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Melilla

Melilla (Aussprache [meˈliʎa], Tarifit ⵎⵕⵉⵜⵛ Mritc) ist eine spanische Stadt an der nordafrikanischen Mittelmeerküste mit einer Landgrenze zu Marokko.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Lage und grundlegendes Profil
  2. 2. Naturraum, Klima und Stadtstruktur
  3. 3. Geschichte, Bevölkerung und politische Ordnung
  4. 4. Wirtschaft und Infrastruktur
  5. 5. Bildung, Kultur und Sehenswürdigkeiten
  6. 6. Medien und öffentliche Auszeichnungen

Lage und grundlegendes Profil

Melilla ist eine spanische Stadt an der nordafrikanischen Mittelmeerküste mit Landgrenze zu Marokko. Die spanische Exklave umfasst 13,4 km² und hatte laut Basisdaten 86.780 Einwohner (Stand: 2025); im Fließtext werden 85.170 Einwohner zum 1. Januar 2022 genannt. Die Bevölkerungsdichte beträgt 6476 Einwohner/km². Die Ausdehnung beträgt ungefähr 8 km von Nord nach Süd und 4 km von West nach Ost. Der ISO-3166-2-Code lautet ES-ML.

Melilla ist seit dem 14. März 1995 eine autonome Stadt Spaniens. Sie gehört zur Europäischen Union, ist aber nach Artikel 4 Absatz 1 des Zollkodex der Union vom Zollgebiet der Union ausgenommen. Grundsätzlich gehört sie zum Schengen-Raum; nach Artikel 41 des Schengener Grenzkodex gibt es bei der Ausreise nach Spanien oder in andere Schengen-Staaten Identitäts- und Dokumentenkontrollen. Für viele marokkanische Staatsangehörige gilt ein auf Ceuta und Melilla beschränktes Visum.

Die Stadt liegt am Alborán-Meer, am östlichen Fuß des Kap Tres Forcas, am Monte Gurugú und an der Mündung des Río de Oro. Der historische Stadtkern, Melilla la Vieja beziehungsweise Medina Sidonia, entstand als Festung auf einem etwa 30 Meter hohen Hügel. Nador liegt etwa zehn Kilometer südlich, Beni Ansar unmittelbar an der Grenze. Die Fährentfernung beträgt etwa 190 km nach Málaga und rund 180 km nach Almería.

Naturraum, Klima und Stadtstruktur

Der Río de Oro entspringt in Marokko am Monte Gurugú, wo er Río Meduar heißt, und mündet zwischen den Stränden von San Lorenzo und Los Cárabos. Er ist meist trocken und führt vor allem nach längeren Regenfällen Wasser. Bei den Überschwemmungen vom 26. Oktober 2008 trat er über die Ufer und beschädigte unter anderem den Grenzzaun.

Melilla hat ein heißes Mittelmeerklima mit Übergang zu einem heißen Halbwüstenklima. Nach den Mittelwerten von 1991 bis 2020 beträgt die mittlere Tageshöchsttemperatur im Jahresmittel 22,4 °C, die mittlere Tagestiefsttemperatur 16 °C und die jährliche Niederschlagsmenge 374,5 mm bei 43 Regentagen. Die wärmsten Monate sind Juli und August mit mittleren Tageshöchstwerten von 29,0 beziehungsweise 29,6 °C. Temperaturen unter 0 °C wurden zwischen 1991 und 2020 nicht gemessen; an durchschnittlich 2,2 Tagen im Jahr werden mehr als 35 °C erreicht.

Die Vegetation gehört zur mediterranen Region des Holarktischen Reichs. Im Kiefernwald von Rostrogordo wachsen unter anderem Aleppo-Kiefern, Wildoliven, Ficus benjamina, Zypressen und trockenheitsresistente Sträucher wie Rosmarin, Thymian und Zistrosen. Zu den gefährdeten Tierarten zählen das gewöhnliche Chamäleon, die maurische Landschildkröte, die Unechte Karettschildkröte und der Große Tümmler. Mehr als 100 Vogelarten nutzen Melilla als Rastplatz.

Zum Natura-2000-Netzwerk gehören die FFH-Gebiete Barranco del Nano und die Klippen von Aguadú. Letztere schützen unter anderem Audouin-Möwen, die bedrohte Muschel Patella ferruginea und Korallenriffe in 15 bis 20 Metern Tiefe. Die Stadt besitzt mehrere Strände, darunter Aguadú, Horcas Coloradas, San Lorenzo, Los Cárabos, Hipódromo und Hípica.

Der Straßenverkehr ist die wichtigste Ursache der Luftverschmutzung. Der Lärmpegel überschreitet 65,7 Dezibel und damit die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation. Die Küstenverschmutzung stammt zu 65,8 % aus Abwasser und zu 34,2 % aus Ölen und Erdöl. Das größte Naturgefahrenrisiko sind Sturzfluten. Daneben bestehen Erosions- und Erdrutschrisiken sowie ein moderates Erdbebenrisiko mit einer geschätzten seismischen Beschleunigung von 0,08 g; möglich sind Erdbeben der Intensität VI mit einer Wiederkehrperiode von 500 Jahren. Melilla ist in 25 Stadtbezirke gegliedert.

Geschichte, Bevölkerung und politische Ordnung

Melilla geht möglicherweise auf die phönizische Handelsstadt Rusadir zurück, die um 1100 v. Chr. gegründet worden sein soll. Danach gehörte der Ort unter anderem zu Karthago, zum Königreich Mauretanien und ab 42 n. Chr. zur römischen Provinz Mauretania Tingitana. Im Mittelalter wurde die Siedlung nach ihrer Zerstörung im 9. und 10. Jahrhundert wiederaufgebaut und lag an einem bedeutenden Karawanenweg. 1497 eroberte Juan Alonso Pérez de Guzmán y Afán de Ribera, Herzog von Medina-Sidonia, Melilla mit Zustimmung Isabella von Kastilien und Ferdinands von Aragón. Seit 1556 unterstand die Stadt unmittelbar der spanischen Krone.

Nach mehreren Belagerungen, zuletzt 1774/1775, wurde Melilla im 17. und 18. Jahrhundert zu einer Festungsstadt ausgebaut. Die Konflikte im Norden Marokkos führten zum Rifkrieg von 1921 bis 1927, in dem auch Giftgas eingesetzt wurde. Am 17. Juli 1936 erhoben sich in Melilla stationierte Truppen unter Francisco Franco gegen die Zweite Spanische Republik; dies gilt als Beginn des Spanischen Bürgerkriegs. Marokko beansprucht Melilla seit seiner Unabhängigkeit 1956. Spanien kontrolliert die Stadt weiterhin.

Die Einwohnerzahl stieg von etwa 1.500 bei der ersten Volkszählung 1877 auf ungefähr 5.500 im Jahr 1887 und etwa 10.000 im Jahr 1900. Für 2019 werden 86.450 Einwohner angegeben. Die starke Expansion wurde durch Immigration, Handel, militärische Entwicklungen und die Urbanisierung vorangetrieben. Der ursprüngliche Stadtentwicklungsplan wurde 1986 genehmigt und 1995 überarbeitet; 2023 wurden Baugenehmigungen vorübergehend ausgesetzt, um die laufende Überarbeitung mit dem PGOU von 1995 abzustimmen.

Melilla wird als multikulturelle Stadt mit christlichen, muslimischen, jüdischen, hinduistischen und buddhistischen Gemeinschaften beschrieben. Die Angaben zum Verhältnis von Christen und Muslimen sind jedoch widersprüchlich: Einige Quellen nennen mehr als die Hälfte Katholiken, andere etwa die Hälfte Muslime. Nach Angaben des Spanischen Zentrums für Soziologische Forschung bezeichneten sich 2019 65,0 % als römisch-katholisch, 30 % als Angehörige anderer Glaubensrichtungen, 2,7 % als Ungläubige und 2,3 % als Atheisten. Die jüdische Gemeinschaft zählt etwa 1.000 Menschen, die hinduistische Gemeinschaft etwa 100.

Spanisch ist die erste und offizielle Sprache. Tarifit, eine Berbersprache, wird vor allem familiär, mündlich und im häuslichen Bereich verwendet. Melilla weist damit eine Diglossie auf. Die Anerkennung von Tamazight wurde 1994 im Zusammenhang mit dem Autonomiestatut vorgeschlagen, scheiterte aber unter anderem wegen fehlender Standardisierung.

Der Präsident der autonomen Stadt ist zugleich Bürgermeister; die Versammlung übernimmt zugleich kommunale und autonome Aufgaben. In der Legislaturperiode 2023–2027 regiert die Partido Popular allein mit 14 von 25 Sitzen. Juan José Imbroda wurde am 7. Juli 2023 erneut zum Präsidenten gewählt. Die Versammlung beschließt Gesetze und wählt oder entlässt den Präsidenten. 2023 erhielt die PP 52,67 % und 14 Sitze, Coalición por Melilla 18,81 % und 5 Sitze, die PSOE 10,66 % und 3 Sitze, Vox 9,94 % und 2 Sitze sowie Somos Melilla 5,10 % und 1 Sitz.

Die Grenze ist durch drei bis zu sechs Meter hohe Zäune, Bewegungsmelder, Nachtsichtgeräte und Kameras gesichert. Seit 2005 versuchen immer wieder Migranten aus Subsahara-Afrika, über Melilla nach Spanien oder in andere EU-Staaten zu gelangen. Am 24. Juni 2022 versuchten rund 2000 Menschen den Grenzzaun zu überwinden; etwa 500 gelangten auf spanisches Gebiet, mindestens 23 starben. Die Große Kammer des EGMR entschied am 13. Februar 2020, dass eingedrungene Migranten sofort zurückgeschoben werden dürfen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Das Bruttoinlandsprodukt Melillas betrug 2018 1,6 Milliarden Euro und entsprach 0,1 % der spanischen Wirtschaftsleistung. Das kaufkraftbereinigte BIP pro Kopf lag bei 19.900 Euro und damit bei 66 % des EU-27-Durchschnitts. Melilla war die spanische NUTS-2-Region mit dem niedrigsten BIP pro Kopf. Statt der Mehrwertsteuer gilt die lokale Verbrauchsteuer IPSI; als Freihafen sind Einfuhren grundsätzlich zollfrei.

Der Dienstleistungssektor erwirtschaftete 2018 rund 80 % des BIP. 2022 gab es 4.856 überwiegend kleine Unternehmen: 2.617 in Handel, Verkehr und Gastgewerbe, 1.714 in sonstigen Dienstleistungen und 615 in freiberuflichen und technischen Tätigkeiten. Die Landwirtschaft, die früher mehr als ein Drittel der Fläche mit Obstplantagen belegte, ist wegen Urbanisierung und Wasserknappheit heute weitgehend auf kleine Subsistenzwirtschaften begrenzt. Auch die Fischerei, die im frühen 20. Jahrhundert mit mehr als 100 Booten bedeutend war, ging seit den 1980er-Jahren wegen Überfischung und Einschränkungen zurück. Die Erzbahn Melilla–San Juan de las Minas wurde 1914 eröffnet und 1972 stillgelegt.

2023 betrug die Arbeitslosenquote 27,42 %, die Beschäftigungsquote 42,55 %. Rund 90 % der Arbeitsverträge entfielen auf Dienstleistungen. Besonders häufig wurden Tätigkeiten in Reinigung und Gastronomie nachgefragt.

Der Flughafen fertigte 2024 507.957 Passagiere ab. Der Hafen verzeichnete 2023 646.836 Passagiere; 2024 wurden über Schiff und Flugzeug zusammen 1.219.857 Passagiere gezählt. Fährverbindungen bestehen nach Málaga, Almería und Motril. Das städtische Busnetz verbindet alle Stadtteile; ein Einzelticket kostet 0,90 €, mit Guthabenkarte 0,75 €.

Die Stromversorgung erfolgt im Kraftwerk Melilla, das zwischen 1920 und 1925 errichtet wurde. Seit 2020 werden dort im Projekt „Second Life Battery Energy Storage System“ Batterien aus Elektrofahrzeugen zur Energiespeicherung wiederverwendet. Die Wasserversorgung wird durch eine Entsalzungsanlage gesichert, die seit März 2007 in Betrieb ist. Ihre Kapazität soll von 22.000 auf 30.000 m³ pro Tag erweitert werden. Das kommunale Reinigungsunternehmen Valoriza beschäftigt 354 Mitarbeiter, betreibt 100 Fahrzeuge und verfügt über ein Jahresbudget von mehr als 50 Millionen Euro.

Das Gesundheitswesen umfasst das 1988 eröffnete Comarcal Hospital und vier Gesundheitszentren. Wegen der Nutzung durch täglich 25.000 bis 30.000 marokkanische Grenzgänger sind die Notaufnahmen stark belastet. Melilla hat deshalb die höchste Notaufnahme-Nutzungsrate Spaniens. Für medizinische Behandlungen in Melilla und Ceuta wurden 2018 Verluste von 105 Millionen Euro genannt. Für die Verteidigung ist das Melilla-General-Kommando der spanischen Armee zuständig.

Bildung, Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Bildung untersteht dem spanischen Bildungsministerium. Das öffentliche Netz umfasst 13 Einrichtungen für frühkindliche und Grundbildung, 7 Sekundarschulen und 5 Erwachsenenbildungszentren. Die Universität Granada ist mit Fakultäten für Erziehungs-, Sport-, Sozial- und Rechts- sowie Gesundheitswissenschaften vertreten. Zusätzlich gibt es ein Zentrum der UNED und ein Musikkonservatorium.

Kulturell ist Melilla besonders durch seine Mischung aus Festungsarchitektur, Modernismo und religiöser Vielfalt geprägt. Die Kapelle von Santiago aus der Mitte des 16. Jahrhunderts gilt als seltenes Beispiel gotischer Architektur in Afrika. Im frühen 20. Jahrhundert prägte der katalanische Architekt Enrique Nieto die Stadt. Melilla besitzt nach Barcelona die zweitwichtigste Konzentration modernistischer Bauten in Spanien; mehr als 500 Gebäude sind katalogisiert. In den 1930er-Jahren kam Art déco hinzu.

Melilla la Vieja ist eine auf einem felsigen Vorgebirge gelegene Zitadelle und der historische Kern der Stadt. Der Verteidigungskomplex umfasst vier befestigte Umfassungen, die Kapelle von Santiago, die Höhlen von Conventico, die Forts der Siege und unterirdische Gänge. Die Höhlen von Conventico wurden im 18. Jahrhundert als Schutz- und Lagerräume während der Belagerung von 1774/1775 erweitert. Zu den Forts der Siege gehören Rosario, Victoria Grande und Victoria Chica. Die externen Festungen, etwa Kamel-Fort, Cabrerizas Altas und Rostrogordo, entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Archäologische Funde belegen eine Besiedlung seit dem 7. Jahrhundert v. Chr.; Häuser aus dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. werden mit Rusaddir verbunden. Weitere Fundorte sind Huerta de Reyes und die Chafarinas-Inseln. Museen widmen sich unter anderem Geschichte, Archäologie, Ethnographie, Militärgeschichte, sakraler Kunst, Elektrizität, Automobilen, Fossilien und Mineralien sowie dem alten Ägypten. Das Ägyptische Museum wurde 2021 eröffnet.

Zu den wichtigen kulturellen Veranstaltungen zählen die Filmwoche von Melilla, die seit 2009 jährlich im Mai stattfindet, die Tempelroute zu katholischer Kirche, Synagoge, hinduistischem Tempel und Zentralmoschee, der seit 2016 veranstaltete Renaissance-Markt Karls V., die Konzertreihe „Musik unter dem Mond“, die Melilla Jazz Days und ein jährlicher Liedermacher-Wettbewerb. Die Karwoche mit fünf Bruderschaften ist seit 1498 dokumentiert. Der Tag von Melilla wird am 17. September begangen und erinnert an die Eroberung von 1497. Auch muslimische, jüdische und hinduistische Feiertage werden begangen; Eid al-Adha ist seit 2010 der einzige nichtchristliche Feiertag im offiziellen Arbeitskalender.

Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten gehören der Friedhof Purísima Concepción, der Hernández Park von 1902, der sechs Hektar große Waldpark Juan Carlos I Rey und die Wasser-Gärten von 2006. Das Sportangebot umfasst unter anderem das Stadion Álvarez Claro mit 10.000 Plätzen, die Sporthalle Javier Imbroda Ortiz mit 2.900 Plätzen, den Fußballverein UD Melilla, Club Melilla Baloncesto sowie die Afrikanische Rennen der Legion und die im August stattfindende Melilla Sailing Week.

Medien und öffentliche Auszeichnungen

In Melilla erscheinen die lokalen Zeitungen Melilla Hoy und El Faro. Neben nationalen und andalusischen Fernsehsendern gibt es Televisión Melilla und Popular TV sowie ein Studio von Radio Televisión Española. Empfangbar sind nationale Radiosender mit lokalen Ausgaben, darunter COPE und Onda Cero. Das digitale Archiv über Melilla und die Rif-Region wurde im Oktober 2022 öffentlich zugänglich gemacht.

Für den Amateurfunk ist die Erweiterung EA als Ländercode für Ceuta und Melilla reserviert; die Rufzeichen beginnen mit EA9. Der Stadtrat verleiht die Titel „Bevorzugter Sohn“ oder „Adoptivkind“ sowie die Medaille der Ehre und die Medaille der Stadt in Gold, Silber und Bronze.

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