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Metaethik

Naturalismus. Bearbeiten · Naturalisten glauben nicht an objektive Werte, ein Naturrecht oder religiöse Ordnungen. Ethische Normen lassen sich daher schwer …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Grundfragen
  2. 2. Objektive Werte und ethischer Realismus
  3. 3. Kognitivismus und Nonkognitivismus
  4. 4. Emotivismus und Werterelativismus
  5. 5. Kognitivistische Begründungsansätze
  6. 6. Präskriptivismus und kritischer Konventionalismus

Gegenstand und Grundfragen

Metaethik oder Fundamentalethik untersucht die Natur der Moral im Allgemeinen. Sie fragt beispielsweise, was moralische Urteile bedeuten, ob sie wahr oder falsch sein können und wie sie begründet werden. Sie bewertet dagegen nicht unmittelbar einzelne Handlungen als richtig oder falsch.

Wichtige Kontroversen sind:

  • Kognitivismus gegen Nonkognitivismus: Wird in der Ethik etwas erkannt oder nur befürwortet? Sind moralische Sätze wahrheitsfähig und können Normen intersubjektiv verbindlich gelten?
  • Generalismus gegen Partikularismus: Gibt es allgemeine ethische Regeln, oder kann nur jeder Einzelfall entschieden werden?
  • Realismus gegen Antirealismus: Gibt es objektive Werte unabhängig von subjektiven Wünschen und Wertvorstellungen?
  • Moral gegen Amoralismus, Relativismus und Nihilismus: Soll man überhaupt moralisch handeln, und warum?

Zur Metaethik gehören semantische Analysen, also Untersuchungen der Bedeutung von Begriffen wie „gut“, „richtig“, „Sollen“, „Pflicht“, „Handlung“, „Gewissen“ und „Absicht“. Weitere Fragen sind ontologisch: Gibt es moralische Tatsachen oder Eigenschaften, worauf beziehen sich moralische Aussagen und was macht sie wahr? Epistemologisch wird gefragt, wie moralische Wahrheiten erkannt und moralische Urteile rational gerechtfertigt werden können.

Objektive Werte und ethischer Realismus

Ethischer Realismus besagt, dass objektive Werttatsachen existieren, die unabhängig davon gelten, ob ein Subjekt sie für wahr hält. Werte werden demnach nicht allein durch persönliche Präferenzen oder Konventionen hervorgebracht.

Der schwache ethische Realismus beschränkt sich auf die Annahme, moralische Urteile hätten einen Wahrheitswert und könnten wahr sein. Er ist fallibilistisch: Moralische Urteile können stets fehlerhaft sein. Außerdem soll die Beschreibung ihres Gegenstandsbereichs der Alltagsauffassung nicht grundsätzlich widersprechen; dies heißt Sinngemäßheit (literal interpretation). Die Forderung der Angemessenheit soll übermäßig künstliche Gedankenexperimente ausschließen. So sind Steine oder Elektronen als Gegenstände mit nur physikalischen Eigenschaften weder hartherzig noch ungerecht.

Der starke ethische Realismus nimmt objektive Maßstäbe für die Wahrheit moralischer Aussagen an. Der substantielle Wertrealismus versteht Werte als besondere, ontologisch existierende Entitäten. Max Scheler spricht von „echte[n] und wahre[n] Wertqualitäten“, die von Güterwelt und Geschichte unabhängig und a priori erfahrbar seien. Die Wertphänomenologie, etwa bei Nicolai Hartmann, begründet Werte mit Evidenz; diese Position heißt auch moralischer Intuitionismus. Kritisch wird gefragt, welche Werte objektiv sein sollen, wenn unterschiedlichen Menschen Verschiedenes evident erscheint, und wie sich ohne Zirkel entscheiden lässt, wer die bessere Intuition hat.

Der prozedurale moralische Realismus verlangt keinen besonderen ontologischen Status von Werten. Thomas Nagel zufolge können Werturteile unabhängig von Überzeugungen und Neigungen wahr oder falsch sein. Objektivität soll entstehen, indem man von subjektiven Interessen absieht und unparteiisch urteilt; Adam Smith verwies ähnlich auf einen unbeteiligten, neutralen Beobachter. Kritiker werfen Nagel Dezisionismus vor, weil offenbleibe, warum Menschen ihr Handeln überhaupt neutral beurteilen sollen. Der rationalistische moralische Realismus, etwa bei Kantianern wie John Rawls, nimmt universell gültige Maximen praktischer Rationalität an und damit die Existenz zugrunde liegender Maßstäbe.

Antirealismus besteht hier in der Kritik des Realismus. John Leslie Mackie argumentiert mit seiner Irrtumstheorie, die Existenz ethischer Werte könne logisch nicht begründet werden; deshalb sei jede Behauptung, eine moralische Aussage sei wahr, ein Irrtum. Realisten verweisen auf die Alltagspraxis, doch bleibt unklar, worin ihr Erfolg besteht, weil auch häufige Normverstöße moralische Normen nicht falsifizieren.

Kognitivismus und Nonkognitivismus

Der Nonkognitivismus hält das Normative nicht für wissenschaftlich erkennbar. Sittliche Überzeugungen erfüllen nach dieser Auffassung weder den logischen oder mathematischen Beweis noch die Überprüfung durch Beobachtung oder Experiment. Daher sei die Frage, ob moralische Aussagen mit der Wirklichkeit übereinstimmen, sinnlos; sie hätten keinen Wahrheitsanspruch. Moralisches Handeln sei vor allem eine Frage des Charakters: Moral könne als Habitus eingeübt, aber nicht als abstraktes Wissen gelernt werden. Simon Blackburn richtet diese Kritik vor allem gegen den Objektivitätsanspruch des Kognitivismus, nicht gegen moralische Werthaltungen und Urteile in der Praxis.

Der Kognitivismus hält dagegen das Sittliche grundsätzlich für erkennbar. Sätze der Moralsprache enthalten nach ihm Aussagen mit Wahrheits- oder zumindest Fallibilitätsanspruch. Realistische Kognitivisten nehmen oft objektive Werte an; antirealistische Kognitivisten beziehen sich auf intersubjektive Diskurse oder Kritik, ohne subjektunabhängige Werte vorauszusetzen.

Kognitivisten wenden ein, eine rein funktionale Deutung sei kein echtes moralisches Urteil. Die alltägliche Frage, was man wirklich tun oder lassen soll, beanspruche außerdem mehr als eine bloß relative Entscheidung. Antworten auf diese Frage seien nicht gleichgültig, sondern könnten durch Argumente gerechtfertigt oder kritisiert werden. Nonkognitivisten könnten hingegen nur relative Moralbegründungen liefern und seien damit der Kritik von Amoralisten ausgesetzt.

Emotivismus und Werterelativismus

Der Emotivismus oder Expressivismus ist eine nonkognitivistische Theorie. Moralische Urteile sind nach ihm Ausdrücke emotionaler Einstellungen; ihre gebietende Form soll Einstellungen anderer beeinflussen. Ein Werturteil berichtet dabei nicht über ein vorhandenes Gefühl. Ein solcher Bericht wäre ein wahrheitsfähiges Tatsachenurteil über einen psychologischen Zustand. Das Werturteil ist vielmehr selbst Gefühlsausdruck und daher weder wahr noch falsch.

Alfred Jules Ayer erläutert dies am Beispiel: „Du hast unrecht getan, dass du das Geld gestohlen hast“ fügt dem Satz „Du hast das Geld gestohlen“ keine weitere Tatsache hinzu, sondern drückt moralische Missbilligung aus. Ähnlich könne „Geld wegnehmen ist unrecht“ als „Geld stehlen!“ mit tadelndem Ton verstanden werden. Moralische Wörter seien in diesem Sinn keine Tatsacheninformation, sondern Ausdruck und Hervorrufung von Gefühlen.

David Hume begrenzte wahrheitsfähige Sätze auf Beziehungen von Vorstellungen und Aussagen über Erfahrung. Aus Faktensätzen könnten nach Humes Gesetz keine moralischen Sätze folgen; Vernunft motiviere den Willen nicht, sondern suche nur Mittel für durch Affekte gesetzte Ziele. Ayer unterschied entsprechend analytische und empirische Propositionen; moralische Sätze gehörten zu keiner dieser Klassen.

Kritiker bemängeln, Emotivismus vernachlässige den lokutionären, also aussagenden Bestandteil moralischer Äußerungen. Wer moralisch urteilt, drücke nicht nur eine Einstellung aus, sondern halte seine Aussage für richtig und erhebe einen Anspruch an andere. Auch Gefühle, Aufforderungen und die durch sie ausgelösten Handlungen könnten wiederum moralisch bewertet werden.

Der Werterelativismus nimmt an, normative Maßstäbe seien nicht universell wahr, sondern höchstens faktisch innerhalb einer Kultur oder einer historischen Epoche gültig. Umstritten ist, ob Menschen sich weit genug von ihrer kulturellen Prägung lösen können, um einen neutralen Standpunkt einzunehmen.

Kognitivistische Begründungsansätze

Der Fiktionalismus versteht die Rede über Moral als Rede über fiktive Gegenstände, die nicht wahr oder falsch ist. Trotzdem können handlungsleitende Normen, Narrative und Werte danach untersucht werden, wie sie entstehen, ob sie internen Kriterien genügen und welchem Zweck sie dienen. Friedrich Nietzsche und Richard Joyce vertreten solche Ansätze.

Die Diskursethik, etwa bei Habermas, hält ethische Normen weder allein durch Wahrnehmung noch allein durch Logik für begründbar. Moralische Urteile beanspruchen dennoch „wahr“ oder „richtig“ zu sein. Dieser Anspruch soll durch allgemein akzeptable Gründe eingelöst werden: Eine ethische Behauptung ist richtig, wenn darüber ein zwangfreier, allein auf Argumenten beruhender Konsens möglich ist. Dies wird Konsenstheorie der Wahrheit genannt; Habermas verstand den Konsens später als Ideal. Kritiker bezweifeln, dass Konsens Wahrheit garantiert, da sich auch alle irren können, und bemängeln ein fehlendes konsensstiftendes Kriterium entsprechend intersubjektiver Beobachtung in den positiven Wissenschaften.

Naturalistische Ansätze versuchen, Moral auf Natur oder empirisch beschreibbare Tatsachen zu beziehen. Einige setzen „gut“ etwa mit „nützlich“ im Utilitarismus oder „lustvoll“ im Hedonismus gleich. Weitere Varianten orientieren sich biologisch an Überleben, Aufzucht und Stammlinie, ökologisch an der Integrität der Natur oder anthropologisch an der Natur des Menschen. Bei Rosalind Hursthouse gehören neben Überleben und Reproduktion auch Leidvermeidung und das Funktionieren der Gemeinschaft dazu. Kritisch wird gefragt, warum etwa „x führt zu mehr Glück als Leiden“ bedeuten soll, dass „x moralisch gut“ ist. Dies betrifft Humes Gesetz und den naturalistischen Fehlschluss. Zudem können natürliche, Glück fördernde oder evolutionär entstandene Verhaltensweisen dennoch moralisch verwerflich erscheinen.

Der Intuitionismus hält grundlegende moralische Urteile für evident und intuitiv erkennbar. G. E. Moore lehnt die Definition von „gut“ durch natürliche Merkmale ab: Wer etwa „gut“ mit „lustvoll“ oder „begehrt“ gleichsetzt, begehe den naturalistischen Fehlschluss. „Gut“ sei ein einfacher, nicht definierbarer Begriff wie „gelb“. Kritiker fragen, wie aus Tatsachen über Werte Aufforderungen folgen sollen, und weisen auf unterschiedliche, kulturell geprägte Wertintuitionen hin.

Der Supernaturalismus begründet Werte durch eine vom Menschen unabhängige und außerhalb naturwissenschaftlicher Erklärungen liegende Instanz, beispielsweise Gott; Grundlage sind religiöse Offenbarung oder spirituelle Einsichten.

Präskriptivismus und kritischer Konventionalismus

Der universelle Präskriptivismus von R. M. Hare nimmt eine Sonderrolle ein: Er ist weder eindeutig kognitivistisch noch nonkognitivistisch. Moralische Urteile formulieren Befehle, Forderungen, Erwartungen oder Empfehlungen, etwa „Töte niemanden!“. Sie lassen sich nicht auf Fakten reduzieren, können aber trotzdem begründet werden.

Entscheidend ist der Unterschied zwischen Behauptung und Forderung: Ist eine Behauptung falsch, muss der Satz geändert werden. Wird eine moralische Norm nicht erfüllt, ist nach dieser Sicht etwas in der Welt falsch; verändert werden soll die Welt, nicht die Forderung. Aus Fakten auf Normen zu schließen, bleibt ein naturalistischer Fehlschluss. Werturteile enthalten nach Hare ein imperativisches Element und beanspruchen zugleich Allgemeingültigkeit. Wer eine Handlung aufgrund bestimmter wesentlicher Eigenschaften gut nennt, verpflichtet sich, ähnlich gelagerte Handlungen ebenfalls gut zu nennen. Wer wirklich meint, in Situation X solle Handlung Y erfolgen, kann nicht zugleich meinen, Y nicht tun zu sollen.

Der Kritische Konventionalismus oder Kritische Dualismus von Fakten und Normen, vertreten insbesondere von Hans Albert im Kritischen Rationalismus, verneint eine Letztbegründung der Moral. Moralische Maßstäbe müssen erfunden und festgesetzt werden, sind deshalb aber nach Karl Popper nicht bloß willkürlich. Wissenschaftliche Sätze und moralische Normen können irren und sollen nicht begründet, sondern kritisiert werden. Das Prinzip „Ultra posse nemo obligatur“ besagt streng deduktiv, dass Sollen Können impliziert; was möglich ist, kann empirisch kritisiert werden. Normen sind außerdem Problemlösungsversuche und kritisierbar, wenn ihre Anwendung ein Problem nicht löst.

Nach Popper kann vom Sein nicht auf das Sollen geschlossen werden. Der Staat soll daher Leid bekämpfen, aber keine höheren moralischen Werte erzwingen. Deren Wahl, Leben und Verteidigung sei Sache der Bürger. Demokratische Kontrolle soll ermöglichen, Herrschende zur Rechenschaft zu ziehen und unblutig abzuwählen, wenn ihre Moral das Leid vermehrt statt vermindert.

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