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Geburt

Eine Schwangerschaft dauert beim Menschen durchschnittlich 266 Tage und endet, wenn der Fötus die Gebärmutter der Mutter verlässt. Die meisten Kinder werden …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Beginn und Rahmenbedingungen
  2. 2. Phasen einer vaginalen Geburt
  3. 3. Nachgeburt und erste Versorgung
  4. 4. Geburtshilfe, Schmerzen und Eingriffe
  5. 5. Geburtsorte, Formen und Fachbegriffe
  6. 6. Recht und statistische Einordnung

Begriff, Beginn und Rahmenbedingungen

Eine Geburt, auch Entbindung genannt, ist der Vorgang, bei dem ein Kind den Mutterleib verlässt und die Schwangerschaft endet. Unter physiologischen, also normalen körperlichen Bedingungen wird sie vom Fötus eingeleitet. Eine Schwangerschaft dauert beim Menschen durchschnittlich 266 Tage. Die meisten Kinder werden innerhalb von zwei Wochen vor oder nach dem errechneten Termin geboren; genau an diesem Termin kommen nur vier Prozent zur Welt.

Eine bevorstehende Geburt kann sich durch Eröffnungswehen von ungefähr 30–60 Sekunden Dauer alle zehn Minuten, einen eventuell leicht blutigen Ausfluss nach Ablösung des Schleimpfropfes, den Blasensprung sowie Durchfall oder Erbrechen ankündigen. Medizinisch beginnt die Geburt, wenn der Muttermund mindestens fünf Zentimeter geöffnet ist und regelmäßige Wehen den Muttermund wirksam erweitern. Bei einer Überschreitung des errechneten Termins um etwa 14 Tage oder aus medizinischer Notwendigkeit kann die Geburt künstlich eingeleitet werden.

Wahrscheinlich wirkt das vom Kind gebildete Surfactant-Protein A, das an der Lungenreifung beteiligt ist, über mehrere Reaktionen an der Auslösung der Wehen mit. Außerdem hört das geburtsreife Kind auf, das Schwangerschaftshormon HCG zu bilden. Dadurch wird die zuvor unterdrückte Bildung des Wehenhormons Oxytocin möglich.

Eine Geburt dauert durchschnittlich 13 Stunden bei Erstgebärenden und 8 Stunden bei Frauen, die bereits ein Kind geboren haben, kann aber stark davon abweichen. Der medizinische Verlauf wird in einem Partogramm dokumentiert. Gebärende rechnen häufig schon die ersten wahrgenommenen Wehen zur Geburt, während Hebammen und Ärzte erst Wehen als Geburtsbeginn ansehen, die den Gebärmutterhals verkürzen und den Muttermund öffnen. Bei 92–93 Prozent der ausgetragenen Schwangerschaften liegt eine vordere Hinterhauptslage vor.

Phasen einer vaginalen Geburt

Die normale Geburt oder Spontangeburt verläuft in mehreren Phasen:

• In der Eröffnungsphase treten anfangs meist 2–3 Wehen in 30 Minuten auf. Später steigt die Häufigkeit gewöhnlich auf 2–3 Wehen in 10 Minuten; eine Wehe dauert durchschnittlich 60 Sekunden. Die Gebärmutterwand zieht sich über dem führenden Körperteil des Kindes, meist dem Kopf, nach oben zurück. Diese Retraktion drückt das Kind zum Beckenausgang. Zugleich werden der untere Gebärmutterabschnitt und der Gebärmutterhals nach oben gezogen; dieser Vorgang heißt Distraktion. So öffnet sich der Muttermund. Das Öffnen der Fruchtblase kann die Wehen verstärken. Entspannung, ein Gefühl von Sicherheit, Visualisierungen und Atemtechniken können die Öffnung erleichtern.

• Das letzte Drittel der Eröffnungsphase heißt Übergangsphase. Die Wehen werden häufig stärker, häufiger und schmerzhafter. Beim Eintritt in das Becken dreht sich das Kind bei regelrechtem Verlauf um 90 Grad: Aus der seitlichen Ausrichtung am querovalen Beckeneingang dreht es sein Gesicht nach hinten zum Steißbein.

• Bei einem annähernd oder vollständig geöffneten Muttermund von 8–10 cm beginnt die Austreibungsphase. Durchschnittlich treten 6–7 Wehen in 15 Minuten auf. Der tief stehende Kopf drückt auf den Darm und löst einen reflexartigen Pressdrang aus, sodass die Bauchmuskulatur die Kräfte der Gebärmutter unterstützt. Eine Periduralanästhesie kann diesen Reflex abschwächen oder unterdrücken. Der zunächst gebeugte Kopf geht beim Austritt über den Beckenboden in eine Überstreckung. Nach seiner Geburt folgt meist eine Wehenpause. Danach dreht sich das Kind erneut um 90 Grad, damit die Schultern durch den längsovalen Beckenausgang treten können; der übrige Körper folgt unmittelbar.

Die Fruchtblase kann vor Beginn der Wehen oder während jeder Geburtsphase platzen. Bleibt sie sehr selten bis zur Geburt des Kopfes intakt, spricht man von einer „Glückshaube“. Bei Schädellage können Atemtechnik und Dammschutz den Kopfaustritt verzögern, bis sich der Damm entspannt hat.

Nachgeburt und erste Versorgung

Die Nachgeburts- oder Plazentaphase ist das letzte Stadium. Dabei werden der Mutterkuchen und die Fruchtblase als Nachgeburt ausgestoßen. Unter natürlicher Begleitung kann dies wenige Minuten bis zu einer Stunde oder länger dauern; bei aktiver medikamentöser Begleitung sollte die Dauer 30 Minuten nicht überschreiten. Hebamme oder Arzt kontrollieren die Nachgeburt auf Vollständigkeit. Löst sich die Plazenta nicht oder bleiben Teile in der Gebärmutter zurück, etwa bei einer Placenta accreta, können eine manuelle Lösung oder eine Ausschabung notwendig sein, um Infektionen und Gewebewucherungen zu verhindern.

Ein gesundes Neugeborenes kann unmittelbar auf Brust oder Bauch der Mutter gelegt und warm zugedeckt werden. Dieser Hautkontakt fördert Bindung, erstes Stillen und möglicherweise die Geburt der Plazenta. Angestrebt wird eine ungestörte „goldene Stunde“ von mindestens einer Stunde. Wenn die Mutter nicht stillen möchte, kann das Kind auch dem Vater übergeben werden. Die Nabelschnur wird heute häufig erst durchtrennt, wenn sie nicht mehr pulsiert; manche Geburtshelfer warten bis zur Geburt der Plazenta. Nach einer, fünf und zehn Minuten wird der Zustand des Kindes klinisch beurteilt und der Apgar-Score bestimmt.

Geburtshilfe, Schmerzen und Eingriffe

Die medizinische Betreuung von Geburten heißt Geburtshilfe. Hebammen sind dafür besonders ausgebildet und dürfen nach deutschem und österreichischem Recht eine Geburt allein leiten. Ein Arzt muss in Deutschland außer in Notfällen eine Hebamme hinzuziehen. Mögliche Geburtsstellungen sind unter anderem Vierfüßlerstand, Hocken, Knien, Stehen, Rücken- oder Seitenlage und Sitzen; außerdem gibt es die Wassergeburt.

Geburtsschmerzen entstehen bei einer normal verlaufenden natürlichen Geburt während der Wehen, nicht in den Wehenpausen. Der große kindliche Kopfumfang von ungefähr 10 cm und das durch den aufrechten Gang begrenzte weibliche Becken tragen zu den besonderen Anforderungen der menschlichen Geburt bei. Schmerzmittel, eine Periduralanästhesie (PDA) und Entspannungstechniken können Schmerzen vermindern. Auch Placebos wie homöopathische Mittel und Akupunktur werden eingesetzt. Entspannung und Geborgenheit fördern Serotonin und Oxytocin: Serotonin senkt das Schmerzempfinden, Oxytocin verstärkt die Wehen. Angst und Anspannung fördern dagegen Adrenalin, das die Wehentätigkeit hemmt und das Schmerzempfinden steigert.

Dick-Reads Methode der pränatalen Psychoprophylaxe soll Angst und Schmerzen durch Aufklärung, aktive Beteiligung sowie gymnastische Entspannungs- und Lockerungsübungen verringern. Seine Theorie beschreibt ein Angst-Verkrampfungs-Schmerz-Syndrom. Er lehnte Schmerzmittel jedoch nicht grundsätzlich ab und bezog erstmals die unterstützende Rolle des Vaters ein.

Medizinische Eingriffe werden bei bestimmten Gefahren oder Störungen eingesetzt. Ein Dammschnitt kann die Austreibungsphase verkürzen, wenn es dem Kind schlecht geht; vorsorgliche Schnitte ohne zwingenden Grund werden seltener vorgenommen, da ein Schutz des Beckenbodens vor schwereren Verletzungen dadurch nicht belegt ist. Der umstrittene Kristeller-Handgriff, ein kräftiger Druck auf die obere Gebärmutter während einer Wehe, birgt Risiken wie Verletzungen innerer Organe, vorzeitige Plazentalösung und Uterusruptur. Bei zu schwachen Wehen kann Oxytocin als „Wehentropf“ gegeben werden. Saugglocke und Geburtszange ermöglichen eine vaginal-operative Entbindung, vor allem bei besorgniserregendem Zustand des Kindes oder wenn die Mutter etwa wegen Erschöpfung oder PDA nicht ausreichend pressen kann.

Schwere Risiken sind weltweit sehr ungleich verteilt. In Entwicklungsländern sterben jährlich eine halbe Million Frauen während der Schwangerschaft oder im Zusammenhang mit der Geburt; ungefähr 25 Prozent dieser Todesfälle beruhen auf Blutverlust nach der Geburt. In Industrieländern sind Mütter- und Säuglingssterblichkeit niedrig. Dort zählen Blutungen durch Uterusatonie, HELLP-Syndrom und Fruchtwasserembolie zu den Hauptursachen mütterlicher Todesfälle. In den ersten sechs Wochen nach der Geburt ist zudem das Risiko für thrombotische Ereignisse erhöht.

Geburtsorte, Formen und Fachbegriffe

Geburt wird einerseits als natürlicher Vorgang verstanden, der meist ohne Komplikationen verläuft, andererseits als medizinisches Ereignis mit möglichen Risiken. Beide Sichtweisen sollen verbunden werden: Entscheidend sind die Gesundheit von Mutter und Kind sowie das rechtzeitige Erkennen von Abweichungen. Der Artikel kennzeichnet die Angaben zu diesen Sichtweisen teilweise als unzureichend belegt.

Im europäischen Kulturkreis finden Geburten meist im Krankenhaus statt, daneben in hebammengeleiteten Kreißsälen und Geburtshäusern oder zu Hause. 2008 waren in Österreich, Deutschland und der Schweiz etwa 2 Prozent der Geburten Hausgeburten, in den Niederlanden über 30 Prozent. Sehr selten erfolgt eine Alleingeburt ohne medizinischen Beistand. Bei einer Wassergeburt kann warmes Wasser die Entspannung und Wehentätigkeit fördern; laut Artikel treten Dammverletzungen seltener auf und die Blutung nach der Geburt ist durchschnittlich geringer. Ob eine Haus- oder Geburtshausgeburt vertretbar ist, muss sorgfältig geprüft werden.

Wichtige Begriffe sind:

• Frühgeburt: Geburt vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche.

• Übertragung: Schwangerschaft über die vollendete 42. Schwangerschaftswoche, also 42 Wochen + 0 Tage, hinaus.

• Überstürzte Geburt: ungewöhnlich schnell verlaufende Geburt.

• Fehlgeburt: Geburt eines vor oder während der Geburt verstorbenen Fötus mit weniger als 500 g; ab 500 g heißt sie Totgeburt. „Stille Geburt“ umfasst beide Fälle und ist eine empathischere Formulierung.

• Risikogeburt: Geburt mit erhöhter Gefährdung von Mutter oder Kind.

• Vaginale Geburt: Geburt durch den weiblichen Geburtskanal. Eine Schnittentbindung ist ein Kaiserschnitt.

In der Soziologie bezeichnet die „zweite, soziokulturelle Geburt“ nach René König und Dieter Claessens den Übergang von der Humanisation zur Sozialisation. Während der Humanisation ist das Neugeborene etwa ein Jahr lang auf die biologisch und sozial geprägte Beziehung zu einer dauerhaften Pflegeperson angewiesen. Dabei soll es Urvertrauen erwerben, das später soziales Lernen ermöglicht.

Recht und statistische Einordnung

In Deutschland gilt das Einsetzen der Eröffnungswehen strafrechtlich als Grenze für den Beginn menschlichen Lebens. Ab dann wird eine Tötung nicht mehr nach den Regeln des Schwangerschaftsabbruchs (§ 218 StGB), sondern gegebenenfalls als Mord (§ 211), Totschlag (§ 212) oder fahrlässige Tötung (§ 222) behandelt. Die zivilrechtliche Rechtsfähigkeit nach § 1 BGB beginnt mit der vollendeten Geburt, also dem vollständigen Austritt aus dem Mutterleib; die Nabelschnur muss noch nicht durchtrennt sein. Innerhalb der ersten Woche sind dem Standesamt grundsätzlich die Daten für die Geburtsurkunde zu übermitteln. In Österreich verschiebt sich die strafrechtliche Einordnung mit Beginn der Eröffnungswehen entsprechend vom Schwangerschaftsabbruch (§ 96 StGB) unter anderem zu Mord (§ 75), Totschlag (§ 76), Tötung eines Kindes bei der Geburt (§ 79) oder fahrlässiger Tötung (§ 80). Auch dort beginnt die Rechtsfähigkeit mit Vollendung der Geburt.

In beiden Staaten kann ein bereits gezeugtes, aber noch ungeborenes Kind als „Nasciturus“ für ein Erbe als geboren behandelt werden. Für dieses Kind wird ein Erbteil reserviert. Bei einer späteren Totgeburt wird er so unter den lebenden Erben verteilt, als hätte die Schwangerschaft nicht bestanden.

Statistische Grundbegriffe sind die Geburtenziffer, also die Zahl der Lebendgeborenen pro Jahr je 1000 Einwohner, und die Säuglingssterblichkeit, der Prozentsatz der im ersten Lebensjahr sterbenden Kinder. In deutschen Krankenhäusern stieg der Kaiserschnittanteil von 15,3 Prozent im Jahr 1991 auf 32,2 Prozent im Jahr 2011; 2019 betrug er 29,6 Prozent.

2023 wurden in Deutschland 692.989 Kinder lebend geboren, 6 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Geburtenrate lag bei 1,35 Kindern je Frau, bei deutschen Frauen bei 1,26 und bei Ausländerinnen bei 1,74. Beim ersten Kind waren Mütter durchschnittlich 30,5 und Väter 33,2 Jahre alt. Die Zahl der Krankenhäuser mit geburtshilflicher Fachabteilung sank von 589 im Jahr 2003 auf 430 im Jahr 2013. Bei 99,2 Prozent der Klinikgeburten war 2013 eine Hebamme anwesend.

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