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Tropus (Rhetorik)
Die bekanntesten Tropen sind Metapher, Ironie, Metonymie und Synekdoche. Sie machen den Hauptteil der semantischen Figuren aus. Beispiele für semantische …
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Grundbegriff und Einordnung
Ein Tropus (auch: die Trope; Plural: Tropen) ist ein Überbegriff für bestimmte rhetorische Figuren, also sprachliche Stilmittel. Dabei wird ein Ausdruck durch einen anderen ersetzt, der nicht gleichbedeutend ist, sondern zu einem anderen Bedeutungsfeld gehört.
Tropen sind semantische Figuren: Ihre Wirkung entsteht durch Bedeutung. Davon unterscheiden sie sich von phonologischen Figuren, die über den Klang der Wörter wirken, etwa die Alliteration, und von syntaktischen Figuren, die auf einer besonderen Wortstellung im Satz beruhen, etwa der Parallelismus. Die wichtigsten Tropen sind Metapher, Ironie, Metonymie und Synekdoche. Pleonasmus, Oxymoron und Hysteron proteron sind zwar semantische Figuren, zählen aber nicht zu den Tropen.
Aufbau eines Tropus
Für die Bildung eines Tropus sind drei Elemente wichtig:
- Substitutum „S1“: der ursprüngliche, ersetzte Begriff (verbum proprium).
- Substituens „S2“: der neue, ersetzende Begriff; der eigentliche Tropus.
- Signalkontext „K“: die Satzumgebung, aus der erkennbar wird, dass ein Ausdruck ersetzt wurde.
Im Satz „Achilles tötet Hektor mit seinem Zorn“ ist „Zorn“ das Substituens S2. Der Kontext verlangt ein konkretes Objekt, mit dem Hektor getötet werden kann; Zorn kann dies nicht sein. Dieser Widerspruch ist der Signalkontext K und weist darauf hin, dass ein ursprünglicher Begriff S1 ersetzt wurde, etwa „Schwert“ oder „Waffe“.
Grundtypen der Tropen
Die Zuordnung von Tropen ist nicht immer eindeutig. Entscheidend ist, wie weit der Bedeutungsbereich des ersetzenden Ausdrucks vom Bedeutungsbereich des ersetzten Ausdrucks entfernt ist.
Bei Grenzverschiebungs- oder Nachbarschaftstropen liegen beide Bereiche nahe beieinander. Dazu zählen Metonymie und Synekdoche. In Vergils Aeneis bedeutet „arma virumque cano“ („Ich singe von Waffen und dem Mann …“) eigentlich: „Ich singe von Kriegstaten und Aeneas.“ Waffen stehen Kriegstaten nahe, „Mann“ steht Aeneas nahe.
Bei Sprungtropen liegen die Bedeutungsbereiche weit auseinander. Dazu gehören Metapher und Ironie. „Er donnerte den Ball ins Tor“ bedeutet, dass jemand den Ball mit großer Wucht ins Tor schoss. „Donnern“ stammt aus dem Bereich Wetterkunde, nicht aus dem Bereich Sport.
Metonymie und Synekdoche
Metonymie und Synekdoche sind die zentralen Grenzverschiebungstropen. Wie stark sie voneinander getrennt werden sollen, ist in der Forschung umstritten: Betrachtet man nur die Nähe der Bedeutungsbereiche, kann die Synekdoche als Sonderform der Metonymie gelten. Betrachtet man ihre rhetorische Wirkung, unterscheiden sie sich.
Bei einer Metonymie stammt der ersetzende Begriff aus dem Bedeutungsbereich des ursprünglichen Wortes, ist aber kein eigentlicher Teil davon. Vertauscht werden können zum Beispiel Ursache und Wirkung, Raum und Rauminhalt oder Substanz und Akzidenz. „Alexander eroberte Persien“ setzt den Prinzipal Alexander für den eigentlichen Agenten, sein Heer. Die Metonymie wirkt reduktionistisch, weil sie komplexe Wirkungen auf vereinfachende Ursachen zurückführt.
Eine Synekdoche liegt bei einer quantitativen Teilung oder Zusammenfassung vor: Ein Teil steht für das Ganze oder ein Kollektiv für ein Individuum. Sie wirkt integrierend, weil das Ganze scheinbar dieselben Absichten wie seine Teile hat und die Teile nur den Willen des Kollektivs auszuführen scheinen. Wird dies zu weit geführt, kann die Vereinfachung propagandistisch wirken. „Der Deutsche (an sich) liebt die Ordnung“ ist pars pro toto: Ein Einzelner steht für alle Deutschen. „(Ganz) Deutschland hat Angst vor der Vogelgrippe“ ist totum pro parte: Das Ganze steht für eine nicht genau bestimmbare Zahl seiner Teile.
Metapher, Ironie und weitere Tropen
Metapher und Ironie sind Sprungtropen: Sie verbinden eindeutig nicht zusammengehörende Bedeutungsbereiche und deren Assoziationen (Konnotationen). Bei einer Metapher übernimmt der ersetzende Begriff einen Teil der Assoziationen des ursprünglichen Begriffs. Sie wirkt romantisierend, weil bestimmte Eigenschaften hervorgehoben und andere verdeckt werden. „Schutzgeld“ für erpresstes Geld weckt etwa die Vorstellung von Handel („Geld gegen Schutz“) und einer beschützenden Macht.
Ironie erzeugt dagegen bewusst einen Widerspruch auf formaler und assoziativer Ebene. Sie wirkt negatorisch, also abschwächend. „Noch so ein Sieg und ich bin verloren“ verbindet die positive Vorstellung des Sieges mit der negativen des Verlorenseins; gemeint ist ein Sieg, der wegen hoher eigener Verluste nur geringen Wert besitzt.
Weitere Tropen sind Periphrase oder Antonomasie, wenn ein Begriff vor allem zur Vermeidung einer Wiederholung ersetzt wird; meist handelt es sich dabei um Synekdochen. Die Litotes ersetzt einen Begriff durch die Verneinung seines Gegenteils und hebt dadurch hervor, etwa „nicht ganz klein“ oder „ganz ordentlich“. Auch „kleines Sümmchen“ meint tatsächlich eine große Summe. Die Hyperbel übertreibt Intensität oder Größe durch einen bewusst unglaubwürdigen Vergleich, etwa „extra-super“, „mega“ oder „das interessiert mich nicht ein My“. Die Epanorthose ist eine schnelle, emphatische Selbstkorrektur des gesprochenen Wortes, oft einem Freudschen Versprecher folgend.