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Mittelpunkt (Schriftzeichen)
Das Zeichen wird als Rechenzeichen für die Grundrechenart Multiplikation (Malzeichen), außerdem zur Gliederung von Wortfolgen und in einigen Orthografien für …
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Grundbedeutung und typografische Form
Der Mittelpunkt (·), auch Halbhochpunkt oder Hochpunkt genannt, ist ein Schriftzeichen, das dem als Satzzeichen verwendeten Punkt ähnelt, aber deutlich über der Grundlinie liegt. In lateinischen Fließtexten steht er gewöhnlich ungefähr auf halber Großbuchstabenhöhe (Versalhöhe), also in der Mitte der Schriftzeile. In Schriften ohne Kleinbuchstaben, etwa Chinesisch, Japanisch oder Runen, steht er regelmäßig auf halber Buchstabenhöhe.
Der Mittelpunkt dient unter anderem als Rechenzeichen für die Multiplikation, zur Gliederung von Wortfolgen und in bestimmten Orthografien zur Markierung innerhalb von Wörtern. Außerdem wird er in einigen nichtlateinischen Schriftsystemen als Satz- oder Worttrennzeichen, in der Chemie in speziellen Formeln sowie als Ersatz für ähnliche Zeichen verwendet, wenn diese auf einer Tastatur oder in einer Schriftart fehlen.
Seine genaue Form hängt von der Schriftart ab. Meist folgt sie dem Punkt auf der Grundlinie: Ist dieser beispielsweise quadratisch, kann auch der Mittelpunkt quadratisch sein. In lateinischen Schriften liegt die Mitte der Glyphe je nach Schriftart zwischen halber Versalhöhe und halber x-Höhe, also der Höhe der Kleinbuchstaben.
Worttrennung, Aussprache und Textgliederung
Im frühen Latein, das zunächst nur mit Großbuchstaben und ohne Wortzwischenräume geschrieben wurde, markierte der Mittelpunkt Wortgrenzen. Später wurde diese Funktion durch das Leerzeichen ersetzt. Auch in anderen Schriftsystemen, etwa in Runen, wurde er als Worttrenner verwendet.
Japanisch und Chinesisch benutzen Mittelpunkte weiterhin, um Wörter, besonders fremdsprachige Namen, zu trennen, weil dort gewöhnlich keine Wortzwischenräume stehen. Beispiele sind chinesisch 威廉・莎士比亞 beziehungsweise 威廉・莎士比亚 (wēilián·shāshìbǐyà) für „William Shakespeare“ und japanisch フランクフルト・アム・マイン (Furankufuruto·amu·Main) für „Frankfurt am Main“.
In einigen Sprachen trennt der Mittelpunkt Bestandteile von Buchstabenfolgen, die sonst als ein einziges Graphem, also als schriftliche Einheit für einen Laut, gelesen würden. Im Katalanischen steht der punt volat oder punt alçat zwischen zwei l: l·l, etwa in col·lecció und paral·lel. Er zeigt die getrennte Aussprache an; „ll“ würde sonst [ʎ] ausgesprochen. Behelfsmäßig wird l·l manchmal als „l.l“ geschrieben.
Im Gaskognischen unterscheidet der Mittelpunkt s·h [s.h] von sh [ʃ] sowie n·h [n.h] von nh [ɲ]. Beispiele sind castanha [kas'taɲɔ] gegenüber in·hèrn [in.'hɛɾ] und floreish [flu'ɾejʃ] gegenüber des·har [des.'ha]. Im Frankoprovenzalischen wird ein nachgestellter Mittelpunkt als diakritisches Zeichen verwendet: ch· steht für [ʃ] gegenüber ch [ts], j· für [ʒ] gegenüber j [dz] und g· vor e oder i für [ʒ] gegenüber g [dz].
Zwischen gleichrangigen Wörtern kann der Mittelpunkt eine zusammenhanglose Zeile gliedern, zum Beispiel: Erika Mustermann · Mustergasse 67 · 12345 Musterstadt. In Werbezeilen kann er zusätzlich als Einfassung dienen. In Versdichtungen kann er die Struktur hervorheben, etwa die Trennung von Anvers und Abvers in Nibelungenstrophen.
Mediopunkt und weitere Schreibkonventionen
In der Leichten Sprache wird der Mittelpunkt als Mediopunkt bezeichnet. Komposita, also aus mehreren Wortbausteinen bestehende Wörter, können damit an Wortbestandteil- beziehungsweise Lexemgrenzen gegliedert werden. Der Mediopunkt wird besonders dort bevorzugt, wo ein Bindestrich von der Standardorthografie abweichen würde, weil ein solcher Bindestrich falsche Lernimpulse geben könnte. Der folgende Bestandteil wird nicht großgeschrieben: Rechts·anwalt. In einer Zusammensetzung können beide Zeichen vorkommen, etwa Leichte-Sprache-Regel·werk.
Als Genderzeichen wird der Mediopunkt teilweise verwendet, beispielsweise in Lehrer·in oder Student·innen. Er soll neben Frauen und Männern auch nichtbinäre Personen einbeziehen. An dieser Stelle wird er als Gender-Pause beziehungsweise Glottisschlag gesprochen, als stünde dort ein Leerzeichen. Die Verwendung im Wortinneren ist jedoch nicht Bestandteil der amtlichen deutschen Rechtschreibung.
Die Gesellschaft für deutsche Sprache lehnte den Mediopunkt im August 2020 neben anderen Genderzeichen ab. Sie verwies unter anderem auf grammatische Probleme bei Umlautungen und unterschiedlichen Endungen, etwa „Ärzt·in“, „Bauer·in“, „Kolleg·in“ oder „Ärzt·innen“, sowie auf Schwierigkeiten beim Vorlesen und bei der Tastatureingabe. Die Bayerische Staatsregierung bezeichnete ihn 2024 für den Schriftverkehr der Behörden des Freistaates Bayern als nichtzulässig. Auch die Schweizer Bundeskanzlei lehnte ihn Mitte 2021 für deutschsprachige Texte der Bundesverwaltung ab. Im Französischen ist der Mediopunkt als Bestandteil der écriture inclusive seit 2017 in Ministerien und seit Mai 2021 im gesamten Bildungsbereich verboten.
In älteren britischen Drucken wird der Mittelpunkt regelmäßig als Dezimaltrennzeichen verwendet; in einigen Vorgaben für wissenschaftliche Veröffentlichungen ist dies auch 2024 noch gebräuchlich. In der Chemie trennt er Teilformeln, wenn einzelne Moleküle in festem Zahlenverhältnis eine Substanz bilden. Glaubersalz wird beispielsweise als Na₂SO₄ · 10 H₂O geschrieben. Anstelle des Mittelpunktes können × oder „x“ stehen; hier ist der Mittelpunkt kein Malzeichen. Ältere, platzsparende Schreibweisen organischer Kettenmoleküle verwendeten ihn ebenfalls, etwa CH₃·CO·CH₃ für Aceton.
Mittelpunkt und mathematische Varianten
Für die Multiplikation wird der gewöhnliche Mittelpunkt häufig als Malpunkt verwendet. Unicode enthält dafür zusätzlich U+22C5 dot operator. Dieser kann magerer sein, mehr Weißraum besitzen und vertikal an andere Rechenzeichen, etwa den Querbalken des Pluszeichens, angepasst sein. Da er Anfang 2018 nur in wenigen Schriftarten eigenständig vorhanden war, blieb der allgemein verfügbare Mittelpunkt außerhalb speziell mathematischer Schriftarten die geeignete Darstellung für die Multiplikation.
In mathematischen Texten eignet sich U+22C5 besonders zur Kennzeichnung des Skalarprodukts von Vektoren und damit zur semantischen Unterscheidung von der Multiplikation einfacher Zahlen. Eine weitere Variante ist U+2219 bullet operator, der ebenfalls wenig verbreitet ist und ersatzweise wie ein etwas fetterer Aufzählungspunkt dargestellt werden kann. Für mathematische Anwendungen gestaltete Schriftarten sollen dot operator und bullet operator kreisrund ausführen.
Der Blickfangpunkt U+2022 bullet, auch Aufzählungspunkt genannt, ist eine fettere Variante des Mittelpunktes. Er hebt Produktnamen oder Kennzeichnungen in der Werbung hervor und markiert Listenzeilen, beispielsweise „• Dies“ und „• und das.“. Er kann auch gleichrangige Begriffe in einer Zeile trennen: „Wurst • Frische Fische • Käse“. Der hohle Blickfangpunkt U+25E6 white bullet wirkt durch seine offene Kreisform weniger dunkel. Der halbfette Mittelpunkt U+1F784 black slightly small circle liegt in der Größe zwischen Mittelpunkt und Blickfangpunkt, ist aber nur in wenigen Schriftarten vorhanden.
Der Trennpunkt U+2027 hyphenation point markiert in Wörterbüchern korrekte Trennstellen, etwa dic·tion·ar·ies. Er kann dicker und etwas tiefer, ungefähr auf halber x-Höhe, gestaltet sein. Weil er nicht in allen Schriftarten verfügbar ist, wird häufig der Mittelpunkt als Ersatz verwendet. In der chinesischen Schrift wird der Trennpunkt abweichend von seiner Unicode-Zweckbestimmung als Mittelpunkt verwendet; in Taiwan ist dies standardisiert.
Besondere Zeichen, Schriftsysteme und Unicode
Für unterschiedliche Schriftsysteme gibt es eigene Unicode-Zeichen, weil Lage, Abstand und Breite angepasst werden müssen. U+00B7 middle dot ist der Mittelpunkt der lateinischen Schrift und ähnlicher Systeme, beispielsweise der kyrillischen Schrift. U+30FB katakana middle dot ist der vollbreite Mittelpunkt der japanischen Schrift; sein seitlicher Weißraum gibt ihm im Fließtext die Breite anderer japanischer Zeichen. U+FF65 halfwidth katakana middle dot dient halbbreiten Katakana-Darstellungen und stammt aus JIS X 0201 von 1969. Für Runen gibt es U+16EB runic single punctuation, für avestische und ähnliche Schriften U+2E31 word separator middle dot und für Linear A und Linear B U+10101 aegean word separator dot.
Das griechische Kolon U+0387 greek ano teleia liegt typischerweise auf der x-Linie und damit höher als der Mittelpunkt. In Unicode gelten beide als „canonical equivalent“; OpenType- oder ähnliche Smart-Font-Technologien können anhand der Nachbarbuchstaben die passende Höhe wählen. U+2E33 raised dot wurde ab Unicode 6.1 für unterschiedlich hohe Punkte in koptischen und einigen altgriechischen Manuskripten aufgenommen.
Das IPA-Zeichen für „halblang“ ist U+02D1 modifier letter half triangular colon. Es besteht aus der oberen Hälfte des Zeichens für „lang“ U+02D0 modifier letter triangular colon und erscheint als kleines, nach unten gerichtetes Dreieck auf x-Höhe. Der sinologische Punkt U+A78F latin letter sinological dot ist ein deutlich dickerer Punkt auf x-Höhe für die Transliteration der Phagpa-Schrift und die phonetische Transkription der Xixia-Schrift; seine Aufnahme erfolgte 2015 in Unicode 8.0.
Im Hebräischen kennzeichnen Punkte nahe der Buchstabenmitte unter anderem Konsonantenverdopplung oder Aussprachevarianten: das Dagesch, beispielsweise תּ, das Schuruq in וּ und das Mappiq in הּ. Für Dagesch, Mappiq und den Punkt im Schuruq wird U+05BC hebrew point dagesh or mappiq verwendet. Stefan George nutzte in einer eigenen Schrifttype einen länglichen Hochpunkt häufig anstelle des Kommas.
Eingabe und Zeichenunterscheidung
Unter Microsoft Windows wird der Mittelpunkt mit Alt+0183 eingegeben, unter macOS mit Shift+⌥+9 und unter Linux mit Alt Gr+,. Auf Tastaturen mit Belegung E1 nach DIN 2137 lautet die Kombination Alt Gr + . (Punkt). Bei der älteren Belegung T2 nach DIN 2137:2012-06 wird die Gruppenumschaltung und anschließend . (Punkt) verwendet. Mit einer Compose-Taste entsteht das Zeichen durch Compose ^ .
Der Mittelpunkt darf nicht mit allen punktähnlichen Zeichen gleichgesetzt werden. Der griechische Hochpunkt, der Trennpunkt, der Blickfangpunkt, die Malpunktvarianten, der angehobene Punkt und der sinologische Punkt unterscheiden sich je nach Zweck, Höhe, Stärke, Breite oder Weißraum. Weitere Unicode-Zeichen sind etwa U+2218 ring operator, U+25CF black circle, U+2981 z notation spot, U+2E30 ring point, U+10B39 avestan abbreviation mark, U+23FA black circle for record, U+26AB medium black circle, U+2B24 black large circle und U+1F311 new moon symbol. Eine passende Zeichenwahl ist daher besonders in mathematischen Formeln, Wörterbüchern, chinesischem oder japanischem Fließtext und bei speziellen Schriftsystemen wichtig.