Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Martin Gardner
Martin Gardner (* 21. Oktober 1914 in Tulsa, Oklahoma; † 22. Mai 2010 in Norman, Oklahoma) war ein US-amerikanischer Wissenschaftsjournalist.
Inhalt6 Abschnitte
Bedeutung und Tätigkeit
Martin Gardner (* 21. Oktober 1914 in Tulsa, Oklahoma; † 22. Mai 2010 in Norman, Oklahoma) war ein US-amerikanischer Wissenschaftsjournalist und Vermittler mathematischer Ideen. Besonders bekannt wurde er durch seine monatliche Kolumne „Mathematical Games“ im Magazin Scientific American. Von Januar 1957 bis 1982 stellte er darin überraschende mathematische Zusammenhänge, Rätsel, Spiele und Themen der Unterhaltungsmathematik verständlich dar. Unterhaltungsmathematik beschäftigt sich spielerisch mit mathematischen Problemen, ohne dass deren wissenschaftlicher Gehalt dadurch geringer sein muss.
Gardner verstand sich vor allem als Journalist: Er erklärte überwiegend Ideen, die andere entwickelt hatten. Dennoch gelangen ihm auch einige kleinere mathematische Entdeckungen und Veröffentlichungen. Seine Erdős-Zahl betrug 2; diese Zahl beschreibt den Abstand eines Forschers zu Paul Erdős über gemeinsame mathematische Veröffentlichungen. Mit seiner Kolumne beeinflusste Gardner eine ganze Generation von Wissenschaftlern. Donald E. Knuth bezeichnete ihn und seine Kolumne als wesentlichen Einfluss und als Vorbild.
In Deutschland wurden Gardners Themen unter anderem durch den Physiker und Wissenschaftsautor Heinz Haber bekannt. Seit 1964 erschienen deutsche Übersetzungen seiner Bücher. Mit dem Start von Spektrum der Wissenschaft, der deutschen Ausgabe von Scientific American, wurden auch seine Kolumnen auf Deutsch veröffentlicht.
Ausbildung und beruflicher Weg
Gardners Vater war Geologe und zeigte seinem Sohn erste Zauberkunststücke. Dies weckte Gardners Interesse an ungewöhnlichen Zusammenhängen. An der University of Chicago wollte Gardner zunächst zwei Jahre studieren, anschließend an das Caltech wechseln und einen Abschluss in Physik erwerben. Weil ihn die Philosophie stärker faszinierte, gab er diesen Plan auf. 1936 schloss er sein Studium mit einem B.A. in Philosophie ab. Außerdem besuchte er Kurse des Philosophen Rudolf Carnap.
Während der Great Depression arbeitete Gardner in verschiedenen Berufen, bevor er als Public-Relations-Texter der University of Chicago hauptsächlich über wissenschaftliche Themen schrieb. 1941 wurde er zur United States Navy eingezogen. Den Zweiten Weltkrieg verbrachte er auf dem Geleitzerstörer Pope, der Geleitfahrten im Atlantischen Ozean durchführte.
Nach dem Krieg kehrte Gardner an die Universität zurück, verließ sie jedoch nach einem Jahr ohne weiteren Abschluss. Danach arbeitete er als freiberuflicher Schriftsteller und veröffentlichte regelmäßig Kurzgeschichten in Esquire. Bis 1956 schrieb er außerdem für Kinderzeitungen und Kinderzeitschriften. Dabei begann er, sich mit mathematischen Rätseln und ähnlichen Aufgaben zu beschäftigen. Diese Arbeit bildete den Ausgangspunkt seiner späteren wissenschaftsjournalistischen Laufbahn.
Gardner war mit Isaac Asimov eng befreundet und gehörte zu dessen Autorenkreis. Er war verheiratet und hatte zwei Söhne. Von den 1950er bis in die 1970er Jahre lebte er in Hastings-on-Hudson bei New York City, ab 1979 in Hendersonville, North Carolina. Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 2000 zog er 2002 nach Norman, Oklahoma, in die Nähe seines Geburtsorts und eines seiner Söhne.
Die Kolumne Mathematical Games
Eine Veröffentlichung, die aus Gardners mathematischen Rätseln für Kinder hervorgegangen war, und ein eigenständiger Artikel führten zu seinem Vertrag mit Scientific American. Ab Januar 1957 schrieb er 25 Jahre lang die monatliche Kolumne „Mathematical Games“. 1979 wollte er sich im Alter von 65 Jahren allmählich zurückziehen, blieb aber bis 1982 Kolumnist. Im letzten Jahr wechselte er sich bereits mit Douglas R. Hofstadter ab. Hofstadter übernahm die Kolumne 1982 unter dem Titel „Metamagical Themas“, einem Anagramm von „Mathematical Games“.
Gardner machte zahlreiche mathematische Ideen einem breiten Publikum zugänglich. Dazu gehörten Flexagone, also gefaltete Papierstreifen, die sich so wenden lassen, dass neue Flächen sichtbar werden, sowie Polyominos, aus gleich großen, kantenweise verbundenen Quadraten zusammengesetzte Figuren. Als dreidimensionales Gegenstück behandelte er den Somawürfel, ein siebenteiliges Würfelpuzzle.
Weitere Themen waren John Conways „Spiel des Lebens“, das Brettspiel „Nash“ beziehungsweise „Hex“, Tangram, Sprouts, Superellipsen, der Turm von Hanoi und die Penrose-Parkettierung. Eine Parkettierung ist eine lückenlose und überlappungsfreie Bedeckung einer Fläche; die von Roger Penrose entwickelten Muster besitzen keine periodische Wiederholung. Gardner schrieb zudem über Kryptanalyse, besonders über Falltürchiffren, über Fraktale, das Werk von M. C. Escher und die Simulation Wator von Alexander K. Dewdney. Dadurch verband seine Kolumne Rätsel und Spiele mit Geometrie, Informatik, Verschlüsselung und weiteren wissenschaftlichen Gebieten.
Philosophie, Religion und Skeptizismus
Nach dem Ende seiner Scientific-American-Kolumne veröffentlichte Gardner 1983 „The Whys of a Philosophical Scrivener“. Darin formulierte er seine philosophischen Auffassungen zu zahlreichen gesellschaftlichen Fragen. Später bezeichnete er dieses Buch als sein Lieblingswerk.
Gardner war als christlicher Fundamentalist aufgewachsen, gehörte später jedoch keiner organisierten Religion an. Trotzdem verstand er sich als philosophischer Theist und glaubte an einen personalen Gott.
Er war Mitbegründer des Committee for Skeptical Inquiry, einer Organisation zur kritischen Untersuchung außergewöhnlicher und pseudowissenschaftlicher Behauptungen. Für die Zeitschrift Skeptical Inquirer schrieb er bis 2002 die Kolumne „Notes of a Fringe Watcher“. Danach veröffentlichte er dort bis kurz vor seinem Tod nur noch unregelmäßig Beiträge.
Bücher und thematische Vielfalt
Aus „Mathematical Games“ und weiteren Anregungen entstanden rund 60 Bücher, die Gardner bis kurz vor seinem Tod veröffentlichte. Es handelte sich fast ausschließlich um Sachtexte. Viele Bände sammelten seine Kolumnen und behandelten mathematische Rätsel, Paradoxien, Spiele und Probleme. Zu den englischen Titeln gehören „Mathematical Puzzles and Diversions“ von 1959, „The Ambidextrous Universe: Mirror Asymmetry and Time-Reversed Worlds“ von 1964, „The Colossal Book of Mathematics: Classic Puzzles, Paradoxes, and Problems“ von 2001 und „Are Universes Thicker Than Blackberries?“ von 2003.
Gardner schrieb außerdem über Geheimschriften, Logik, Pseudowissenschaft und Philosophie. „Codes, Ciphers and Secret Writing“ von 1972 war ein Sachbuch für Kinder. „Fads and Fallacies in the Name of Science“ erschien 1957, „Science: Good, Bad, and Bogus“ 1990.
Ein weiterer Schwerpunkt waren kommentierte Ausgaben literarischer Werke. Gardner versah alle Alice-Bücher und mehrere Gedichte von Lewis Carroll mit Erläuterungen, darunter „The Annotated Alice“ von 1960, dessen Neufassung „The Definitive Edition“ 1999 erschien. In diesen Arbeiten verband er literarische Anspielungen mit mathematischen Rätseln. Sein Buch zu Texten von Gilbert Keith Chesterton hatte dagegen ausschließlich literaturwissenschaftlichen und philosophischen Charakter. Erst 2004 veröffentlichte Gardner wieder fiktionale Geschichten, die im Oz-Universum von Frank L. Baum angesiedelt waren.
Zahlreiche Bücher erschienen auf Deutsch, darunter „Mathematische Rätsel und Probleme“ von 1964, „Das gespiegelte Universum“ von 1967, „Relativitätstheorie für alle“, „Mathematischer Karneval“ von 1975, „Mathemagische Tricks“ von 1981 und „Lewis Carroll – Alles über Alice“ von 2002.
Auszeichnungen und Würdigungen
Gardner erhielt mehrere bedeutende Auszeichnungen. 1983 wurde ihm für „Quantum Weirdness“ der Science Writing Award des American Institute of Physics verliehen. 1987 erhielt er den Leroy P. Steele Prize der American Mathematical Society und 2000 den George Pólya Award der Mathematical Association of America.
Seit 1993 werden ihm zu Ehren Konferenzen unter dem Namen „G4G1“ („Gatherings for Gardner“) veranstaltet. 1997 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Auch der Asteroid (2587) Gardner wurde nach ihm benannt.