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Mashup (Musik)

Die variable künstlerische Neu-Interpretation der Tonaufnahme eines Songs bezeichnet man als Remix. Mashups zählen zudem oft zu den sogenannten Bootlegs …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Definition und Grundprinzip
  2. 2. Ausprägungen, Medien und Recht
  3. 3. Entwicklung und bekannte Beispiele
  4. 4. Beispiele und Abgrenzungen

Definition und Grundprinzip

Ein Mashup, auch Bastard-Pop oder Bootie genannt, ist eine Ende der 1980er Jahre entstandene musikalische Technik. Durch Sampling (Übernahme von Ausschnitten aus bestehenden Tonaufnahmen) werden Aufnahmen verschiedener Interpreten zu einer Musikcollage zusammengemischt.

Die häufigste Form heißt „A vs. B“: Die Gesangsspur eines Titels wird mit der Instrumentalspur eines anderen verbunden. Häufig werden außerdem Gesangs- und Instrumentalteile beider Vorlagen weiterbearbeitet. Dadurch werden nicht nur Klänge, sondern auch Liedtexte in einen neuen Zusammenhang gestellt. Große Samples können dabei ganze Strophen oder Refrains übernehmen und neu verbinden.

Der typische Effekt entsteht aus zwei Gegensätzen: Die Vorlagen passen musikalisch überraschend gut zusammen, stammen aber oft aus deutlich verschiedenen Stilen, Genres, Milieus oder Images. Als Quellen dienen häufig Glam Rock der 1970er, New Wave der 1980er und One-Hit-Wonder der 1990er Jahre; diese werden teils mit aktuellen, tanzbaren Charttiteln kombiniert.

Ausprägungen, Medien und Recht

Der Begriff Mashup wird nicht einheitlich verwendet. Er kann auch Remixe meinen, die Microsampling nutzen, aber weiterhin zwei Vorlagen aufeinanderprallen lassen. Ein Beispiel ist DJ Danger Mouses The Grey Album (2003): Raps aus Jay-Zs Black Album werden mit komplex neu arrangiertem Material des sogenannten White Album der Beatles verbunden. Andere Arbeiten schaffen mit Sampling vor allem tanzbare Collagen, ohne zwei Künstler großflächig gegenüberzustellen; als international bekanntester Vertreter dieser Richtung wird Girl Talk genannt.

Mashups werden oft durch Bastard-Pop-Videos ergänzt, die Material aus den Musikvideos der Vorlagen verwenden. Auch Foto-Mashups und Titel, die aus den Namen der Vorlagen zusammengesetzt sind, kommen vor. Treffen Vokalparts mehrerer Stücke aufeinander, können neue textliche Wechselwirkungen entstehen, die manchmal wenig Sinn ergeben, manchmal neue Bedeutungen erzeugen.

Die ungenehmigte Verwendung fremder Tonaufnahmen in diesem Umfang verletzt nach der dargestellten derzeitigen Rechtslage regelmäßig Urheberrechte der Komponisten und Textdichter, Leistungsschutzrechte der hörbaren Musiker sowie das Tonträgerherstellerrecht. Für Sampling gibt es – anders als bei Coverversionen – keinen über Verwertungsgesellschaften wie die GEMA standardisierten, rechtlich sicheren und wirtschaftlich realistischen Weg zu Lizenzen. Mashup bezeichnet zudem Praktiken in Software, Websiteprogrammierung, Fotografie und Literatur und wird als Teil einer digitalen Kultur der Referenzialität beschrieben: Material Dritter wird adaptiv weiterverarbeitet.

Entwicklung und bekannte Beispiele

Ein frühes kommerziell erfolgreiches Mashup war 1988 The Timelords’ Doctorin’ In the Tardis von The KLF. Es verband das Dr.-Who-Thema mit Gary Glitters Rock and Roll Part II und The Sweets Blockbuster. 1995 veröffentlichte The Evolution Control Committee die Bastard-Pop-Single The Whipped Cream Mixes, die Public Enemy und Herb Alpert mischte.

Weil die Stücke zunächst ohne Genehmigung der Rechteinhaber entstanden, wurden sie auf illegalen White-Label-Vinyls verkauft. Mit Internet-Tauschbörsen Anfang der 2000er Jahre verbreitete sich Bastard Pop stark; DJs veröffentlichten Stücke meist unter Pseudonymen. Später wurde das Genre auch zum Marketinginstrument: Der deutsche MTV-Ableger sendete Mash, und der Sender Deluxe zeigte regelmäßig Mashup-Videoclips.

Lizenzierte Veröffentlichungen erschienen ab 2001 von Soulwax unter dem Projektnamen Too Many DJs. Das kommerzielle Numb/Encore von Jay-Z und Linkin Park kam Ende 2004 in die Charts. Die Verbreitung von The Grey Album führte im Frühjahr 2004 zu einer breiten Diskussion über Copyright und Remixkultur. Mylo veröffentlichte am 5. September 2005 Doctor Pressure, ein Mashup aus Drop the Pressure und Miami Sound Machines Dr. Beat; es erreichte 2005 Platz 3 der UK-Charts und Platz 31 in Deutschland. Das Kürzel „vs.“ zwischen Interpretennamen ist typisch für die Kennzeichnung eines Mashups.

Beispiele und Abgrenzungen

Ein klassisches „A vs. B“-Beispiel ist A Stroke of Genie-us von Roy Kerr alias Freelance Hellraiser aus dem Jahr 2001: Es verbindet Christina Aguilera und The Strokes und machte Mashup einem breiteren Publikum bekannt. Der DJ Wax Audio kombinierte unter anderem Metallica mit Stevie Wonder sowie Pink Floyd mit Bee Gees.

Als legale kommerzielle Mashups nennt der Artikel beispielsweise Alex Gaudinos Destination Calabria, LMCs Take Me to the Clouds Above, Mousse T. vs. The Dandy Warhols’ Horny As A Dandy und David Guetta vs. The Eggs Love Don’t Let Me Go (Walking Away). Jahresrückblick-Mashup-Videos sind unter anderem United State of Pop von DJ Earworm und Pop-Love von Robin Skouteris.

Abzugrenzen ist das Mashup vom Medley oder Megamix, das Musikstücke oder Teile davon lediglich aneinanderreiht. Ein Cover ist eine variable künstlerische Neuinterpretation eines Songs; ein Remix ist eine variable künstlerische Neuinterpretation seiner Tonaufnahme. In der klassischen Musik gibt es mit dem Quodlibet ebenfalls Formen der Vermischung unterschiedlicher Werke. Mashups zählen oft zu Bootlegs beziehungsweise „Booties“, die teilweise als White Label auf Vinyl erschienen.

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