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Meister Floh

Meister Floh – Ein Märchen in sieben Abenteuern zweier Freunde ist eine Erzählung von E. T. A. Hoffmann, die von dem Frankfurter Kaufmannssohn Peregrinus …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Grundkonflikt
  2. 2. Prinzessin, Floh und Gedankenlinse
  3. 3. Verfolgung und Auflösung der Handlung
  4. 4. Zensur und Bezug zur Demagogenverfolgung
  5. 5. Deutungen und Wirkung

Werk und Grundkonflikt

„Meister Floh – Ein Märchen in sieben Abenteuern zweier Freunde“ ist eine Erzählung von E. T. A. Hoffmann. Im Mittelpunkt steht der 36-jährige Frankfurter Kaufmannssohn Peregrinus Tyß. Nach einer dreijährigen Wanderschaft kehrt er in das von seinem Vater geerbte Haus zurück; seine Eltern sind inzwischen gestorben. Der schüchterne, verträumte Peregrinus lebt mit der alten Haushälterin Aline zurückgezogen und hält an kindlichen Weihnachtsbräuchen fest. Seine Begegnung mit Figuren aus einer Phantasiewelt bringt dieses Leben durcheinander.

Das Kunstmärchen verbindet eine reale Frankfurter Umgebung mit magischen Gestalten, Verwandlungen und satirischen Szenen. Zentral ist Meister Floh, das belesene Oberhaupt eines Flohvolks. Er kann sprechen, erscheint meist nur unter einer Lupe und kämpft für die Freiheit seines Volks, das ein Flohbändiger für Vorführungen benutzt hat.

Prinzessin, Floh und Gedankenlinse

An Weihnachten begegnet Peregrinus einer geheimnisvollen Frau, die sich Aline nennt und später als Dörtje Elverdink erkannt wird. Sie lässt sich scheinbar ohnmächtig in sein Haus tragen und verlangt dort die Herausgabe eines Gefangenen: Meister Floh. Dörtje ist in Wahrheit die Prinzessin Gamaheh aus dem Märchenland Famagusta, Tochter des Königs Sekakis und der Blumenkönigin.

Der Flohbändiger Leuwenhoek betreibt in Frankfurt einen Flohzirkus. Er behauptet, zugleich der 1725 in Delft beigesetzte Mikroskopbauer Antoni van Leeuwenhoek und ein Magier zu sein. Nach seiner Erzählung wurde Gamaheh vom Egelprinzen angegriffen, vom Genius Thetel gerettet und als Staubkorn in eine Tulpe versetzt. Leuwenhoek habe sie entdeckt und wieder vergrößert. George Pepusch, der Dörtje liebt, widerspricht: Er sei eigentlich die Distel Zeherit; nicht Leuwenhoek, sondern Meister Floh habe die Prinzessin durch einen belebenden Stich geweckt.

Meister Floh erklärt Peregrinus, dass er mit seinem Volk aus Leuwenhoeks Zirkus geflohen und zufällig in einer Spielzeugschachtel in Peregrinus’ Haus gelangt sei. Peregrinus verspricht, ihn nicht auszuliefern. Als Gegenleistung erhält er ein Gedankenmikroskop: Eine kleine Linse wird vor seine Pupille gesetzt, sobald er mit den Fingern schnippt, und lässt ihn die wahren Gedanken anderer Menschen erkennen. Dörtje sucht Meister Floh auch deshalb, weil sie seine Impulsstiche zum Leben braucht.

Verfolgung und Auflösung der Handlung

Peregrinus wird wegen einer angeblichen Entführung verhaftet. Der Geheime Hofrat Knarrpanti will im Auftrag eines Fürsten eine entführte Prinzessin finden, obwohl keine Frau vermisst wird. Seine Haltung fasst der Satz zusammen: „dass, sei erst der Verbrecher ausgemittelt, sich das begangene Verbrechen von selbst finde.“ Peregrinus kommt mangels Beweisen frei und setzt sich auch für den inhaftierten Pepusch ein.

Mit der Gedankenlinse durchschaut Peregrinus, dass Swammerdamm, Leuwenhoek und Dörtje ihn jeweils benutzen wollen, um an Meister Floh zu gelangen. Knarrpanti hält Peregrinus ebenfalls nicht wirklich für schuldig: Er deutet aus Briefen und Tagebüchern einzelne Stellen über „Entführungen“, etwa Mozarts „Entführung aus dem Serail“, absichtlich als Beweise für ein erfundenes Verbrechen. Peregrinus kann diese Strategie vereiteln.

Die Rivalität um Gamaheh-Dörtje führt zu Konflikten zwischen Peregrinus und Pepusch sowie zwischen den Magiern Leuwenhoek und Swammerdamm. Peregrinus verzichtet schließlich auf Dörtje, auch weil er Pepusch und Meister Floh sein Wort gegeben hat. Meister Floh belebt die schwerkranke Prinzessin erneut durch einen Stich. In die Auseinandersetzungen greifen auch der Egelprinz und Thetel ein. Leuwenhoek enthüllt, Peregrinus trage einen mächtigen Karfunkel, dessen Kraft erst durch ein bestimmtes Ereignis wirksam werde.

Im siebten Abenteuer verliebt sich Peregrinus in Röschen, die fromme Tochter des Buchbinders Lämmerhirt. Er beschließt, die Gedankenlinse nicht mehr zu benutzen, weil das Durchschauen anderer nicht glücklich mache. Im Traum erkennt er sich als König Sekakis; der Karfunkel erweist sich als seine Liebe zu Röschen. Beide heiraten und leben in einem Landhaus mit Garten. Das Vertrauen, das Röschen ihm gibt, lässt die dämonischen Gestalten verschwinden. Pepusch und Gamaheh heiraten ebenfalls, verschwinden jedoch nach der Hochzeitsnacht; zurück bleiben eine verblühte Fackeldistel und eine verblühte Tulpe. Meister Floh kehrt zu seinem Volk zurück, besucht Peregrinus und Röschen aber besonders an Weihnachtsabenden und beschenkt ihren Sohn mit Spielzeug.

Zensur und Bezug zur Demagogenverfolgung

Hoffmann plante das Märchen ab August 1821, nachdem er aus der preußischen „Immediat-Kommission zur Ermittlung hochverräterischer Verbindungen und anderer gefährlicher Umtriebe“ ausgeschieden war. Wegen Krankheit schrieb er unter erschwerten Bedingungen; die letzten Kapitel diktierte er. Das letzte Kapitel schickte er am 1. März 1822 an Julius Eduard Hitzig. Hoffmann erlebte die Veröffentlichung und erste Rezensionen noch, starb jedoch am 25. Juni 1822.

Die Erstfassung erschien im April 1822 zensiert und um zwei Kapitel gekürzt. Besonders die Knarrpanti-Handlung wurde als Satire verstanden. Sie spielt auf Hoffmanns Tätigkeit in der Untersuchungskommission seit 1819 an, die im Zusammenhang mit der Demagogenverfolgung nach den Karlsbader Beschlüssen gegen Burschenschaften und Turnbewegung stand. Hoffmann hatte dem Polizeiministeriumsvertreter Karl Albert von Kamptz widersprochen, der Friedrich Ludwig Jahn öffentlich für überführt erklärte, obwohl kein konkretes rechtliches Vergehen vorgeworfen wurde.

Die Figur Knarrpanti erinnert an Kamptz: Beide behandeln Tagebücher und vermutete Gesinnungen als belastende Beweise. Als Vorbild dient auch der Fall des Studenten Gustav Asverus: Kamptz deutete dessen Tagebuchsatz „heute war ich mordfaul“ so, als könne Asverus schon Morde begangen haben und an diesem Tag nur zu faul dazu gewesen sein. In der Erzählung reißt Knarrpanti Aussagen über „Entführung“ aus ihrem Zusammenhang. Das Manuskript wurde am 17. Januar 1822 beim Verleger Friedrich Wilmans beschlagnahmt; gegen Hoffmann begann ein Disziplinarverfahren, das wegen seines baldigen Todes nicht abgeschlossen wurde. Die gestrichenen Stellen wurden 1906 von Georg Ellinger entdeckt und 1908 von Hans von Müller veröffentlicht.

Deutungen und Wirkung

Zeitgenössische Kritiker sahen die Erzählung oft als uneinheitlich an. Heinrich Heine schrieb, das Buch habe „keine Haltung, keinen großen Mittelpunkt, keinen inneren Kitt“. Neuere Deutungen verstehen die Verworrenheit dagegen teilweise als bewusstes Stilmittel. Je nach Auslegung des Schlusses wird das Werk als Satire auf Justiz, Wissenschaft, Wirtschaft, Staat, Gesellschaft sowie Kultur und Literatur, als humoristische oder als ironisch-resignative groteske Märchensatire gelesen.

Wichtig ist Peregrinus’ Entwicklung: Er beginnt als weltfremder Einzelgänger und wird Ehemann und Vater. Die Gedankenlinse steht in einer Deutung für unbestechliche Vernunft, führt bei ihm aber auch zu Misstrauen. Seine Liebe zu Röschen und das dadurch gestärkte Vertrauen ersetzen das Gedankenlesen. Umstritten bleibt, ob der Rückzug ins private Leben als Reifung, Versöhnung mit der Wirklichkeit oder als Resignation zu bewerten ist.

Der Gegensatz zwischen Peregrinus und seinem Vater verbindet diese Entwicklung mit der Kritik an einer pragmatischen Handelswelt. Der Vater, ein erfolgreicher Kaufmann, fordert Geschäft und gesellschaftlichen Standpunkt; Peregrinus sucht dagegen das Wunderbare und die Phantasie. Als Handlungsort wählte Hoffmann den Typus einer Handelsstadt. Das Werk wurde später unter anderem als Lesung, Theaterfassung und mit Illustrationen adaptiert.

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