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Maximilien de Robespierre
Er wirkte ab 1789 auf die Französische Revolution ein und gewann bis kurz vor seiner Hinrichtung 1794 einen zunehmend prägenden Einfluss auf ihre Entwicklung.
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Bedeutung und Ausgangspunkt
Maximilien de Robespierre (* 6. Mai 1758 in Arras; † 28. Juli 1794 in Paris), meist Maximilien Robespierre genannt, war ein französischer Rechtsanwalt, Revolutionär und führender Politiker der Jakobiner. Er beeinflusste die Französische Revolution seit 1789 zunehmend und gehörte 1793/94 zu den wichtigsten Initiatoren der als Verteidigung der Republik begründeten Terrorherrschaft (la Terreur). Sein Beiname lautete „der Unbestechliche“ (L'Incorruptible).
Robespierre stammte aus einer angesehenen Advokatenfamilie. Nach dem Tod seiner Mutter 1764 und seines Vaters 1777 erhielt er eine Ausbildung am Pariser Collège Louis le Grand. Er beendete sein Studium 1780 mit dem Anwaltsexamen und wurde 1781 Lizenziat. Anschließend arbeitete er in Arras als Anwalt und erwarb sich den Ruf eines „Anwalts der Armen“. Im sogenannten Blitzableiterfall von 1783 verteidigte er einen Hausbesitzer gegen Vorurteile gegenüber einem Blitzableiter und stellte diesen als Förderer wissenschaftlicher Erkenntnis dar. Ein Richteramt gab er auf, weil er einen Verbrecher zum Tode verurteilen sollte; damals lehnte er die Todesstrafe strikt ab.
Politische Ziele in der Revolution
1789 wurde Robespierre als Vertreter des dritten Standes von Arras in die Generalstände gewählt. Als sich deren Vertreter des dritten Standes am 17. Juni 1789 zur Nationalversammlung erklärten, begann die Französische Revolution. Robespierre vertrat zunächst Forderungen, die in der gemäßigteren Mehrheit wenig Unterstützung fanden: Pressefreiheit, Abschaffung der Sklaverei in den Kolonien, Aufhebung der Todesstrafe, Beseitigung der Privilegien von Klerus und Adel sowie allgemeines Wahlrecht für alle Männer. Für Volksvertreter sollten nur „Tugend und Begabung“ zählen; außerdem verlangte er begrenzte Amtszeiten.
Er schloss sich dem linken Jakobinerklub an und wurde im März 1790 dessen Präsident. Bis 1791 unterstützte er eine konstitutionelle Monarchie, also eine Monarchie mit Verfassung, lehnte aber ein königliches Recht ab, über Krieg und Frieden zu entscheiden. Nach dem Fluchtversuch Ludwigs XVI. im Juni 1791 wandte er sich gegen den König. Beim Streit über einen Krieg gegen Preußen und Österreich sprach Robespierre am 2. Januar 1792 dagegen: Ein „Revolutionsexport“ durch bewaffnete Missionare sei nicht erfolgversprechend.
Er trat für politische Gleichheit vor dem Gesetz und gleiche Chancen in der Politik ein, nicht aber für Gleichheit des Vermögens. Im April 1793 versicherte er den Reichen, ihre Schätze nicht anzutasten. Die von ihm vertretene Gleichheit galt auch nicht für Frauen. Bei der Verfassung von 1793 setzte er unter anderem ein Recht auf Sozialunterstützung und Arbeit, eine Progressivsteuer, also steigende Steuersätze bei höherem Einkommen, sowie eine Begrenzung des Eigentumsrechts durch. Als Staatsziel sollte das „allgemeine Glück“ (bonheur commun) gelten.
Konvent und Terrorherrschaft
Nach dem Tuileriensturm vom 10. August 1792 wurde Robespierre Mitglied der aufständischen Kommune von Paris und am 5. September 1792 in den Nationalkonvent gewählt. Dort führte er mit Georges Danton und Jean Paul Marat die Bergpartei. Er rechtfertigte revolutionäre Gewalt als Bedingung des Gelingens der Revolution. Im Prozess gegen Ludwig XVI. verlangte er dessen Hinrichtung: Der König müsse sterben, „weil es Not tut, dass das Vaterland lebe“. Ludwig XVI. wurde am 21. Januar 1793 guillotiniert.
Am 27. Juli 1793 trat Robespierre in den zwölfköpfigen Wohlfahrtsausschuss ein und wurde nach Dantons Ausscheiden dessen führender Politiker. Die revolutionäre Notstandsregierung ersetzte während des Krieges die neue demokratische Verfassung. In seiner Rede vom 5. Februar 1794 begründete er dies mit „Tugend und Schrecken zugleich“: Der Schrecken sei eine „schleunige, strenge und unbiegsame Gerechtigkeit“ und eine Folge der Tugend.
Robespierre unterstützte Maßnahmen gegen als „Feinde der Revolution“ bezeichnete Personen. Gegner wie die Enragés um Jacques Roux, die Hébertisten um Jacques-René Hébert sowie Danton, Camille Desmoulins und ihre Anhänger wurden verhaftet und hingerichtet. Das Prairial-Dekret vom 10. Juni 1794 erlaubte, Angeklagte ohne Rechtsbeistand vor das Revolutionstribunal zu bringen; auch Konventsmitglieder brauchten dafür keinen Mehrheitsbeschluss mehr. In den 49 Tagen bis zu Robespierres Sturz wurden 1376 Personen zum Tod verurteilt. Daher gilt das Dekret als Beginn des „Großen Terrors“.
Sein politisches Denken bezog sich auf Jean-Jacques Rousseaus volonté générale, den Gemeinwillen: Dieser orientiere sich am Gemeinwohl und gelte absolut. Für Robespierre konnten Gegner der Republik deshalb nur ihre Überzeugungen ändern oder sterben. Seit Frühjahr 1794 propagierte er zudem den Kult des höchsten Wesens; am 8. Juni führte er beim entsprechenden Fest eine Prozession an.
Sturz und Tod
Am 26. Juli 1794 behauptete Robespierre im Konvent, im Wohlfahrtsausschuss, Konvent und Sicherheitsausschuss bestehe eine Verschwörung gegen die öffentliche Freiheit, nannte aber keine konkreten Personen. Dadurch fürchteten viele Abgeordnete, selbst angeklagt zu werden. Am 9. Thermidor, dem 27. Juli 1794, ließ der Nationalkonvent Robespierre, Louis Antoine de Saint-Just und Georges Couthon fast einstimmig verhaften, um den Terror zu beenden.
Robespierre konnte sich zunächst befreien und versammelte sich mit Anhängern im Pariser Rathaus. Beim Sturm der Nationalgarde wurde sein Unterkiefer durch eine Kugel zerschmettert; laut Artikel ist unklar, ob ein Gendarm schoss oder ob es ein Suizidversuch war. Am 28. Juli 1794 wurden Robespierre und 21 Anhänger ohne vorherigen Prozess guillotiniert. Danach folgten 83 weitere Anhänger. Sie wurden zunächst in einem Massengrab auf dem Cimetière des Errancis bestattet; ihre Gebeine kamen im 19. Jahrhundert in die Katakomben von Paris.
Einordnung und umstrittene Bewertung
Robespierre hielt von Mai 1789 bis Juli 1794 rund 650 Reden und galt als einer der brillantesten und scharfzüngigsten Redner der Revolution. Seine kompromisslose Politik und sein Eintreten für den Terror im Namen der Tugend führten nach dem Artikel zur blutigsten Phase der Revolution und zu seiner politischen Isolierung. Er verlor sowohl Unterstützung bei der radikalisierten Volksbewegung, deren Forderungen nach Besitzverteilungen und sozialen Maßnahmen unerfüllt blieben, als auch bei bürgerlichen Gruppen, die eine Umverteilung des Eigentums fürchteten.
Die historische Bewertung der Terror-Maßnahmen ist umstritten. François Furet und Denis Richet sahen die Revolution durch die Gewalt der Notstandsdiktatur diskreditiert. Albert Soboul betrachtete den Terror dagegen als staatspolitische Notwendigkeit, um die von mehreren Seiten bedrohte Revolution zu retten. Der Artikel nennt außerdem die These, dass Robespierres Verbindung von Volk, Repräsentation und Tugend den Terror strukturell begünstigt habe, weil sie eine Trennung zwischen dem Volk und vermeintlichen Feinden ermöglichte.