintritt führen erzielbare Gewinne zum Eintritt neuer Anbieter mit vergleichbaren Produkten. Dadurch verschiebt sich die Preis-Absatz-Funktion der bisherigen Anbieter in Richtung Ursprung. Langfristig ist keine Gewinnerzielung mehr möglich, wenn die Durchschnittskostenkurve die Preis-Absatz-Funktion tangiert; dies heißt Chamberlinsche Tangentenlösung.

Erich Gutenberg geht dagegen von doppelt geknickten individuellen Preis-Absatz-Funktionen aus. Wegen Präferenzen und Intransparenz liegt darin ein monopolistischer Bereich. Innerhalb dieses Bereichs kann ein Unternehmen seine Aktionsparameter festlegen, ohne eine Reaktion der Konkurrenz befürchten zu müssen; dies wird Gutenberg-Funktion genannt.

Im Modell gelten Unternehmen als symmetrisch: Sie haben identische Nachfrage- und Kostenfunktionen. Je höher die Nachfrage nach einem Produkt und je höher die Preise der Konkurrenten, desto größer ist der Absatz. Mit wachsender Zahl der Mitbewerber sinkt der Absatz je Unternehmen. Markteintritt und Marktaustritt sind frei. Liegt der Preis über den Durchschnittskosten, treten neue Unternehmen ein; liegt er darunter, verlassen Unternehmen den Markt. Gewinne sind daher nur kurzfristig möglich, langfristig sind sie null. Anders als im Oligopol nimmt jede Firma die Preise der Konkurrenten als gegeben hin und berücksichtigt die Folgen eigener Preisänderungen für deren Preise nicht.

Die Durchschnittskostenkurve CC steigt mit der Anbieterzahl n, weil jedes Unternehmen weniger produziert und absetzt: AC = F/Q + c = n · F/S + c. Dabei sind F die Fixkosten, Q die gesamte Marktnachfrage, c die Grenzkosten beziehungsweise bei linearer Kostenfunktion die variablen Stückkosten und S die nachgefragte Menge bei einem Anbieter x. Die Preisfunktion PP fällt mit n: P = c + 1/(n · b), wobei b > 0 die branchenspezifische Absatzänderung nach Preisänderungen bezeichnet.

Im langfristigen Gleichgewicht GG schneiden sich PP- und CC-Kurve. Dann gilt AC = P, die Branche erzielt weder Gewinn noch Verlust, und die Gleichgewichtsanzahl der Unternehmen lautet n = √(S · 1/(F · b)). Links von GG entstehen Gewinne und ziehen Anbieter an; rechts von GG entstehen Verluste und Anbieter wandern ab.

Grenzen des Modells

Das Modell gilt nur für wenige Branchen. Insbesondere ist die Annahme, jedes Unternehmen verhalte sich wie ein „echter“ Monopolist, in der Realität nicht haltbar: Anbieter wissen meist, dass ihr Verhalten die Konkurrenz beeinflusst.

Zwei für Oligopole typische Verhaltensweisen werden ausgeschlossen. Erstens kann Kollusion auftreten: Unternehmen stimmen sich ausdrücklich durch Verträge oder stillschweigend ab und halten den Preis oberhalb des kalkulierten Gewinnniveaus; dies ist für Konsumenten ungünstig. Zweitens können Unternehmen strategisch Marktschranken errichten, etwa durch zusätzliche Kapazitäten. Solche Entscheidungen können zwar den Gewinn mindern, beeinflussen aber Konkurrenten und halten mögliche neue Anbieter vom Markteintritt ab.

Außenhandel und größere Märkte

Außenhandel vergrößert den nationalen Markt zum Weltmarkt. Damit werden Beschränkungen der möglichen Produktionsmenge gelockert. Ein größerer Markt bietet Raum für mehr Unternehmen, höhere Produktionsmengen und mehr Gütervarianten. Konsumenten erhalten niedrigere Preise und eine größere Produktvielfalt. Auch ohne wesentliche Unterschiede bei Ressourcen oder Technologien können wechselseitige Vorteile entstehen, wenn etwa ein Land für ein Produkt geringere Produktionskosten und damit geringere Opportunitätskosten hat.

Beim Vergleich zweier Märkte mit unterschiedlichem Gesamtabsatz liegt die CC-Kurve des größeren Marktes unterhalb derjenigen des kleineren Marktes. Mehr Anbieter können tätig sein, die Produktvielfalt steigt, und die Durchschnittskosten AC sinken durch eine größere und vielfältigere Produktion. Die PP-Kurve verschiebt sich dabei nicht, weil der Gesamtabsatz in der Preisformel nicht vorkommt: P = c + 1/(b · n). Die Gleichgewichtslage verschiebt sich von GG₁ nach GG₂: Gegenüber GG₁ mit geringerer Auswahl und relativ hohen Preisen bietet GG₂ mehr Auswahl und niedrigere Preise.

Typische Märkte und Vergleich

Typische Beispiele sind Brot, Bücher, Obst, Friseure und Reinigungen sowie Zahnpasta, Waschmittel, Kaffee und Einzelhandel. Bei Kellogg’s Cornflakes und einem No-Name-Produkt ist der Verwendungszweck gleich, doch etwa Qualitäts-, Preis- und Markenunterschiede unterscheiden die Produkte. Ein lokaler Bäcker kann wegen der räumlichen Präferenz seiner Kunden etwas höhere Preise als weiter entfernte Bäcker verlangen; wird er deutlich teurer, lohnt sich der weitere Weg zur Konkurrenz. Auch die europäische Automobilindustrie wird wegen vieler Hersteller sowie zahlreicher Fahrzeugmodelle und -klassen als Beispiel genannt.

Sowohl vollständige als auch monopolistische Konkurrenz sind Polypole mit freiem Markteintritt und -austritt. Bei vollständiger Konkurrenz liegt ein vollkommener Markt mit homogenen Gütern vor; der einzelne Anbieter kann den Marktpreis nicht beeinflussen. Bei monopolistischer Konkurrenz liegt ein unvollkommener Markt mit heterogenen Gütern beziehungsweise unvollkommenen Substituten vor. Der Preis ist innerhalb des monopolistischen Spielraums beeinflussbar. In beiden Marktformen sind kurzfristige Gewinne möglich, langfristig jedoch nicht.

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