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Kondom

Anders als hormonelle Empfängnisverhütung wird das Kondom nur bei Bedarf angewendet und löst keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen aus. · Kondome sind …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Definition und Zweck
  2. 2. Materialien, Formen und Größen
  3. 3. Richtige Anwendung und Qualitätsprüfung
  4. 4. Wirksamkeit, Vorteile und Risiken
  5. 5. Geschichte und Verbreitung
  6. 6. Alternativen und gesellschaftliche Diskussion

Definition und Zweck

Ein Kondom, auch Präservativ genannt, ist eine dünne Hülle, die meist aus vulkanisiertem Kautschuk beziehungsweise Naturkautschuk-Latex besteht. Sie wird über den erigierten Penis gezogen und dient zwei Hauptzwecken: Empfängnisverhütung und Schutz vor sexuell übertragbaren Erkrankungen, zum Beispiel AIDS. Kondome für die Anwendung durch Frauen werden als Femidom bezeichnet.

Kondome gehören zu den effektivsten und am weitesten verbreiteten Verhütungsmitteln. Sie sind in vielen Ländern leicht erhältlich, etwa in Apotheken, Drogerien, Supermärkten, Kaufhäusern, Tankstellen, Kiosken und an Automaten. Weltweit wurden 2011 etwa 5 Milliarden Kondome verkauft; nach einem Bericht der Global Industry Analysts waren es 2015 bereits 27 Milliarden. Jährlich werden weltweit etwa 12 Milliarden Präservative benutzt, also rund 380 pro Sekunde.

Materialien, Formen und Größen

Kondome werden vor allem aus Naturkautschuk-Latex hergestellt, außerdem aus Polyurethan (PUR), Polyisopren (PI) oder spezialbehandeltem Naturdarm. Naturdarm-Kondome gibt es weiterhin, sie gelten aber beim Schutz vor Schwangerschaft und sexuell übertragbaren Krankheiten, etwa HIV und Hepatitis B, als weniger wirksam als künstlich hergestellte Kondome. Für Latexallergiker können Kondome aus Polyethylen, Polyurethan oder Polyisopren eine Alternative sein.

Latex-Kondome werden durch fetthaltige Stoffe wie Massageöl oder Vaseline porös und verlieren ihre Schutzwirkung. Auch Polyisopren kann dadurch porös werden. Geeignet sind bei Latex Kondomen Gleitmittel auf Wasserbasis und Silikonöl. Kondome aus Polyethylen oder Polyurethan können auch mit fett- oder ölhaltigen Gleitmitteln verwendet werden.

Es gibt Kondome in unterschiedlichen Größen, Stärken, Farben, Geschmacksrichtungen und Oberflächenstrukturen. Manche sind mit Spermizid oder Gleitmittel behandelt, andere extra stark für Analverkehr, bei dem sie eine höhere Belastung aushalten sollen. Eine erhöhte Wanddicke von 0,1 mm wird dafür genannt. Kondome mit Benzocain, einem Lokalanästhetikum, sollen den Geschlechtsverkehr verlängern.

Die richtige Größe ist wichtig für Sicherheit und Komfort. Das Kondom sollte eine etwas kleinere Breite haben als der halbe Penisumfang im vollständig erigierten Zustand an der breitesten Stelle. Zu enge Kondome können reißen, zu weite Kondome können abrutschen. Eine Standardbreite von 52 mm entspricht einem Penisumfang von etwas mehr als 10,5 cm; 60 mm entsprechen etwas mehr als 12,0 cm; 69 mm entsprechen etwas mehr als 14,0 cm. Extraschmale Kondome haben häufig nominelle Breiten zwischen 45 und 50 mm, größere Modelle können bis 72 mm reichen.

Richtige Anwendung und Qualitätsprüfung

Bei der Verwendung muss die Verpackung vorsichtig geöffnet werden, damit das Kondom nicht durch Fingernägel, Zähne oder andere scharfe Kanten beschädigt wird. Beschädigte oder abgelaufene Kondome dürfen nicht verwendet werden. Das Kondom wird auf die Eichelspitze des erigierten Penis gesetzt und vollständig über den Penisschaft abgerollt. Das Reservoir an der Spitze dient zur Aufnahme des Ejakulats; es soll beim Aufsetzen zusammengedrückt werden, damit sich keine Luftblase bildet. Die Wulst des zusammengerollten Kondoms muss außen liegen.

Nach der Ejakulation soll der Penis vor dem Erschlaffen zurückgezogen werden. Dabei wird das Kondom an der Peniswurzel festgehalten, damit es nicht abrutscht. Kondome sind Einmalprodukte und gehören nach Gebrauch in den Hausmüll, nicht in den Abfluss. Wenn zusätzlich Gleitgel verwendet wird, muss es zum Material passen; bei Latex sind fetthaltige Mittel wie Vaseline, Massageöle, Körperlotionen, Salat- oder Kochöle ungeeignet.

Kondome unterliegen Normen und Prüfungen. In Europa galt von 1996 bis 2002 die Norm EN 600. Seit 2002 gilt ISO 4074, in Deutschland DIN EN ISO 4074. Danach muss ein Kondom mindestens 16 cm lang sein und je nach Breite ein bestimmtes Mindestvolumen im aufgeblasenen Zustand erreichen. Der Hersteller muss bei der Breite eine Standardabweichung von plus/minus 2 mm gegenüber dem Verpackungswert einhalten.

Qualitätsprüfungen umfassen unter anderem elektronische Untersuchungen auf Löcher, Dichtigkeitstests mit Wasser, Tests auf Berstvolumen und Dehnung sowie Prüfungen der mikrobiologischen Reinheit. Beim Berstvolumen-Test gelten 18 Liter als Minimum. In Deutschland wurde 1981 das DLF-Gütesiegel eingeführt; in der Schweiz gibt es den „Verein Gütesiegel für Präservative“.

Wirksamkeit, Vorteile und Risiken

Bei sachgerechtem Gebrauch bieten Kondome laut ausgewerteten Studien im Auftrag der Europäischen Kommission einen nahezu hundertprozentigen Schutz gegen eine Infektion mit HIV. Gegen manche sexuell übertragbaren Krankheiten wie Syphilis, HPV und Herpes simplex bieten sie jedoch keinen ausreichenden Schutz, weil Erreger auch durch Körperkontakt an nicht bedeckten Stellen übertragen werden können.

Unter Alltagsbedingungen liegt die Zahl der HIV-Übertragungen bei Personen, die angeben, immer Kondome zu verwenden, um 70 % bis 80 % niedriger als bei Personen, die dies nicht tun. Eine Auswertung von vier Studien ergab bei konsequenter Kondomnutzung 73 bis 99,6 % weniger HIV-Infektionen; zusammengefasst waren es 91 % weniger. Bei optimaler, fehlerfreier Anwendung wird eine Effektivität von 95 % angenommen.

Als Verhütungsmittel haben Kondome mehrere Vorteile: Sie werden nur bei Bedarf eingesetzt, greifen nicht hormonell in den Körper ein, sind vergleichsweise günstig und in vielen Ländern leicht erhältlich. Für Frauen, bei denen hormonelle Verhütungsmittel gesundheitliche Risiken erhöhen können, etwa bei starkem Rauchen, starkem Übergewicht oder Bluthochdruck, können Kondome eine Alternative sein.

Der Pearl-Index beschreibt, wie viele von 100 Frauen innerhalb eines Jahres trotz einer Verhütungsmethode schwanger werden. Bei perfekter Anwendung kann das Kondom einen Pearl-Index von 0,6 erreichen; bei typischer Anwendung liegt er zwischen 2 und 12. Die Unterschiede entstehen vor allem durch Anwendungsfehler, falsche Größe und falsche Lagerung. Risiken sind außerdem Beschädigungen durch Fingernägel, ungeeignete ölhaltige Gleitmittel, falsches Abrollen, Abrutschen, abgelaufene Kondome oder Lagerung bei Hitze, Kälte, Sonne und mechanischer Belastung. Entgegen manchen Pressemeldungen enthalten Kondome laut mehreren Studien keine gesundheitsgefährdenden Mengen krebserregender Nitrosamine.

Geschichte und Verbreitung

Frühe wirksame Kondome bestanden aus Schafsdärmen oder anderen tierischen Membranen. Casanova benutzte im 18. Jahrhundert solche Kondome, damals „English Overcoats“ genannt, zum Schutz vor Syphilis. 1839 erfand Charles Goodyear die Vulkanisierung von Kautschuk. Dadurch wurde Gummi wasser-, wärme- und kältefest sowie bruchstabil. 1855 stellte er das erste Gummi-Kondom her; 1870 wurde ein vernähtes Modell mit zwei Millimeter Dicke serienmäßig produziert.

1912 entwickelte Julius Fromm ein Verfahren zur Herstellung nahtloser Kondome, indem ein Glaskolben in eine Gummilösung getaucht wurde. Ab 1930 wurde Latex verwendet, was die maschinelle Massenproduktion ermöglichte. In vielen Ländern war der Verkauf von Kondomen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts verboten oder nur zu medizinischen Zwecken erlaubt; in Irland galt eine solche Regelung noch bis Anfang der 1990er Jahre. Im Ersten Weltkrieg verteilten die deutsche, französische und britische Armee Kondome an Soldaten, die US-Armee jedoch nicht.

Global unterscheiden sich Nutzung und Verfügbarkeit stark nach Region, Kultur, Bildung und Zugang. Da sich 2015 etwa 2 Millionen Menschen mit HIV infizierten, wird eine möglichst hohe Nutzungsrate angestrebt. Der weltweite Kondommarkt wird auf rund 9,2 Milliarden US-Dollar geschätzt.

In Deutschland wurden von 1995 bis 2014 jährlich zwischen 188 und 241 Millionen Kondome verkauft; 1985 und 1986 waren es jeweils 84 Millionen. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der BZgA verwendeten 2010 in der Altersgruppe der 16- bis 44-Jährigen 87 % zu Beginn einer neuen Partnerschaft Kondome, 1994 waren es 69 %. In Japan nutzen rund 80 % der verheirateten Paare Kondome zur Verhütung. In den USA lag die Nutzung bei sexuell aktiven jungen Erwachsenen 2019 laut Youth Risk Behavior Survey bei 89,7 %. In Indien lag die Zahl der Verwender bei 18,1 %, in Vietnam bei 20,6 %.

Alternativen und gesellschaftliche Diskussion

Eine Alternative, die zugleich verhütet und vor Krankheitsübertragung schützen soll, ist das Femidom, oft als „Kondom für die Frau“ bezeichnet. Kondome werden außerdem außerhalb der Empfängnisverhütung verwendet: Bei vaginaler Sonografie kann ein Frauenarzt ein Kondom über die Ultraschallsonde ziehen, um Infektionen zu verhindern. Das Kondomurinal ist ein Hilfsmittel für Männer mit Harninkontinenz und hat die Form eines Kondoms mit Schlauchanschluss zur Harnableitung.

In der römisch-katholischen Kirche ist der Gebrauch von Verhütungsmitteln in der Ehe nach der bisherigen Position grundsätzlich abzulehnen. Diese Haltung wird unter anderem mit der Enzyklika „Humanae vitae“ von 1968 begründet. Als erlaubte Möglichkeit verantworteter Elternschaft gilt dort natürliche Familienplanung, etwa nach Knaus-Ogino oder die symptothermale Methode. Unter Papst Benedikt XVI. wurde über begründete Einzelfälle diskutiert, etwa bei HIV-Infektion oder im Zusammenhang mit Prostitution; der Vatikan stellte jedoch klar, dass sich die grundsätzliche Bewertung von Verhütung und Sexualität dadurch nicht geändert habe.

2009 sagte Papst Benedikt XVI. auf einer Flugreise nach Kamerun, die bloße Verteilung von Kondomen sei keine Antwort auf AIDS und verschlimmere die Situation in Afrika. Die Deutsche Aidshilfe und deutsche Politikerinnen widersprachen deutlich und betonten die wichtige Rolle von Kondomen im Kampf gegen AIDS. In Subsahara-Afrika waren damals etwa 22 Millionen Menschen mit HIV infiziert.

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