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Miniatur (Musik)
Miniatur bezeichnet in der klassischen Musik ganz allgemein ein kurzes Musikstück für ein oder wenige Instrumente. Miniatur wird undifferenziert und je nach …
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Begriff und Bedeutung
Eine Miniatur ist in der klassischen Musik allgemein ein kurzes Musikstück für ein oder wenige Instrumente. Der Begriff bezeichnet keine eigene Musikgattung. Je nach stilistischem Zusammenhang wird „Miniatur“ undifferenziert unter anderem als Synonym für musikalische Skizze, musikalische Ekloge, Impromptu, Bagatelle, Rhapsodie oder Etüde verwendet.
Der Ausdruck kann sich sowohl auf kurze Übungsstücke als auch auf künstlerische Werke beziehen. Auch längere Gattungen mit mehreren Instrumenten und/oder Gesang, etwa Opern oder Pastoralen, können als Miniaturen bezeichnet werden, wenn sie deutlich kürzer sind, als es für diese Gattung üblich ist.
Geschichtliche Entwicklung
Als frühe Miniaturen gelten die Charakterstücke der französischen Lautenisten im 17. Jahrhundert sowie die „Programmstücke“ der französischen Komponisten François Couperin (1668–1733) und Jean-Philippe Rameau (1683–1764). Auch einige Werke Carl Philipp Emanuel Bachs (1714–1788) und Ludwig van Beethovens (1770–1827), insbesondere Beethovens Bagatellen, werden diesem Begriff zugeordnet.
Für die Romantik steht die Miniatur häufig für das „Laut-werden-Lassen eines lyrischen Gefühls“ und für das „Festhalten eines musikalischen Augenblicks des Glücks“. Beispiele finden sich bei Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) in den Liedern ohne Worte, bei Robert Schumann (1810–1856) in den Kinderszenen und Bunten Blättern sowie bei Johannes Brahms (1833–1897) in den späten Intermezzi. Der Musiktheoretiker Theodor W. Adorno sah vor allem in Robert Schumanns Veröffentlichungen den Ursprung der musikalischen Miniatur als „kleines Stück“.
Miniatur als Übungsstück
Als Miniaturen werden beispielsweise kurze Übungsstücke, also Etüden, für Tasteninstrumente wie Klavier und Orgel, für Saiteninstrumente wie Gitarre und Stössel-Laute sowie für Blasinstrumente wie Flöte und Klarinette bezeichnet. Übungsstücke für rein rhythmische Schlaginstrumente gelten dagegen nicht als Miniaturen.
Künstlerische Komposition
Im Frankreich des 20. Jahrhunderts wurde die Miniatur besonders von Komponisten gepflegt, die ein Ideal des Kleinen gegenüber dem Großen und der Miniatur gegenüber dem Monumentalen vertraten. Ein bekanntes Beispiel ist Eric Saties Vexations, das etwa um 1893 entstand. Eine einzelne Aufführung dauert ungefähr zwei Minuten. Nach Saties Vorgabe wird das Stück jedoch 840-mal wiederholt und dadurch zu einem etwa 24-stündigen Monumentalwerk.
Auch das Werk des Österreichers Anton Webern (1883–1945) umfasst viele Miniaturen. Ihre Anlage und Ausführung sowie das, was musikalisch nicht ausgeführt wird, wurden intensiv untersucht. In der klassischen Musik der Neuzeit ist die Bezeichnung „Miniatur“ weiterhin üblich.
Verkürzte Formen anderer Gattungen
Wird „Miniatur-“ vor die Bezeichnung einer normalerweise längeren Musikgattung gesetzt oder im Zusammenhang allein „Miniatur“ verwendet, weist dies darauf hin, dass das Werk erheblich kürzer ist als andere Werke dieser Gattung. Beispiele sind die „Miniatur-Oper“ (französisch: opéra miniature), die „Miniatur-Gavotte“ und die „Miniatur-Pastorale“.