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Martin Fröst
Zudem ist er als Entwickler von multimedialen Projekten mit Musik, Choreografie und Lichtdesign tätig, in denen er als Klarinettist, Dirigent, Texter und …
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Überblick und Bedeutung
Martin Fröst (* 14. Dezember 1970) ist ein schwedischer Klarinettist und Dirigent. Er tritt international als Solist auf und gilt als einer der renommiertesten Instrumentalsolisten. Besonders bedeutsam ist, dass er als erster Klarinettist mit dem Léonie-Sonning-Musikpreis ausgezeichnet wurde, einer der großen Auszeichnungen der klassischen Musik. Zu früheren Preisträgern gehören unter anderem Igor Strawinsky, Leonard Bernstein, Miles Davis, Daniel Barenboim und Gidon Kremer.
Fröst verbindet klassische Konzerttätigkeit mit experimentellen Formen. Er entwickelt multimediale Projekte, in denen Musik, Choreografie und Lichtdesign zusammenwirken. Dabei tritt er nicht nur als Klarinettist auf, sondern auch als Dirigent, Texter und Conférencier. Der Artikel beschreibt ihn als musikalischen und medialen Grenzgänger, der neu definiere, was es im 21. Jahrhundert bedeuten kann, Klarinettist zu sein, und was ein Orchester sein kann.
Er wurde in Uppsala in Schweden geboren. Mit fünf Jahren begann er Geige zu spielen, mit neun Jahren Klarinette, nachdem er Jack Brymer in einer Aufnahme von Mozarts Klarinettenkonzert gehört hatte. Mit 15 Jahren zog er nach Stockholm, um an der Musikhochschule Klarinette bei Sölve Kingstedt und Kjell-Inge Stevensson zu studieren. Später setzte er seine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater Hannover bei Hans Deinzer fort.
Klarinettist und Repertoire
Als Klarinettist trat Fröst mit vielen Orchestern in Europa, den USA, Japan und China auf. Dazu gehören führende Orchester wie New York Philharmonic, Concertgebouworkest, London Symphony Orchestra, Gewandhausorchester Leipzig, Los Angeles Philharmonic, Münchner Philharmoniker, das Elbphilharmonie-Orchester, NHK Symphony Orchestra, Wiener Symphoniker, Tonhalle-Orchester Zürich und Orchestre de Paris. Von der Saison 2006/07 bis 2008/09 war er Künstler der Reihe „Junge Wilde“ am Konzerthaus Dortmund.
Sein Repertoire umfasst nach eigener Aussage fast alles, „was für die Klarinette recht und gut ist“. Dazu zählen klassische Werke ebenso wie zeitgenössische Kompositionen, die eigens für ihn geschrieben wurden. Genannt werden unter anderem John Adams, Krzysztof Penderecki, Anna Clyne, Anders Hillborg, Kalevi Aho, Rolf Martinsson, Bent Sørensen, Victoria Borisova-Ollas, Karin Rehnqvist und Sven-David Sandström. Mit vielen bekannten Dirigenten und Kammermusikpartnern arbeitete er zusammen.
Eine wichtige Rolle spielt auch neue und grenzüberschreitende Musik. Sein jüngerer Bruder Göran Fröst schreibt für ihn, besonders Klezmer-Musik. 1998 betrat Fröst mit Anders Hillborgs Klarinettenkonzert „Peacock Tales“ Neuland: Das Werk enthält Elemente aus Pantomime und Tanz, unter anderem mit einer gezackten Maske, und wurde weltweit mehr als 300 Mal aufgeführt.
Fröst übernahm auch Leitungs- und Residenzaufgaben. Er war 10 Saisons lang künstlerischer Leiter des schwedischen Vinterfest-Musikfestivals, bis er diese Tätigkeit 2015 beendete. Von 2010 bis 2015 war er gemeinsamer künstlerischer Leiter des Internationalen Kammermusikfestivals in Stavanger. Außerdem war er Assistenzdirigent des Norrköping Symphony Orchestra, künstlerischer Partner des Saint Paul Chamber Orchestra und mehrfach in der Wigmore Hall in London präsent. Als Artist in Residence wirkte er unter anderem 2018–2019 beim hr-Sinfonieorchester Frankfurt am Main und den Bamberger Symphonikern, 2019–2020 beim Tonhalle-Orchester Zürich, 2022–2023 beim Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam und 2023–2024 beim Orchestre de la Suisse Romande. In der Saison 2025–2026 soll er Artist in Residence beim NDR Elbphilharmonie Orchester sein und erstmals auch mit einer silbernen Metallklarinette auftreten.
Dirigent, Preise und Aufnahmen
Seit der Saison 2019/20 ist Fröst Chefdirigent des Schwedischen Kammerorchesters, zunächst für drei Jahre. Vorher dirigierte er bereits als Gastdirigent verschiedene Orchester und leitete Musikfestivals künstlerisch. In einem Interview von Mai 2018 erklärte er, er sei von unterschiedlichen Seiten zum Dirigieren gekommen und habe verschiedene Formen ausprobiert: dirigieren und spielen, nur spielen und das Orchester sich selbst überlassen sowie eine von ihm „Conductography“ genannte Arbeitsweise. Dabei werden Werke mit bestimmter Choreografie in Auftrag gegeben, und das Orchester reagiert auf seine Bewegungen. Er betont dafür gute Ohren, Führungsqualitäten und die Fähigkeit, Musik und Klang zu formen. In der Saison 2023/2024 leitet er das Sinfonieorchester von Kastilien und León.
Fröst erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Dazu gehören der 1. Preis beim Concour de Geneve (1997), der Nippon Music Award (1997) für die Einspielung des Klarinettenkonzerts von Carl Nielsen, der Borletti-Buitoni Trust Award (2003), die Auszeichnung BBC Radio 3 New Generation Artist (2003–2005), Litteris et Artibus (2012), der Léonie-Sonning-Musikpreis (2014), der ECHO Klassik Instrumentalist of the Year Award in der Kategorie Klarinette 2016 für die CD „Roots“ und der Opus Klassik Instrumentalist of the Year Award in der Kategorie Klarinette 2021 für die CD „Vivaldi“ (2019/2020). Für 2026 wird der Kulturpreis des schwedischen Buchverlags Natur & Kultur genannt, unter anderem für seine Erneuerung des Ausdrucks der Klassischen Musik, seinen künstlerischen Mut und sein pädagogisches Engagement.
Zu seinen Aufnahmen zählen Klarinettenkonzerte von Mozart, Crusell, Weber, Nielsen, Hindemith, Copland und Aho sowie Werke für Klarinette und Klavier, darunter die Sonaten op. 120 von Brahms mit Roland Pöntinen. Die CD „Roots“ von 2016 erforscht Musik von Gregorianischen Gesängen und Hildegard von Bingen über Telemann, Klezmer, Volksmusik, Tango und Klassik bis zu neuen Werken von Hans Ek, Göran Fröst und Anders Hillborg. Auf der CD „Vivaldi“ von April 2020 spielt er mit Concerto Köln auf einer eigens eingerichteten Buchsbaumklarinette Stücke aus Opern und Oratorien von Antonio Vivaldi, obwohl es zu Vivaldis Zeit noch keine Klarinette gab. 2022 folgte „Nachtpassaggen“ mit Werken verschiedener Komponisten, und im Oktober 2025 die CD „B.A.C.H.“ mit für Klarinette und andere Instrumente arrangierten Werken von Johann Sebastian Bach.
Bühnenprojekte
Seit 2013 bringt Fröst etwa alle zwei bis drei Jahre größere Bühnenprojekte heraus. In ihnen ist er Klarinettist, Dirigent, Texter, Zeremonienmeister, Schauspieler und gelegentlich auch Tänzer. Er entwickelt diese Projekte mit dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra sowie mit Komponisten, Choreografen und Lichttechnikern. Die Projekte heißen „Dollhouse“, „Genesis“, „Retropia“ und „Exodus“ beziehungsweise „XODUS“. Der Artikel beschreibt Fröst damit zugleich als Trendsetter und als Wahrer der Tradition.
„Dollhouse“ wurde im Oktober 2013 uraufgeführt und dauert etwa 1:35 h. Es verbindet Kompositionen von Göran Fröst, Paul Dukas, Bent Sörensen, Manuel de Falla und Anders Hillborg mit Choreografie und Licht. Es war Frösts erste Zusammenarbeit mit dem Lichtdesigner und Choreografen Linus Fellbom. Fröst beschreibt das Projekt als ein Konzert über Befreiung, Bewegung und unsichtbare Fäden, mit Bezügen zu Petruschka und Pinocchio.
„Genesis“ von 2015 ist ein Programm aus etwa einem Jahrtausend Musikgeschichte. Es reicht von griechischer Musik des 2. Jahrhunderts über Hildegard von Bingen, Telemann, Piazzolla, Messiaen, Lutoslawski und Hillborg bis zu volkstümlicher Musik von Bartók und Klezmer-Tänzen von Goran Fröst. Alte und neue Musik sowie Musik aus aller Welt werden verbunden. Die Aufführungsdauer beträgt etwa 1:42 h.
„Retropia“ wurde am 18. Mai 2018 in Stockholm uraufgeführt und dauert etwa 1:45 h mit Zugabe. Der Titel verbindet „Retro“ und „Utopia“: Rückblick und Zukunftsentwurf. Rückblickend erklingen unter anderem Mozarts Ouvertüre zu „Die Hochzeit des Figaro“ und Beethovens Vierte Sinfonie. Gegenwart und Zukunft erscheinen in Werken von Victoria Borisova-Ollas, Jacob Mühlrad, Göran und Martin Fröst sowie Jesper Nordin. In „Emerge“ werden Bewegungssensoren und das technologische Instrument „Gestrument“ eingesetzt, sodass Bewegungen Frösts in Klang verwandelt werden.
„XODUS (The Way Out Lies Within)“ kam wegen der Pandemie mit einem Jahr Verspätung am 5. Mai 2022 im Stockholmer Konserthuset auf die Bühne. Beteiligt waren mehr als 100 Personen, außerdem gab es Live-Malerei auf einer großen Leinwand. Die Aufführungsdauer beträgt etwa 75 Minuten. Texte mit englischen Untertiteln und Live-Bilder stammen von Jesper Waldersten. Fröst trat als Klarinettist, Dirigent des Königlichen Philharmonischen Orchesters Stockholm und eines Kammerchors sowie als Zeremonienmeister auf. Die Musik verbindet Werke von Bach, Händel, Mozart, Brahms, Verdi und Bartók mit zeitgenössischen Stücken schwedischer Komponisten und bearbeiteten traditionellen Stücken.
Stiftung und Privates
2019 gründete Fröst die Martin Fröst Foundation. Ihr Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen in Schweden und anderen Ländern Musikunterricht und Zugang zu Instrumenten zu ermöglichen. Hauptsponsor ist die Firma Buffet Crampon, die Instrumente spendet und finanzielle Unterstützung leistet. Daneben kann die Stiftung durch einmalige oder monatliche Zuwendungen unterstützt werden.
Privat lebt Martin Fröst mit seiner Ehefrau Karin, geborene Berglund, und seinen beiden Kindern in Stockholm.