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Martyna Linartas
Martyna Linartas. deutsche Politologin und Publizistin zu Aspekten sozialer Ungleichheit. Artikel · Diskussion.
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Person und Forschungsschwerpunkte
Martyna Berenika Linartas (* 8. Mai 1990 in Posen) ist eine deutsche Politikwissenschaftlerin und Autorin. Sie untersucht vor allem die Ungleichheit in der Vermögensverteilung und Möglichkeiten zur Umverteilung von Reichtum. Dabei beschäftigt sie sich besonders mit den Einstellungen wirtschaftlicher Eliten zu Vermögensunterschieden und zur Steuerpolitik. Sie lehrt an der Freien Universität Berlin (FU Berlin) und an der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz. Außerdem leitet sie die Wissensplattform ungleichheit.info, gehört zur Inequality Steering Group der Denkfabrik Forum New Economy und ist seit Anfang 2026 Mitherausgeberin des Wirtschaftsmagazins Surplus.
Lebensweg und wissenschaftliche Ausbildung
Linartas zog 1992 als einjähriges Kind mit ihren Eltern aus Polen nach Deutschland. Die Familie lebte zunächst ein Jahr in einer Obdachlosenunterkunft in Kiel und war anfangs von Armut betroffen. Ihre Mutter hatte in Polen Physik, ihr Vater Philosophie studiert; beide mussten sich in Deutschland beruflich neu orientieren.
Bei Besuchen von Verwandten in Mexiko begegnete Linartas sowohl dem großen Wohlstand auf einem weitläufigen Anwesen als auch sichtbarer Armut. Diese Gegensätze beschreibt sie als Ausgangspunkt ihres Interesses an sozialer und ökonomischer Ungleichheit. Sie studierte Politikwissenschaft an der FU Berlin, um die Ursachen von Reichtum und Armut sowie die Folgen großer Vermögensunterschiede besser zu verstehen.
Am Fachbereich Philosophie der FU arbeitete sie im Drittmittelprojekt The Deserving Rich. 2023 wurde sie bei Marianne Braig und Philipp Lepenies mit summa cum laude promoviert. Für ihre Dissertation untersuchte sie, wie wirtschaftliche Eliten in Deutschland und Mexiko Vermögensungleichheit und Steuerpolitik beurteilen. Dafür führte sie zahlreiche Interviews mit Vorstandsvorsitzenden, Aufsichtsratsvorsitzenden und weiteren Angehörigen der Management-Eliten.
Neben ihrem Masterstudium absolvierte Linartas während des Bundestagswahlkampfs 2017 in der Bundesgeschäftsstelle von Bündnis 90/Die Grünen eine Ausbildung zur Pressereferentin. Von 2018 bis 2021 war sie studentische Hilfskraft im Bundestagsbüro von Annalena Baerbock. Kontakte aus dieser Tätigkeit, Verbindungen ihres Onkels zur mexikanischen Finanzverwaltung und ein frühes Interview mit dem damaligen Siemens-CEO Joe Kaeser erleichterten ihr den Zugang zu weiteren Gesprächspartnern aus den Wirtschaftseliten. 2022 gründete sie die Plattform ungleichheit.info.
Befunde und politische Positionen
In ihrem 2025 im Rowohlt Verlag erschienenen Buch Unverdiente Ungleichheit stellt Linartas Ergebnisse ihrer Forschung zur Vermögensverteilung vor. Nach ihren Befunden halten etwa 80 Prozent der von ihr befragten Personen aus den Wirtschaftseliten die bestehende Einkommens- und Vermögensungleichheit für zu groß und für eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Rund ein Drittel sprach sich für eine stärker progressive Erbschaftsteuer aus. Progressiv bedeutet hier, dass die steuerliche Belastung mit der Höhe des Erbes stärker ansteigt. Eine Vermögenssteuer lehnten die Befragten dagegen nahezu einhellig ab.
Linartas warnt vor politischen Folgen großer Vermögensunterschiede. Ihrer Auffassung nach kann Vermögensungleichheit zusammen mit Sparpolitik, Abstiegsängsten und dem Einfluss finanzstarker Lobbygruppen das Erstarken rechtsextremer Parteien wie der AfD begünstigen. Sie fordert deshalb tiefgreifende Reformen der Steuer- und Verteilungspolitik.
Die Einschätzungen ihres Buches fallen unterschiedlich aus. Michael Wolf empfahl es im Deutschlandfunk Menschen, die grundlegende Reformen wünschen; nach seiner Einschätzung lasse es eine Umverteilung von Vermögen sowohl möglich als auch vernünftig erscheinen. Der NDR urteilte, Linartas widerlege Grundannahmen des Neoliberalismus eindrucksvoll. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kritisierte dagegen eine einseitige Auswahl der Quellen, argumentative Einseitigkeit und eine lückenhafte Erklärung der Ursachen. Sie bewertete das Ergebnis des Buches im Verhältnis zur Stärke der geäußerten Empörung als schwach.
Veröffentlichungen
Linartas’ Dissertation erschien 2023 an der Freien Universität Berlin unter dem Titel Different But Same. The Role of the Inheritance Tax and Narratives of the Economic Elites for Wealth Inequality in OECD States: The Cases of Mexico and Germany. Sie behandelt die Rolle der Erbschaftsteuer und der Erzählungen wirtschaftlicher Eliten für die Vermögensungleichheit in Deutschland und Mexiko.
Gemeinsam mit Stefan Gosepath veröffentlichte sie im November 2022 bei der Friedrich-Ebert-Stiftung Deutschland auf dem Weg zur Erbengesellschaft. Wie Erbschaften und Schenkungen gegen Prinzipien der Gerechtigkeit verstoßen und unsere Demokratie gefährden. Ihr Buch Unverdiente Ungleichheit. Wie der Weg aus der Erbengesellschaft gelingen kann erschien 2025 bei Rowohlt in Reinbek bei Hamburg.