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Menschliche Fortpflanzung
Die menschliche Fortpflanzung ist eine Form der geschlechtlichen Fortpflanzung. Der biologische Kreislauf der menschlichen Fortpflanzung beinhaltet als …
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Grundlagen der menschlichen Fortpflanzung
Menschliche Fortpflanzung ist geschlechtliche Fortpflanzung. Ihr wesentlicher biologischer Schritt ist die Befruchtung: Ein menschliches Spermium dringt in eine menschliche Eizelle ein. Dabei entsteht eine Zygote, aus der nach Embryonal- und Fetalentwicklung ein menschlicher Nachkomme hervorgehen kann. Voraussetzungen sind funktionierende Reproduktionsorgane sowie die Fruchtbarkeit von Frau und Mann.
Der biologische Lebenszyklus umfasst Geschlechtsreife, Spermatogenese und Oogenese, vaginalen Verkehr gegebenenfalls mit Befruchtung, die Zygote, Fetogenese, die Geburt von Säuglingen und erneut die Adoleszenz mit Geschlechtsreife. Spermatogenese bedeutet die Bildung von Spermien, Oogenese die Bildung von Eizellen.
Neben der natürlichen Fortpflanzung durch vaginale Kohabitation kann die Reproduktionsmedizin Schwangerschaften ermöglichen. Der Anteil der Weltbevölkerung, der durch intrauterine Insemination oder In-Vitro-Fertilisation gezeugt wurde, ist bislang sehr gering. Künstliches Klonen wäre beim Menschen theoretisch möglich, ist aber keine sexuelle Fortpflanzung.
Übersteigt die Gesamtzahl der Nachkommen über mehr als eine Generation hinweg die Gesamtzahl der Eltern, wächst die Bevölkerung. Fortschritte bei Sexualhygiene, Geburtshilfe, Säuglingspflege und allgemeiner Hygiene senkten die Kindersterblichkeit deutlich und trugen zu einem raschen Anwachsen der Weltbevölkerung durch natürliche Fortpflanzung bei. Empfängnisverhütung erlaubt sexuell aktiven Menschen ohne Kinderwunsch ein Sexualleben ohne Zeugung von Kindern; 2015 nutzten weltweit etwa 57 Prozent der liierten beziehungsweise verheirateten Paare mit Frauen im reproduktiven Alter solche Methoden.
Befruchtung, Schwangerschaft und Entwicklung
Beim vaginalen Intimverkehr ohne Kondom können Spermien mit dem Präejakulat und bei der männlichen Ejakulation in die Vagina gelangen. Ohne Verhütungsmittel besteht an den fruchtbaren Tagen eine hohe Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis. Beim Vaginalsex wird Spermienflüssigkeit durch die Ejakulation im hinteren Scheidengewölbe deponiert.
Bewegungsfähige Spermien schwimmen aktiv durch Muttermund und Uterushöhle bis in die Eileiter; dieser Vorgang heißt Spermatozoenaszension. Treffen sie nach einer bereits erfolgten oder später stattfindenden Ovulation auf eine Eizelle, kann ein Spermium sie befruchten. Die Zygote entwickelt sich zunächst zu Morula und Blastula und wandert dabei durch den Eileiter in den Uterus. Die Einnistung des dann Blastozyste genannten Embryos und der Beginn der Bildung von humanem Choriongonadotropin (hCG) markieren den Beginn einer Schwangerschaft.
Menschen haben keine Paarungszeit. Sexuell aktive Menschen können daher unabhängig vom Zeitpunkt des Eisprungs über den Monatszyklus verteilt Geschlechtsverkehr haben, auch bei bestehender Schwangerschaft oder nach der Menopause, wenn keine Fortpflanzung mehr zu erwarten ist. Dies unterscheidet Menschen von den meisten anderen Säugetieren; Bonobos zeigen ein teilweise vergleichbares, von der Fortpflanzungsfunktion unabhängiges sozio-sexuelles Verhalten.
Brutpflege, Generationen und Geburten
Für einen tatsächlichen Fortpflanzungserfolg ist beim Menschen lange Brutpflege nötig. Fürsorgliches Verhalten gegenüber Jüngeren ist ein angeborenes Programm und Teil der elterlichen Investitionen, die Überleben und Entwicklung der Nachkommen ermöglichen. Wegen der Gehirnentwicklung und der Enge des Geburtskanals gilt das Neugeborene als „physiologische Frühgeburt“: Es ist bei der Geburt extrem hilflos und kann sich nicht fortbewegen, verfügt aber über soziale Kompetenzen für Interaktionen mit Betreuungs- und Bindungspersonen. Das Kindchenschema motiviert zur Fürsorge durch Eltern, Großeltern, weitere Personen im sozialen Umfeld und altersbezogene Einrichtungen.
René A. Spitz zeigte, dass mangelnde Umsorgung und lieblose Behandlung von Säuglingen Entwicklungsstörungen verursachen können; dies wird als Hospitalismus bezeichnet. Die Bindungstheorie beschreibt die komplexe Entwicklung des Menschenkindes mit seinen ausgeprägten angeborenen sozialen Bedürfnissen. Die teilweise Abhängigkeit von Erwachsenen reicht meist bis zur Geschlechtsreife und Adoleszenz. Schon davor können Teenagerschwangerschaften und Mutterschaft Minderjähriger vorkommen.
Die durchschnittlichen Generationenabstände betragen je nach Land 25 bis 30 Jahre und sind in männlichen Linien etwas länger als in weiblichen. Seit 1950 sind die Geburtenziffern in allen Weltregionen gesunken; in manchen Industrieländern ist inzwischen ein leichter Wiederanstieg zu erkennen. In Ländern mit dem niedrigsten HDI beträgt die Geburtenrate dennoch 4,3. Dort fehlen vielen Menschen Familienplanung, Zugang zu Verhütungsmitteln oder Kenntnisse zu deren sachgemäßem Gebrauch; außerdem können religiöse oder kulturelle Gründe die Nutzung verhindern.
Forschung, medizinische Unterstützung und rechtliche Fragen
1972 richtete die WHO ein Sonderprogramm ein. Es reagierte auf den weltweit gestiegenen Forschungsbedarf zur menschlichen Fortpflanzung und konzentriert sich besonders auf Bedürfnisse von Entwicklungsländern: Familienplanung, sichere Schwangerschaft und Geburt, Gesundheit und Überleben von Säuglingen und Kindern sowie Safer Sex. Multidisziplinäre und multinationale Lenkungsausschüsse leiten die Forschungsaktivitäten.
Reproduktionsmedizin kann relevant sein, wenn eine Frau befruchtungsfähige Eizellen bildet, aber etwa verklebte Eileiter oder uterine Fehlbildungen eine Empfängnis oder das Austragen einer Schwangerschaft verhindern. Eine Leihmutter kann sich dann beteiligen, sofern das Recht des jeweiligen Landes dies zulässt. Im Zusammenhang mit dem Embryonenschutzgesetz werden ethische Fragen diskutiert. In Deutschland wird jeder Versuch, durch Genmanipulation Zellen der menschlichen Keimbahn zu verändern, mit Freiheitsstrafe oder einer hohen Geldbuße bestraft.